Review: Cosmopolis (Film)

Nachdem ich ja anlässlich des damaligen Kinostarts statt des Films ja zumindest einmal das zugrundeliegende Buch von Don DeLillo präsentieren konnte, komme ich nun natürlich nicht umhin, euch auch die filmische Adaption von David Cronenberg nachzureichen und näherzubringen. Viel Spaß also ein weiteres Mal mit meiner neuesten Film-Rezension!

Cosmopolis

Cosmopolis, FR/CA/PT/IT 2012, 108 Min.

Cosmopolis | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Regisseur:
David Cronenberg
Autoren:
David Cronenberg (Drehbuch)
Don DeLillo (Buchvorlage)

Main-Cast:
Robert Pattinson (Eric Packer)
in weiteren Rollen:
Juliette Binoche (Didi Fancher)
Sarah Gadon (Elise Shifrin)
Mathieu Amalric (André Petrescu)
Jay Baruchel (Shiner)
Kevin Durand (Torval)
K’Naan (Brutha Fez)
Emily Hampshire (Jane Melman)
Samantha Morton (Vija Kinsky)
Paul Giamatti (Benno Levin)

Genre:
Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Eric Packer ist achtundzwanzig Jahre jung und zählt fraglos zu dem 1 Prozent der Bevölkerung, die gemeinsam so viel besitzt wie der Rest der Menschen. Er jongliert mit Millionen und Abermillionen und hat in jeder Sekunde einen Blick auf die in seiner mit Kork verkleideten Limousine verbauten Displays, die die Finanzmärkte der Welt wiederspiegeln und deren Entwicklung er mit beträchtlichem Erfolg vorherzusagen weiß. Ein verheißungsvoller Tag in seinem Leben soll nun aber anders verlaufen, denn während er sich überlegt, dass es wirklich höchste Zeit wird, den Friseur seines Vertrauens aufzusuchen und dafür seine Stretchlimousine besteigt, braut sich in der Stadt das Unheil zusammen und zahlreiche Entwicklungen künden von nachhaltigen Veränderungen. In nicht einmal 24 Stunden wird Packer sein gesamtes Vermögen verloren haben, scheinbar nur, weil er sich außerstande sieht, die Entwicklung des Yen vorherzusagen und sich grenzenlos verspekuliert.

Szenenbild aus Cosmopolis | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Doch auch sonst liegt bei Packer einiges im Argen. Er ist ein Ruheloser, lässt sich seine Angestellten und Liebschaften in die Limousine zitieren, während diese im Schritttempo durch die im Aufruhr befindlichen Straßen New Yorks gleitet – mit Sicherheitschef Torval stets an ihrer Seite. Ein Anschlag ist geplant, erst auf den Präsidenten, später auf Packer selbst. Doch dieser zeigt sich unbeeindruckt, versucht stattdessen vehement und mit Nachdruck von seiner Ehefrau Sex einzufordern, einer Frau, die er an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeiten in der Stadt trifft und die in zweckmäßiger Ehe mit ihm verbunden ist. Doch während nach und nach die Dämme brechen und Packers Weltbild mehr und mehr zerfällt führt die neugewonnene Freiheit bei ihm auch zu einer ungekannten Sorglosigkeit und dem bestrebten Wunsch, neue Erfahrungen und Gefühle zu erleben. So tritt er auch letztlich todesmutig dem Mann gegenüber, der ihm nach dem Leben trachtet und der weiß, wie eine asymmetrische Prostata – wie Packers Arzt ihm jüngst erst bescheinigt hat – sich auf dessen Urteilsfähigkeit auswirken kann.

Rezension:

Mit Cosmopolis hat sich David Cronenberg zweifellos eines schwierigen Stoffes angenommen und ein ebenso fraglos ziemlich schwer zugängliches Werk geschaffen, das vielen übel aufstoßen wird, das vielen zu langatmig, zu seltsam, zu offen oder zu ziellos geraten sein wird. Der Fairness halber muss ich dazu sagen, dass es mir vermutlich ähnlich ergangen wäre, würde ich nicht Don DeLillos Buchvorlage kennen, denn ohne dieses Wissen erscheint so manche Szene doch wahrhaft konfus und man mag sich kaum vorstellen, dass dieser Film sogar deutlich näher an seiner Vorlage bleibt, als es viele seiner Zeitgenossen tun. Letztlich lebt der Film aber auch nicht von seiner Handlung, sondern vielmehr von seinen gestelzten Dialogen und dem prognostizierten Zusammenbruch der Weltwirtschaft, wie DeLillo sie bereits im Jahr 2000 beinahe visionär vorausgesehen hat, wenngleich hier das Geschehen noch einmal deutlich überspitzt dargestellt wird.

Szenenbild aus Cosmopolis | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Zudem lebt der Film natürlich von seinem Hauptdarsteller und Cronenberg hat es tatsächlich geschafft, mir den vormals so verhassten Robert Pattinson näherzubringen, der sich tatsächlich als Idealbesetzung für die Rolle des Eric Packer erweist und mit zurückgenommenem und diffizilen Spiel trotzdem Packers Ambivalenz darzustellen weiß, dabei aber stets den an seiner Seite agierenden Schauspielern den Vortritt lässt und keine einzige Szene dominiert, während er doch in so gut wie jeder Einstellung präsent ist. Zu behaupten, das Innenleben Packers würde dem Zuschauer im Laufe des Films offenbart wäre zwar zu hoch gegriffen, doch war dies wohl auch nie die Intention, weder des Buches noch des (beinahe) kongenialen Films, denn hier geht es mehr um Ohnmacht, Gleichgültigkeit und, ja, Asymmetrie.

Cronenberg übernimmt zahllose denkwürdige Szenen aus dem Buch und da dieses noch nicht einmal besonders weitschweifig geraten ist, muss er hier nicht einmal viele Abstriche machen und beruft sich sehr zum Glück für den Film beinahe eins zu eins auf die Dialoge, wie DeLillo sie verfasst hat. Auch dies ist natürlich ein Merkmal, welches manchen Zuschauer vor den Kopf stoßen wird und das nicht unbedingt als gewollt und beabsichtigt offenbar wird, ebenso wie die sterile und abgeschottete Atmosphäre innerhalb der Limousine, in der sich große Teile des Films abspielen. Gäbe es die spärlichen Episoden außerhalb des Autos nicht verkäme Cosmopolis sogar zum reinen Kammerspiel und hätte dadurch wahrscheinlich noch mehr Zuschauer vertrieben.

Szenenbild aus Cosmopolis | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Cosmopolis ist zudem ein in weiten Teilen wahnsinnig ruhig, ja beinahe lethargisch erzählter Film, der beinahe gänzlich ohne Aufregung oder Action auszukommen weiß, auch wenn der Trailer hier gänzlich anderes vermittelt, aber auch dies ist wieder Beispiel eines schlechten Marketings, was unweigerlich zur Frustration der unbedarften Zuschauer führen musste. Auch unter diesem Aspekt freue ich mich, das Buch vorher gelesen und gewusst zu haben, was mich erwartet denn ansonsten hätte der Film für mich ebenfalls ein deprimierendes Erlebnis werden können. Das soll aber nicht seine visionäre prognostische Kraft schmälern, denn neben all den skurrilen Szenen und scheinbar überflüssigen Passagen zeichnet Cosmopolis ein surreales und doch treffendes Bild vom Niedergang der Finanzwirtschaft, das in einem denkwürdigen und gleichsam unaufgeregtem Finale mündet. Einzig dem Umstand, dass Cronenberg sich der Zukunftsvisionen Packers entledigt hat, der sich im Buch zuweilen auf seinen Bildschirmen bei noch stattfindenden Ereignissen beobachten konnte und der Tatsache, dass er auf die Memoiren des Schützen verzichtet hat und das Ende des Films recht offen und unbefriedigend inszeniert halten mich davon ab, für den Film Cosmopolis eine gleichsam hohe Wertung zu vergeben wie für das Buch Cosmopolis.

Fazit & Wertung:

Cosmopolis ist ein schwieriges, unzugängliches und sicherlich für viele befremdliches Werk geworden, doch beweist einerseits Patterson echte Schauspielqualitäten und andererseits Cronenberg seine Fähigkeit, auch schwierige Stoffe adäquat adaptieren zu können.

8 von 10 Luxus-Stretch-Limousinen

Cosmopolis

  • Luxus-Stretch-Limousinen - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Cosmopolis ist ein schwieriges, unzugängliches und sicherlich für viele befremdliches Werk geworden, doch beweist einerseits Patterson echte Schauspielqualitäten und andererseits Cronenberg seine Fähigkeit, auch schwierige Stoffe adäquat adaptieren zu können.

8.0/10
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