Review: Strahlend schöner Morgen | James Frey (Buch)

Heute, damit wir uns nicht in diesem endlosen Wust an Filmen verlieren, kehren wir mal zu der klassischen Buch-Rezension zurück. Ohne weitere große Worte wünsche ich euch viel Spaß!

Strahlend schöner Morgen

Bright Shiny Morning, USA 2008, 590 Seiten

Strahlend schöner Morgen

Autor:
James Frey


Verlag (D):
List Taschenbuch
ISBN:
978-3-548-60999-7

Genre:
Drama

 

Inhalt:

Strahlend schöner Morgen handelt von Old Man Joe, einem obdachlosen Trinker am Venice Beach, der sich fragt, wann sein Leben endlich beginnen, einen Sinn bekommen würde. Außerdem handelt es von Dylan und Maddie, einem jungen Pärchen, dass die Provinz hinter sich gelassen hat und in der Stadt der Engel auf die Erfüllung ihrer Träume hofft.

Strahlend schöner Morgen handelt auch von Amberton, einem gefeierten Filmstar, der mit seiner lesbischen Frau und Alibi-Kindern versucht, seine Homosexualität zu verbergen und sich unsterblich und tragisch in einen seiner Agenten verliebt. Und dann wäre da noch Esperanza, eine zugewanderte Mexikanerin, die versucht, sich und ihre Familie mit einem Job als Hausmädchen über die Runden zu bringen.

Strahlend schöner Morgen handelt noch von einer Vielzahl weiterer Figuren und ihrer Schicksale, aber vor allem erzählt es die Geschichte einer Stadt, von der Siedlung El Pueblo de Nuestra Señora de Los Ángeles de Porciúncula bis hin zur heutigen Metropole Los Angeles.

Rezension:

Der neue Roman von James Frey, der in den USA mit seinem Vorgänger A Million little Pieces (dt. Tausend kleine Scherben, Goldmann, 2004, ISBN: 978-3-442-15344-2, derzeit vergriffen) beachtliche Bekanntheit erlangt hat, ist in seiner äußeren Form äußerst fragmentarisch aufgebaut. Die einzelnen Kapitel sind kurz gehalten und zumeist wechselt die Geschichte zwischen den oben angesprochenen Hauptcharakteren, allerdings wird dieses Schema aufgebrochen durch zwei gekonnt genutzte Stilmittel. Zum einen erfahren wir in unregelmäßigen Abständen von uns bis dato unbekannten Charakteren, die zumeist ähnliche Schicksale ereilen, wie die handelnden Protagonisten, oder aber konträre Erlebnisse haben, zum anderen erfahren wir immer wieder Wissenswertes und Interessantes zur Entstehung und Entwicklung von Los Angeles.

Dies hat natürlich den nicht zu unterschätzenden Vorteil, dass dem Leser niemals langweilig wird und – zumindest ging es mir so – noch während des einen Kapitels dem nächsten entgegenfiebert in dem Wissen, Glauben und der Hoffnung, die zuletzt verlassene Geschichte weitererzählt zu bekommen. Und Frey gelingt es tatsächlich, ein Kaleidoskop-artiges Bild von Los Angeles und all seinen Facetten zu zeichnen und eben nicht nur die klischeebeladene Hochglanzversion der „Stadt der Engel“, wie sie aus den Medien bekannt ist.

Ich möchte sogar so weit gehen zu behaupten, dass mir noch nie eine Stadt in derartigen Ausmaßen und so allumfassend nahegebracht worden ist, wie in Strahlend schöner Morgen geschehen.

Wirft man einmal einen Blick auf die Hauptfiguren, so könnte man meinen, sie seien schlechten TV-Produktionen entliehen, entsprechen sie doch so ziemlich jedem Klischee, welches man sich vorstellen kann. Erfreulich hierbei ist, dass die Figuren sich eben gerade entgegen der gängigen Klischees entwickeln und so von Seite zu Seite an Glaubwürdigkeit gewinnen. Zudem präsentieren sich hier zwar fiktionale und stilistisch überhöhte Schicksale, aber sie agieren in einem realitätsnahen Kosmos, so dass die Tragik der Akteure nicht durch an den Haaren herbeigezogenen Happy-Ends geschmälert wird.

Handwerklich präsentiert sich Frey von seiner besten Seite: Er schafft es, für jede seiner Figuren einen eigenen Ton anzuschlagen und wechselt dann wiederum gekonnt in einen dokumentierenden Ton, wenn dem Leser erneut wissenswerte Fakten zu Los Angeles präsentiert werden. Das nicht all diese Fakten der Wahrheit entsprechen, oder im Sinne des Buches gelegentlich ein wenig korrigiert worden sind, schmälert in meinen Augen das Lesevergnügen in keiner Weise, denn wer sachlich fundierte und geprüfte Informationen zu Los Angeles sucht, wäre sicher mit einem Sachbuch oder Reiseführer besser bedient. Nichtsdestotrotz vermittelt dieser Roman Wissen, neben Hoffnung, Liebe, Wärme und Dankbarkeit – und katapultiert sich damit selbst in die Riege der ganz großen Bücher.

Fazit & Wertung:

Ausnahmsweise möchte ich den großartigen Irvine Welsh zitieren, der es mit ein paar prägnanten Worten auf den Punkt gebracht hat: „Dieser Roman ist ein einziger Triumph!“

10 von 10 erfundenen Geschichten

Strahlend schöner Morgen

  • Erfundene Geschichten - 10/10
    10/10

Fazit & Wertung:

Ausnahmsweise möchte ich den großartigen Irvine Welsh zitieren, der es mit ein paar prägnanten Worten auf den Punkt gebracht hat: „Dieser Roman ist ein einziger Triumph!“

10.0/10

Weitere Informationen und Pressestimmen findet ihr auf der Homepage der ullsteinbuchverlage:
Strahlend schöner Morgen im List Taschenbuch Verlag

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