Review: Das Lied von Eis und Feuer 1: Die Herren von Winterfell | George R. R. Martin (Buch)

Nachdem bullion von Moviescape mir ja zuvorgekommen ist, habe ich meine Rezension hier absichtlich ein paar Tage hintenangestellt, aber nun möchte ich mich doch auch mit ein paar Worten zum ersten Teil des Ein Lied von Eis und Feuer-Zyklus äußern, wenngleich dieser in der deutschen Ausgabe nur die erste Hälfte des Originals A Game of Thrones umfasst. Die weiteren Teile werden natürlich folgen, wenngleich ich meinen sonstigen Bücherkonsum natürlich nicht vollständig werde vernachlässigen können. Für ein Werk wie dieses nimmt man sich allerdings gern Zeit.

Das Lied von Eis und Feuer
Die Herren von Winterfell

A Game of Thrones (Pages 1-359), USA 1996, 571 Seiten

Das Lied von Eis und Feuer 1: Die Herren von Winterfell | George R. R. Martin
© Blanvalet

Autor:
George R. R. Martin

Verlag (D):
Blanvalet
ISBN:
978-3-442-26774-3

Genre:
Fantasy | Drama | Abenteuer

 

Inhalt:

Seit Brandon, dem Erbauer, herrschen die Starks von Winterfell aus und sind in Westeros als die Wächter des Nordens bekannt. Eddard Stark ist der Lord von Winterfell und der Sommer dauert bereits ungewöhnlich lange. Doch ist es, wie die Worte der Starks es verkünden: Der Winter naht. Denn eine Reihe unvorhersehbarer Ereignisse wirft ihre Schatten voraus und wird die Familie Stark in alle Himmelsrichtungen zerstreuen.

Eddard wird auf Wunsch des Königs Robert Baratheon nach Königsmund beordert, um dessen rechte Hand zu werden, nachdem sein Vorgänger Jon Arryn, der Wächter des Ostens und Lord über Hohenehr verstorben ist. Dort angekommen, erwarten ihn nicht nur politische Ränkeschmiederei und Intrigen, sondern auch Cersei, die Frau des Königs, aus dem verhassten Haus der Lennisters. Auch Lady Catelyn, Eddards Frau, treibt es in der Folge nach Königsmund, während Robb Stark in Winterfell verbleibt. Jon Schnee, Eddards Bastard, hingegen zieht es nach Norden zur großen Mauer, genauer zur schwarzen Festung, um sich dort der Nachtwache anzuschließen.

Selbst die jüngeren Mitglieder der Familie Stark bleiben von den Umwälzungen nicht verschont und so wird Brandon Stark eine unangenehme Wahrheit zuteil, wenngleich diese mit tragischen Konsequenzen einhergeht. Doch auch jenseits des Meeres, weit im Osten, regt sich ein Schatten und es bleibt abzuwarten, welche Rolle die Dothraki und der Khal Drogo spielen werden, wenn das alte Haus Targaryen sich erheben sollte, die sieben Königslande zurückzuerobern.

Rezension:

Die Herren von Winterfell, der erste Teil vom Lied von Eis und Feuer begründet wahrlich ein episches Werk, dessen Abschluss auch heute noch – fünfzehn Jahre nach Veröffentlichung des ersten Teils – in den Sternen steht. Ich weiß nicht viel um die Verkettung glücklicher Zufälle, die dazu geführt haben, dass die Saga von George R. R. Martin unter dem Originaltitel des ersten Bandes, A Game of Thrones nun auch für das Fernsehen adaptiert worden ist – noch dazu von dem einzigen Sender, der mir dieser Verantwortung gewachsen scheint (HBO), doch bin ich dafür einmal mehr verdammt dankbar. Denn zum einen harre ich schon lange der im nächsten Jahr erfolgenden Veröffentlichung der DVD/BluRay der ersten Staffel, zum anderen und vor allem aber hätte es mich vermutlich nie zu dieser Buch-Reihe gezogen, die mich allein schon ihrer unsäglichen Cover-Gestaltung wegen abgeschreckt hätte.

Dem schiebt Blanvalet aus der Verlagsgruppe Random House nun einen Regel vor und so schlicht die Gestaltung nun ist, so sehr stellt sie auch die Erhabenheit dieses Werkes heraus. Die damit einhergehende Neu-Übersetzung hätte meines Erachtens kaum Not getan, denn Orte wie Kings Landing mit Königsmund zu übersetzen und teils auch Namen einzudeutschen (Jon Snow = Jon Schnee), sollte gerade heutzutage schon lange der Vergangenheit angehören und trübt das Lesevergnügen ein wenig. Jedoch kann ich zumindest dahingehend Entwarnung geben, dass sich dieses Gefühl schnell verflüchtigt, zumal einem die meisten Änderungen bei voriger Unkenntnis der Reihe kaum auffallen werden, denn bis auf die genannten und einige wenige weitere Änderungen werden Eigennamen auch als solche respektiert oder zumindest in adäquater Form übersetzt.

Aber davon ab, wollen wir uns jetzt doch erst einmal dem eigentlichen Werk widmen, auch wenn ich es für wichtig halte, auch auf derlei Punkte hinzuweisen. Die Herren von Winterfell vollbringt, was sonst nur wenige Bücher schaffen, denn einerseits zieht es von der ersten Seite an in seinen Bann, erschlägt den Leser aber auch andererseits mit einer Fülle an Informationen und vor allem Figuren und deren familiärer oder politischer Verflechtung. Zumindest in diesem Punkt kommen also Vergleiche zu Der Herr der Ringe auf, als dessen amerikanisches Pendant Das Lied von Eis und Feuer gehandelt wird, denn hier wie da wurde eine ungemein glaubhafte und detailverliebte Welt erschaffen. Geschichtlich hingegen gibt es kaum Überschneidungen und man sollte demnach nicht mit einer derartigen Erwartung an die Bücher herangehen. Der Reiz von Die Herren von Winterfell liegt mehr darin, dass es eben kein klassischer Fantasy-Roman ist, sondern vielmehr wie eine monumentale Abhandlung eines fernen Reiches wirkt.

Dabei wechselt Martin gekonnt die Perspektive und berichtet aus Sicht wechselnder Figuren von dem Treiben innerhalb verschiedenster Landstriche Westeros‘ und darüber hinaus. Natürlich kommt es des Öfteren zu Überschneidungen und man beruft sich auf Ereignisse, die zuvor aus anderer Sicht bereits geschildert worden sind, vor allem aber wird immer wieder auch auf künftige Ereignisse verwiesen, dies jedoch so charmant vage, dass es eine wahre Freude ist, die Bedeutung der Vorahnungen zu entschlüsseln und ihrem Eintreten entgegenzufiebern. Doch auch wenn ich noch ganz am Beginn der Reise stehe, deucht mich bereits die Vermutung, dass ebensolche Ereignisse nicht unbedingt im Laufe der aktuellen Erzählung abgehandelt werden, sondern durchaus auch auf noch weiter in der Zukunft liegende Begebenheiten anspielen.

Neben den perspektivischen Wechseln und genannten Kniffen, bedient sich der Autor aber auch verschiedener Genres und schafft so ein Epos, dass so weit entfernt ist von üblichen Fantasy-Gebaren, wie es ihm nur möglich scheint. Das Lied von Eis und Feuer ist gewalttätig und blutig, doch nie zum Selbstzweck, es ist traurig und tragisch, doch nie klischeehaft und es schildert den Kampf Gut gegen Böse, ohne Position zu beziehen, denn derlei Kategorien gibt es in Westeros nicht, nur Grauschattierungen und persönliche Sympathie und Antipathie. Die Geschichte wirkt erwachsen, versucht nichts zu beschönigen, nichts zu vereinfachen und schont auch die großen Helden nicht. Viele Gestalten, die ich mehr oder minder lieb gewonnen hatte, mussten auf diesem kurzen Stück der Reise bereits ihr Leben lassen und wieder andere sind für ihr Leben gezeichnet. Die Welt von Westeros ist eine raue, gefährliche Welt ohne Schwarz und Weiß, ohne Reue und ohne Gnade, doch ich freue mich schon, alsbald möglich wieder in sie zurückzukehren.

Fazit & Wertung:

Die Herren von Winterfell ist ein bestechender Einstand für Das Lied von Eis und Feuer, das nicht umsonst Millionen Fans in aller Welt für sich gewinnen konnte. Eine derart ausgefeilte und episch angelegte Geschichte mit zahllosen interessanten Charakteren hat man lange nicht mehr gesehen oder gelesen.

10 von 10 Schattenwölfen von Winterfell

Das Lied von Eis und Feuer 1: Die Herren von Winterfell

  • Schattenwölfe von Winterfell - 10/10
    10/10

Fazit & Wertung:

Die Herren von Winterfell ist ein bestechender Einstand für Das Lied von Eis und Feuer, das nicht umsonst Millionen Fans in aller Welt für sich gewinnen konnte. Eine derart ausgefeilte und episch angelegte Geschichte mit zahllosen interessanten Charakteren hat man lange nicht mehr gesehen oder gelesen.

10.0/10
Leser-Wertung 5/10 (2 Stimmen)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Tonight is gonna be a large one.: 10/10 Punkte

Das Lied von Eis und Feuer:

1. Die Herren von Winterfell
2. Das Erbe von Winterfell
3. Der Thron der sieben Königreiche
4. Die Saat des goldenen Löwen
5. Sturm der Schwerter
6. Die Königin der Drachen
7. Zeit der Krähen
8. Die dunkle Königin
9. Der Sohn des Greifen
10. Ein Tanz mit Drachen

– – –

Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Blanvalet. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Als besonderer Service hier noch der Link zum Buch und der Kindle-Edition Die Herren von Winterfell bei Amazon:

  • bullion

    Hehe, na war ich ja nicht viel schneller… 😉

    Ich kann deine Kritik auch so unterschreiben und entdecke einmal mehr viele Parallelen zwischen unseren Sichtweisen. Nun denn mal viel Spaß bei Teil 2 von Buch 1 und natürlich bei der Serienverfilmung! Aktuell habe ich ca. 50 Seiten von Buch 2 hinter mir und bin erneut begeistert.

    • Ich hätte auch schneller nachlegen können, aber dann hätte ich fürchten müssen, mich von deiner Rezension "inspirieren" zu lassen und ich möchte ja doch etwas eigenes abliefern. Und stimmt, die Parallelen reißen nicht ab! Ich hoffe auch, bald mit dem zweiten Teil des ersten Bandes beginnen zu können, aber aktuell habe ich da noch so zwei bis drei Projekte die Vorrang haben, aber denn geht es unversehens weiter!

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  • Marco

    Habe mir auch letzte Woche spontan das erste Buch gekauft und bin begeistert. Allerdings habe ich etwa sgebraucht, um mich an die rasante Einführung zahlreiche Häuser, Personen und Nebencharaktere zu gewöhnen. Habe mir von der Serie bisher lediglich die erste Folge angesehen, um dem Buch nicht zu viel vorwegzunehmen: Sieht sehr gut aus!

  • Owley

    „Die Herren von Winterfell vollbringt, was
    sonst nur wenige Bücher schaffen, denn einerseits zieht es von der
    ersten Seite an in seinen Bann, erschlägt den Leser aber auch
    andererseits mit einer Fülle an Informationen und vor allem Figuren und
    deren familiärer oder politischer Verflechtung.“

    Stimme dir da völlig zu. Habe den ersten Band auf deutsch gelesen, danach auf englisch. Für mich waren die Vorteile in fast allen Punkten beim Original. Preiswerter, platzsparender und… englisch! Auch wenn ich die Übersetzung der Namen nicht so schlimm fand. „Jetzt gehen wir nach King’s Landing“ klingt irgendwie auch dumm.

    • Ja, mit den Übersetzungen ist es immer ein zweischneidiges Schwert und allen recht machen kann man es ja sowieso nicht. Womöglich hätte ich auch zum Original gegriffen, aber (gerade solche) Bücher in englisch schreckt mich immer noch ein bisschen und ich brauche so schon lange genug für einen Band 😉 Mag aber auch daran liegen, dass ich während einer Buch-Hälfte von Martin gefühlte 10 andere Bücher simultan lese^^

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