Review: Das Haus hinter dem Tunnel | Severin Ginzel (Buch)

Heute gibt es mal wieder ein etwas außergewöhnlicheres Buch bei mir zu begutachten, denn der Frieling Verlag selbst hatte sich an mich gewandt und sich erkundigt, ob nicht Interesse bestünde, einmal eines oder mehrere Werke aus dem Verlagsprogramm rezensieren zu wollen. Nach kurzer Durchsicht war mein Interesse durchaus geweckt und ich orderte mehrere spannend anmutende Bücher, von denen ich euch heute das erste präsentieren möchte, wenngleich es sich mit einer Seitenstärke von unter 70 Seiten wohl eher um eine Erzählung oder Kurzgeschichte handelt und nicht um einen vollwertigen Roman. Freilich sagt die Quantität nichts über die Qualität aus und deshalb gibt es hier nun meine Eindrücke zu

Das Haus hinter dem Tunnel

Das Haus hinter dem Tunnel, DE 2012, 64 Seiten

Das Haus hinter dem Tunnel von Severin Ginzel
© Frieling Verlag

Autor:
Severin Ginzel

Verlag (D):
Frieling Verlag
ISBN:
978-3-828-03073-2

Genre:
Science-Fiction | Mystery | Endzeit

 

Inhalt:

Jack und Alex sind beste Freunde und leben in einer weitestgehend autoritär organisierten Gesellschaft einer unbekannten Zukunft in der jeder Bürger verpflichtet ist, an dem großen Computer zu arbeiten und tagein tagaus Befehle in die Tastatur zu hämmern, um das fragile Gesellschaftssystem aufrecht zu erhalten und seinen Teil zu ebenselbigem beizutragen. In dieser von Regeln bestimmten Welt reizt es die beiden Jungen natürlich umso mehr, die verbotenen Sperrgebiete abseits der belebten Straßen zu erforschen und durch einen Tunnel gelangen sie in selbiger Zone zu einem Haus, dass der Zeit entrückt zu sein scheint und ein letztes Überbleibsel einer längst vergessenen Vergangenheit ist.

Dort treffen die beiden Herumtreiber auf Joseph, der sie schon erwartet zu haben scheint, hofft er doch in ihnen die Personen gefunden zu haben, um sein Erbe weitertragen zu können. Dennoch kehren die beiden in die Stadt zurück, nur um sich alsbald erneut – und diesmal in Begleitung der gemeinsamen Freundin Kathrin – zu Joseph aufzumachen. Dieser weiß von einer Zeit zu berichten, als noch nicht die gesamte Bevölkerung dem Großrechner unterworfen war, als die Erdoberfläche noch gänzlich bewohnbar war und die Menschen ihre Zeit anders verbrachten, als lediglich Kontrollbefehle und Tastenkombinationen zu erlernen. Dann geschieht das Unvorstellbare und in der Stadt bricht ein Aufruhr aus. Alex, Jack und Kathrin sehen keine andere Chance, als sich endgültig in das Haus des alten Einsiedlers zu flüchten, um der Gewalt auf den Straßen zu entgehen.

Rezension:

Autor Severin Ginzel hat sich bei Das Haus hinter dem Tunnel unverkennbar von Größen der dystopischen Literatur wie Huxley oder Orwell inspirieren lassen. Freilich muss dies nichts schlechtes bedeuten und Ginzel gelingt es auch immer wieder, seiner Geschichte neue und interessante Facetten abzuringen, zumal die Dystopie der von ihm ersonnenen Gesellschaft nur langsam offenbar wird und sich insbesondere zu Beginn der Erzählung noch kaum zu erkennen gibt.

Während aber einige Passagen vor Einfallsreichtum und klugen Ansichten zu strotzen scheinen, kommen andere wiederum wie endlos wiedergekäute Plattitüden daher, die man in solcher oder ähnlicher Form schon in beinahe jedem artverwandten Buch hat lesen können. Insbesondere und tragischerweise ist gerade das Ende für meinen Geschmack sehr plakativ und vorhersehbar ausgefallen, zumal sich hier eine gewisse Logiklücke offenbart und die Geschichte dann auch allzu schnell ausklingt.

Bis es allerdings dazu kommt unterhält Das Haus hinter dem Tunnel auf angenehmste Weise und kommt ohne Längen aus. Einzig der zuweilen wechselnde Blickpunkt der Figuren ist ein wenig gewöhnungsbedürftig und hat dazu geführt, dass ich manchen Absatz zwei Mal lesen musste, bis ich mich wieder vollends in der Geschichte verlieren konnte. Allerdings – und das ist sehr schade – hätte man sich an vielen Stellen nähere Ausführungen zu der Welt und ihren Mechanismen gewünscht, die hier ob der geringen Seitenzahl doch allzu oft allzu schnell abgebügelt werden.

Stattdessen liegt der Fokus der Erzählung auf den drei Protagonisten Alex, Jack und Kathrin, was zwar grundsätzlich nicht verwerflich ist, hier aber ein wenig mehr figurativen Feinschliff erfordert hätte, um den Personen ein erkennbares Profil zu verschaffen. So bleiben sie leider so gesichtslos wie auch der undurchschaubare Joseph, der stets von seinen Geheimnissen umgeben und verfolgt zu sein scheint. Nichtsdestotrotz ist der Ansatz ein spannender und ich hätte gerne mehr aus der die Das Haus hinter dem Tunnel umgebenden Welt erfahren. So bleibt aber nur eine in weiten Teilen zwar überzeugende, aber an manch entscheidender Stelle krankende Geschichte mit einer interessanten Ausgangsidee.

Fazit & Wertung:

Das Haus hinter dem Tunnel reißt immer wieder spannende Themen an und skizziert eine dystopische Zukunft mit spannenden Mechanismen, sträubt sich aber vehement, dahingehend vertiefende Informationen zu liefern und versteift sich stattdessen lieber auf das recht konturlose und arg begrenzte Figurenarsenal und verschenkt dadurch einiges an Potential.

6,5 von 10 Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit

Das Haus hinter dem Tunnel

  • Erinnerungen an eine längst vergangene Zeit - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Das Haus hinter dem Tunnel reißt immer wieder spannende Themen an und skizziert eine dystopische Zukunft mit spannenden Mechanismen, sträubt sich aber vehement, dahingehend vertiefende Informationen zu liefern und versteift sich stattdessen lieber auf das recht konturlose und arg begrenzte Figurenarsenal und verschenkt dadurch einiges an Potential.

6.5/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite des Frieling Verlages.

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Das Haus hinter dem Tunnel ist am 29.08.12 bei Frieling erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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