Review: Super – Shut Up, Crime! (Film)

Die Gewinnspiele sind in vollem Gange und währen dich mich über die rege Teilnahme freue, freue ich mich mindestens ebenso sehr über das just angebrochene (verlängerte) Wochenende und darüber, dass ich euch auch prompt wieder mit einer weiteren Film-Kritik versorgen kann. Zudem sit heute eine etwas ausufernde Bestellung an neuen Filmen bei mir eingetroffen und wenn ich in den nächsten Tagen Zeit finde, werde ich vielleicht auch einmal kurz über die Neuzugänge in meiner Sammlung berichten, die ich natürlich nach und nach samt und sonders auch noch ausführlich an dieser Stelle vorstellen werde. Bis dahin viel Spaß mit meiner neuesten Rezension und einen guten Start ins Wochenende!

Super
Shut Up, Crime!

Super, USA 2010, 96 Min.

Super - Shut Up, Crime! | © Koch Media
© Koch Media

Regisseur:
James Gunn
Autor:
James Gunn

Main-Cast:
Rainn Wilson (Frank Darrbo / The Crimson Bolt)
Ellen Page (Libby / Boltie)
Liv Tyler (Sarah)
Kevin Bacon (Jacques)
in weiteren Rollen:
Nathan Fillion (The Holy Avenger)
Gregg Henry (Detective John Felkner)
Michael Rooker (Abe)
Andre Royo (Hamilton)
Sean Gunn (Toby)
Stephen Blackehart (Quill)
Linda Cardellini (Pet Store Employee)

Genre:
Action | Komödie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Frank führt ein trostloses Leben und verdingt sich in einem Burgerladen als „Koch“, kann ihm Leben nur auf zwei schöne Momente zurückblicken. Einmal wäre da die Hochzeit mit seiner geliebten Sarah, zum anderen der Moment, als er einem Polizisten helfen konnte, einen Räuber zu schnappen. Davon ab kennt Frank nur Erniedrigung, Schmach und Enttäuschung. Damit geht es weiter als der Unterweltboss Jacques Sarah erneut in die Drogensucht treibt und sie eines Tages spurlos verschwunden ist, geradewegs in die Arme des schmierigen Schurken. Frank ist verzweifelt, doch da sendet Gott ihm eine Botschaft über den Fernsehhelden der heilige Rächer und Frank beschließt, sich zu wehren und fortan als Der Blutrote Blitz gegen jedwede Ungerechtigkeit ins Feld zu ziehen.

Szenenbild aus Super | © Koch Media
© Koch Media

Doch ein Held ohne Kräfte und Kampferfahrung braucht eine Waffe und so lernt Frank die Comicbuchverkäuferin Libby kennen, die bald schon dahinterkommt, dass er der gefürchtete Held sein muss, der Räubern, Pädophilen und Dränglern an der Kinokasse mit einem Schraubenschlüssel den Schädel einschlägt. Vollkommen begeistert wirft Libby sich ihm an den Hals und bettelt darum, sein Sidekick werden zu dürfen und bald schon macht Der Blutrote Blitz zusammen mit Blitzie die Gegend unsicher. Doch immer noch gilt es Sarah zu befreien und die schussbereiten Ganoven um ihn herum sind deutlich anderen Kalibers, als unbewaffnete Straßenschläger.

Rezension:

Auch wenn man meinen könnte, dass Super eklatante Ähnlichkeit zu Kick-Ass aufweist und ein uninspirierter Trittbrettfahrer gewesen sein mag, so sollte schnell klar werden, dass beide Filme herzlich wenig miteinander gemein haben und auch der Tenor der Geschichte ein gänzlich anderer ist. James Gunns Werk punktet mit einer liebevoll ausgestalteten Geschichte um einen vom Leben enttäuschten Loser, der sich aufgrund psychotisch anmutender Eingebungen und eingebildeter Zechen zum Rächer aufschwingt und dabei die Grenzen der Moral um des Egoismus willen mehr und mehr vernachlässigt und letztlich alle Register zieht, um seine Angebetete aus den Fängen des Bösen zu befreien. Während anfänglich Witz und Situationskomik überwiegen wird dabei auch der Grundton vermehrt düsterer und hoffnungsloser, bis im blutigen Finale die gesamte Wut und Verzweiflung des Versagers in einem Blutbad kulminiert, was er über seine hehren Ziele zu rechtfertigen versucht.

Szenenbild aus Super | © Koch Media
© Koch Media

Man kann Super witzig finden und ebenso versprüht die Geschichte weit mehr als nur einen Hauch von Tragik und gerade diese Ambivalenz macht die Stärke dieses mit kleinstem Budget realisierten Films aus, der nichtsdestotrotz mit einem hochkarätigen Cast zu punkten weiß. Die Figurenzeichnung geschieht zwar mehr rudimentär und punktuell, doch erhalten die Protagonisten genügend Spleens und Manierismen, um glaubhaft und unterhaltsam zu sein, während sie sich samt und sonders gefährlich nahe an der Grenze zur Karikatur bewegen. Insbesondere Ellen Page als sexy Sidekick Blitzie, die sadistische und nymphomane Züge in einer Person vereint ist eine wahre Bereicherung für den blutigen Rachfeldzug, während Kevin Bacon einen herrlich überzogenen Fiesling mimen darf und sich Firefly-Star Nathan Fillion als heimlicher Held der Chose in seiner überkandidelten Rolle als der heilige Rächer in einer christlichen Superheldenshow erweist, der den Blutroten Blitz beziehungsweise Frank mehr als einmal von der Lauterkeit seiner Taten überzeugt. Hauptdarsteller Rainn Wilson ist natürlich ebenso über Zweifel erhaben und punktet als verschüchterter Frank ebenso wie als Superhelden-Psychopath.

Super kann als Satire, als bitterböse Komödie, als schwarzhumoriger Actionfilm oder überdrehte Superhelden-Persiflage angesehen werden, der Clou ist schlicht, dass er auf allen Betrachtungsebenen funktioniert und unterhält, die Crux hingegen ist, dass er auf keinem der Gebiete überragend ist und sich manchmal damit eben auch selbst ins Aus katapultiert, denn das wilde Potpourri mag zwar Menschen mit breit gestreutem Geschmack begeistern, offeriert den Puristen aber in allen Belangen zu wenig. Außerdem bietet der Film einen furiosen Einstieg, dem das darauffolgende, zunächst gedrosselte Tempo keine Rechnung trägt, obwohl es hier viele schöne Einfälle gibt wie die allseits beliebten „Was-wäre-wenn“-Szenarien, die aber allesamt im weiteren Verlauf zugunsten von mehr Action und Gewalt gänzlich aufgegeben werden.

Szenenbild aus Super | © Koch Media
© Koch Media

Anfänglich ist Super dann auch wirklich super und die erste Hälfte macht Spaß ohne Ende, doch dann schleichen sich eben die ersten Tücken der Dramaturgie ein, der Fortgang der Geschichte gerät ins Straucheln und die Komik wird merklich zurückgefahren, was per se ja nichts schlechtes sein muss, hier aber einem Stilbruch gleichkommt, weil plötzlich die Lacher ausbleiben. Auch der heilige Rächer tritt plötzlich nicht mehr in Erscheinung und alles mündet letztlich in einem extrem gewalttätigen und tragischen Finale, dem sich im Gegensatz dazu eines der schönsten Happy-Ends der Filmgeschichte anschließt. Super bleibt damit ein zweischneidiges Schwert, macht vieles richtig und manches falsch und ob einem selbst der Film gefallen wird, das hängt oft auch von Tagesform und Stimmung ab, wie ich bei der Zweitsichtung feststellen durfte.

Fazit & Wertung:

James Gunns Super verweigert sich wohltuend dem Mainstream und erzählt die überdrehte, blutige, witzige und tragische Geschichte eines Verlierers auf der Suche nach seiner Bestimmung, versprüht dabei einen sympathischen B-Movie-Charme und punktet dementgegen mit einem Top-Cast. Da sei ihm fast verziehen, dass er in zahllosen Genres wildert und sich nicht recht für eine Marschrichtung entscheiden kann.

7,5 von 10 brutalen Schlägen mit dem Schraubenschlüssel

Super - Shut Up, Crime!

  • Brutale Schläge mit dem Schraubenschlüssel - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

James Gunns Super verweigert sich wohltuend dem Mainstream und erzählt die überdrehte, blutige, witzige und tragische Geschichte eines Verlierers auf der Suche nach seiner Bestimmung, versprüht dabei einen sympathischen B-Movie-Charme und punktet dementgegen mit einem Top-Cast. Da sei ihm fast verziehen, dass er in zahllosen Genres wildert und sich nicht recht für eine Marschrichtung entscheiden kann.

7.5/10
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Blu-ray:

  • maloney

    Im Vergleich zu Kickass leider ein wenig enttäuschend :/

    • Fand ich bei der Erstsichtung auch, aber diesmal hat er mir doch erheblich besser gefallen :-)

  • Den Film wollte ich auch schon ewig sehen. Leider hatte ich mich irgendwann mal gespoilert, sodass ich wieder davon abgekommen bin. Irgendwann aber bestimmt noch einmal. Klingt ja wirklich gut und ich mochte schon Gunns „Slither“ recht gerne…

  • Dos Corazones

    Im Vergleich zu Kick-Ass (um mal auf Maloney Bezug zu nehmen) der deutlich straightere Film. „Super“ tut den ganzen Film genau das, was beide Superhelden-Hommagen/Persiflagen zu Beginn versprechen. Superhelden im echten Leben, deren Wirken nun wirklich alles andere als heroisch wirkt. James Gunn treibt das bis zum blutigsten Exzess auf die Höhe. Und alleine für seinen Mut, keine Konventionen einzugehen, gehört dieser Film gelobt.

    • Im direkten Vergleich fand ich „Super“ auch ein wenig besser, zumindest aufgrund der Kenntnis der Comic-Vorlage von „Kick-Ass“, denn da wurden schon teils gravierende Korrekturen vorgenommen, um sich besser im Mainstream behaupten zu können. Da bin ich auch ganz stark auf den zweiten Teil gespannt, denn in den Comics wird es doch recht brachial und tragisch. Mal schauen, inwieweit sich das auf der Leinwand wiederfinden wird. Von daher, stimmt, „Super“ geht deutlich kompromissloser zu Werke

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