Review: Imperial Bedrooms | Bret Easton Ellis (Buch)

Nachdem ich euch gestern klammheimlich und still und leise vernachlässigt habe, kehre ich heute zurück und habe frischen Lesestoff im Gepäck, der noch dazu recht aktuell ist, zumindest recht aktuell als Taschenbuch erschienen ist – und das ist ja schließlich auch was.

Imperial Bedrooms

Imperial Bedrooms, USA 2010, 217 Seiten

Imperial Bedrooms
© Kiepenheuer & Witsch

Autor:
Bret Easton Ellis

Verlag (D):
Kiepenheuer & Witsch
ISBN:
978-3-462-04352-5

Genre:
Drama

 

Inhalt:

25 Jahre sind vergangen seit den Geschehnissen aus Unter Null und Clay kehrt nach langen Jahren in New York nach L. A. zurück und begegnet auch prompt Blair, die mittlerweile mit Trent verbandelt ist, auf den ehemaligen Drogendealer Rip, der mittlerweile durch zahlreiche Operationen verunstaltet worden ist und natürlich Julian, für den das Leben nach seinem Entzug auch nicht unbedingt die sonnigsten Aussichten bereithält. Die eindeutigste und am meisten schockierende Erkenntnis ist hierbei sicherlich hierbei, dass sich erschreckend wenig geändert hat in der Gruppe hedonistischer Tagträumer, wenngleich sie nun geringfügig anderen Beschäftigungen nachgehen und generell ja fast gesetzt wirken mögen.

Doch unter der Oberfläche brodelt es dafür gewaltiger als zuvor und Clay merkt schnell, dass er alles andere als willkommen ist. Jeder verbirgt etwas vor ihm und seine Paranoia wächst und wächst, ihn überkommen Erinnerungen und Erscheinungen und der Horror früherer Jahre tritt mehr und mehr zu Tage, auch als ein alter Bekannter spurlos verschwindet und später tot aufgefunden wird, wechselnde Fahrzeuge vor Clays Hotelzimmer lauern und er merkt, dass selbst die Schauspielerin Rain, die Clay – mittlerweile bekannter Drehbuchautor – während eines Castings kennenlernt hat, etwas zu verbergen hat. Und so taumelt Clay durch ein intrigantes und undurchsichtiges L. A., ständig schwankend zwischen emotionaler Unberührbarkeit und der nackten Angst.

Rezension:

Zuallererst einmal das wichtigste: Wer Bret Easton Ellis nicht mag oder mit seinen Werken nichts anfangen kann, der wird auch an Imperial Bedrooms keine Freude finden, denn nichts hat sich geändert an der hedonistischen, gefühlskalten, opportunistischen, von Paranoia und Gewaltbereitschaft geprägten Atmosphäre seiner Bücher. Wie schon in Lunar Park vermischt Ellis wieder einmal gekonnt Fiktion und Realität, nimmt explizit Bezug auf sein Erstlingswerk Unter Null und Clay – der Erzähler hier wie auch in Ellis‘ Erstling – erläutert, dass ein Autor sein Leben niedergeschrieben hätte und dieses verfilmt worden sei. Während also der reale Autor Ellis behauptet, er sei Clay und die Geschehnisse im Buch entsprächen in weiten Teilen seiner eigenen Jugend, behauptet dessen fiktive Figur Clay, es handele sich um einen unzuverlässigen Erzähler, der noch dazu von Episoden berichtet habe, bei denen er nicht zugegen war, die ihm demzufolge beispielsweise von Clays damaliger Freundin Blair geschildert worden sein müssen.

Damit legt Ellis einmal mehr den Grundstein für ein beispielloses Verwirrspiel, während dem man sich ständig bei der Frage ertappt, welche Geheimnisse einem der Erzähler Clay verschweigen mag und wie es wirklich in seinem Inneren aussieht. Zuweilen scheint aber auch dieser der Szene entrückt, betrachtet sein Leben als Film und schildert imaginäre Kamerafahrten über die Köpfe der Anwesenden hinweg. Die Grenzen zwischen Fiktion und Realität zu vermischen, gehört spätestens seit Glamorama zum festen Repertoire des Autors und die Verweise auf frühere Werke, Verfilmungen und Ereignisse, die Reminiszenzen an sich selbst und das eigene Leben sind zahlreich.

Letztlich hat sich wirklich nicht viel verändert an der zugrundeliegenden Struktur des Romans, die Personen scheinen aneinander vorbei zu leben, ein Plot ist ohne Mühe nur schwerlich auszumachen und über allem hängt der Dunst von Beliebigkeit und austauschbaren Gestalten. Nichtsdestotrotz eröffnet sich durch das Spiel mit den Fiktionen eine vollkommen neue Ebene, die Ellis geschickt zu nutzen versteht, um die gewachsene Paranoia seines Protagonisten zu thematisieren und dabei auch immer wieder auf Geschehnisse am Rande des Umfelds von Clay abzustellen und so das Gefühl zu vermitteln, dass dessen so oberflächliche und beliebige Welt schon an den Rändern auszufransen beginnt und dem Wahnsinn und der Gewalt Tür und Tor zu öffnen bereit ist.

Imperial Bedrooms kommt freilich nicht ganz an den Vorgänger Unter Null heran, dennoch sind beide Bücher denkbar gut geeignet, das bisherige Werk Ellis‘ trefflich zu umrahmen und die Brücke zu schlagen von 1985 zu 2010, denn dem aufmerksamen Leser wird nicht entgehen, dass in allen von Ellis‘ Romanen auch immer wieder Figuren und Ereignisse anderer Werke thematisiert werden. Demnach kann ich Imperial Bedrooms nur wärmstens empfehlen, sofern man nicht mit einer generellen Antipathie oder Unverständnis zu kämpfen hat, denn ich verstehe durchaus die Leute die sagen, Bret Easton Ellis sei ihnen zu böse, zu oberflächlich, zu brutal, aber, um die Schlagzeile eines Interviews von vor vielen Jahren zu zitieren: „Das Monster ist ein Moralist“.

Fazit & Wertung:

Imperial Bedrooms ist ein abgründiges Vergnügen und kehrt konsequent zu den Wurzeln zurück. Den einen mag es als Rückschritt erscheinen, die anderen freuen sich über die gnadenlose Vermengung von Realität und Fiktion, von Schein und Sein.

8,5 von 10 in der Vergangenheit verpasster Gelegenheiten

Imperial Bedrooms

  • In der Vergangenheit verpasste Gelegenheiten - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Imperial Bedrooms ist ein abgründiges Vergnügen und kehrt konsequent zu den Wurzeln zurück. Den einen mag es als Rückschritt erscheinen, die anderen freuen sich über die gnadenlose Vermengung von Realität und Fiktion, von Schein und Sein.

8.5/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Kiepenheuer & Witsch.

Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe zu Imperial Bedrooms.

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Als besonderer Service hier noch der Link zum Taschenbuch und der gebundenen Ausgabe von Imperial Bedrooms bei Amazon:

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