Review: Martha Marcy May Marlene (Film)

Nachdem ich mich in den vergangenen zwei Tagen gesundheitsbedingt ziemlich rar gemacht habe, komme ich heute frisch erholt und mit einer ebenso frischen Rezension im Gepäck wieder zurück und wie dem geübten Auge auffallen wird, habe ich auch gleich mal wieder ein wenig am Design gebastelt und werde es mir nun zur Lebensaufgabe machen, die vorangegangenen fünfhundertirgendwas Artikel nun nach und nach in dieselbe, gefällige Form zu bringen. Dagegen ist euer Job einfach, ihr braucht euch nur zurückzulehnen und zu lesen. Viel Spaß!

Martha Marcy May Marlene

Martha Marcy May Marlene, USA 2011, 102 Min.

Martha Marcy May Marlene | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Regisseur:
Sean Durkin
Autor:
Sean Durkin

Main-Cast:
Elizabeth Olsen (Martha)
John Hawkes (Patrick)
in weiteren Rollen:
Brady Corbet (Watts)
Hugh Dancy (Ted)
Louisa Krause (Zoe)
Sarah Paulson (Lucy)

Genre:
Drama | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Martha schleicht sich des frühen Morgens aus dem Haus, überquert langsam, doch zielstrebig die Straße und verschwindet im Wald. Da werden erste Rufe laut, Marcy May rufen sie und bald schon nehmen mehrere Leute die Verfolgung auf. Martha findet sich in einem kleinen, unscheinbaren Diner wieder und aus einem Impuls heraus meldet sie sich bei ihrer Schwester, was sie jedoch gleich darauf bereut. Ihre Schwester Lucy schafft es jedoch, Martha zu überreden, sich von ihr abholen zu lassen und fährt sie zum Wochenendhaus von ihr und ihrem Mann Ted, ohne zu ahnen, wo Martha in den letzten zwei Jahren gewesen, geschweige denn, was ihr widerfahren ist.

Szenenbild aus Martha Marcy May Marlene | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Zwei Jahre lebte Martha in der Hippie-Kommune des charismatischen Patrick und nur langsam kehren die Erinnerungen und Eindrücke zurück, die belegen, was sie dort hat sehen und erleben müssen, was man auch ihr angetan hat. Und während ihre Schwester versucht zu ergründen was passiert ist, wächst in Martha die Angst, dass die Gruppe, dass Patrick, sie womöglich findet und die Angst sie letztendlich doch einholen wird.

Rezension:

Martha Marcy May Marlene ist ein – meiner Meinung nach – vollkommen zu Unrecht beinahe völlig ignorierter Film, der schon seinerzeit zum Kinostart meine gesteigerte Aufmerksamkeit auf sich zog, allerdings in den wenigsten Lichtspielhäusern auch tatsächlich aufgeführt wurde, was natürlich zum Teil daran liegen mag, dass ihm dieser gewisse Indie-Charme „anlastet“. Doch Drehbuchautor und Regisseur Sean Durkin liefert einen durchweg überzeugenden, zuweilen beeindruckenden Sekten-Thriller ab, der trotz seiner Thematik aber zuvorderst als Psychogramm der Hauptprotagonistin Martha zu funktionieren weiß.

Szenenbild aus Martha Marcy May Marlene | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Für die Rolle der Martha hatte sich Durkin ganz explizit ein unbekanntes, frisches, unverbrauchtes Gesicht gewünscht und fand dies in Gestalt von Elizabeth Olsen, die zwar tatsächlich mit den bekannten Olsen-Zwillingen verwandt ist, zum Glück der Zuschauer genetisch aber nichts von deren fragwürdigem Schauspieltalent abbekommen hat. Stattdessen brilliert sie als feinfühlige, angreifbare, verschüchterte, desorientierte und von Tag zu Tag paranoider werdende Martha, die in der namenlos bleibenden Kommune von dem charismatischen Patrick auf den Namen Marcy May getauft wurde, was zweifellos Teil der gängigen Indoktrination von Neuankömmlingen ist, um sie ihres Charakters und ihrer Herkunft zu entfremden, auf dass sie sich in ihre neue Familie integrieren.

Patrick, gespielt von John Hawkes, ist zweifellos eine gleichsam überzeugende Gestalt von roher Überlegenheit, so dass es durchaus glaubwürdig ist, dass dieser willensstarke Mann von ihm Grunde so unscheinbaren Äußeren sich seine Gruppe untertan gemacht hat. Dem gegenüber stehen Marthas Schwester Lucy, dargestellt von Sarah Paulson, und ihr Mann Ted, großartig verkörpert von Hugh Dancy, die sich nach Marthas Flucht rührend um sie kümmern, jedoch auch mehr und mehr ihr seelisches Chaos erkennen, das sie umtreibt und verwirrt. Dabei treten auch Marthas Ängste, von der Gruppe verfolgt und schlussendlich in die Kommune zurückgeholt zu werden mehr und mehr zutage.

Davon ab erfahren wir in Martha Marcy May Marlene, abgesehen von den Momenteindrücken in den zahllosen Rückblenden nicht allzu viel über die Sekte, der Martha sich ausgeliefert hat, was ich als wirklich erfrischend empfand, da endlich einmal nicht haarklein Gründe gesucht wurden, warum die arme Martha an diese Leute hat geraten können und wieso, was in ihrem Leben vorher schief gelaufen ist, welchem Glauben die Anhänger sich zugehörig fühlen und so weiter und so fort, weil einerseits derartige filmische Erklärungsversuche meist nur halbgar daherkommen und sich schnell demontieren oder als unglaubwürdig abstempeln lassen, andererseits die Geschichte dadurch eine gewisse Allgemeingültigkeit erhält, weil es eben nicht um diese oder jene Sekte und im Grunde auch nicht um diese oder jene Person geht, sondern darum, was Personen im Allgemeinen widerfährt, wenn sie sich solch einer Gruppe anschließen.

Szenenbild aus Martha Marcy May Marlene | © Twentieth Century Fox
© Twentieth Century Fox

Und genau das spiegelt Elizabeth Olsen mit preisverdächtiger Intensität wieder, wenn wir uns gemeinsam mit ihr in der Zeit vor- und zurückbewegen und nach und nach erfahren, was alles in diesem Lager stattgefunden hat. Der Kniff, diese Szenenüberblendungen von der Gegenwart in die Vergangenheit und zurück wie fließend wirken zu lassen, hat mir im Übrigen ausnehmend gut gefallen, weil man tatsächlich meint, sich in Marthas Kopf zu befinden und ihre Ängste somit auch eine Spur realer und greifbarer werden, manchem Zuschauer könnte diese vielleicht manchmal etwas verwirrende Darstellung aber freilich auch vor den Kopf stoßen, ebenso wie die Tatsache, dass eben kaum etwas über die Hintergründe offenbart wird und der Film, insbesondere zum Schluss, preisgibt, dass er kaum mehr ist als eine Momentaufnahme der ersten zwei Wochen, nachdem sich Martha aus den Fängen Patricks hat befreien können. Meiner Meinung nach große Kinokunst und ein Darstellerfilm wie man ihn sich öfter wünschen würde, doch letztlich sollte jeder selbst herausfinden, wie er zu Martha Marcy May Marlene steht.

Fazit & Wertung:

Martha Marcy May Marlene wirft viele Fragen auf und gibt nur wenige Antworten, überzeugt aber durch einen tadellos aufspielenden Cast, der angeführt von Newcomerin Elizabeth Olsen eine spannende, tragische und einfallsreich erzählte Geschichte transportiert.

8,5 von 10 verdrängten Erinnerungen aus der Zeit in der Kommune

Martha Marcy May Marlene

  • Verdrängte Erinnerungen aus der Zeit in der Kommune - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Martha Marcy May Marlene wirft viele Fragen auf und gibt nur wenige Antworten, überzeugt aber durch einen tadellos aufspielenden Cast, der angeführt von Newcomerin Elizabeth Olsen eine spannende, tragische und einfallsreich erzählte Geschichte transportiert.

8.5/10
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Martha Marcy May Marlene ist am 07.09.12 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Twentieth Century Fox erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Zeilenkino

    Dein neues Design gefällt mir sehr gut – und Deine Besprechung ebenfalls. :-) Bei mir hat „Martha Marcy May Marlene“ einen sehr langanhaltenden Eindruck hinterlassen. Es ist ein Film, der sich sehr langsam in einen hineinschleicht. Und alleine die Szene, in der John Hawkes auf dem Banjo spielt, ist großartig! Nun freue mich schon sehr auf „The Sessions“, der ja hoffentlich auch hierzulande zu sehen ist und dem famosen John Hawkes endlich die verdiente Aufmerksamkeit einbringen könnte. 

    • Das freut mich beides außerordentlich!

      Mich hat der Film auch sehr in seinen Bann gezogen, insbesondere wegen manch intensiver Szene wie die angesprochene mit dem Banjo, aber vor allem Elizabeth Olsen hat mich wirklich begeistert, denn auch wenn ich schon im Vorfeld viel positives gehört hatte, war ich doch positiv überrascht, weil wenn man Olsen hört… Gott sei Dank ein Trugschluss!

      Und „The Sessions“ sagte mir bis gerade eben mal wieder überhaupt nichts, so dass meine Review nun also auch noch den positiven Nebeneffekt hat, mir eine Filmempfehlung eingebracht zu haben; wenn sich da die Arbeit nicht mal wieder gelohnt hat! 😉

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