Review: Ausweitung der Kampfzone | Michel Houellebecq (Buch)

Und hier ist sie also, die letzte Rezension zu den Büchern, die mich auf Hin- und Rückfahrt nach und von Wien begleitet haben. So können wir also alsbald zum Tagesgeschäft zurückkehren… doch erst einmal viel Spaß bei diesem Klassiker der modernen Literatur!

Ausweitung der Kampfzone

Extension du domaine de la lutte, FR 1994, 170 Seiten

Ausweitung der Kampfzone von Michel Houellebecq

Autor:
Michel Houellebecq


Verlag (D):
Rowohlt Taschenbuch Verlag
ISBN:
978-3-499-24339-4

Genre:
Drama

 

Inhalt:

Der namenlose Erzähler ist ein alternder, desillusionierter Informatiker, der den Auftrag bekommt, die Einführung einer neuen Software im Landwirtschaftsministerium zu übernehmen. Ihm zur Seite steht dabei Tisserand, ein hässlicher, vorlauter Mann, der sich selbst als Offenbarung für die Frauenwelt sieht, wobei diese dies jedoch bisher nicht entdeckt zu haben scheint.

Doch im Grund bietet dieses Gerüst nur den Aufhänger für die tristen, lebensverneinenden Schilderungen und Gedanken des Erzählers, der, in der selbst geschaffenen sozialen Isolation gefangen, dem Leben keinen tieferen Sinn und sich selbst keinen Daseinszweck bescheinigen kann. Die Depressionen des Erzählers steigern sich im Verlauf der Geschichte umso mehr, als ihm auch die letzten sozialen Bindungen abhandenkommen.

Rezension:

Der Roman-Erstling Houellebecqs, lange wollte ich ihn schon gelesen haben, nachdem Die Möglichkeit einer Insel und auch Elementarteilchen mich zu begeistern wussten. Die geschilderte Tristesse, die Überlegenheit der Schönen und Jungen gegenüber der alternden, der hässlichen Bevölkerung als System sozialer Hierarchien in punkto Sexualität wird mit einer derartigen Vehemenz dargebracht, als unabänderlich verkauft, und macht dabei den Verdruss des Erzählers deutlich, der es leid ist, in dieser den erdachten Marktgesetzen unterworfenen Gesellschaft einen der unteren Ränge zu bekleiden und somit nichts wert zu sein. Dies alles schildert die Figur Houellebecqs mit einer Sprachgewalt die ihresgleichen sucht. Oft driftet der Erzähler ab und verfällt in einen lehrerhaften Ton und vermittelt einem Referat gleich seine Auffassungen zur Welt, dem Leben, der Gesellschaft.

Die Gründe für diese Verbitterung werden nur unzureichend beleuchtet, bis auf, dass wir erfahren, dass seine letzte Freundin, seit sie in die Fänge eines Psychoanalytikers geraten war, eine regelrechte Schlampe geworden sei.

Der Erzähler seziert subjektiv und abgründig die ihn umgebenden Personen und Zustände, wie auch sich selbst und das eigene Verhalten. Dabei demontiert er auch mehr und mehr die eigene unnütze Existenz und schlittert immer tiefer in seinen Sog aus Abscheu und Verzweiflung. Das alles mag sich furchtbar anhören und in keinster Weise spannend, doch Houellebecq versteht es in seiner unnachahmlichen Art, dem Leser tatsächlich ein Quäntchen Sympathie für den Erzähler abzuringen. Und selbst sollte er dies nicht schaffen, ist dieses Portrait eines Depressiven so schillernd und facettenreich, dass man es einfach gelesen haben muss.

Fazit & Wertung:

Den großen Kultroman, wie er von vielen propagiert wird, erkenne ich in Ausweitung der Kampfzone nicht, doch blitzt hier und da schon ein Stück weit die sprachliche Eleganz des späteren Houellebecq durch und in diesem Kontext kann ich dieses Buch nur jedem empfehlen, der dem Autor etwas abgewinnen kann.

7 von 10 Gedanken an den selbst gewählten Freitod

Ausweitung der Kampfzone

  • Gedanken an den selbst gewählten Freitod - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Den großen Kultroman, wie er von vielen propagiert wird, erkenne ich in Ausweitung der Kampfzone nicht, doch blitzt hier und da schon ein Stück weit die sprachliche Eleganz des späteren Houellebecq durch und in diesem Kontext kann ich dieses Buch nur jedem empfehlen, der dem Autor etwas abgewinnen kann.

7.0/10
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