Review: Charlie Summers | Paul Torday (Buch)

Ja, ihr habt richtig gelesen, immer noch keine Kritik zu Pirates of the Caribbean: Fremde Gezeiten, denn bisher hat das gute Wetter unserem Kinobesuch immer wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht, aber ich bin zuversichtlich, es hoffentlich dann doch noch zeitnah zu schaffen!

Bis dahin möchte ich euch aber erst mal wieder ein Buch nahelegen, denn das Wetter bittet sich doch geradezu dazu an, sich auch mal wieder in den Garten oder auf den Balkon zu legen und ein gutes Buch zu genießen. Wie wäre es also dann der Einfachheit halber zum Beispiel mit Charlie Summers?!

Charlie Summers

The hopeless Life of Charlie Summers, UK 2010, 287 Seiten


© Berlin Verlag

Autor:
Paul Torday


Verlag (D):
Berlin Verlag Taschenbuch
ISBN:
978-3-833-30711-9

Genre:
Drama | Komödie

 

Inhalt:

Hector, früher Soldat und mittlerweile bei den Hedgefonds-Managern von Mountwilliam Partners unter Vertrag, lernt bei einem Ausflug nach Südfrankreich den mittellosen, aber ambitionierten Charlie Summers kennen; nicht ahnend, dass sich ihre Wege noch des Öfteren kreuzen werden.

Und durch die Erzählungen Charlies sowie der Ausführungen seines Freundes Henry Newark versucht Hector, von Freunden Eck genannt, den Weg von Charlie Summers nachzuzeichnen, der ein ums andere Mal mit seinen abstrusen Geschäftsideen gescheitert ist und letztendlich eine seltsame Parallele zur Weltwirtschaftskrise offenbart. In Charlie erkennt Eck sich selbst und damit auch die Fehler, die er und seine Kollegen bei Mountwilliam Partners in ihrem Denken und Leben begangen zu haben scheinen.

Rezension:

Paul Torday gelingt es, mit einer Art Parabel aufzuzeigen, welche Vorkommnisse, welches verquere Denken die Blasé hat platzen lassen und zum Zusammenbruch der Wirtschaft geführt hat. Dabei ist die anfangs so simpel scheinende Geschichte um den schrulligen Mitvierziger, der stets von der Hand in den Mund gelebt hat und sich jetzt versucht, in der besseren Gesellschaft einen Namen zu machen von berührender Intensität und zutiefst menschlich.

Man bemerkt deutlich den langsamen Wandel bei unserem Erzähler Eck und versteht die ausschlaggebenden Faktoren im Laufe der Geschichte immer besser. Denn dies ist keine Geschichte über Charlie Summers, sondern ebenso über die Reichen und Neureichen des englischen Landadels, der Londoner Finanzwelt und dem Treiben der Hedgefonds-Manager. Dabei ist Torday zwar einerseits nie verlegen darum, auch gebräuchliche Fachtermini zu benutzen, auch wenn sich ihre wahre Bedeutung sicher nur dem Fachmann erschließen werden, aber andererseits ist selbst der Erzähler in der Situation, nicht wirklich zu begreifen, welches „Produkt“, welche Dienstleistung dort eigentlich angepriesen wird, so dass man als Leser auf einem ähnlichen Wissenslevel steht und zudem für den zweiten Hauptprotagonisten Eck eine gehörige Portion Sympathie entwickelt, auch wenn ihn – wie viele in der Branche – nur das schnelle Geld gelockt hat.

Doch Paul Torday versteht es meisterlich innerhalb der Geschichte einen Bruch zu vollziehen und einen Paradigmenwechsel herbeizuführen, der anfangs zwar noch seltsam anmutet, letztendlich aber äußerst stimmig ist und sich nahtlos in die Erzählung einfügt. Selbst die anfangs nur beiläufige Quasi-Romanze zwischen Eck und Harriet wirkt weder aufgesetzt noch störend.

Zudem wirkt sich der stete Wechsel zwischen Ecks Ausführungen zu seinem eigenen Leben und dann wieder den Geschehnissen um Charlie Summers äußerst positiv auf den Lesefluss aus, da sich so zu keiner Zeit ein Überdruss an einer der Figuren manifestiert. Das Paul Torday zu schreiben versteht und dabei wie beiläufig Zusammenhänge herstellen kann weiß ich, seit ich letztes Jahr in den Genuss von Bordeaux: Ein Roman in vier Jahrgängen gekommen bin und hier vertieft er seine Meisterschaft noch ein wenig mehr, so dass aus Charlie Summers ein kurzweiliges, intelligentes Leseerlebnis wird.

Fazit & Wertung:

Charlie Summers vermittelt keine tieferen Wahrheiten, weiß aber ungemein zu unterhalten und zeichnet ein stilsicheres Bild einer Gesellschaft im Höhenflug, die ohne es zu merken kurz vor ihrem Zusammenbruch steht.

8,5 von 10 verkauften Yoruza-Hundefutterdosen

Charlie Summers

  • Verkaufte Yoruza-Hundefutterdosen - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Charlie Summers vermittelt keine tieferen Wahrheiten, weiß aber ungemein zu unterhalten und zeichnet ein stilsicheres Bild einer Gesellschaft im Höhenflug, die ohne es zu merken kurz vor ihrem Zusammenbruch steht.

8.5/10
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Weitere Details zum Autor und dem Buch findet ihr auf der Seite der Berlin Verlage. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe!

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