Review: Der Tod des Bunny Munro | Nick Cave (Buch)

Freitagabend und eine neue Rezension harrt ihrer Sichtung. Diesmal erneut ein Buch von Nick Cave, was mir beinahe so gut gefallen hat wie sein Erstling. Aber lest selbst!

Der Tod des Bunny Munro

The Death of Bunny Munro, UK 2009, 312 Seiten


© Fischer Taschenbuch Verlag

Autor:
Nick Cave


Verlag (D):
Fischer Taschenbuch Verlag
ISBN:
978-3-596-18555-9

Genre:
Drama

 

Inhalt:

Bunny Munro ist ein triebgesteuerter, oberflächlicher, sexbesessener Mann, der als Vertreter Frauen Kosmetika verkauft. Als sich eines Tages seine Frau das Leben nimmt, wirft ihn das wider Erwarten völlig aus der Bahn und ohne festes Ziel oder einen Plan im Kopf schnappt er sich seinen blitzgescheiten Sohn Bunny Jr. und fährt einfach los. Während Bunny seinem Sohn weißzumachen versucht, ihn das Verkäuferhandwerk lehren zu wollen, geht diesem langsam aber sicher auf, dass er zusammen mit seinem Vater eine Reise ohne Wiederkehr begonnen hat, mit einem Mann am Steuer, der selbst kaum weiß, wohin der Wind ihn trägt.

Rezension:

Zwanzig Jahre nach Und die Eselin sah den Engel liefert der eher durch seine Musik bekannte Nick Cave seinen Roman-Zweitling ab. Der Tod des Bunny Munro ist ebenso keine leichte Kost wie auch sein Erstling und wird sicherlich nicht jedermanns Geschmack treffen, geschweige denn mehr als einer Minderheit zu gefallen wissen. Denn die Leitmotive des Romans lassen sich mit Egoismus, Triebhaftigkeit, Sexismus und Fatalismus recht treffend zusammenfassen. Dementsprechend düster ist der Grundton und tragisch die Erzählung. Oft blieb mir das Lachen im Hals stecken und oft ist man erstaunt über die Simplizität von Bunnys Gedankengängen, doch verpackt Cave dies in einer so poetischen Art und Weise, garniert es zudem mit der kindlichen Unschuld von Bunny Jr., dass einen trotzdem nie die Lust verlässt, diesen gescheiterten, verlorenen Mann bei seinem Niedergang zu begleiten.

Tatsächlich ist Der Tod des Bunny Munro – wie der Titel bereits nahelegt – ein langer Abstieg ohne Hoffnung auf Vergebung oder Katharsis, ein angekündigtes Sterben, eine Flucht vor dem Unausweichlichen. Einzig Bunnys Sohn bewahrt den Leser davor, die Sympathie für den tragischen Helden dieses Romans zu verlieren, denn diesen aus den Augen eines Kindes zu sehen, die Verehrung für den eigenen Vater zu erleben, versöhnt einen doch mit den meisten Missetaten des Protagonisten.

Was Caves Roman aber wahrhaft außergewöhnlich macht sind die vielen omenhaften Erscheinungen, die klugen Dialoge, der gezielte Einsatz von Methapern und eine eindrückliche Traumsequenz. Diese Stilmittel machen aus dieser eigentlich so oberflächlichen Reise ohne Widerkehr, allem Fatalismus zum Trotz, ein lohnenswertes und herzerwärmendes Stück Literatur, dem man deutlich anmerkt, dass es mehr von autobiographischen Zügen geprägt ist, als es Cave möglicherweise lieb wäre.

Neben all der Poesie und meinem Lob für das Buch muss man sich aber auch im Klaren darüber sein, dass es zuweilen keine leichte Kost ist und mit einem angekündigten, tragischen Ende aufwartet. Die Wortwahl ist des Weiteren oft derb und Frauen sind für Bunny kaum mehr als Vaginas. Wer sich davon abgestoßen oder gar beleidigt fühlt sollte dieses Buch ebenso meiden wie diejenigen, denen die Wortwahl oder das fehlende Happy End übel aufstoßen. Allen anderen kann ich Nick Caves literarisch-fiktionale Friedenserklärung an seinen Vater nur jedem ans Herz legen.

Fazit & Wertung:

Auch Nick Caves zweites Werk ist ein wuchtiges, eindringliches und bildgewaltiges Werk voller Schmerz, Trauer und Verfehlung. Eine klare Empfehlung aus der Sparte der etwas anderen Literatur.

8 von 10 DUDMAN-Betonmischern

Der Tod des Bunny Munro

  • DUDMAN-Betonmischer - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Auch Nick Caves zweites Werk ist ein wuchtiges, eindringliches und bildgewaltiges Werk voller Schmerz, Trauer und Verfehlung. Eine klare Empfehlung aus der Sparte der etwas anderen Literatur.

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Weitere Details zum Autor und dem Buch findet ihr auf der Seite der Fischer Verlage.

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