Review: Crossed 1 (Graphic Novel)

Während einer kurzen Stippvisite daheim zwischen Bücherei (wo ich den Tag verbracht habe um fleißig – freilich mitgebrachte – Bücher zu lesen) und Kneipe (wo ich mich gleich hinbegeben werde um den Kopf freizubekommen für die Heldentaten der kommenden Tage) liefere ich selbstredend noch fix eine Rezension zum Wochenende für alle Freunde von The Walking Dead, die es gerne noch eine Spur härter bevorzugen. Präsentiere ich euch also heute:

Crossed 1

Crossed, USA 2008-2010, 260 Seiten

Crossed
© Panini

Autor:
Garth Ennis
Zeichner:
Jacen Burrows

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-862-01434-7

Genre:
Endzeit | Horror | Thriller | Drama

 

Inhalt:

Unerwartet beginnt es in verschiedenen Teilen der Vereinigten Staaten, dass die Menschen sich zu verwandeln scheinen, infiziert von einem unbekannten Virus, gezeichnet von einem blutigen, nässenden Kreuz im Gesicht, das unsagbar Böse Realität werden lassend. Alsbald bricht Chaos aus und die triebgesteuerten und hemmungslosen Sadisten, Vergewaltiger und Mörder lassen die Zivilisation zusammenbrechen und reiben die letzten Unversehrten auf, um sie ihren marodierenden Horden einzuverleiben.

So geschieht es auch in Jim’s Diner in einem kleinen, abseits gelegenen Kaff, wo auch der schüchterne und unauffällige Stan sich aufhält, dem das Geld ausgegangen ist und der sich dort als Aushilfe verdingt, ebenso wie Cindy, die Kellnerin wie auch Thomas und Kelly. Zusammen mit Cindys Sohn Patrick bilden diese Gestalten den Kern der Gruppe, die sich im Laufe der Zeit vergrößern wird, nur um neuerlich dezimiert zu werden, immer auf der Suche nach einer Zuflucht, immer auf der Flucht vor dem Bösen und immer mit der Frage im Nacken, wie weit sie werden gehen und welche Opfer sie bringen müssen, um sich ihre Menschlichkeit zu bewahren.

Rezension:

Der irische Autor Garth Ennis, der sicherlich zuvorderst für Preacher und seine langjährige Arbeit an Punisher bekannt sein dürfte, legte mit Crossed nun so etwas wie eine härtere, brutalere und gnadenlosere Version von The Walking Dead, wie beispielsweise die Weekly Comic Book Review vollmundig verspricht. Doch auch von andere Seite wird dieser Vergleich gerne zitiert und ist tatsächlich gar nicht einmal so weit hergeholt, zumal jeder, der schon einige Arbeiten von Garth Ennis gelesen hat erahnen mag, dass es hier nicht gerade handzahm zugehen wird.

Zwar handelt es sich bei den Infizierten in Crossed gar nicht einmal um Zombies, geschweige denn um Tote, dennoch finden sich viele Parallelen zu klassischen Endzeitgeschichten, zu denen auch diese sich zählen darf. Und wie in vielen gerade neueren Werken wird in keinerlei Weise ergründet, woher das Unglück gekommen ist und was der ursprüngliche Auslöser war, doch tut dies für die Dramaturgie der Reihe absolut nicht not. Interessant wird Crossed nicht nur durch seine Schonungslosigkeit, sondern auch schlicht durch den Umstand, dass die Infizierten weder ihren Einfallsreichtum noch ihre Reflexe oder Schnelligkeit verlieren, also durchaus fähig sind Verfolgungen aufzunehmen, Waffen zu bedienen und perfide Pläne zu machen, um ihre Opfer noch sadistischer quälen zu können. Das mag zwar selbstzweckhaft scheinen, macht die Bedrohung aber auch fühlbarer und dringlicher, weil zumindest ich mich immer wieder in Zombie-Geschichten gefragt habe, ob man dem grausamen Schicksal nicht schlicht durch ein wenig Cleverness und Einfallsreichtum entgehen könnte, so lange man sich nicht einkreisen lässt. Diese Überlegungen entfallen hier völlig, denn die Infizierten lauern auf jedes kleinste Geräusch, tragen Schusswaffen und brennen darauf, immer mehr und mehr Leute foltern, vergewaltigen und töten zu können.

Crossed könnte eine reine Schlachtplatte für Fans von Splatter, Blut und Gewalt sein, doch auf der Meta-Ebene stellen sich einige interessante Fragen und die Protagonisten um Stan und Cindy kommen ein ums andere Mal in Situationen, in denen man sich mit aller Berechtigung fragen kann, wie man selbst sich verhalten hätte und ob man bereit gewesen wäre, derartige Opfer zu bringen. Auch finden sich im Verlauf der Geschichte unter anderem die Aufzeichnungen eines Militäroffiziers, die zumindest ein wenig Aufschluss darüber geben, wie die Regierung versucht hat, der Lage Herr zu werden. Fernab einiger derber Szenen wird dem Leser also auch etwas zum Nachdenken geboten, zumal sich Crossed auch inszenatorisch keine Blöße geben muss und mit zahlreichen Rückblenden arbeitet, ebenso wie mit Aufzeichnungen von Stan als Kommentar aus dem Off.

Alles in allem eine überzeugende Geschichte voller grausamer Einfälle und bitterer Überraschungen, die Lust auf mehr macht. Da freut es sehr, dass der Folgeband bereits angekündigt ist, wenngleich ich vielleicht erwähnen sollte, dass die vorliegende Geschichte, bestehend aus einem Prolog und den Kapiteln 1-9 in sich abgeschlossen ist und der Folgeband also einen anderen Schauplatz in der verheerten Welt von Crossed aufsuchen wird. Auf diesen neuerlichen Besuch freue ich mich jetzt schon!

Fazit & Wertung:

Crossed ist eine extreme brutale, schonungslose und nahegehende Endzeitgeschichte mit einigen spannenden, teilweise gänzlich neuen Ansätzen, die mich von Anfang bis Ende gepackt hat und nicht nur durch Brutalität sondern auch nachdenkliche Töne zu überzeugen weiß.

8,5 von 10 mit dem Kreuz gezeichneten Infizierten

Crossed 1

  • Mit dem Kreuz gezeichnete Infizierte - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Crossed ist eine extreme brutale, schonungslose und nahegehende Endzeitgeschichte mit einigen spannenden, teilweise gänzlich neuen Ansätzen, die mich von Anfang bis Ende gepackt hat und nicht nur durch Brutalität sondern auch nachdenkliche Töne zu überzeugen weiß.

8.5/10
Leser-Wertung 9/10 (1 Stimme)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Tofu Nerdpunk: 8/10 Punkte
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Crossed ist am 18.09.12 im Panini Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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