Review: Driver for the Dead (Graphic Novel)

Nach zwei Filmen in Folge wird es allerhöchste Zeit, mal wieder ein wenig Abwechslung in die Sache zu bringen und daher gibt es heute mal wieder eine Graphic Novel, die wir ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit rücken wollen.

Driver for the Dead

Driver for the Dead, USA 2010-2011, 168 Seiten

Driver for the Dead
© Splitter Verlag

Autor:
John Heffernan
Zeichner:
Leonardo Manco

Verlag (D):
Splitter Verlag
ISBN:
978-3-868-69506-9

Genre:
Action | Horror | Mystery | Thriller

 

Inhalt:

Sein Name ist Alabaster Graves und er ist der Fahrer für die Toten. Doch Graves ist beileibe kein einfacher Leichenwagenfahrer, denn er weiß um die Geheimnisse der Welt und davon, dass es beileibe mehr gibt als einfache Menschen, lebendig oder tot, sondern noch viel mehr Wesen und Seinszustände. Nach dem vierten Purple Heart aus dem Armeedienst entlassen, kehrte er an Bord eines Flugzeuges voller Leichen in die Heimat zurück und begann sich über die Verstorbenen Gedanken zu machen, fand so zu seiner Berufung. Nachdem er das Handwerk erlernt und seine Black Betty aufgemotzt hatte begann sein Job als Fahrer für die ungewöhnlicheren Fälle und arbeitet derzeit für das Beerdigungsinstitut Delacroix.

Abgesehen davon, sich um Vampire und dergleichen mehr kümmern zu müssen und aufgrund unvorhergesehener Kampfhandlungen mehrmals wöchentlich die Windschutzscheibe seiner Black Betty erneuern zu müssen, schiebt der mit allen Wassern gewaschene Graves im Grunde eine ruhige Kugel. Dann allerdings kommt Bewegung in die Unterwelt, denn der berühmte Heiler Moses Freeman ist verstorben, bat noch kurz vor seinem Tod darum, dass speziell Graves sich seiner Leiche annehmen soll und ehe sich der ungewöhnliche Leichenfahrer versieht, steckt er mitten im Gefecht mit einem Mann namens Fallow, einem Nekromanten, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Leichenteile besonderer Menschen zu sammeln und damit seine eigenen Kräfte immer mehr zu vergrößern. Doch auch ein Leichenwagenfahrer hat seinen Ehrenkodex und die Toten verdienen es, in Frieden zu ruhen. Gut also, dass Alabaster Graves schon mit so manchem unliebsamen Zeitgenossen fertig geworden ist.

Rezension:

Von der ersten Seite an versprüht die Geschichte schwülstes Südstaatenflair und beginnt in Shreveport, Louisiana, wo der Heiler Moses Freeman ein Ehepaar besucht, dessen Sohn verhext worden zu sein scheint. Neben den atmosphärischen Bildern sind es die Ausführungen Freemans zum Thema Hoodoo gegenüber dem jungen Paar, die einen direkt in Driver for the Dead eintauchen lassen, obwohl der Protagonist der Geschichte noch längst nicht in Erscheinung getreten ist. Nach dem Tode Freemans allerdings wechselt der Ort der Geschichte nach New Orleans und Alabaster Graves stellt sich in einer filmreifen Szene selbst vor und umreißt in kurzen Worten die Eckpfeiler seiner Arbeit. Der cineastische Eindruck des Prologs zieht sich dabei weiter fort und durchdringt die gesamte nun folgende Story, so dass man im Grunde das Gefühl hat, bis ins Detail ausgearbeitete und sorgsam kolorierte Storyboards zu betrachten.

Der Fortgang ist weitestgehend chronologisch, doch arbeitet Autor John Heffernan auch mit mancher Rückblende, um sowohl die Vergangenheit Graves‘ als auch seines Kontrahenten Fallow zu beleuchten. Ansonsten lebt Driver for the Dead von dem steten Wechsle der Handlungsorte, denn einerseits verfolgen wir den Weg des Nekromanten durch verschiedenste Städte Louisianas auf der Suche nach immer neuen Fähigkeiten und andererseits die Geschicke von Alabaster, der alles daran setzt, den Leichnam von Moses Freeman – der übrigens (möglicherweise als bewusste Reminiszenz) frappierende Ähnlichkeit mit dem Schauspieler Morgan Freeman hat – wohlbehalten zu seiner letzten Ruhestätte zu chauffieren, wobei ihm Freemans Urenkelin Marissa an die Seite gestellt wird.

Die Figurenkonstellation könnte man beinahe als klassisch bezeichnen und es kommt wie zu erwarten mehrmals zum verbalen Schlagabtausch zwischen den beiden, bevor sie sich auf der langen Fahrt von New Orleans nach Shreveport langsam aber sicher zusammenraufen. Wie eingangs erwähnt könnte man tatsächlich Driver for the Dead im Grunde Bild für Bild vom Fleck weg verfilmen und das soll nicht etwa Kritik sein, sondern sogar ein hohes Lob, denn dermaßen atmosphärisch und in jedem Panel absolut überzeugend aufgebaute Graphic Novels findet man tatsächlich selten und die überragende Qualität der Zeichnungen von Leonardo Manco tut hierbei ihr Übriges.

Da verwundert es kaum, dass Heffernan und Manco auch in dem an die Geschichte anschließenden Interview bereits bereitwillig und ausgiebig über die Besetzung von Graves (Favorit: Gerard Butler) in einer Verfilmung spekulieren. Der cineastische Tenor der Bilder und Artworks ist der Geschichte aber auch durchaus zuträglich, denn so großartig Driver for the Dead in seiner Gänze ist, muss man doch auch einräumen, dass die Geschichte um Zombies, Nekromanten, Hexen, Werwölfe und allerlei mehr Getier, dem sich ein todesmutiger, wortkarger, zynischer und kampferfahrener einsamer Wolf entgegenstellt, doch auch sehr von Stereotypen bevölkert und von manchem Klischee dominiert wird, wenngleich diese hier wirklich liebevoll und teils mit einem Augenzwinkern umgesetzt worden sind. Nichtsdestotrotz ist der vorliegende Band allerfeinste Unterhaltung in den von Magie durchzogenen Südstaaten, so dass zu hoffen bleibt, dass die beiden Macher sich zu einer Fortsetzung entschließen, die ein neues Abenteuer aus dem umtriebigen Leben des durchaus charismatischen und coolen Alabaster Graves erzählen wird.

Fazit & Wertung:

Driver for the Dead punktet mit Südstaatenflair und atmosphärischen Zeichnungen und tröstet dadurch auch darüber hinweg, dass so mancher Teil der Geschichte einem aus diversen B-Movies bereits bekannt sein mag. Ein durchweg gelungener Einstand für Alabaster Graves, den wohl ungewöhnlichsten Leichenwagenfahrer von Louisiana.

9 von 10 rasanten Fahrten mit der Black Betty

Driver for the Dead

  • Rasante Fahrten mit der Black Betty - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Driver for the Dead punktet mit Südstaatenflair und atmosphärischen Zeichnungen und tröstet dadurch auch darüber hinweg, dass so mancher Teil der Geschichte einem aus diversen B-Movies bereits bekannt sein mag. Ein durchweg gelungener Einstand für Alabaster Graves, den wohl ungewöhnlichsten Leichenwagenfahrer von Louisiana.

9.0/10
Leser-Wertung 0/10 (0 Stimmen)
Sende

Weitere Information findet ihr auf der Seite des Splitter Verlages. Dort finden sich auch die ersten 11 Seiten von Driver for the Dead als Leseprobe.

– – –

Driver for the Dead ist am 01.08.12 im Splitter Verlag erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

%d Bloggern gefällt das: