Review: Haarmann (Graphic Novel)

Heute eine weitere Graphic Novel aus meinem reichen Fundus. Ein Exemplar diesmal, dass ich dereinst geschenkt bekommen habe und das verdammt lange bei mir auf Halde gelegen hat. Jetzt immerhin habe ich mich ihm gewidmet und mein Eindruck, tja der folgt jetzt:

Haarmann

Haarmann, DE 2010, 176 Seiten

Haarmann
© Carlsen Comics

Autor:
Peer Meter
Zeichner:
Isabel Kreitz

Verlag (D):
Carlsen Verlag
ISBN:
978-3-551-79107-8

Genre:
Biografie | Krimi | Historie

 

Inhalt:

Im Frühsommer des Jahres 1924 werden in der Leine in Hannover mehrere Schädel gefunden, die Ermittlungen in Richtung eines Serienmörders in Gang bringen. Bei dem Täter handelt es sich um Fritz Haarmann, einen der brutalsten Serienmörder seiner Zeit. Nachts durchstreift er die Wartesäle des Hannoverschen Bahnhofs und liest dort junge Männer auf, denen er sich als Zivilermittler zu erkennen gibt und die daher keinen Verdacht schöpfen, wenn er sie in seine Wohnung führt.

Bereits früh während der Ermittlungen fällt der Name Haarmann, doch niemand mag so recht glauben, dass es sich bei ihm um einen brutalen Vergewaltiger und mehrfachen Mörder handeln könnte, schließlich ist er auch als Spitzel für die Polizei beschäftigt. Erst das stete Misstrauen der Nachbarn und verzweifelte Eltern führen dazu, dass man Haarmann langsam aber sicher auf die Schliche kommt.

Rezension:

Haarmann behandelt zwar einen historischen Stoff, nimmt sich aber natürlich auch einige Freiheiten, was die geschichtlichen Details angeht und das ist ja auch gut und richtig so. Obwohl der Ausgang ja im Grunde gewiss ist, strotz die von Peer Meter ausgearbeitete Geschichte vor Glanzmomenten und kommt atmosphärisch äußerst dicht daher. Die hannoversche Mundart ist anfangs zwar etwas gewöhnungsbedürftig, lässt einen aber nach kurzer Zeit noch mehr in der Geschichte versinken. Diese erstreckt sich übrigens über sieben große Kapitel und behandelt die einzelnen Stationen und Begebenheiten in den Wochen vor Haarmanns Verhaftung.

Zuallererst aber stechen einem die wahnsinnig detailreichen, filigranen und durchdacht komponierten Zeichnungen von Isabel Kreitz ins Auge, der es neben den Figuren mit beeindruckenden Panorama-Ansichten gelingt, das damalige Hannover der Nachkriegszeit lebendig werden zu lassen. Durch ihre schwarzweißen Bleistiftzeichnungen wird der reale Hintergrund noch unterstützt. Die Geschichte widmet sich äußerst respektvoll und akkurat den damaligen Geschehnissen und mit Blick auf das Umfeld von Fritz Haarmann und die anfängliche Ignoranz der Polizei wird das gesamte Ausmaß und die Tragweite von Haarmanns Taten mehr als deutlich.

Dabei ist natürlich zu beachten, dass Haarmann nichts für sanfte Gemüter ist, denn wenn er sein Unwesen treibt und die jungen Männer bedrängt und tötet, im Nachgang gar deren Fleisch an die dankbaren Nachbarn weiterverkauft, dann ist dies zwar grafisch nicht explizit aufbereitet, thematisch jedoch nicht jedermanns Sache. Immerhin kommt auch schwarzer Humor nicht zu kurz, doch ist auch dieser teils dermaßen bitter, dass einem das Lachen schon zuweilen im Halse stecken bleiben mag.

Ergänzt wird die Geschichte im Anhang zudem noch mit einem Abriss des historischen Ablaufs und einigen Randnotizen zum Prozess und der Hinrichtung. Ebenso werden die Figuren noch einmal gesondert vorgestellt, so dass man dort noch weitere Hintergründe zu den Zusammenhängen nachlesen kann. Dies alles macht Haarmann zu einem durch und durch wunderbar aufbereiteten Band, der in hochwertiger Art und Weise präsentiert wird.

Fazit & Wertung:

Haarmann beweist eindrucksvoll, dass es auch möglich ist, anspruchsvollen und erwachsenen Stoff als Graphic Novel umzusetzen und dabei sowohl historische Relevanz als auch Unterhaltungswert nicht zu vernachlässigen.

8,5 von 10 im Bahnhof aufgelesenen jungen Männern

Haarmann

  • Im Bahnhof aufgelesene junge Männer - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Haarmann beweist eindrucksvoll, dass es auch möglich ist, anspruchsvollen und erwachsenen Stoff als Graphic Novel umzusetzen und dabei sowohl historische Relevanz als auch Unterhaltungswert nicht zu vernachlässigen.

8.5/10
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