Review: Rom | Staffel 2 (Serie)

Nachdem ich diese Rezension nun endlose Zeit vor mir hergeschoben habe, um neueren Produktionen, insbesondere von HBO, wie etwa Boardwalk Empire oder Game of Thrones den Vorzug zu geben, schaffe ich es nun endlich, auch zur zweiten und leider letzten Staffel von Rom ein paar Zeilen auf das digitale Papier zu bringen. Wie sich aus meinen Äußerungen schließen lässt, habe ich selbstverständlich die erste Staffel bereits rezensiert.

Rom
Staffel 2

Rome, UK/USA 2005-2007 , ca. 50 Min. je Folge

Rom

Serienschöpfer:
Bruno Heller
William J. MacDonald
John Milius
Showrunner:
Bruno Heller

Main-Cast:

Kevin McKidd (Lucius Vorenus)
Ray Stevenson (Titus Pullo)
Polly Walker (Atia von den Juliern)
Lindsay Duncan (Servilia von den Juniern)
James Purefoy (Marc Anton)
Simon Woods (Gaius Octavius)
Kerry Condon (Octavia von den Juliern)
Tobias Menzies (Marcus Junius Brutus)
David Bamber (Marcus Tullius Cicero)
Lyndsey Marshal (Cleopatra)

Genre:
Historie | Drama

Trailer: (auf englisch)

 

Inhalt:

Nach der Ermordung Gaius Iulius Caesars‘ an den Iden des März 44 v. Chr. entpuppt sich dessen Großneffe Octavius als im Testament benannter Alleinerbe. Würde man nun aber Caesar posthum zum Tyrannen erklären und somit den Mord an ihm straffrei stellen, verlöre nicht nur sein Testament seine Bedeutung, sondern auch sämtliche von ihm getroffenen Entscheidungen, inklusive der Vergabe von Ämtern und Ehren, so dass selbst die Mörder um Brutus und Cassius kein Interesse daran haben. Und so wird ein Staatsbegräbnis abgehalten und man demonstriert Einigkeit. Doch im Streit um die Auszahlung des Erbes kommt es bald schon zum Zerwürfnis zwischen Marc Anton und Octavius, woraufhin Brutus und Cassius sich schon in Sicherheit wiegen und darauf zu hoffen wagen, dass die beiden sich untereinander aufreiben werden, während Cicero ganz der Opportunist seine eigenen Intrigen spinnt.

Unterdes gibt sich Vorenus noch immer die Schuld am Tod seiner Frau und muss mit Schrecken feststellen, dass seine Kinder entführt worden sind. Er und sein Freund Pullo befragen Erastes Fulmen nach deren Verbleib als dieser behauptet sie ermordet zu haben töten sie ihn schlussendlich. Als durch Erastes‘ fehlende Strenge das Chaos auf dem Aventin und zwischen den rivalisierenden Banden ausbricht, beauftragt Marc Anton Vorenus und Pullo für Ordnung zu sorgen und bald schon ist Vorenus ob seiner unerbittlichen Härte und Unbarmherzigkeit als Sohn des Hades bekannt und fügt sich in seine neue Rolle – bis Pullo erfährt, dass Vorenus‘ Kinder wider Erwarten noch am Leben sind.

Rezension:

Den Beginn der Rezension der ersten Staffel hatte ich damals genutzt, um auf die zahlreichen Superlativen hinzuweisen, mit denen HBOs Rom sich hat schmücken können, sei es das Budget, die Ausstattung, Kulissen und Kostüme oder die zahlreichen hochkarätigen Schauspieler und in all diesen Sparten konnte das historische Epos in der Fernsehwelt Maßstäbe setzen, die zwar größtenteils mittlerweile übertroffen worden sind, nichtsdestotrotz aber als wegweisend bezeichnet werden können. Diese Lobhudelei kann ich mir diesmal natürlich schenken, denn meine Meinung zur ersten Staffel von Rom sollte hinlänglich bekannt sein, ist im Zweifelsfall ja aber auch jederzeit nachzulesen. Klar habe ich durch den vorangegangenen Satz aber genau das gemacht, was ich nicht hätte machen müssen, also die zahlreichen Stärken wiederholt, die diese Serie für mich so einzigartig machen, aber ich halte es für wichtig eine gemeinsame Ausgangsbasis zu haben, wenn ich nun von der zweiten und auch schon letzten Staffel spreche, bei der ich zu meinem Bedauern auch hier und da ein wenig Kritik werde äußern müssen.

Zunächst einmal beginnt Rom genau dort, wo Rom aufgehört hat, schließt also nahtlos an die Geschehnisse zum Ende der Staffel an, was insofern erfreulich ist, als dass beinahe ein Jahr zwischen der Produktion lag. So stimmig der Einstieg auch ist, so schnell offenbart sich binnen weniger Folgen, dass das Ende der Serie zu diesem Zeitpunkt schon bekannt war, denn zahlreiche Begebenheiten werden derart im Zeitraffer abgespult, dass man zuweilen seine liebe Mühe hat, dem chronologischen Faden zu folgen. Ich verstehe wohl die Intention der Macher, allerdings entheben sie die Serie ein Stück weit ihrer Genialität, denn wo man sich vorher Zeit genommen hat, um eine glaubhafte und nachvollziehbare Geschichte zu erzählen, werden hier insbesondere unwichtig erscheinende Nebenstränge kommentarlos abgehandelt, Figuren tauchen auf und verschwinden sang- und klanglos wieder und mancher Konflikt scheint ungerechtfertigt zu entbrennen, weil ihm nicht die Zeit eingeräumt wird, sich zu entwickeln.

Unter diesen Vorzeichen leidet natürlich die Dramaturgie der gesamten Serie, doch hat man sich durchaus auch spannendes einfallen lassen wie etwa Vorenus‘ Zerwürfnis mit sich selbst und seinem Niedergang in die tiefsten Abgründe der menschlichen Gesellschaft und natürlich auch Marc Antons an Wahnsinn grenzende Liebschaft zu Cleopatra, die sich mehr und mehr zu einer völligen Blindheit gegenüber der Realität auswächst und auch der Weg des langsam erstarkenden und zu ungekannter Tyrannei neigenden Octavius, der übrigens nach wenigen Folgen durch einen Zeitsprung bedingt durch Simon Woods, einen neuen (älteren) Schauspieler ersetzt worden ist, welcher es aber tatsächlich glaubhaft versteht, die Manierismen seines Vorgängers zu übernehmen und um eigene charakterliche Winkelzüge zu ergänzen, so dass ich gerne mehr von Octavius gesehen hätte, wenn Rom nicht dieses unsägliche viel zu frühe Ende gefunden hätte.

An Bombast, Epik und Glaubwürdigkeit kommt die zweite Staffel Rom zwar nicht mehr an die richtungsgebende erste Staffel heran, doch auch wenn diese in sich recht abgeschlossen gewesen wäre, möchte ich doch das Widersehen mit Vorenus, Pullo und all den anderen nicht missen, auch wenn es beileibe nicht für jeden ein Happy-End geben wird. Nichtsdestotrotz stimmt das Ende versöhnlich und auch wenn es von Mal zu Mal unglaubwürdiger wird, wenn die beiden Freunde bei nahezu allen wichtigen historischen Begebenheiten in tragender Rolle zugegen sind, macht es doch immer noch einen Heidenspaß insbesondere den beiden auf ihrem historischen Streifzug zu folgen und ihre Geschicke zu beobachten.

Fazit & Wertung:

Auch wenn Rom im zweiten Aufguss also nicht mehr ganz die Klasse des Vorgängers erreicht ist es immer noch allerfeinste Fernsehunterhaltung und kann sich gleichwohl mit den meisten filmischen Pendants mühelos messen. Trotz einer zuweilen gehetzten Erzählweise ein durchaus würdiger Abschluss einer – ich werde es nicht müde zu betonen – viel zu früh beendeten Serie.

8,5 von 10 Machtverschiebungen, Intrigen, Meuchelmorden und Verwünschungen

Rom | Staffel 2

  • Machtverschiebungen, Intrigen, Meuchelmorden und Verwünschungen - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Auch wenn Rom im zweiten Aufguss also nicht mehr ganz die Klasse des Vorgängers erreicht ist es immer noch allerfeinste Fernsehunterhaltung und kann sich gleichwohl mit den meisten filmischen Pendants mühelos messen. Trotz einer zuweilen gehetzten Erzählweise ein durchaus würdiger Abschluss einer – ich werde es nicht müde zu betonen – viel zu früh beendeten Serie.

8.5/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Moviescape: 8/10 Punkte (bezieht sich auf das Gesamtwerk (Staffel 1+2)

Episodenübersicht: Staffel 2

01. Pessach
02. Sohn des Hades
03. Dies sind die Worte von Marcus Tullius Cicero
04. Testudo Et Lepus
05. Helden der Republik
06. Philippi
07. Totenmaske
08. Eine notwendige Fiktion
09. Deus Impeditio Esuritori Nullus
10. De Patre Vostro

 

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DVD:

Blu-ray:

  • Kevin/Chambers

    Hört sich ziemlich interessant an, hatte die Serie so noch gar nicht auf dem Schirm.

    • Na dann hat es sich doch schon gelohnt, dass ich „Rom“ besprochen habe, auch wenn die Serie nicht mehr brandaktuell ist!

  • Ja, kann ich auch so unterschreiben. Insegsamt habe ich die Serie etwas schwächer gesehen, doch unterhaltsam und wuchtig inszeniert war sie auf jeden Fall. Typisch HBO eben.

    • Wohl wahr, HBO hat es definitiv raus, weiß aber neben der Optik (meist) auch erzählerisch zu überzeugen

  • Flo Lieb

    Ich fand die zweite Staffel minimal besser als die Erste, obschon ich die Serie in ihrer Summe als durchschnittlich empfand. 

    • So sind Geschmäcker verschieden. Vielleicht bin ich aber auch unter anderem deshalb so positiv gestimmt, weil ich lange Jahre einen Bogen um „Rom“ gemacht habe in dem Glauben, dass mich die Thematik nicht zu fesseln wüsste und daher natürlich im besten Sinne überrascht wurde.

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