Review: Jack Taylor fliegt raus | Ken Bruen (Buch)

Die 1. Medienjournalistischen Literaturtage

Das heutige Buch markiert den Beginn einer neuen Serie, denn Jack Taylor hat bereits zahlreiche Abenteuer erlebt und die Reihe reißt nicht ab. Es begab sich in der Mayerschen Buchhandlung unseres Vertrauens, dass mir einer der Jack-Taylor-Romane in die Hände fiel und als ich den Klappentext las konnte ich mein Glück kaum fassen und sagte meiner Freundin: „Schatz, ein irischer Privatdetektiv, der trinkt und Büchernarr ist!“ Sofort war klar, dass dies ich die Reihe beginnen musste, doch als ausgewiesener Fan von Taschenbüchern konnte ich mich zusammenreißen und den Roman liegen lassen, um mich zu informieren, ob diese womöglich auch in einer günstigeren und kleinformatigeren Ausgabe erscheinen. Und siehe da, das Glück war mir hold, denn nur eine Woche nach dieser Begebenheit stand die Veröffentlichung des ersten Teils im dtv an, über die wir hier heute reden.

Und damit die Einleitung nicht zu lang wird, berichte ich bei der alsbald nachfolgenden Review zum zweiten Teil von weiteren glücklichen Zufällen und erfreulichen Begebenheiten.

Jack Taylor fliegt raus

The Guards, IE 2001, 302 Seiten

Jack Taylor fliegt raus von Ken Bruen
© dtv

Autor:
Ken Bruen
übersetzt von
Harry Rowohlt

Verlag (D):
Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN:
978-3-423-21367-7

Genre:
Krimi | Drama

 

Inhalt:

Jack Taylor ist Polizist – oder besser gesagt war es einmal, denn übermäßiger Alkoholgenuss und seine Faust im Gesicht eines hohen Regierungsbeamten haben ihn schneller aus dem Dienst katapultiert als er hätte ausnüchtern können. Denn Jacks Leidenschaft ist das Trinken, fast ebenso sehr wie das Verschlingen von Büchern, natürlich im übertragenen Sinne. Nun, da er quasi arbeitslos ist, kann er hemmungslos seinen beiden größten „Hobbies“ frönen und ist sich durchaus bewusst, dass zumindest ersteres auf Dauer seiner Gesundheit mehr als abträglich sein wird. Naive Gemüter würden behaupten, Jack Taylor verdinge sich nun als Privatdetektiv, aber da den Iren kaum etwas mehr verhasst ist als Petzen, könnte man sagen, Jack habe sich auf das Finden von Sachen spezialisiert – und das sagt er auch!

Die meiste Zeit des Tages verbringt Jack in seinem „Büro“ im Grogan’s, dem einzigen Pub in Galway, in dem er noch nie Hausverbot erteilt bekommen hat; was sicherlich auch an seiner langjährigen Freundschaft zu Sean, dem Wirt, liegt. Es könnte alles so schön sein, doch es kommt wie es kommen muss und ehe sich Jack Taylor versieht, hat er auch schon den ersten Fall an der Backe und soll im Auftrage der Mutter die Mörder ihrer Tochter finden, denn das diese sich umgebracht hat kann sie nicht glauben, zumal sich die Todesfälle junger Mädchen in letzter Zeit häufen. Es liegt auf der Hand, dass Taylors Ermittlungsarbeit allem zuwider läuft, was man von ernsthaften Schnüfflern gewöhnt ist.

Rezension:

Zunächst einmal wieder das wichtigste vorweg: Wer einen klassischen Kriminalroman erwartet mit zahlreichen Plot-Twists, Geheimnissen, spannenden Ermittlungen, genialen Detektiven und zum Nägel kauen verleitenden Spannungsmomenten, dem sei von diesem Buch und der Reihe allgemein abzuraten. Jedoch muss ich sagen, dass Jack Taylor fliegt raus mir genau das geboten hat, was ich mir unter Irish Crime vorzustellen gewagt habe; nämlich einen durchaus trinkfesten und schlagkräftigen, unzuverlässigen und gleichzeitig herzensguten Protagonisten, einen Zyniker vor dem Herrn und einen Mann mit einem ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit, einen Trinker und einen Bibliophilen, kurz: Jack Taylor!

Ken Bruens Auftakt steht und fällt mit seiner Hauptfigur und die hat mich ohne Zweifel zu begeistern gewusst, weil Jack durchaus kein stereotyper Alkoholiker ist und sich gleichwohl durchaus der Tragik seines Daseins bewusst ist, was die Geschichte Gott sei Dank davor bewahrt, sich den Vorwurf gefallen lassen zu müssen, sie verharmlose eine schlimme Abhängigkeit. Man muss wohl aber einräumen, dass man sich – sollte man ähnlich gelagerte Probleme im nahen familiären Umfeld haben – der Reihe eventuell trotzdem entziehen sollte, schlicht auch, weil man dann nicht mit der nötigen Prise schwarzen Humors den Ausführungen Jacks begegnen kann. Davon ab bietet Jack Taylor fliegt raus aber noch zahlreiche Facetten des irischen Alltags, welche dank Ken Bruen aus erster Hand stammen und von Harry Rowohlt als ausgewiesenem Irland-Kenner kongenial übersetzt worden sind.

Theoretisch könnte man die Geschichte auf den ersten Blick zusammenfassen als eine Aneinanderreihung von Trinkgelagen, lediglich unterbrochen von kurzzeitigen und nicht ansatzweise ernsthaft geführten Ermittlungen in einem nicht gerade spektakulären Fall. Doch wie so oft macht der Ton die Musik und die wahre Stärke des Romans liegt in seinen leisen Zwischentönen, den zahlreichen literarischen Einschüben, den wohlplatzierten Zitaten und Jack Taylors Selbstreflektion wie auch sein Sinnen über die gesellschaftlichen und sozialen Umbrüche in seinem Irland. Jack Taylor fliegt raus versucht aber auch zu keiner Zeit zu vertuschen, dass es sich auch um eine klassische Hardboiled-Geschichte handelt, was zahlreiche Facetten des Charakters von Jack Taylor unumstößlich belegen, dennoch widmet sich die Story ebenso großen, übergeordneten und zeitlosen Themen wie den Fragen nach Schuld, Sühne, Gerechtigkeit und Vergeltung, so dass er nie droht, zu einer simplen Trash-Story zu verkommen.

Zwar ist Jack Taylor nicht der gewiefteste Ermittler, dafür aber extrem belesen; zwar ist er nicht der freundlichste, dafür aber nie um einen sarkastischen Spruch verlegen; zwar ist er nicht der zuverlässigste, dafür aber im Herzen eine treue Seele – und ebenso ambivalent und widersprüchlich, wie sich der namensgebende Held verhält, so präsentiert sich auch dessen gesamte Geschichte, die sehr zu meiner Freude mit Jack Taylor fliegt raus gerade erst ihren Anfang genommen hat. Eine Geschichte, die zwar herzlich wenig mit einem Kriminalroman zu tun hat, die es aber – dank Jack Taylor – definitiv wert ist, erzählt zu werden!

Fazit & Wertung:

Jack Taylor fliegt raus ist mitnichten ein Krimi, aber beste Literatur für alle Iren, Trinker, Leseratten, Zyniker und die, die es noch werden wollen – oder nur gerne darüber lesen!

9 von 10 Abenden mit einer gehörigen Menge Pints

Jack Taylor fliegt raus

  • Abende mit einer gehörigen Menge Pints - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Jack Taylor fliegt raus ist mitnichten ein Krimi, aber beste Literatur für alle Iren, Trinker, Leseratten, Zyniker und die, die es noch werden wollen – oder nur gerne darüber lesen!

9.0/10
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Weitere Details zum Autor und dem Buch findet ihr auf der Seite des Deutschen Taschenbuch Verlages. Dort gibt es übrigens auch ein groß angelegtes Special zur Jack-Taylor-Reihe.

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Die Jack-Taylor-Reihe:

01. Jack Taylor fliegt raus
02. Jack Taylor liegt falsch
03. Jack Taylor fährt zur Hölle
04. Ein Drama für Jack Taylor
05. Jack Taylor und der verlorene Sohn
06. Jack Taylor auf dem Kreuzweg
07. Jack Taylor gegen Benedictus
08. Jack Taylor geht zum Teufel
09. Ein Grabstein für Jack Taylor

Die genannten Bände mit deutschen Titeln sind allesamt als Hardcover im Atrium-Verlag erschienen. Ich jedoch beziehe mich auf die Taschenbuchausgabe des dtv. Hier liegen bisher nur die ersten zwei Bände vor.

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  • Zeilenkino

    Mir haben die ersten Teile ähnlich gut gefallen wie Dir, allerdings war ich dann nach dem vierten Band eher genervt von den immergleichen Manierismen und Rückfällen. Aber mal schauen, vielleicht gebe ich dem fünften Teil noch eine weitere Chance.

    • Das kann ich mir ja noch nicht vorstellen, dass ich genervt sein könnte, aber ich habe auch erst Band 1 + 2 gelesen, weil ich bei den günstigeren dtv-Taschenbuchausgaben auf den Zug aufgesprungen bin – und mehr gibt es da ja leider noch nicht :-(

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  • Katrin

    Kann dir nur zustimmen. Genialer Auftakt. Unheimlich interessanter Anti-Held. Fantastische Sprache! Hab den Roman von meiner Mutter empfohlen bekommen und war auf Anhieb total geflasht. Weil ich normaler Weise keine Krimis lese, gefiel mir Jack Taylor wahrscheinlich erst recht. Im Grunde geht das ja fast in Richtung Charakterstudie. Nur skurril. Und böse. Und witzig. Und bitter. 😀 Ich liebe es!

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