Review: Coriolanus (Film)

Heute gibt es von meiner Seite (und meiner Meinung nach) – weil mich das schlechte Wetter davon abgehalten hat das Haus zu verlassen – ein echtes filmisches Highlight, denn auch wenn die Kritiken durchwachsen sind und die IMDb-Wertungen anderes vermuten ließe, kann ich nicht anders als Ralph Fiennes‘ Regiedebüt in den Himmel zu loben. Warum, dass dürft ihr sehr gerne an dieser Stelle nachlesen. Viel Spaß!

Coriolanus

Coriolanus, UK 2011, 123 Min.

Coriolanus | © KSM
© KSM

Regisseur:
Ralph Fiennes
Autoren:
John Logan (Drehbuch)
William Shakespeare (Stück)

Main-Cast:
Ralph Fiennes (Caius Martius Coriolanus)
Gerard Butler (Tullus Aufidius)
in weiteren Rollen:
Vanessa Redgrave (Volumnia)
Brian Cox (Menenius)
Jessica Chastain (Virgilia)
James Nesbitt (Tribun Sicinius)

Genre:
Drama | Krieg | Thriller

 

Trailer:

Inhalt:

In einer Stadt namens Rom muss das Volk darben und die Oberschicht hortet das Korn in ihren endlosen Speichern. Erster Verfechter der adligen Vormachtstellung ist der General Caius Martius, der die Plebejer offen verachtet und kein Ohr für ihre Nöte hat. Nichtsdestotrotz steht er für die Freiheit seines Staates ein und zieht unverdrossen ein ums andere Mal in den Krieg, auch, als der aufrührerische Führer der Volsker – Tullus Aufidius – gegen Rom aufbegehrt. In der Schlacht in Corioles erweist sich Caius Martius als Befreier der Stadt und erwirbt den Namenszusatz Coriolanus.

Dank seines neuerworbenen Ruhms versucht sich Coriolanus daran, als Konsul zu kandidieren, allerdings muss er sich hierfür mit dem Volk solidarisieren und es von seinen hehren Absichten zu überzeugen suchen. Unter Zähneknirschen und dank seiner Mutter Volumnia wie auch seinem Mentor Menenius gelingt ihm dies auch, doch die Tribute Brutus und Sicinius sabotieren seine Anstrengungen und hetzen das Volk erneut gegen ihn auf, woraufhin Coriolanus die Fassung verliert und infolgedessen aus Rom verbannt wird. Mit Bitterkeit im Herzen wendet er sich von seiner Frau Virgilia und allen seinen Lieben ab und sucht stattdessen seinen ärgsten Feind Aufidius auf, um diesem seine Dienste im Kampf gegen Rom zu offerieren.

Rezension:

Hat sich Ralph Fiennes in der Vergangenheit als gefeierter Schauspieler und wirklich mit Herzblut agierender Akteur vielmehr gemacht als nur einen Namen, legt er mit Coriolanus seine erste und nicht minder überzeugende Regiearbeit ab. Gleichsam ein Herzensprojekt, spielte er schließlich ein gutes Jahrzehnt zuvor selbst in dem Theaterstück des Altmeisters William Shakespeare den ambivalenten General. Für die Verfilmung hat er nun einen meiner Meinung nach höchst interessanten Ansatz gewählt, denn während er das Stück aus dem alten Rom in die Moderne versetzte, blieb er dem Sprachduktus Shakespeares treu, was eine extrem interessante, höchst effektive Inszenierung nach sich zieht, die an Wucht und Wortgewalt kaum zu überbieten ist, wenn sich die Akteure in einer geschwollenen, doch gleichsam eleganten – ja beinahe episch zu nennenden Ausdrucksweise spektakuläre Wortgefechte liefern.

Coriolanus | © KSM
© KSM

Doch auch die realen Gefechte fügen sich ausnehmend gut in das Gesamtbild ein, insbesondere da hier kein Kampf aus purem Selbstzweck gezeigt wird, sondern jede Szene, jede Einstellung, jede Begebenheit ihre Bedeutung zu haben scheint. Shakespeares Coriolanus ist eine Geschichte von Macht, Intrigen, Verrat, Rache und später Einsicht und baut damit auf große Gefühle. Zu seinem großen Glück konnte Fiennes durchweg talentierte Schauspieler verpflichten, um an seiner Seite in diesem Filmgewordenen Theaterstück anzutreten, sei es Gerard Butler als sein erbitterter Gegenspieler und späterer Verbündeter Aufidius, Brian Cox als Coriolanus‘ Mentor und Vaterersatz Menenius oder James Nesbitt als durchtriebener Tribun Sicinius und – last but not least – die großartige Vanessa Redgrave als Volumnia. Einzig Jessica Chastain als Gemahlin des Feldherrn weiß nicht zu hundert Prozent zu überzeugen, kann aber neben Vanessa Redgrave im Grunde auch nur verblassen, so omnipräsent ist deren Ausstrahlung.

Freilich polarisieren und dominieren die genannten Figuren die Erzählung in gesteigertem Maße, während das hungernde Volk wie auch sonstige Nebenfiguren äußerst blass bleiben, doch darf man hierbei auch nicht vergessen, dass es sich ursprünglich um ein Theaterstück handelt und dass die weiteren Figuren die Geschichte zwar anreichern, selbst aber keine tiefere Bewandtnis zu haben brauchen, weil wir uns ganz auf den namensgebenden Coriolanus konzentrieren. Zuweilen und insbesondere zu Beginn mutet es zwar seltsam an, wenn sich Figuren der heutigen Zeit auf eine Art und Weise gebärden, wie es zweifellos im alten Rom der Fall gewesen sein mag, jedoch an diese Eigenart gewöhnt man sich recht schnell und vor allem ist es Fiennes wie auch dessen Drehbuchautor John Logan gelungen, interessante moderne Entsprechungen für altertümliche Institutionen zu finden, so dass man sich in dem Paralleluniversum in einer Stadt, die sich selbst Rom nennt alsbald zuhause fühlt.

Coriolanus | © KSM
© KSM

Ich für meinen Teil bin froh, dass Fiennes sich dafür entschieden hat, die Geschichte in einem fiktiven Rom spielen zu lassen und sie nicht in eine existierende Stadt zu verlegen und sich womöglich noch darum zu bemühen, der Geschichte einen realen, politischen oder sozialkritischen Ansatz zu geben, sondern sich stattdessen voll und ganz darauf konzentriert, die Geschichte zu entwickeln und trotzdem kritische Aspekte und Parallelen anzudeuten und aufzuzeigen weiß, ohne dass dabei sein Film zu einem Konstrukt soziopolitischer Abhandlungen würde, sondern stattdessen schlicht der primären Quelle, dem Shakespeare’schen Stück aus dem Jahre 1607 huldigt. Und dies, so kann man sich nach meinen Ausführungen sicherlich vorstellen, gelingt Ralph Fiennes‘Coriolanus so ausnehmend gut, dass ich keine Kritik zu äußern wüsste, die dieses durchweg überzeugende, ja grandios zu nennende Werk abwerten würde.

Fazit & Wertung:

Coriolanus ist in seiner höchst ungewohnten Mischung aus einer fiktiven römischen Moderne und Shakespeare’scher Sprache sicherlich nicht jedermanns Fall, lässt man sich auf Ralph Fiennes‘ Debüt aber ein, erwartet einen eine wucht- und kraftvolle Geschichte, die Shakespeare mehr als würdig ist und die beteiligten Schauspieler zu Höchstleistungen treibt.

10 von 10 kraftvolle Reden an die Plebejer

Coriolanus

  • Kraftvolle Reden an die Plebejer - 10/10
    10/10

Fazit & Wertung:

Coriolanus ist in seiner höchst ungewohnten Mischung aus einer fiktiven römischen Moderne und Shakespeare’scher Sprache sicherlich nicht jedermanns Fall, lässt man sich auf Ralph Fiennes‘ Debüt aber ein, erwartet einen eine wucht- und kraftvolle Geschichte, die Shakespeare mehr als würdig ist und die beteiligten Schauspieler zu Höchstleistungen treibt.

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