Review: Contagion (Film)

„Pünktlich“ zu der vor knapp vierzehn Tagen erfolgten Meldung, dass Warner Bros. ein Sequel zu diesem Film drehen möchte, komme ich nun also mit der Rezension zum ersten Teil von Contagion um die Ecke. Wobei sich erster Teil in diesem Zusammenhang denkbar dämlich anhört, denn mir fällt auf Anhieb kaum ein Film ein, der in sich so stimmig, so abgeschlossen und so, ja, zu Ende erzählt ist wie dieser. Aber gut, wenn das Geld ruft, können sich wohl die wenigsten entziehen und da die Handlung von Contagion 2 noch völlig offen ist, bin ich einfach mal wertungsfrei gespannt.

Jetzt aber erst einmal zum bereits vorliegenden Film, bevor wir hier die Pferde scheu machen.

Contagion

Contagion, USA/AE 2011, 106 Min.

Contagion
Quelle: IMPawards.com

Regisseur:
Steven Soderbergh
Autor:
Scott Z. Burns

Main-Cast:
Marion Cotillard (Dr. Leonora Orantes)
Matt Damon (Mitch Emhoff)
Laurence Fishburne (Dr. Ellis Cheever)
Jude Law (Alan Krumwiede)
Gwyneth Paltrow (Beth Emhoff)
Kate Winslet (Dr. Erin Mears)
in weiteren Rollen:
Bryan Cranston (Lyle Haggerty)
Jennifer Ehle (Dr. Ally Hextall)
Sanaa Lathan (Aubrey Cheever)

Genre:
Drama | Thriller | Endzeit

Trailer:

 

Inhalt:

Tag 2: Beth Emhoff kehrt von einer Geschäftsreise in Hongkong nach Minneapolis zu Mann und Kind heim. Ersten grippalen Symptomen, die sich bei ihr bemerkbar machen, schenkt sie keine Bedeutung, doch bald schon verschlechtert sich ihr Gesundheitszustand rapide und auch ihr Clark Sohn erkrankt. Als Beth zusammenbricht bringt ihr Mann Mitch sie ins Krankenhaus, wo sie verstirbt. Noch völlig geschockt bekommt Mitch einen Anruf der Babysitterin. Clark ist ebenfalls gestorben. Während Mitch unter Quarantäne gestellt wird, kehrt dessen Tochter Jory von einem Ausflug zurück und muss am Telefon die schreckliche Nachricht erfahren.

Unterdessen schürt der Blogger Alan Krumwiede die Panikmache und sieht Verbindungen zu ähnlich gelagerten Todesfällen unbekannter Ursache in Tokyo, Hongkong und Chicago. Als der Virus sich zu einer Epidemie auszuwachsen beginnt und die Todesfälle sich häufen, wendet sich das Department of Homeland Security an Dr. Ellis Cheever vom CDC (Centers for Disease Control and Prevention), weil sie terroristische Hintergründe vermuten. Während dieser Dr. Erin Mears beauftragt, die Ausbreitungshistorie und mögliche Kontaktpersonen zu ermitteln, entsendet die WHO (World Health Organization) Dr. Leonora Orantes nach Hongkong, um dort den möglichen Patienten Null zu ermitteln und Blogger Krumwiede propagiert das homöopathische Forsythia als wirksames Heilmittel.

Kurz darauf wächst sich das Virus zu einer Pandemie aus und fordert weltweit Millionen Opfer, während die Gesellschaft an der Bedrohung und Panikmache zu zerbrechen droht.

Rezension:

Man könnte Contagion schnell in der Sparte der Katastrophenfilme verorten oder auch bei den zahlreichen Seuchen-Thrillern einsortieren, aber beides würde diesem wirklich interessanten Film nur marginal gerecht werden. Denn im Grunde ist Soderberghs neuester Streich ein reinrassiges Drama mit Krimi-Anleihen und Versatzstücken, die mehr an eine fiktive Doku-Reportage denken lassen denn an ein effektvoll inszeniertes Stück Popcorn-Kino. Vermutlich habe ich gerade deshalb im Freundes- und Bekanntenkreis zahlreiche Stimmen vernehmen dürfen, die dem Film pure Langeweile diagnostizieren, denn diese hatten sich sicherlich ein mitreißendes Epos erwartet inklusive Splatter und Anarchie.

Doch was der Regisseur uns mit Contagion serviert ist ungleich spannender und gerade deshalb so unaufgeregt, ja beinahe kühl erzählt, denn die Geschichte trägt so deutliche Anleihen an der Realität, dass man sich stets bewusst sein darf, dass dieses Szenario in der Realität genauso eintreten könnte und teilweise in der Vergangenheit auch schon ist – wenn auch beileibe nicht in diesem dramatischen Ausmaß. Es gereicht dem Filmemacher zur Ehre, dass er sich auch nicht der üblichen Mechanismen wie etwa Ausschnitten aus Nachrichten-Shows bedient, um das wachsende Ausmaß der Epi- und später Pandemie zu verdeutlichen, sondern dass diese Entwicklung sich ganz organisch in die Geschichten der Einzelschicksale einfügt, derer es in Contagion einige hat.

Betrachtet man einmal den Cast des Films und schielt dann auf die Laufzeit so würde man mutmaßen, dass die Geschichten der einzelnen Charaktere definitiv zu kurz kommen müssen, doch es ist der stringenten Inszenierung nebst der darstellerischen Qualitäten der durchweg ansehnlichen Besetzung zu verdanken, dass selbst kleinere und kaum mehr als skizzierte Rollen trotzdem nicht eindimensional oder beliebig daherkommen. So freut sich der geneigte Cineast neben dem genannten Main-Cast auch über kleinere Auftritte von beispielsweise Armin Rohde oder – mein Highlight – Enrico Colantoni (Veronica Mars) an der Seite von Bryan Cranston (Breaking Bad).

Was stellt man also an, wenn man derartig vielversprechende Schauspieler in einem Film unterzubringen hat? Man spendiert ihnen samt und sonders bewegende und mitreißende Schicksale und lässt sie mit der ins Verderben rasenden Gesellschaft interagieren ohne dabei aus den Augen zu verlieren, dass man eben kein stumpfsinniges Endzeit-Kino fabrizieren möchte. Da ist es dann wieder von Vorteil, dass Steven Soderbergh für Contagion verantwortlich zeichnet, denn ihm glückt das Experiment und das wäre beileibe nicht jedem gelungen. Wer sich also freimacht von der Erwartungshaltung, dass es sich bei dem Film um einen Seuchen-/Katastrophen-Thriller handelt, bekommt ein erstklassiges und packendes, hochkarätig besetztes Gesellschaftsdrama vorgesetzt.

Fazit & Wertung:

Contagion wusste mich zu fesseln und gerade die Vermeidung dramaturgischer Spitzen und das beiläufige Geschehen tragischer Ereignisse geben dem Film eine besondere, realitätsnahe Note, die einem kalte Schauer über den Rücken laufen lässt.

8,5 von 10 flüchtigen Berührungen, die ein tödliches Virus übertragen

Contagion

  • Flüchtige Bewegungen, die ein tödliches Virus übertragen - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Contagion wusste mich zu fesseln und gerade die Vermeidung dramaturgischer Spitzen und das beiläufige Geschehen tragischer Ereignisse geben dem Film eine besondere, realitätsnahe Note, die einem kalte Schauer über den Rücken laufen lässt.

8.5/10
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