Review: Machine Gun Preacher (Film)

Heute gibt es mal wieder einen Film, der es hierzulande nicht ins Kino geschafft hat und sich in die ruhmlose Reihe der Direct-to-DVD-Veröffentlichungen einreihen kann. Ob zu Recht oder Unrecht, darüber wird dann hoffentlich meine Review Aufschluss geben, wenngleich ich vorausschicken möchte, dass sie mal wieder einen Tacken wohlwollender ausgefallen ist als bei manch anderem Rezensenten, wenngleich es von diesen auch noch nicht allzu viele gibt, erschient der Film schließlich auch erst morgen in den hiesigen Geschäften und Shops. Wer ihn übrigens sehen, aber nicht kaufen möchte, der kann ja sein Glück beim Machine Gun Preacher-Gewinnspiel in Christians Foyer versuchen. Solltet ihr kein Glück haben könnt ihr immer noch hierher zurückkommen und über den Amazon-Link eure Bestellung abschicken 😉

Machine Gun Preacher

Machine Gun Preacher, USA 2011, 129 Min.

Machine Gun Preacher | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Marc Forster
Autor:
Jason Keller

Main-Cast:
Gerard Butler (Sam Childers)
in weiteren Rollen:
Michelle Monaghan (Lynn Childers)
Michael Shannon (Donnie)
Kathy Baker (Daisy)
Souleymane Sy Savane (Deng)

Genre:
Action | Biografie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Sam Childers ist der Inbegriff des Bad Guy und kurz nachdem er aus dem Knast entlassen worden ist, herrscht er seine Frau an, gefälligst ihren Job als Stripperin wieder aufzunehmen und fährt wutentbrannt zu seinem Kumpel Donnie, um sich erst einmal nach langer Abstinenz einen Schuss zu setzen. Schnurstracks verfällt Childers also in alte Verhaltensmuster und verängstigt seine Familie zusehends, während seine Frau Lynn während seiner Abwesenheit zu Gott gefunden hat und ihrem Mann Läuterung in Aussicht stellt. Nach einem einschneidenden Erlebnis in dessen Leben lässt dieser sich bald überreden, mit ihr die Kirche zu besuchen und lässt sich von seinen Sünden reinwaschen. In Rückbesinnung auf alte Stärken gründet er eine Baufirma und verbucht bald einige Aufträge. Als in der Kirche die Zustände im Sudan zur Sprache kommen, fasst Childers den Entschluss nach Afrika zu reisen um zu helfen und bricht im Einvernehmen seiner Familie in das fremde Land auf.

Dort angekommen lernt er Deng von der SPLA (Sudan People’s Liberation Army) kennen und merkt schnell, dass das gebeutelte Land durchzogen ist von unaussprechlichen Gräueltaten und Gewaltverbrechen und insbesondere das Schicksal der vielen Waisenkinder dort geht ihm an die Nieren. Sam Childers entscheidet sich, ein Waisenhaus im Sudan zu errichten und investiert mehr und mehr seiner Ersparnisse. Doch als die Truppen der LRA (Lord’s Resistance Army) unter Führung des Warlords Joseph Kony seine Mission angreifen, wird ihm mehr und mehr klar, dass er nur eine Chance haben wird, wenn er sich mit Waffengewalt zu wehren weiß. Bald schon ist der weiße Prediger im halben Land als Machine Gun Preacher bekannt.

Rezension:

Szenenbild aus Machine Gun Preacher | © Universum Film
© Universum Film

Marc Forster ist als Regisseur wahrlich kein unbeschriebenes Blatt und wenn derlei Gestalt sich anschickt, einen Film über den vergessenen Krieg im Sudan zu erzählen, der noch dazu auf realen Ereignissen, genauer auf dem Buch des realen Hauptprotagonisten Sam Childers (Another Man’s War – The True Story of One Man’s Battle to Save Children in the Sudan), dann wird man schon hellhörig würde man meinen, zumal Gerard Butler beileibe kein untalentierter, wenngleich auch teilweise etwas einseitig ausgerichteter Schauspieler ist, Michelle Monaghan hingegen – freilich nur bei mir und spätestens seit Kiss Kiss Bang Bang und vor allem Gone Baby Gone – über jeden Zweifel erhaben ist. Wenn dann auch noch Michael Shannon (Boardwalk Empire) an Bord ist, könnte man meinen es dürfe nichts mehr schief gehen. Dann jedoch merkt man, dass der Film gnadenlos in den Kinos versumpft ist und hierzulande nicht einmal einen obligatorischen Starttermin bekommen hat und beginnt sich zu fragen wieso.

Zunächst sei eingeräumt, dass der zugegebenermaßen etwas reißerische Titel Machine Gun Preacher möglicherweise ein paar falsche Erwartungen beim Publikum geweckt haben mag (wie wäre es stattdessen schlicht mit Another Man’s War gewesen) und vielleicht gerade das für das Thema zu „begeisternde“ Publikum abgeschreckt hat, denn knallharte Action wird hier kaum geboten und auch wenn es manchen Schusswechsel in der zweiten Hälfte des Films geben mag, ist es doch hauptsächlich ein Drama und eine Biografie und geht nicht annähernd in die Richtung, wie Filme mit Gerard Butler es in der näheren Vergangenheit zu tun pflegten (Gesetz der Rache, Gamer). Doch trotz all des Dramas ist leider die Dramaturgie nicht immer ausgereift und raubt dem Film schon ein wenig die Stringenz, denn erst vollzieht sich Sam Childers‘ Wandlung vom Saulus zum Paulus in nur wenigen Minuten und bringt einen fanatischen Christen hervor und andererseits springt im weiteren Verlauf die Handlung zwischen Afrika und Amerika, ganz so wie es der echte Sam Childers wohl zu tun pflegte, doch stört dies den Handlungsfluss teilweise erheblich, wenn man als Zuschauer immer wieder aus der einen Welt herausgerissen wird, um sich in gänzlich anderen Umständen wiederzufinden.

Tatsächlich werden so viele spannende Themen wie etwa die Finanzmittelbeschaffung oder der Entzug von Sams bestem Freund Donnie mit unweigerlichem Rückfall nur angerissen, was extrem schade ist. Noch mit am besten herausgearbeitet sind die Szenen im Waisenhaus und Sams Beziehung zu seinen Schützlingen, wohingegen die politischen Hintergründe fast vollständig im Dunkeln bleiben. Seine stärksten Szenen zieht der Film freilich aus der Ambivalenz von Sam Childers, der letztlich darum kämpft, ein Gleichgewicht zwischen seinem früheren und dem bekehrten Ich herzustellen, um so einerseits den Kindern den Schutz bieten zu können, den sie benötigen und andererseits den Gräueltaten der LRA die Stirn bieten zu können. Machine Gun Preacher rüttelt schon auf und regt zum Nachdenken an, unter anderem darüber, ob man selbst nicht auch mehr tun könnte und sollte, so aufopferungsvoll, wie Childers sein eigenes Leben und seine Familie mehr und mehr hintenanstellt, was aber freilich auch nicht der richtige Weg sein kann, doch fehlt der letzte Funken, um wirkliche Betroffenheit oder emotionalen Tiefgang zu erreichen, unter anderem eben aufgrund der unsteten Erzählweise und der zahlreichen Wiederholungen in der Handlung, die scheinbar nur selbstzweckhaft noch mehr Leid, Armut und Tragödie zeigen sollen, ohne dass die Geschichte dadurch hinzugewinnt.

Szenenbild aus Machine Gun Preacher | © Universum Film
© Universum Film

So kommt es, dass man trotz einer Laufzeit von über zwei Stunden am Ende das Gefühl hat, herzlich wenig über das Leben und Denken von Sam Childers erfahren zu haben, was über die pure Oberfläche, das Äußerliche, das Understatement hinausgeht, auch wenn er wie gesagt durchaus zu berühren weiß und manch emotionale Szene bietet. Doch da ist man tatsächlich sowohl von Forster als auch von anderen Regisseuren zuweilen etwas verwöhnt und sieht eine Menge Potential, das aus Machine Gun Preacher einen der Filme zum Thema hätte werden lassen können, was aber nicht wirklich genutzt werden konnte, weil Drehbuch und Inszenierung sich doch häufiger in Trivialitäten zu verrennen drohen. Lohnenswert ist der Film nichtsdestotrotz allemal, auch wenn er seine Makel hat und weit entfernt ist von dramaturgischer Perfektion, denn er spricht ein durchaus vernachlässigtes Thema an und versucht zumindest, auf die Zustände im Sudan aufmerksam zu machen, auch wenn der Film gerade an diesem Selbstanspruch immer wieder scheitert.

Fazit & Wertung:

Machine Gun Preacher wirkt in vielen Punkten nicht wirklich rund und bleibt im Hinblick auf die sudanesischen Zustände erstaunlich oberflächlich und trivial, doch berührt das Leben des bekehrten Sünders doch in so vielen Passagen, dass der Film von mir ruhigen Gewissens an Interessierte empfohlen werden kann.

7 von 10 geretteten sudanesischen Waisenkindern

Machine Gun Preacher

  • Gerettete sudanesische Waisenkinder - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Machine Gun Preacher wirkt in vielen Punkten nicht wirklich rund und bleibt im Hinblick auf die sudanesischen Zustände erstaunlich oberflächlich und trivial, doch berührt das Leben des bekehrten Sünders doch in so vielen Passagen, dass der Film von mir ruhigen Gewissens an Interessierte empfohlen werden kann.

7.0/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Filmherum: 8/10 Punkte

Machine Gun Preacher erscheint am 24.08.12 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Universum Film . Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Flo Lieb

    Für mich einer der schlechtesten des Jahres. Zäh, langatmig, unspannend, einfach ärgerlich. Dass nach deiner Rezension noch 7 von 10 Punkten rauskommen, hätte ich auch nicht gedacht.

    • Tja, der ist wohl bei den meisten schlechter weggekommen, aber mir hat er ja schon gefallen und ich fand ihn auch nicht langatmig oder zäh, er hätte halt nur gerne mehr in die Tiefe gehen können. 

  • Ich fand den Film eigentlich ganz gut, überhaupt nicht langatmig und zäh. Aber ich denke genau das ist das Problem heutzutage, wenn man beim Film keine Reizüberflutung spürt gilt er gleich als langatmig und zäh, dabei brauchen manche Filme einfach nicht so viele Bilder in der Minute um eine Geschichte zu erzählen. Meiner Meinung nach ist die Geschichte des Filmes ziemlich gut und er ist es auf jeden Fall wert gesehen zu werden.

    • Da kann ich mich ja nur anschließen und ich denke 7 Punkte sprechen eine deutliche Sprache, auch wenn eben meiner Meinung nach noch mehr drin gewesen wäre. Empfehlen kann ich ihn aber ohne nachzudenken, gerade aufgrund des Themas.

      Die Sache mit dem Tempo und der Reizüberflutung sehe ich ähnlich, aber das ist letztlich natürlich auch Geschmackssache. Ich persönlich bin auch nicht immer in der Stimmung für ruhige Filme, wobei „Machine Gun Preacher“ ja gar nicht einmal so „ruhig“ ist, vom Cover und Titel her aber etwas viel brachialeres vermuten lässt.

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