Review: London Boulevard (Film)

Wie versprochen kommt hier und heute also die Rezension zu London Boulevard, also dem Film, der auf Ken Bruens gleichnamigen Buch basiert. Und für alle, die die gestrige Review des Buches ebenfalls gelesen haben sollten: Überblättert nicht die Inhaltsangabe, denn Buch und Film haben nicht nur eine andere Ausrichtung/Gewichtung, sondern gehen teils vollkommen andere Wege – glaubt also nicht, ihr würdet die Geschichte schon kennen!

London Boulevard

London Boulevard, USA/UK 2010, 103 Min.

London Boulevard
Quelle: IMPawards.com

Regisseur:
William Monahan
Autoren:
William Monahan (Drehbuch)
Ken Bruen (Buchvorlage)

Main-Cast:
Colin Farrell (Mitchel)
Keira Knightley (Charlotte)
in weiteren Rollen:
David Thewlis (Jordan)
Anna Friel (Briony)
Ben Chaplin (Billy Norton)
Ray Winstone (Gant)

Genre:
Krimi | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Mitchell wird nach drei Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen und sein früherer Kumpel Billy chauffiert ihn zu einer großen Wiedersehensfeier mit der gesamten Londoner Unterwelt. Dort – beziehungsweise kurz zuvor – lernt Mitch Penny kennen, der er erzählt, sich zu wünschen, von nun an ein anständiges Leben führen zu können. Penny bietet ihm einen Job als Hausmeister im Anwesen der berühmten Schauspielerin Charlotte an, doch stattdessen hilft er seinem Freund Billy dabei, Miete von mittellosen Familien einzutreiben. Letztlich lässt er sich aber doch noch breitschlagen und tritt seine Stelle als Hausmeister und Bodyguard von Charlotte in dem von Paparazzi belagerten Anwesen an.

Als Mitch meint, sich langsam in die richtige Richtung zu bewegen, weg vom Verbrechen und hin zu mehr Anstand und Ordnung wird sein alter Freund Joe – ein Obdachloser – von zwei Jugendlichen getötet. Er lässt seine alten Kontakte aufleben und forscht unnachgiebig nach den Namen der Mörder. Doch auch der Gangsterboss Gant, für den auch Billy arbeitet, ist auf Mitch aufmerksam geworden und versucht mit immer härteren Mitteln, diesen zu sich ins Boot zu holen. Mitch zieht auf das Anwesen von Charlotte, doch ist er damit beileibe nicht aus der Schusslinie, plant seinerseits aber ebenso schon seine nächsten Schritte. Hinein ins Verderben.

Rezension:

Es mutet schon beinahe witzig an, dass ein Roman, der nur allzu deutlich von einem alten Hollywood-Filmvorbild inspiriert ist und nach England verlegt worden ist, gleichsam aber von einem irischen Autor stammt, nun wiederum verfilmt worden ist und dies tatsächlich von dem Amerikaner William Monahan, der hier als Regisseur und Drehbuchautor in Erscheinung tritt. Man könnte sagen der Kreis schließt sich, obwohl die Handlung weiterhin in London angesiedelt ist und die beiden Filme, also Sunset Boulevard von Billy Wilder und nun London Boulevard von Herrn Monahan herzlich wenig gemein haben. Dass dies aber auch nicht die Intention war oder hätte sein können liegt ebenso auf der Hand, weil Romanautor Ken Bruen einen gänzlich anderen Weg einschlägt und bei all den Gemeinsamkeiten trotzdem etwas gänzlich Eigenes geschaffen hat.

Diesen Anspruch hatte anscheinend auch Monahan beim Verfassen des Drehbuchs zu London Boulevard, denn auch er bastelt fleißig an der Geschichte und ändert deutlich mehr als nur Kleinigkeiten. Das mag zwar optisch in Ordnung gehen, wenn eine über sechzigjährige Theaterschauspielerin gegen eine junge, attraktive Schauspielerin ausgetauscht wird, die zufällig aussieht wie Keira Knightley und einen während des Films von zahllosen Plakaten anlächelt, geht aber auch zuweilen gehörig in die Hose, wenn den beiden Hauptfiguren eine unhaltbare Romanze angedichtet wird, die in keiner Weise in der Geschichte begründet wird und wenig glaubhaft bleibt, wenn ganze Erzählstränge über den Haufen geworfen werden und auch manch überraschender Twist aus der literarischen Vorlage im Film gnadenlos eliminiert wird.

Allein durch den Umstand, dass aus der ungewollten und reichlich komplizierten Liebschaft zu der Diva eine klassische Romanze wird, beraubt sich London Boulevard eines großen Teils seiner Möglichkeiten. Colin Farrell gibt zwar einen überzeugenden Mitchell ab und ringt ihm gekonnt eine gewisse Tiefe ab, doch ist dies trotzdem nur ein matter Abglanz des belesenen, sich auf Besserung besinnenden und trotzdem durch und durch skrupellosen Charakters, der hier nur schablonenhaft umgesetzt worden ist. Von Keira Knightley brauchen wir indes gar nicht reden, denn ihre Rolle ist definitiv die undankbarste und degradiert sie eiskalt zur verschüchtert dreinschauenden Staffage zwischen all den fiesen, bösen Gangsterjungs.

Dahingehend können die vielen kleinen Rollen und ihre Darsteller voll und ganz überzeugen, erinnern gar an Guy Ritchies Frühwerke – reichen aber auch an diese nicht heran! Denn dafür ist der Plot, wenn auch vermeintlich einfallsreich abgewandelt, doch zu unstet und unausgegoren, zu uninspiriert und überraschungsarm. Immerhin für den Schlussakt hat sich Monahans Kreativität nicht lumpen lassen und kredenzt uns ein konsequentes und überzeugendes Ende, was sich auch vor dem Roman nicht zu verstecken braucht – obwohl auch hier nichts, aber auch wirklich nichts übereinstimmt. Festzuhalten bleibt also, dass London Boulevard als Literatur-Verfilmung einfach mal gar nicht funktioniert, als Gangsterfilm mit spleenigen Charakteren und einem lakonischen Grundton allerdings durchaus. Nur eben leider nicht herausragend, was ich dem Film durchaus gewünscht hätte, denn dafür bleibt die weibliche Hauptrolle zu blass und selbstzweckhaft und die Sprüche zu zahm und platt – und wie bitte sind all die literarischen Verweise des „Buch-Mitchells“ abgeblieben? Lieber Herr Monahan, das konnten sie schon mal besser!

Fazit & Wertung:

London Boulevard ist nicht schlecht und auch nicht überragend; er bewegt sich in der Grauzone der Filme, von denen ich mir viel erhofft und aus denen noch mehr hätte werden können, hat so seine Momente, hat aber auch so seine Probleme. Wer dem Genre nicht abgeneigt ist, kann und sollte aber definitiv mal einen Blick riskieren; allein der Momente wegen – und der immer mal wieder durchscheinenden trockenen, lakonischen Art von Ken Bruen!

7 von 10 falschen Entscheidungen

London Boulevard

  • Falsche Entscheidungen - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

London Boulevard ist nicht schlecht und auch nicht überragend; er bewegt sich in der Grauzone der Filme, von denen ich mir viel erhofft und aus denen noch mehr hätte werden können, hat so seine Momente, hat aber auch so seine Probleme. Wer dem Genre nicht abgeneigt ist, kann und sollte aber definitiv mal einen Blick riskieren; allein der Momente wegen – und der immer mal wieder durchscheinenden trockenen, lakonischen Art von Ken Bruen!

7.0/10
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