Review: The Big Bang (Film)

Auch heute habe ich wieder von einem Film zu berichten, der es meines Wissens hierzulande nicht ins Kino geschafft hat und der auch gänzlich an mir vorbeigerauscht wäre, wenn ich nicht zufällig auf einer Blu-ray über den Trailer gestolpert wäre. Die Rede ist von:

The Big Bang

The Big Bang, USA 2010, 101 Min.

The Big Bang | © KSM
© KSM

Regisseur:
Tony Krantz
Autor:
Erik Jendresen

Main-Cast:
Antonio Banderas (Ned Cruz)
in weiteren Rollen:
Thomas Kretschmann (Frizer)
William Fichtner (Poley)
Sienna Guillory (Julie Kestral / Lexie Persimmon)
Autumn Reeser (Fay Neman)
Snoop Dogg (Puss)
Delroy Lindo (Skeres)
Sam Elliott (Simon Kestral)

Genre:
Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Ned Cruz ist Privatdetektiv und wurde jüngst von drei Cops festgesetzt, die nun seine Vernehmung beginnen. Was Ned zu berichten weiß grenzt ans schier Unglaubliche. Seine Geschichte beginnt mit einem exzentrischen Schauspieler, der seine kleinen perversen Gelüste nicht für sich zu behalten wusste und sich alsbald mit der Häme der Öffentlichkeit wird befassen müssen. Ned selbst lässt dieses Intermezzo an seinem Job zweifeln und er kehrt nachts in sein Büro zurück. Dort wird er von einem ehemaligen Boxer aufgesucht, der ihn beauftragt, seine Brieffreundin Lexie zu finden, eine ehemalige Stripperin, die vor Jahren begonnen hatte, ihm Briefe ins Gefängnis zu schicken. Im Gefängnis saß er für den Mord an einem Mafiosi, der ihm Rache geschworen hatte, nachdem er einen getürkten Kampf gründlich versaut und dessen Neffen zudem lebensgefährlich verletzt hatte. Für sein eingefädeltes Scheitern hatte der Boxer nämlich 30 Millionen Dollar erhalten, beziehungsweise deren Gegenwert in Blutdiamanten.

Diese Diamanten scheinen auch der Grund zu sein, warum jede von ihm befragte Person alsbald das Zeitliche segnet, wie etwa die gescheiterte Schauspielerin, die im Krankenhaus typisierte Krankheitsbilder mimt, an denen die Studenten ihre diagnostischen Fähigkeiten testen können oder auch der Pornoproduzent Puss. Seine Recherchen führen Ned Cruz bis nach New Mexico, wo ein exzentrischer Milliardär den Versuch unternehmen will, einen zweiten Urknall zu inszenieren und dabei das Gottespartikel zu erschaffen, das Ursprung jeglichen Seins ist. Dabei hilft ihm ein unter Synästhesie leidender Wissenschaftler. Doch auch die Kellnerin des hiesigen Diners wie auch die Frau des Milliardärs und letztlich die Polizisten, die Ned verhören, bergen Geheimnisse in sich und des Rätsels Lösung führt auf mehrerlei Art zum Anfang zurück.

Rezension:

Zu einem Film wie The Big Bang eine Inhaltszusammenfassung zu geben grenzt an schiere Unmöglichkeit, denn was hier an Ideen und Figuren aufgefahren wird ist schier unglaublich. Die Geschichte ist wahnsinnig verworren und kompliziert und streift mehr als einmal die Grenzen des Absurden, überrascht aber auch mehr als einmal mit guten, überraschenden Wendungen und neuen Offenbarungen. Anfänglich steht man ein wenig auf der Seite der Polizisten, da es dem Zuschauer ergeht wie ihnen, dass man keine Ahnung hat was vorgefallen ist und gebannt den Ausführungen von Privatdetektiv Ned Cruz aka Antonio Banderas lauscht, wenn dieser die Geschichte neu aufrollt und mehr als einmal in Erklärungsnot gerät.

The Big Bang | © KSM
© KSM

Mehr und mehr entwickelt sich The Big Bang zu einem Streifzug durch die Abgründe der Gesellschaft und ausgefeilte Dialoge und trockener Wortwitz garnieren Neds Odyssee, die ihn bis nach New Mexico führen werden, wo die Geschichte langsam aber sicher mehr und mehr Sinn ergeben und Gestalt annehmen wird, doch auch davor helfen geschickte Einwürfe und physikalische Anspielungen, den geneigten Zuschauer auf die richtige Fährte zu führen, auch wenn die letztliche Überraschung, das Bündel an sich überschlagenden Ereignissen freilich kaum vorweggenommen werden kann.

Es erscheint mir absolut einleuchtend, dass dieser Film nicht jedermanns Geschmack treffen wird, denn im Vorfeld und anfänglich wirkt er zugegebenermaßen wie ein lupenreiner Noir-Thriller mit Gangster-Anleihen und nichts – abgesehen vom Titel – lässt darauf schließen, was einen im weiteren Verlauf erwarten wird. Wenn dann die Sprache auf die Urknall-Theorie kommt, Kausalitätsprinzipien oder die Schlange Uroboros Erwähnung finden, dann mag dies all Denjenigen vor den Kopf stoßen, die sich leichtere, seichtere Unterhaltung gewünscht hätten. Für mich allerdings macht genau das die Stärke von The Big Bang aus, denn lange schon habe ich nicht mehr so clevere Dialoge gehört, so kluge, zynische und bissige Sprüche, die sich zuweilen einfallsreich der Fachtermini der Naturwissenschaft bedienen und eine Geschichte begleiten, die so derart konstruiert, so dermaßen unglaubwürdig, so unglaublich unglaublich ist, dass es mir über die gesamte Laufzeit eine wahre Freude wahr, dem Treiben beizuwohnen.

The Big Bang | © KSM
© KSM

Natürlich ist The Big Bang auch nicht der Überflieger unter den Filmen und legt meist eine gemächliche Gangart vor, geht ungewöhnliche Wege und lässt zuweilen auch dramaturgische Aspekte arg unberücksichtigt, doch ist er auch nicht so schlecht, dass er ein Dasein im Vergessen verdient hätte. Wer also schon immer einmal sehen wollte, wie verworren eine Geschichte werden kann, ohne dass einem am Ende nicht alles sonnenklar wäre, wer schon einmal sehen wollte, was passiert, wenn ein Milliardär den Urknall nachzustellen versucht und wer einfach mal wieder Antonio Banderas in einer coolen Rolle erleben möchte oder auch William Fichtner, der hier im Gespann mit Thomas Kretschmann zwei überzeugende Bullen gibt, wer über Tätowierungen auf dem Bauch einer Frau über Physik aufgeklärt werden möchte, wer ein Faible für durchgeknallte, ungewöhnliche, aber extrem einfallsreiche Filme hat, der sollte sich The Big Bang nicht entgehen lassen, auch wenn die Auflösung am Schluss die in sie gesetzten Erwartungen leider nicht erfüllen konnte.

Fazit & Wertung:

The Big Bang ist ein durch und durch ungewöhnlicher Film mit einer mehr als denkwürdigen Prämisse, dem leider zum Ende hin ein wenig die Luft ausgeht, der bis dahin aber die meiste Zeit clever unterhält. Hätte es da nicht manche dramaturgische Schwäche und eine teils gewöhnungsbedürftige Optik, dieser Film würde in der ersten Liga mitmischen.

7 von 10 unglaublichen Verkettungen unerwarteter Ereignisse

The Big Bang

  • Unglaubliche Verkettungen unerwarteter Ereignisse - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

The Big Bang ist ein durch und durch ungewöhnlicher Film mit einer mehr als denkwürdigen Prämisse, dem leider zum Ende hin ein wenig die Luft ausgeht, der bis dahin aber die meiste Zeit clever unterhält. Hätte es da nicht manche dramaturgische Schwäche und eine teils gewöhnungsbedürftige Optik, dieser Film würde in der ersten Liga mitmischen.

7.0/10
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The Big Bang ist am 14.05.12 auf DVD, Blu-ray und 3D Blu-ray im Vertrieb der KSM GmbH erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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