Review: Rum Diary (Film)

So langsam kehrt der Alltag wieder ein und damit hoffentlich auch eine etwas regelmäßige Betätigung in der Bloggerei. Zumindest habe ich es heute – und sogar recht zeitig – geschafft, ein paar Worte an Rum Diary zu verlieren – übrigens ab übermorgen auch im Handel erhältlich!

Rum Diary

The Rum Diary, USA 2011, 120 Min.

Rum Diary | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Bruce Robinson
Autoren:
Bruce Robinson (Drehbuch)
Hunter S. Thompson (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Johnny Depp (Kemp)
in weiteren Rollen:
Aaron Eckhart (Sanderson)
Michael Rispoli (Sala)
Amber Heard (Chenault)
Richard Jenkins (Lotterman)
Giovanni Ribisi (Moberg)

Genre:
Komödie | Abenteuer | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Der Journalist Paul Kemp nimmt von Amerika Reißaus und flüchtet nach Puerto Rico. Dort angekommen frönt er zunächst dem exzessiven Alkoholkonsum, um sich dann völlig verkatert seinem Vorstellungsgespräch bei einem amerikanisch finanzierten Schmierenblatt in San Juan zu stellen. Chefredakteur Lotterman wittert zwar schon den nächsten faulen, dauerbetrunkenen und demotivierten Herumtreiber, doch wer so verrückt ist, sich auf diese Stelle zu bewerben, der soll sie auch bekommen – zumal niemand sonst sie haben will. Schnell freundet sich Kemp mit einigen Kollegen an und lernt auch den charismatischen Unternehmer Sanderson kennen, der sich im Immobiliengeschäft umtut und alsbald Kemps Hilfe einfordert.

Szenenbild aus Rum Diary | © Universum Film
© Universum Film

Sandersons Freundin Chenault hat es dem verkappten Journalisten allerdings noch viel mehr angetan und zwischen Komasuff und Hahnenkämpfen versucht Paul Kemp nicht nur, sich selbst nicht zu verlieren, sondern auch die Gunst der holden Angebeteten zu gewinnen, freilich ohne dass Sanderson hiervon Wind bekommen sollte. Doch auch der Zeitung geht es nicht gut und man munkelt gar von Werksschließung, so dass plötzlich Kemps journalistischer Eifer geweckt wird und er verzweifelt versucht, den Traum vom Inselparadies für sich und seine Kollegen zu bewahren. Doch in den Zeiten des Umbruchs steht es nicht gut für einen, der nicht nur mit dem System, sondern auch sich selbst auf dem Kriegsfuß steht.

Rezension:

Terry Gilliam hat ja bereits 1998 mit Fear and Loathing in Las Vegas eindrucksvoll unter Beweis gestellt, dass die Kombination aus der Verfilmung literarischer Ergüsse von Hunter S. Thompson und Besetzung von seinem langjährigen Freund Johnny Depp als dessen Alter Ego eine lohnenswerte Kombination ist und genauso großartig hätte vermutlich auch Rum Diary werden können. Zwischen Planung und Durchführung lag diesmal allerdings mehr als ein halbes Jahrzehnt und insbesondere der Tod des Schriftstellers Thompson 2005 ließ das Projekt lange Zeit ruhen, wenngleich Depp immer wieder auf die Produktion des Films drängte. Allerdings handelt es sich bei Rum Diary auch um ein spät veröffentlichtes Frühwerk des berühmten Gonzo-Journalisten und entsprechend jung ist die Hauptfigur, entsprechend richtungs- und ziellos ist die ursprüngliche Coming-of-age-Geschichte inmitten von Rum und Palmen – und leider ist auch das Mainstream-Werk, das aus dem unangepassten ersten literarischen Gehversuch entstanden ist, entsprechend enttäuschend.

Szenenbild aus Rum Diary | © Universum Film
© Universum Film

Die Geschichte nämlich, die kaum – noch weniger als Thompsons andere Werke – einen roten Faden aufweist, wurde hier auf Gedeih und Verderb in ein typisches 08/15-Filmkorsett gepresst, mit humorigen Szenen und einer fadenscheinigen Liebesgeschichte angereichert und um politische Floskeln erweitert. Daraus ergibt sich ein mitunter kruder, zuweilen aber auch einfach nur langatmiger Stilmix von Film, der sich merklich nicht entscheiden kann, in welche Richtung die Reise geht. Selbstverständlich hat der Film auch seine Momente und manche Situation glänzt durch skurrilen Humor oder Wortwitz, doch täuscht das nicht darüber hinweg, dass sich die Geschichte auch oftmals viel zu ernst nimmt und insbesondere die Szenen, in denen Johnny Depps Verkörperung von Paul Kemp auf nahezu prophetische Weise zukünftige politische Entwicklungen vorherzusagen weiß, sind grenzwertig überflüssig bis lächerlich.

Zudem ist Depp – so leid es mir tut – trotz Botox-Einsatz mittlerweile zu alt für die Rolle eines unangepassten jungen Mannes auf der Suche nach Vergnügen und sich selbst. Seine Darstellung ist zwar wie immer hervorragend, seine Spleens auf ein Minimum zurückgefahren, so dass man beinahe von zurückgenommenem Schauspiel reden könnte, aber in der Rolle eines noch jüngeren Hunter S. Thompson als in Fear and Loathing in Las Vegas – der ja mittlerweile auch schon gut 14 Jahre alt ist – funktioniert er einfach nicht. Dahingegen gefallen sowohl Richard Jenkins als auch Aaron Eckhart, bekommen für ihre Rollen aber deutlich zu wenig Screentime spendiert. Amber Heard ist wie immer auffallend attraktiv und verführerisch, bleibt dafür aber von der Figurenzeichnung her extrem blass und dadurch im Grunde reichlich überflüssig, von der Funktion als Eye-Catcher einmal abgesehen. Und dann wäre da zuletzt noch Giovanni Ribisi, der zwar eine der schrägsten und exaltiertesten Rollen in Rum Diary hat, dadurch aber auch oftmals wie ein Fremdkörper wirkt; dennoch extrem überzeugendes Schauspiel.

Szenenbild aus Rum Diary | © Universum Film
© Universum Film

Aber überzeugende Schauspieler trösten eben nicht darüber hinweg, dass sie sich durch ein uninspiriertes Drehbuch zu kämpfen haben, dass verzweifelt einen roten Faden zu spinnen versucht in einer Geschichte, die (in der Buchvorlage) gerade dadurch lebt und atmet, dass sie sich in der völligen Orientierungslosigkeit verliert, sich in abstruse Nichtigkeiten verrennt und eben nicht eine klare Linie erkennen lässt. Auch wirkt das ganze Treiben seltsam gehemmt und zurückhaltend, so als wenn gleich hinter der Kamera ein frommer Sittenwächter lauern würde, der penibel darum bemüht ist, dass ja nicht der Alkoholkonsum verherrlicht wird, dass ja nicht zu viel nackte Haut zu sehen ist, dass die Äußerungen der Protagonisten ja nicht politisch inkorrekt werden. So wird aus Rum Diary leider ein Film, der dem Geist seiner Vorlage und seines Vorbildes nicht annähernd gerecht wird und stattdessen harmlose Familienunterhaltung mit karibischem Flair zu offerieren sucht. Ein Kultfilm sieht leider gänzlich anders aus.

Fazit & Wertung:

Rum Diary wartet der literarischen Vorlage zum Dank mit einer Menge Potential auf und verschenkt dieses beinahe völlig, um sich in einem uninspirierten Mix aus Drama, Coming-of-Age, Gesellschaftskritik und Romanze beinahe gänzlich zu verrennen. Er hat seine Momente, aber Momente machen leider keinen abendfüllenden Spielfilm.

5,5 von 10 geleerten Rumflaschen

Rum Diary

  • Geleerte Rumflaschen - 5.5/10
    5.5/10

Fazit & Wertung:

Rum Diary wartet der literarischen Vorlage zum Dank mit einer Menge Potential auf und verschenkt dieses beinahe völlig, um sich in einem uninspirierten Mix aus Drama, Coming-of-Age, Gesellschaftskritik und Romanze beinahe gänzlich zu verrennen. Er hat seine Momente, aber Momente machen leider keinen abendfüllenden Spielfilm.

5.5/10
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Rum Diary erscheint am 18.01.13 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Universum Film. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

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