Review: Sucker Punch (Film)

Heute war es endlich soweit! Sucker Punch – ein Film, auf den ich seit guten neun Monaten warte, seit ich die ersten unglaublichen Bilder zu Zack Snyders neuestem Werk zu sehen bekam. So konnte ich es mir nicht nehmen lassen, mich heute Abend in die Vorpremiere zu begeben, auch natürlich, um euch hochaktuell von diesem neuen Meisterstück zu berichten!

Sucker Punch

Sucker Punch, USA 2011, 109 Min.

Sucker Punch
Quelle: IMPawards.com

Regisseur:
Zack Snyder
Autoren:
Zack Snyder
Steve Shibuya

Main-Cast:
Emily Browning (Baby Doll)
Abbie Cornish (Sweet Pea)
Jena Malone (Rocket)
Vanessa Hudgens (Blondie)
Jamie Chung (Amber)
in weiteren Rollen:
Carla Gugino (Dr. Vera Gorski)
Oscar Isaac (Blue Jones)
Jon Hamm (High Roller / Doctor)
Scott Glenn (Wise Man)

Genre:
Action | Fantasy | Drama


Trailer:

 

Inhalt:

Die namenlose Hauptdarstellerin hat es nicht leicht im Leben. Kaum ist ihre Mutter gestorben werden sie und ihre Schwester von ihrem Stiefvater bedrängt. Während sie noch versucht ihrer Schwester zu Hilfe zu kommen, tötet er diese und ruft die Polizei. Den Mord hängt er seiner Stieftochter an und verfrachtet sie kurzerhand in die Irrenanstalt Lennox House. Er besticht den Leiter der Anstalt, bei ihr eine Lobotomie durchführen zu lassen, um das Gesehene zu verdrängen.

In fünf Tagen soll der Doktor kommen und die Hauptfigur flüchtet sich in eine parallele Realität, in der sie in ein Freudenhaus gebracht wird. Der Leiter der Anstalt wird zum Bordellbesitzer, die Therapeutin Dr. Gorski wird zur Tanzlehrerin der Mädchen und statt des Doktors droht ihr nun in fünf Tagen der Besuch des High Roller, dem sie versprochen ist. Das namenlose Mädchen wird hier bald bekannt als Baby Doll.

Als Baby Doll gezwungen wird zu tanzen, gerät sie in eine Art Trance, in der sie einen wunderlichen Mann trifft, der ihr den Weg in die Freiheit zu erklären versucht. Fünf Gegenstände benötigt sie, um zu entkommen, vier davon sind bekannt: eine Karte, Feuer, ein Messer und einen Schlüssel.

Fortan verschlägt es sie jedes Mal beim Tanzen in ihre fiktiven Welten, in der sie gegen deutsche Soldaten-Zombies, Drachen und andere Wesen kämpfen muss, um an die benötigten Gegenstände zu gelangen…

Sucker Punch
Quelle: IMPawards.com

Rezension:

Sucker Punch bietet, das muss man einfach vorab loswerden – den absoluten grafischen Overkill. Die Szenen in Baby Dolls militärisch angehauchter Fantasywelt gehören mit zum eindrucksvollsten, was Film derzeit zu bieten hat und vereinnahmen sämtliche liebgewonnen Effektspielereien in sich. Von Luftkämpfen über gigantische Kampfroboter, feuerspeiende Drachen, reflektierende Cyborg-ähnliche Wesen, endzeitmäßige Trümmerlandschaften, mit Gasmasken versehenen Zombiesoldaten, schwertschwingenden Riesen-Samurais ist eigentlich alles vertreten, was man sich an „Kreaturen“ nur vorstellen kann. Und mittendrin die knapp bekleidete Baby Doll, mit Samuraischwert und zwei Pistolen bewaffnet, trotzt sie jeder Gefahr und bezwingt jeden noch so großen oder auch starken Feind. Dass dies alles mit Logik oder Realismus nicht viel gemein hat versteht sich von selbst, doch wird dies auch nebensächlich, weil man tatsächlich aus dem Staunen nicht mehr herauskommt.

Allerdings spielen sich, gemessen an der Gesamtlaufzeit, fast wenige Szenen in diesen Realitäten ab. Die meiste Zeit befinden wir uns in dem Bordell, in das es Baby Doll verschlagen hat und beobachten die Fünfergruppe bei ihrem Ausbruchsversuch, beziehungsweise dabei, die erforderlichen Gegenstände für diese Flucht zusammenzutragen. Interessanter wird das Ganze dann wieder, als sich diese beiden Realitätsebenen zu vermischen beginnen.

Die Idee, Baby Doll durch ihre (nie gezeigten) Tanzeinlagen in die Fantasiewelten zu schicken, ist einfach grandios umgesetzt, zumal es sich bei den zugrundeliegenden Liedern um allseits bekannte Klassiker handelt, die, teils schlicht neuinterpretiert, teils extra neu eingesungen durch die Darsteller, allen voran Emily Browning, die Geschichte perfekt unterstützen, untermauern und ihr noch mehr Druck und Kraft verleihen.

Ja gerade die Symbiose aus Bild und Ton ist eine von Snyders größten Stärken, das konnte ich schon bei Watchmen beobachten und ebenso bei 300. Das Problem, an dem Sucker Punch meiner Meinung nach krankt ist, dass es einerseits kein reiner Actionfilm ist für diejenigen, die sich aufgrund des Trailers auf eine knapp zweistündige Effektorgie freuen aber andererseits für Leute, die sich mehr von der Irrenanstalt- und Flucht-Thematik angesprochen fühlen, zu viele „unverständliche“ Szenen im Sinne der überbordenden Fantasy-Welten geben dürfte.

Unter diesem Aspekt vermute ich einfach mal, dass Sucker Punch viele Leute auch (leider) enttäuschen wird. Ich zähle mich Gott sei Dank zu denjenigen, die einerseits nichts gegen Action haben, aber sich andererseits über eine äußerst stimmig umgesetzte Geschichte mit innovativen Aspekten und – wie im vorliegenden Fall – grandiosen Gesangseinlagen freuen.

Die Darsteller überzeugen allesamt, allen voran Browning, lediglich die Rollen von Vanessa Hudgens (Blondie) und Jamie Chung (Amber) bleiben so farblos, dass man sie eigentlich getrost auch hätte streichen können. Gemessen an der Screentime zeigt sich aber, dass dies den Produzenten wohl auch klar war, man aber auf das Quintett nicht verzichten wollte. Alles in allem kann man festhalten, dass Sucker Punch die Gemüter in zwei Lager spalten wird. Dieser Film ist sicher durch seine Grundthematik schon nicht jedermanns Sache, aber die oben angesprochenen Punkte, die Verquickung verschiedener Genres, das Bedienen verschiedener Vorlieben und Sehgewohnheiten, werden wohl auf lange Sicht dazu führen, dass dieses Werk ein Nischendasein führen wird.

Noch ein Wort zur Freigabe des Films, ebenso ein Thema, was die Gemüter erhitzen dürfte: Noch vor Filmstart wurde ich von der nur zu empfehlenden Seite Schnittberichte.com darauf aufmerksam gemacht, dass Sucker Punch in den USA mit einem PG-13-Rating in den Kinos starten wird und auf die Prämissen dieser niedrigen Freigabe schon während der Produktion geachtet wurde. Das bedeutet für uns, dass der Film zwar ab 16 Jahren freigegeben ist, aber de facto keine übermäßig brutalen oder ekligen Szenen enthält. Angeblich sollen 18 Minuten der Schere zum Opfer gefallen sein, bevor das angestrebte Rating bei der Zulassungsstelle erreicht wurde, woraus sich diese Schnitte allerdings genau zusammensetzen ist unklar, wobei es sich teilweise um Musical-Einlagen (!) der Darsteller handeln solle, die übrigens dafür immerhin auszugsweise in den Abspann implementiert worden sind. Ähnlich wie bei Watchmen hoffe ich also auch hier auf die spätere Veröffentlichung eines Director’s und/oder Extended Cut auf Blu-ray/DVD.

Fazit & Wertung:

Sucker Punch ist ein Märchen für Erwachsene, ein Märchen mit mehreren Realitätsebenen, ein Märchen mit traumhafter Musik und tollen Darstellern. Es ist ein Fest der Spezialeffekte und dabei noch innovativ und unterhaltsam, mehr kann man von einem Film nicht verlangen und daher vergebe ich, wie immer höchst subjektiv (und mit Luft nach oben für den Director’s Cut)

9 von 10 erträumten Kampfeinsätzen

Sucker Punch

  • Erträumte Kampfeinsätze - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Sucker Punch ist ein Märchen für Erwachsene, ein Märchen mit mehreren Realitätsebenen, ein Märchen mit traumhafter Musik und tollen Darstellern. Es ist ein Fest der Spezialeffekte und dabei noch innovativ und unterhaltsam, mehr kann man von einem Film nicht verlangen und daher vergebe ich, wie immer höchst subjektiv (und mit Luft nach oben für den Director’s Cut)

9.0/10
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Der Fairness halber möchte ich aber diesmal auch eine etwas „skeptischere“ Meinung zu Wort kommen lassen, nämlich die meiner Freundin: In ihren Augen strotzt der Film nur so vor Ungereimtheiten, die Fantasywelten waren unlogisch und teils überflüssig und der Überbau mit dem Bordell hätte auch nicht sein müssen, sprich der Film war – bis auf die Musik – eher unterste Schublade. Daher von ihr auch nur 4,5 von erträumten Kampfeinsätzen.

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