Review: 22 Bullets (Film)

Nachdem es gestern fast ein wenig stressig war, alle mehr oder minder interessanten Filme zu sichten und auch noch zu jedem dieser Filme ein paar schmissige Zeilen aufs digitale Papier zu rotzen, war ich eigentlich froh, heute wieder „nur“ eine einfache Rezension schreiben zu müssen.

Trotzdem konnte ich mich zeittechnisch so verkalkulieren, dass wir nunmehr wieder fast halb Elf haben. Aber was tut man nicht alles für die Kunst, oder zumindest für Ruhm und Ehre, naja oder fürs Hobby. Ist auch egal, denn Hauptsache ich habe es gemacht und deshalb könnt ihr gleich im Anschluss an dieses Geschwafel meine Rezension zu 22 Bullets genießen.

Vorab eine Warnung beziehungsweise Anmerkung: Wer mit der Rachethematik nichts anfangen kann oder verzweifelt auf der Suche nach moralischen Botschaften innerhalb eines jeden Films ist oder auch einfach mit der archaischen Art des „Auge um Auge“ nichts anfangen kann, der möge sich um des eigenen lieben Friedens willen von diesem Film fernhalten!

22 Bullets

L’immortel, FR 2010, 117 Min.

22 Bullets
Quelle: IMPawards.com

Regisseur:
Richard Berry
Autoren:
Richard Berry
Mathieu Delaporte
Alexandre de La Patellière

Main-Cast:
Jean Reno (Charly Matteï)
Kad Merad (Tony Zacchia)
Marina Foïs (Marie Goldman)
Jean-Pierre Darroussin (Martin Beaudinard)

Genre:
Krimi | Thriller | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Nach Jahren im Marseiller Untergrund hat sich der Mafia-Pate Charly Matteï zur Ruhe gesetzt und sein Leben seiner Frau und seinem Sohn verschrieben. Doch die Mafia vergibt nicht so schnell, oder anders ausgedrückt, mit den Worten Matteïs: „Blut trocknet nicht“. Und so kommt es, dass ein achtköpfiges Mafiakommando Matteï auflauert und kaltblütig niederschießt, wobei er von 22 Kugeln getroffen wird.

Doch das Unglaubliche geschieht und Matteï überlebt. Zwar ist sein rechter Arm nunmehr beinahe vollständig gelähmt, doch hindert ihn dies nicht daran Rache zu nehmen an allen Beteiligten dieses Attentats, bis er sich letztendlich um den Drahtzieher der Aktion wird kümmern können.

Rezension:

22 Bullets basiert auf dem Roman L’immortel – übrigens auch Originaltitel des Films – des Journalisten und Schriftstellers Franz-Olivier Giesbert. Dessen Roman schon orientierte sich lose an wirklichen Ereignissen und schilderte mit geänderten Bedingungen und Namen die Geschichte des französischen Mafioso Jaques Imbert. Obwohl allein die Tatsache, dass Renos Figur von 22 Kugeln durchsiebt wird und trotzdem überlebt schon so sehr Over-the-Top anmutet, merkt man dem Film im weiteren Verlauf zumindest teilweise deutlich seine der Realität entlehnten Wurzeln an.

Die Geschichte um den im Ruhestand lebenden Mafia-Paten, der unsanft aus seinem Leben gerissen und an seine Wurzeln erinnert wird, entbehrt nicht einer gewissen Tragik und daraus weiß der Film durchaus Potential zu schöpfen, doch tritt hier das Genre des Rache-Thrillers dermaßen in den Vordergrund, ergeht sich der Regisseur in zelebrierenden Visualisierungen der Gewaltakte Matteïs, dann ist das zum einen teils an der Grenze des guten Geschmacks, zum anderen nicht gerade zuträglich für die Tatsache, dass man als Zuschauer tatsächlich bemüht und versucht ist, so etwas wie Verständnis – ja fast Sympathie – für Jean Renos Alter Ego zu empfinden; und sei es nur weil dieses eben aussieht wie Jean Reno.

22 Bullets ist in seinen besten Momenten ein mitreißender Actionfilm, in ebenfalls guten Momenten eine etwas oberflächliche Milieu-Studie mit philosophischen Touch, in den schwächsten Momenten ein aufgesetzt und theatralisch werdendes Rache-Epos. Einmal mehr ist es Jean Reno zu verdanken, dass dieser Film nicht in der Bedeutungslosigkeit verschwindet, weil einerseits seine Rolle an den tragischen Léon erinnert, ihm andererseits die Rolle wie auf den Leib geschneidert scheint und nicht zuletzt, weil sein eindringliches Spiel auch den schwächeren Szenen des Films ein gewisses Flair zu verleihen vermag.

Diesem Umstand kommt noch zugute, dass sich 22 Bullets zumindest stilistisch keine Blöße zu geben braucht: die düsteren Bilder beeindrucken und verleihen dem Film eine besondere Atmosphäre, die mit immer wieder auftauchenden Opernklängen noch unterstützt wird. Auch sucht man hektische Schnitte und Zeitlupenaufnahmen vergebens, welche in diesem fast altmodisch scheinenden Film auch deplatziert gewirkt hätten. Stattdessen wird man von gestochen scharfen, nie hektisch wirkenden Bilderfluten betört.

Fazit & Wertung:

Richard Berrys 22 Bullets kratzt, was seine Dramaturgie angeht, mitunter am Mittelmaß, die engagierte Arbeit Jean Renos und die technische Umsetzung machen aus dem Thriller nichtsdestotrotz solide Unterhaltungskost.

7 von 10 Racheakten

22 Bullets

  • Racheakte - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Richard Berrys 22 Bullets kratzt, was seine Dramaturgie angeht, mitunter am Mittelmaß, die engagierte Arbeit Jean Renos und die technische Umsetzung machen aus dem Thriller nichtsdestotrotz solide Unterhaltungskost.

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Meinungen aus der Blogosphäre:
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