Review: Das Lied von Eis und Feuer 2: Das Erbe von Winterfell | George R. R. Martin (Buch)

Nicht ganz drei Monate ist es her, dass ich euch den ersten Band von Das Lied von Eis und Feuer, nunmehr besser bekannt als Game of Thrones offeriert habe. Dem Umstand geschuldet, dass ich stets mehrere Bücher lese und die Lektüre der Reihe durch den Genuss des dritten Bandes der Hexer-Saga unterbrochen war, gibt es jetzt erst den zweiten Band der deutschen Reihe, der somit das erste Buch A Game of Thrones zu einem würdigen Abschluss bringt.

Das Lied von Eis und Feuer
Das Erbe von Winterfell

A Game of Thrones (Pages 360-674), USA 1996, 544 Seiten

Das Lied von Eis und Feuer 2: Das Erbe von Winterfell | George R. R. Martin
© Blanvalet

Autor:
George R. R. Martin

Verlag (D):
Blanvalet
ISBN:
978-3-442-26781-1

Genre:
Fantasy | Drama | Abenteuer

 

Inhalt:

Lord Eddard Stark ist noch immer in Königsmund zugegen, erahnt langsam den Verrat Königin Cerseis an ihrem Mann Robert Baratheon und deckt einige wohlweislich vor neugierigen Augen verborgene Geheimnisse auf. Doch Eddards Erkenntnisse kommen zu spät, denn Robert wird bei der Jagd schwer verwundet und ist dem Tode nahe, während Prinz Joffrey schon nach dem Thron trachtet. Als der König sein Ende findet kommt es zum Umsturz und Lord Stark wird inhaftiert.

Als Robb, der Erbe von Winterfell davon erfährt, versammelt er die Eidesgenossen seines Vaters unter seinem Banner, um gegen die Lennisters ins Feld zu ziehen, die ihrerseits nach Norden streben. Tyrion indes schließt sich der Streitmacht seines Vaters Tywin an, nachdem er dem Wirken Lady Lysas von Hohenehr, der Schwester von Catelyn Stark, hat entgehen können und eine skrupellose Söldnertruppe um sich zu versammeln wusste.

Jon Schnee, Eddards Bastard, unterdessen legt den Eid der Nachtwache an der großen Mauer ab, doch die Kunde vom sich ankündigenden Krieg erreicht letztendlich auch ihn. Doch auch die Gefahr aus dem Norden gewinnt an Substanz und als Jon versucht ist, mit seinem Gelöbnis zu brechen und seinem Vater zu Hilfe zu eilen, offenbart Jeor Mormont ihm ein unglaubliches Geheimnis.

Und im Osten, jenseits der Meerenge, verfolgt Viserys Targaryen weiterhin seine Pläne, mit Hilfe des Khal Drogo die Reiche von Westeros zurückzuerobern. Doch dessen Schwester Daenerys ahnt bereits, dass ihn sein Hochmut noch teuer zu stehen kommen könnte und behält Recht damit, ohne indes auch nur zu erahnen, welches Martyrium das Schicksal noch für sie selbst bereithält.

Rezension:

Da es sich bei Das Erbe von Winterfell letztlich nur um den zweiten Teil des ersten Bandes handelt, fügt sich die Fortsetzung natürlich entsprechend homogen an das Vorangegangene und es finden sich keinerlei stilistische Brüche. Der zweite Band hat sogar den Vorteil, dass die Exposition vieler Figuren teils initiiert, teils abgeschlossen ist und somit das Tempo merklich anzieht. Dadurch entfaltet der vorliegende Band eine noch größere Sogwirkung als der erste Teil und lässt einem kaum eine andere Wahl, als immer weiterzulesen.

Die perspektivischen Wechsel entfalten hier ebenfalls mehr denn je ihre gesamte Genialität, denn durch den Umstand, dass gerade die Mitglieder der Familie Stark nunmehr quasi über die gesamten Königslande verstreut sind, lässt einen auch geographisch von hier nach dort springen und beinahe jedes – für sich genommen kurze – Kapitel mit einem Cliffhanger enden. Die Entwicklung der Geschichte wie auch der Figuren gehen Hand in Hand und sind durchweg überzeugend, auch wenn man manchmal ins Staunen gerät, welchen Reifegrad die als so jung beschriebenen Kinder der Familie Stark zuweilen aufweisen. Dem entgegenhalten kann man natürlich auch, dass in derlei Zeiten eine frühere Reife ja auch vonnöten war, wenn schließlich eben auch Kinder den Thron besteigen können.

Inhaltlich fordert Martin dem Leser auch hier wieder einiges ab und ich durfte mich direkt einmal von einer liebgewonnenen Figur verabschieden. Letztlich zeichnet aber gerade diese Unbarmherzigkeit, dieser Realismus die Reihe aus und manchmal führt die Verkettung unglücklicher Zufälle zu einem mehr als jähen Lebensende. Der fantastische Aspekt wird weiterhin mehr angedeutet denn beschrieben, aber es gibt an mehreren Stellen erste Berührungspunkte, die sich aber äußerst stimmig in die Erzählung einfügen, ohne einen an klassische Fantasy-Elemente denken zu lassen.

Neben den bekannten Figuren kommen in Das Erbe von Winterfell auch – zumindest andeutungsweise – die ersten Vertreter der anderen Häuser ins Spiel und bereichern das vom Autor ersonnene Panoptikum schier unendlichen Ausmaßes nachhaltig. Ging die Entwicklung des ersten Teils voran, geht sie hier in die Tiefe und offenbart zahllose Verflechtungen, Geheimnisse und noch mehr Intrigen. Martins Saga bleibt also weiterhin episch, wort- wie bildgewaltig und durchweg packend. Es wird mir eine große Freude sein, demnächst dann dem dritten Band der Reihe wieder nach Westeros abtauchen zu können um die wirklich zahllosen Figuren bei ihren weiteren Geschicken zu begleiten.

Fazit & Wertung:

Das Erbe von Winterfell bildet zusammen mit Die Herren von Winterfell einen als nahezu perfekt zu bezeichnenden Auftakt zu der wohl durchdachtesten, aufwendigsten und weitschweifigsten Fantasy-Reihe der jüngeren Vergangenheit und lässt mich einmal mehr restlos begeistert zurück.

10 von 10 Schattenwölfen von Winterfell

Das Lied von Eis und Feuer 2: Das Erbe von Winterfell

  • Schattenwölfe von Winterfell - 10/10
    10/10

Fazit & Wertung:

Das Erbe von Winterfell bildet zusammen mit Die Herren von Winterfell einen als nahezu perfekt zu bezeichnenden Auftakt zu der wohl durchdachtesten, aufwendigsten und weitschweifigsten Fantasy-Reihe der jüngeren Vergangenheit und lässt mich einmal mehr restlos begeistert zurück.

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Meinungen aus der Blogosphäre:
Tonight is gonna be a large one.: 10/10 Punkte

Das Lied von Eis und Feuer:

1. Die Herren von Winterfell
2. Das Erbe von Winterfell
3. Der Thron der sieben Königreiche
4. Die Saat des goldenen Löwen
5. Sturm der Schwerter
6. Die Königin der Drachen
7. Zeit der Krähen
8. Die dunkle Königin
9. Der Sohn des Greifen
10. Ein Tanz mit Drachen

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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Blanvalet. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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  • bullion

    "…Panoptikum schier unendlichen Ausmaßes…" schön geschrieben! Es ist manchmal gar nicht so einfach die Übersicht zu behalten. Und lass dir gesagt sein: Es wird im zweiten Teil (bzw. 3 und 4) nicht einfacher. Ich habe noch ca. 200 Seiten, dann bin ich mit dem knapp 1000-seitigen Wäzer auch durch.

    • Damit habe ich auch nicht gerechnet. Immerhin sterben ja ab und an einige Figuren, das hilft beim Überblick 😉 Ich freu mich schon drauf, muss jetzt aber erst einmal den nächsten Hexer-Roman „schaffen“.

  • Ich stoße in letzter Zeit immer häufiger über diese Bücher und sehe durchweg gute Kritiken. Hmm…sollte ich vielleicht doch mal zuschlagen?

    • Vielleicht ja… Quatsch, natürlich! Denn wenn du nur ansatzweise etwas für das Genre übrig hast und dankbar bist für endlich einmal wieder erwachsene und ernsthafte Fantasy, dann nichts wie los!

      • Marco

        Habe mir das erste Buch mal bestellt und lasse mich gerne überraschen :) Melde mich dann wieder!

      • Marco

        Bestellung da, angelesen und absolut begeistert. Allerdings bin ich regelrecht erschlagen worden von eingeführten Charakteren. Muss man wirklich konzentriert lesen.

      • Das hört sich doch gut an, freut mich sehr, dass es kein Fehlgriff für dich war! Ich nehme mal an, mittlerweile bist du auch schon etwas weiter und hast dir die wichtigsten Namen eingeprägt, oder? Der Appendix hinten mit den „wichtigsten“ Figuren ist aber tatsächlich gerade zu Anfang ein unverzichtbares Hilfsmittel.

      • Ja, mittlerweile sitzen die Namen. Habe mir mittlerweile auch die erste Staffel der Serie angetan. Eine der besten Serien seit langer Zeit…mit Spartacus: Blood and Sand.

  • Helge Marggraf

    Die ersten beiden Bände sind mir von meinem Buchhändler des Vertrauens überschwenglich empfohlen worden. Leider muß ich sagen, halten die Bücher nicht ansatzweise das, was mein Buchhändler mir vorgeschwärmt hat. Es fielen Worte wie “ besser als Der Herr der Ringe“, die Bücher sind nicht besser, eher das Gegenteil ist der Fall. Hätte mich auch sehr überrascht, wenn die Bücher besser gewesen als die vom Großmeister der Fantasy Tolkien himself. Ich werde mir keine weiteren Bände dieser Saga kaufen. Die Verfilmung allerdings war sehr gut.

    • So unterschiedlich können Geschmäcker sein. Ärgerlich natürlich, dass du dir direkt die ersten beiden Bände zugelegt hast und nicht nur einen. Ich verstehe wohl, was die Leute meinen, wenn sie „Das Lied von Eis und Feuer“ mit „Der Herr der Ringe“ vergleichen, aber der Vergleich hinkt tatsächlich doch sehr, bewegen sich beide Geschichten auch in extrem differierenden Welten (und haben zumindest bei mir im Buchregal eine gleichwertige Daseinsberechtigung).

      Was mich aber wirklich wirklich wundert ist, dass dir die Serie sehr gut gefallen hat, denn sie hält sich ja ungewöhnlich nah an die Vorlage. Woran genau lag es denn dann, dass dich die geschriebene Variante nicht in ihren Bann ziehen konnte?

      • Habe in letzter Zeit häufiger gehört, dass Leute die Bücher nicht gut fanden, die Serie aber umso mehr. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Serie visualisiert. Die innere Bühne, die man beim Lesen hat, ist bei soviel Input relativ „schwach“.

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