Review: Gamer (Film)

So, nachdem mein erstes Gewinnspiel eine Totgeburt zu werden droht, da es bisher sage und schreibe eine regelkonforme Teilnehmerin gibt (wobei zugegebenermaßen auch der Gewinn nicht gerade spektakulär ist, aber dafür ja immerhin umsonst), widme ich heute lieber mal wieder der Kernkompetenz des Medienjournals und offeriere euch eine weitere Filmrezension.

Gamer

Gamer, USA 2009, 95 Min.

Gamer
Quelle: IMPawards.com

Regisseure:
Mark Neveldine
Brian Taylor
Autoren:
Mark Neveldine
Brian Taylor

Main-Cast:
Gerard Butler (Kable / John Tillman)
in weiteren Rollen:
Michael C. Hall (Ken Castle)
Amber Valletta (Angie)
Logan Lerman (Simon Silverton)
Terry Crews (Hackman)
Chris ‚Ludacris‘ Bridges (Humanz Brother)
Kyra Sedgwick (Gina Parker Smith)

Genre:
Science-Fiction | Action | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Die Zukunft: Ken Castle, der exzentrische wie geniale Entwickler hat sich längst zum Multimilliardär aufgeschwungen, was auf das Online-Game Society zurückzuführen ist in dem die Spieler – und das ist neu – echte Menschen mittels in das Gehirn implantierter Nanochips steuern können und mit diesen Alter Egos in den virtuellen Welten ihren geheimen Gelüsten und Perversionen nachgehen können. Castles neueste Erfindung erfreut sich aber mittlerweile noch größerer Beliebtheit. Dabei handelt es sich um den Shooter Slayer, der auf einer recht ähnlichen Prämisse fußt, hier aber den Spielern die Kontrolle über inhaftierte Häftlinge zugesteht, die – modernen Gladiatoren gleich – in riesigen Kampfarenen gegeneinander antreten und bei dreißig in Folge gewonnenen Matches sogar in die Freiheit entlassen werden sollen.

Heißester Anwärter hierauf ist John Tillman, genannt Kable, der nunmehr siebenundzwanzig Kämpfe unbeschadet und siegreich überstanden hat. Jedoch hat der Erfinder des Spiels nicht vor, Tillman entkommen zu lassen, da dessen Erinnerungen an illegale Experimente im Zusammenhang mit der Entwicklung der gefeierten Nanotechnologie Castle in arge Bedrängnis bringen könnten, so dass er einen eigenen Kämpfer ins Rennen schickt, der – da nicht ferngesteuert – schneller und besser reagieren kann als jeder der fremdbestimmten Mitspieler. Zum Glück für Kable sind auch die Humanz auf ihn aufmerksam geworden, eine Untergrundbewegung, die es sich zum Ziel gesetzt hat Castles sinistere Machenschaften offenzulegen und bringt Kable in Kontakt mit seinem Spieler Simon.

Rezension:

Die Dystopie, die die Crank-Macher Neveldine und Taylor für die Welt von Gamer ersonnen haben ist zunächst einmal wahnsinnig spannend und steht ganz in der Tradition klassischer, düsterer Zukunftsvisionen. Da ist es schon ein wenig schade, dass dieses Konstrukt letztlich auch nur als Überbau für einen waschechten Actioner dient, der sich nur am Rande und marginal der Versuchung hingibt, ein wenig Gesellschaftskritik mit einfließen zu lassen. Immerhin tut aber der Film nie so, als sei er mehr als ein Action-Reißer und somit bekommt der Zuschauer für sein Geld genau das, was er erwartet.

Da verwundert es auch kaum, dass die Untergrundorganisation Humanz in dem ganzen Gewirr beinahe unterzugehen droht und abgesehen von zwei bis drei Schlüsselszenen kaum Bewandtnis zu haben scheint, so dass Alison Lohmans Rolle (deren Name auch nicht im Main-Cast verzeichnet ist) auch ersatzlos hätte gestrichen werden können. Immerhin ergeht es ihr wie auch Chris ‘Ludacris’ Bridges nicht anders als dem Helden der Geschichte, der über den Antrieb hinaus, seine Frau zu finden, Castle zu besiegen und dessen Welt zu verlassen, ebenfalls kaum an Profil gewinnt. Dagegen schwer begeistert hat mich einmal mehr Michael C. Hall (Dexter), der seinen Ken Castle als wahnsinnig charismatischen wie auch skrupellosen Soziopaten anlegt und für manch großartigen Auftritt sorgt. Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben darf Amber Valletta als Kables Frau, die eine gleichsam überzeugende Performance abliefert und das, obwohl sie insbesondere in der ersten Hälfte des Films beinahe gänzlich autark von den anderen Figuren aufspielen muss.

Was Gamer aber auf dramaturgischer Seite nicht zu leisten vermag, weil die Story nun einmal recht dünn und überraschungsarm daherkommt, das macht er doch in weiten Teilen mit der bombastischen Action, großartiger Kameraführung und einem eigensinnigen und überzeugenden Look wieder wett. Man kann sich des Gefühls nicht erwehren, fasziniert zu sein von Castles virtuellen Welten, so kritisch sie im wahren Leben zu sehen wären, so spannend ist es doch, diesem Film gewordenen Gedankenspiel zu folgen. Eine kritische Auseinandersetzung wird zwar wie gesagt angedeutet, aber abgesehen von einigen wenigen Plattitüden und der Existenz der Humanz bleibt deren Vorhandensein nur pure Behauptung.

Punkten kann Gamer dann aber auch mit einigen skurrilen und frischen Ideen und einwandfrei inszeniertem Computer-Game-Look, der vor allem dann zu gefallen weiß, wenn der Spieler Simon und dessen Figur gleichsam im Bild zu sehen sind. Er geizt auch zuweilen nicht mit sparsam gesetztem schwarzen Humor und schafft es, so gut wie ohne Längen über die Dauer des gesamten Films auf gleichbleibendem Niveau zu unterhalten, so dass Gamer ein zwar etwas substanzloser, aber auf dem Action-Gebiet durchaus überzeugender und einfallsreicher Streifen daherkommt.

Fazit & Wertung:

Gamer räumt sich selbst nicht den Raum ein, die zweifellos vorhandenen Möglichkeiten zu einem kritischen Hinterfragen der dargestellten Welt zu nutzen und ergeht sich stattdessen in zweifellos großartigen Kämpfen und Effektgewittern, was ihn zwar weder schlecht, aber durch den Verzicht auf Tiefe auch nicht überragend gut macht.

7 von 10 überlebten Slayer-Runden

Gamer

  • Überlebte Slayer-Runden - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Gamer räumt sich selbst nicht den Raum ein, die zweifellos vorhandenen Möglichkeiten zu einem kritischen Hinterfragen der dargestellten Welt zu nutzen und ergeht sich stattdessen in zweifellos großartigen Kämpfen und Effektgewittern, was ihn zwar weder schlecht, aber durch den Verzicht auf Tiefe auch nicht überragend gut macht.

7.0/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Filmherum: 3,5/5 Punkte
Stuffed Shelves: 6/10 Punkte

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DVD:

Blu-ray:

  • Kevin/CityOfCinema

    Sehr gute Review, es finden sich ja im Allgemeinen wenige die „Gamer“ was abgewinnen können. Teile deine Meinung aber uneingeschränkt. 

    Und dann kurz zu deinem Gewinnspiel (ich schreib mal hier dazu, weil ich sonst in die Auslosung reinkommen würde): Ich finde Gewinnspiele von Bloggern immer toll, da kommt es ja auch gar nicht drauf an was verlost wird, ist, wie du sagst, ja kostenlos. Doch mitmachen tu ich nur, wenn es mich auch interessiert, es könnte ja sonst einen geben, der sich den Preis wirklich wünscht, ihn aber dann nicht kriegt. Die Philosophie verfolge zumindest ich, ist vielleicht bei vielen anderen auch so. Deswegen mach dir mal kein Kopf wegen zu wenig Beteiligung, eine(n) machste immerhin trotzdem glücklich :)

    • Ne, da mach ich mir auch keinen Kopf und ja, der Film kommt allgemein recht schlecht weg aber mein Gott, es ist halt ein Action-Film, wer da meckert, dass er sein Setting nicht weit genug ausreizt und dass es zu wenig oder nur halbgare Gesellschaftskritik gebe, der hat sich auch nicht klar gemacht, was für eine Art von Film er sich ansieht – und Michael C. Hall als Bösewicht war einfach großartig!

  • Das dürfte so ziemlich die beste Kritik zu dem Streifen sein, der mich aufgrund seiner Prämisse durchaus interessiert, aber ich bisher immer dachte der Film wäre zu schwach. Mal sehen, ob ich nun doch einmal reinschaue…

    • Er ist unterhaltsam. Er verschenkt Möglichkeiten und hätte tiefgründiger sein können, aber es ist ein Action-Film und als dieser funktioniert er – trotz oder gerade wegen „Style over Substance“ – sehr gut!

  • Eine richtig gute Kritik. Ich habe den Film vor längerer Zeit bereits getestet und kam zu folgendem Urteil:  „Es bleibt ein reiner Actionfilm, der brutal und abgedreht ist. Für alle, denen Epilepsie nichts sagt, und die schon bei Crank 2 keinen Schwindelanfall bekamen, ist der Film sicherlich zu empfehlen. Wer allerdings Tiefgang, gute Darsteller oder optische Highlights sucht, ist hier fehl am Platz.“

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