Review: Fast verheiratet (Film)

Nachdem ich gestern einige wenige von euch mit meinen Erfahrungen bei Videoload unterhalten durfte widme ich mich heute selbstverständlich wieder mehr dem Kerngeschäft des Medienjournals und melde mich mit einer neuen Film-Review zu einem recht aktuellen Film zurück, der mich tatsächlich positiv überraschen konnte, auch wenn er freilich nicht gänzlich ohne Makel ist.

Fast verheiratet

The Five-Year Engagement, USA 2012, 124 Min.

Fast verheiratet | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Regisseur:
Nicholas Stoller
Autoren:
Jason Segel
Nicholas Stoller

Main-Cast:
Jason Segel (Tom Solomon)
Emily Blunt (Violet Barnes)
in weiteren Rollen:
Chris Pratt (Alex Eilhauer)
Alison Brie (Suzie Barnes-Eilhauer)
Rhys Ifans (Winton Childs)

Genre:
Komödie | Romantik | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Fast verheiratet | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Bereits ein Jahr, nachdem die beiden sich auf einer Silvesterfeier das erste Mal begegnet sind, macht Tom seiner geliebten Violet einen Heiratsantrag. Trotz widriger Umstände sagt sie sofort ja. Die Hochzeit wird geplant, die Familie wird zusammengetrommelt und alles scheint in trockenen Tüchern zu sein, doch dann platzt Violets Traum von einer Anstellung in San Francisco. Alternativ wird ihr aber eine Stelle an der Universität von Michigan angeboten und Tom gibt bereitwillig seine Stelle in einem angesagten Sushi-Restaurant in San Francisco auf, um mit ihr für zwei Jahre nach Michigan zu ziehen. Die Hochzeit wird auf unbestimmte Zeit verschoben und die beiden trösten sich damit, dass sie es ja nicht eilig hätten und jederzeit die Möglichkeit haben, sie nachzuholen, wenn es in ihrem Leben weniger stressig zugeht. Stattdessen heiraten nun in der Zwischenzeit Toms bester Freund und Violets Schwester, die sich im Zuge der Hochzeitsvorbereitungen näher gekommen sind.

Während Violet an der Uni aufblüht und begeistert Verhaltensforschung betreibt findet Tom keinen adäquaten Job und muss sich als Sandwich-Maker verdingen, während sein bester Freund mittlerweile Geschäftsführer eines Nobelrestaurants wird. Tom wird zunehmend unglücklicher und eine handfeste Krise beginnt sich am Horizont abzuzeichnen, als das Paar langsam aber sicher das Gefühl bekommt, dass die so innig erhoffte Hochzeit in weite Ferne gerückt zu sein scheint.

Rezension:

Fast verheiratet beginnt ganz bewusst wie die typische RomCom, wenngleich der Titel ja direkt erahnen lässt, dass hier die eigentliche Zielerreichung eben nicht im Zusammenfinden des Pärchens oder dem Heiratsantrag besteht, sondern mehr in der sonst obligatorischen Hochzeit, die sich hier als reichlich problematisch herausstellt und ein ums andere Mal verschoben wird. Der Clou an dem Film ist allerdings mehr, dass er sich zwar zumindest anfänglich wie der typische Genre-Vertreter präsentiert, im weiteren Verlauf aber auch mehr und mehr im Bereich der Tragik wildert und das sich liebende Paar wirkliche Hürden durchleiden lässt, die nicht nur nahe gehen, sondern auch trotz ihrer Absurditäten deutlich realistischer daherkommen als in den meisten anderen Filmen.

Szenenbild aus Fast verheiratet | © Universal Pictures
© Universal Pictures

So ist es beispielsweise im höchsten Maße unkomisch, wenn Tom sich mehr und mehr vernachlässigt fühlt, seine Angetraute in spe an den Pranger stellt, ihm seine Karriere als Koch versaut zu haben und infolgedessen zum desillusionierten und genügsamen Eigenbrötler wird. Auch als der Keim des Zwiespalts in Form des eloquenten wie charmanten Professor Winton Childs – wie immer großartig: Rhys Ifans – in der Beziehung Einzug hält eskaliert die Situation in höchst dramatischen Ausmaßen und lässt die Liebenden beileibe nicht ohne Narben zurück. Den Konterpart hierzu bilden freilich Chris Pratt und Alison Brie (Community) als Toms bester Kumpel und Arbeitskollege Alex und Violets Schwester Suzie, denn während es für Tom und Violet einfach nicht glatt laufen will, leben die beiden ihnen im Grunde eine Bilderbuchehe vor, inklusive Kind und beruflichem Erfolg.

Zwar werden die beiden in weiten Teilen zu Sidekicks degradiert, setzen aber dennoch bewusst leichtfüßige Akzente, wenngleich auch sie nicht um Kritik an dem verwahrlosten Tom verlegen sind. Und so perfekt die beiden als Paar harmonieren, kauft man auch Emily Blunt und Jason Segel vorbehaltlos die innige Liebe zueinander ab, so dass ich sogar so weit gehen würde zu behaupten, selten ein Schauspieler-Ensemble gesehen zu haben, dass so wunderbar miteinander harmoniert und dessen Chemie durchweg glaubwürdig und nachvollziehbar ist.

Szenenbild aus Fast verheiratet | © Universal Pictures
© Universal Pictures

Die zwei einzigen und gravierendsten Probleme von Fast verheiratet sind indes einerseits, dass die sprichwörtliche fünfjährige Verlobung nicht wirklich erlebbar wird, weil man darauf verzichtet hat beispielsweise Jahreszahlen einzublenden und das Geschehen dadurch zuweilen nicht wirklich einzuordnen ist und andererseits, dass sich der Film im Mittelteil ziemlich zerfasert und nicht recht weiß in welche Richtung nun zu stolpern, so dass sich nach einer extrem unterhaltsamen ersten Stunde ein wenig Ernüchterung einstellt wenn man zum einen nicht weiß wie viel Zeit mittlerweile vergangen ist und zum anderen wie es wohl weitergehen mag mit Tom und Violet, zumal es ab diesem Zeitpunkt auch zunehmend düsterer wird und einem das Lachen immer öfter im Halse stecken bleibt, bevor es am Ende natürlich nichtsdestotrotz das obligatorische und zugebenermaßen reichlich übertriebene Happy-End gibt.

Fazit & Wertung:

Fast verheiratet ist eine tolle Mischung aus Drama und Komödie, verzettelt sich aber zuweilen in der eigenen Story und die Stimmungsumschwünge sind an manchen Stellen derart drastisch, dass der Film weder als Komödie noch als Drama zu hundert Prozent funktioniert und sich dadurch noch höhere Wertungen selbst verbaut.

8 von 10 falschen Entscheidungen im Leben

Fast verheiratet

  • Falsche Entscheidungen im Leben - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Fast verheiratet ist eine tolle Mischung aus Drama und Komödie, verzettelt sich aber zuweilen in der eigenen Story und die Stimmungsumschwünge sind an manchen Stellen derart drastisch, dass der Film weder als Komödie noch als Drama zu hundert Prozent funktioniert und sich dadurch noch höhere Wertungen selbst verbaut.

8.0/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 4/10 Punkte

Fast verheiratet ist am 15.11.12 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Universal Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Klingt gut. Ich mag Segel eh sehr gerne und auch der restliche Cast überzeugt. Wenn ich mal günstig rankomme, wird der bestimmt mitgenommen… und irgendwann auch geschaut… 😉

    • Wenn dir die Qualität nicht so wichtig ist kann ich dir auch einen videoload-Gutschein schicken, den schon sonst keiner meiner Leser haben möchte, dann kannst du ihn dir „ausleihen“ 😉

      Ich find auch Segel auch immer sehr sympathisch und der Rest rundet es einfach wunderbar ab.

      • Kann man bei Videoload auch im Originalton schauen? Wenn nein, wäre das sowieso ein K.O.-Kriterium. Zudem vermute ich, dass die Bandbreite bei uns mit 3000er DSL zu gering für HD ist und SD ist ja, wie man bei dir gelesen hat, nicht wirklich was… danke aber auf jeden Fall! :)

      • Also in den seltensten Fällen wird man da die Wahl haben, soweit ich das überblicken konnte also hauptsächlich Synchro. Bezüglich eurer Internetverbindung müsstest du dir aber keine Sorgen machen, den Film gibt es dort nämlich nur in SD. *Ironie* Leuchtet ja auch ein, wenn du dir überlegst, dass der im Juli diesen Jahres im Kino lief, so alte Gurken gibt es doch nicht in HD! *Ironie-aus*

  • Pingback: Review: FAST VERHEIRATET (OT: The Five-Year Engagement) | ChristiansFoyer()

  • Hm, seh ich ja im Deatil durchaus anders und den Film insgesamt deutlich schlechter. Die „extrem unterhaltsame“ erste Stunde fand ich voll daneben, die zweite hingegen sowohl witziger, wie auch in den Dramaelementen gelungener. Einig sind wir uns aber in zwei Punkten: großartiger Rhys Ifans, übertriebenes Happy End 😉

    • Ja, da differieren wir tatsächlich mal wieder sehr, aber dass dem gerade bei Komödien im weiteren Sinne ja häufiger der Fall ist als sonst hatten wir ja bereits eruiert.
      Immerhin besteht also Einigkeit in diesen zwei Punkten, das ist doch auch schon mal was :-)

  • Pingback: Fast verheiratet (2012) | Film-Blogosphäre()

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