Review: Sunshine Cleaning (Film)

Was habe ich mich lange auf diesen Film gefreut und was ist das schön, wenn Erwartungen nicht enttäuscht werden. Aber was rede ich, lest doch einfach selbst!

Sunshine Cleaning

Sunshine Cleaning, USA 2008, 91 Min.

Sunshine Cleaning | © Alive
© Alive

Regisseurin:
Christine Jeffs
Autorin:
Megan Holley

Main-Cast:
Amy Adams (Rose Lorkowski)
Emily Blunt (Norah Lorkowski)
in weiteren Rollen:
Alan Arkin (Joe Lorkowski)
Steve Zahn (Mac)
Clifton Collins Jr. (Winston)

Genre:
Drama | Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Rose hat es nicht leicht: Als alleinerziehende Mutter und Putzfrau der Reichen ist von ihrer früheren Popularität als Cheerleaderin nicht mehr viel geblieben und während ihre Klassenkameradinnen reich geheiratet oder Karriere gemacht haben, schlägt sie sich mehr schlecht als recht durchs Leben. Ihre Schwester Norah ist ihr auch keine große Hilfe und glänzt lieber durch Unzuverlässigkeit oder Abwesenheit, hat jüngst wieder einen schlechtbezahlten Job als Hilfskellnerin verloren und wohnt bei ihrem Vater Joe, der sich mit schrulligen Geschäftsideen seine Lebensgeister erhält und immer noch davon träumt, den großen Coup zu landen.

Einzig die Affäre mit dem Polizisten Mac lässt Rose ihren Alltag für einige Stunden vergessen, doch auch diese regelmäßigen Stelldicheins sind überschattet von der Tatsache, dass Mac verheiratet ist – noch dazu mit einer früheren Freundin von Rose – und auch nicht vorhat, seine Frau zu verlassen. Als dann Rose‘ Sohn auch noch der Schule verwiesen werden soll und das Geld für eine Privatschule fehlt, bricht Rose endgültig der Boden unter den Füßen weg. Doch Mac hat unverhofft eine Idee und schustert ihr einen Auftrag zur Tatortreinigung zu. Schnell holt Rose Norah mit ins Boot und das Geschäft beginnt zu florieren, so dass sie Sunshine Cleaning gründen.

Rezension:

Sunshine Cleaning präsentiert sich vom ersten Moment an als wahre Indie-Perle und glänzt mit einer zwar unaufgeregten, aber auch frischen Erzählweise. Nur langsam offenbaren sich Beweggründe, Motivationen und Hintergründe der Figuren, aber das ist auch gut so, denn so wachsen sie dem Zuschauer nach und nach ans Herz, fast als würde man sie immer besser kennenlernen und als würden sie nach und nach ihre Geheimnisse preisgeben. Zudem sind die Figuren alle sehr liebevoll ausgestaltet und besitzen samt und sonders ihre speziellen Eigenheiten und auch Spleens, ohne das eine Gefahr von Overacting droht.

Dieser Umstand ist natürlich zuvorderst den Schauspielern geschuldet, allen voran aber Amy Adams, die Herzstück und Zugkraft des Films ausmacht. Denn während dieser nur langsam an Fahrt gewinnt und ganz zu Beginn beinahe noch behäbig anmutet, ist man doch von der ersten Minute an bei ihr, fiebert mit dieser so normalen, so typischen, so liebenswerten Frau mit, die sich verzweifelt ein wenig Glück im Leben zu erkämpfen sucht. Doch auch Emily Blunt und Alan Arkin als ihre Schwester und ihr Vater wissen gleichermaßen zu gefallen wie zu überzeugen. Heimlicher Held in Sunshine Cleaning war mich aber Clifton Collins Jr., der als einarmiger Verkäufer für Reinigungsmittel zu überzeugen weiß und dem Familienunternehmen der Lorkowskis ein ums andere Mal den Weg ebnet und aus der Patsche hilft. Dabei schlägt er derart gekonnt subtile Zwischentöne an, die eine deutliche Zuneigung zu Adams Figur Rose signalisieren, von der diese aber nichts ahnt. Letztlich entwickelt sich hieraus – quasi wie im wahren Leben – freilich keine Romanze, doch sind es gerade diese Kleinigkeiten, die den Film aus der Masse herauszuheben wissen.

Zudem ist der Film von einer spürbaren, aber nie erdrückenden Tragik durchzogen, brilliert aber auch und insbesondere in seinen komischen Momenten. Sehr gut gefiel mir auch, dass hier weder Patentlösungen für ein glückliches Leben angepriesen werden, noch dass sich Probleme Hollywood-like mir nichts dir nichts in Luft auflösen. Das verleiht der Geschichte einen seltenen Realismus, ohne dass dieser wie erzwungen wirkt und gemeinsam mit der wirklich anrührenden Darbietung hat sich Sunshine Cleaning dadurch recht schnell in mein Herz gespielt. Theoretisch ist dieser Film eine weitere Abwandlung des wohlbekannten American Dream, wirft aber gleichzeitig einen Blick hinter die Fassade und zeigt, wie es in der amerikanischen Mittelschicht tatsächlich aussieht.

Natürlich ist Sunshine Cleaning zuweilen ein wenig morbide und spielt augenzwinkernd mit seiner schwarzhumorigen Komponente, doch gewinnt die Geschichte um das Reinigungsunternehmen der Lorkowski-Schwestern nie die Überhand, obwohl sie doch den roten Faden für die restlichen Erzählungen bildet, die verschiedene Aspekte der Gedankenwelten der Lorkowskis beleuchten und eben auch nach und nach zu erklären wissen, warum alles kam wie es kam. Also bitte erwartet keine Tatortreiniger-Komödie, sondern vielleicht mehr ein Familiendrama mit vielen herzerwärmend-witzigen Momenten und einer alles durchdringenden Feel-Good-Attitüde, die auch in den schwärzesten Szenen zum Weitergucken animiert.

Fazit & Wertung:

Sunshine Cleaning, ein Film der berührt, zum Lachen verleitet, zum Weinen bringt, zum Nachdenken, zum Mitfiebern und –fühlen – besser kann Kino eigentlich kaum sein.

9 von 10 Tatort-Säuberungen

Sunshine Cleaning

  • Tatort-Säuberungen - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Sunshine Cleaning, ein Film der berührt, zum Lachen verleitet, zum Weinen bringt, zum Nachdenken, zum Mitfiebern und –fühlen – besser kann Kino eigentlich kaum sein.

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DVD:

Blu-ray:

  • Da gehts um putzen!

  • Den Film habe ich in meiner „Sauberkeit ist mir wichtig“-Sammlung!!

  • concerningmovies

    Ein wirklich schönes Feelgood-Movie, das einen festen Platz in meiner DVD-Sammlung einnimmt.  Deiner Rezension schließe ich mich voll und ganz an.  Amy Adams sehe ich sowieso immer gerne und Emily Blunt, die ich vorher noch nicht kannte, hat mir so gut gefallen, dass sie mit diesem Film gleich eine meiner Lieblingsschauspielerinnen geworden ist.

  • EmmiNordwind

    Oh ja auch volle Zustimmung von mir. Ich hab den Film damals im Kino gesehen und weiß noch, wie schön ich den Film fande. Obwohl er eigentlich gar  nichts leichtes, unbeschwertes an sich hat, ist er trotzdem nicht schwermütig und hinterlässt ein gutes Gefühl. :)
    emmi

  • maloney

    Der Film speilt etwea für mich in etwa der gleichen Kategorei wie Juno….nie zuviel Drama und die gute balance zwischen Humor und Ernsthaftigkeit.

  • Der Film scheint sich ja wirklich allgemein großer Beliebtheit zu erfreuen! Aber natürlich auch vollkommen zu Recht! Ich werde ihn mir sicher beizeiten auch noch einmal ansehen, allein damit meine Freundin auch noch in den Genuss kommt (wobei sie das Thema ein wenig abgeschreckt hat).

  • Pingback: Review: Sicario (Film) | Medienjournal()

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