Review: Bonsai | Chuck Palahniuk (Buch)

So, haben wir das Wochenende einmal mehr erfolgreich hinter uns gebracht. Wie wäre es dann des frühen Abends wegen mal wieder mit einer Buchempfehlung? Ja, gerne? Super, hier kommt sie!

Bonsai

Pygmy, USA 2009, 256 Seiten


© Goldmann

Autor:
Chuck Palahniuk

Verlag (D):
Goldmann
ISBN:
978-3-442-47523-0

Genre:
Satire | Thriller | Drama

 

Inhalt:

Agent 67 gesendet nach Amerika zu sein Schläfer, machen erfolgreiche Start von Operation Chaos zu zerstören korrupte, kapitalistische System zu Erhöhung Ruhm von glorreiche geehrte Heimatland und zu nehmen Rache für Verbrechen von amerikanische Regierung. Dazu Agent auserkoren zu werden Mitglied in typische amerikanische Familie, zu lernen kennen Kultur und Schwächen. Bericht hiervon in Depesche zu senden an Heimatland, zu lesen zu verstehen Auftrag und begreifen Notwendigkeit. Agent unterstützt von zahlreiche andere Agent, während lernen zu kennen amerikanische Leben zu durchschauen Feind.

Rezension:

Nein, bei der Inhaltsbeschreibung bin ich nicht einem spontanen Schlaganfall erlegen, sondern habe mich stattdessen daran versucht, den Stil Palahniuks zu imitieren, den er für dieses Buch gewählt hat, so dass ihr erahnen könnt, auf was ihr euch einlassen würdet. Denn Bonsai ist unterteilt in Depeschen, die alle von dem sich selbst Agent ich nennenden Individuum verfasst werden, welches eines von vielen ist, die eine spezielle Ausbildung genossen haben, um nun im Rahmen eines Austauschprogramms nach Amerika geschickt zu werden, um dort einen weitreichenden terroristischen Anschlag zu verüben, der – ohne etwas vorweg nehmen zu wollen – recht clever ist und letztlich genau auf die angeprangerte kapitalistische Versessenheit abzielt.

Ergänzt werden die Schilderungen des Agenten durch mehr oder minder regelmäßige Rückblicke in seine Jugend, in seinem stets namenlos bleibenden Heimatland, um – wie es in Bonsai so schön heißt zu verstärken früh Gelerntes von Agent ich. Erstaunlicherweise versteht man trotz der wirklich mangelhaften Sprache des Agenten die Geschichte nach und nach immer besser, wenngleich manche Szenen an Surrealität kaum zu überbieten sind und deutlich machen, dass es sich hier ganz klar um eine Satire handelt. Erscheint anfangs alles noch recht harmlos und der Agent ein wenig unbedarft, offenbaren sich doch immer mehr und mehr die Absichten der Gruppe und insbesondere die Skrupellosigkeit der anderen Agenten.

Wie es für Palahniuks Romane typisch ist, gibt es auch in Bonsai wiederkehrende Motive, die der Autor selbst Chorus getauft hat. Derer sind in diesem Roman sogar drei zu finden. Einerseits beherrschen die Agenten eine Vielzahl nach Tieren bekannte Kampfgriffe oder Bewegungsabfolgen, derer sich Agent ich auch oft in Tagträumen zu bedienen wünscht, um ein ihm verhasstes Individuum unschädlich zu machen. Zudem beginnt er zuweilen, meist um sich zu beruhigen, sich im Kopf die Elemente des Periodensystems aufzuzählen. Letzter und drastischster Schachzug sind die in beinahe jeder Depesche eingestreuten Zitate, die bunt zusammengewürfelt in munterer Folge von so illustren Gesellen wie Fidel Castro, Benito Mussolini, Malcolm X, Adolf Hitler und Che Guevara stammen und durch diese vielfältige Ausgestaltung auch auf keinen klaren politischen oder ideologischen Hintergrund schließen lassen.

Palahniuks Bonsai ist durchaus einmal mehr auf seine ihm eigene Art einzigartig und aufgrund der besonderen Schreibe diesmal sogar in zweierlei Hinsicht. Allerdings weiß dieser Roman sich nicht wirklich gegen seine zahlreichen Vorgänger zu behaupten und verpufft gerade zum Ende hin etwas lieblos und sogar ein wenig sentimental, vollkommen konträr zu dem, was man von dem Herrn Chuck Palahniuk gewöhnt ist. Dadurch ist dieser Roman zwar gut, durchaus auch lesenswert – gerade wenn man Lust hat auf eine völlig abstruse, bitterböse, auf ihre Weise extrem anspruchsvolle Satire – , ist aber auch nicht der große Wurf geworden. Es scheint, dass der Autor sich allzu sehr auf seine ungewöhnliche Erzählweise verlassen hat, da die Geschichte im Gegensatz bis auf wenige Ausbrüche nur allzu konventionell daherkommt. Trotzdem reiht sich selbstverständlich auch Bonsai würdig in die Reihe der viele Ausnahmeromane beherbergenden Werkschau eines meiner liebsten Autoren ein.

Fazit & Wertung:

Bonsai ist bitterböse, skurril, verwirrend und anfangs wirklich schwierig zu lesen. Aber wie so oft bei Chuck Palahniuks Werken lohnt sich die Mühe, wenn dieser Roman auch nicht ganz so überzeugend oder bahnbrechend ist wie viele seiner anderen Werke.

7,5 von 10 Zitaten glorifizierter Diktatoren

Bonsai

  • Zitate glorifizierter Diktatoren - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Bonsai ist bitterböse, skurril, verwirrend und anfangs wirklich schwierig zu lesen. Aber wie so oft bei Chuck Palahniuks Werken lohnt sich die Mühe, wenn dieser Roman auch nicht ganz so überzeugend oder bahnbrechend ist wie viele seiner anderen Werke.

7.5/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Goldmann.

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