Review: 360 (Film)

Obwohl es heut früh ja schon den Media Monday gab, habe ich mich doch noch einmal hingesetzt, um noch eine Film-Kritik rauszuhauen, bei der ich euch wie immer viel Spaß wünsche! Ab Donnerstag ist der Film dann auch im Handel erhältlich.

360

360, UK/AT/FR/BR 2011, 110 Min.

360 | © Prokino
© Prokino

Regisseur:
Fernando Meirelles
Autor:
Peter Morgan

Main-Cast:
Anthony Hopkins (Älterer Mann)
Jude Law (Michael Daly)
Rachel Weisz (Rose)
Ben Foster (Tyler)
in weiteren Rollen:
Jamel Debbouze (Algerischer Witwer)
Dinara Drukarova (Valentina)
Gabriela Marcinkova (Anna)
Johannes Krisch (Rocco)
Juliano Cazarré (Rui)
Lucia Siposová (Mirka)
Maria Flor (Laura)
Marianne Jean-Baptiste (Fran)
Mark Ivanir (Der Boss)
Moritz Bleibtreu (Geschäftsmann)
Vladimir Vdovichenkov (Sergei)

Genre:
Drama | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Die junge Slowakin Mirka – stets begleitet von ihrer Schwester Anna – macht sich in Wien für ihren ersten Eskortjob bereit und erwartet ihren ersten Freier namens Michael Daly, der allerdings im letzten Moment einen Rückzieher macht und unverrichteter Dinge ins Hotelzimmer zurückkehrt. Doch dessen verprellter Geschäftspartner kommt ihm auf die Schliche, indem er selbst Mirkas Dienste beansprucht und Daly nun zu erpressen plant. Daly kehrt nach London zurück, wo seine Frau Rose jüngst eine Affäre mit dem jungen Brasilianer Rui beendet hat. Ruis Freundin Laura indes ist ihm auf die Schliche gekommen und kehrt nach Brasilien zurück. Derweil in Paris weiß ein verwitweter Mann nicht mit seinen Gefühlen für die junge Valentina umzugehen, die in seiner Zahnarztpraxis für ihn arbeitet, während Laura im Flugzeug den älteren John kennenlernt, der seit Jahren auf der Suche nach seiner verschwundenen Tochter ist.

Szenenbild aus 360 | © Prokino
© Prokino

Aufgrund eines Schneesturms muss die Maschine von John und Laura in Denver landen und die junge Frau lernt dort Tyler kennen, einen gerade erst entlassenen Sexualstraftäter, der nun verzweifelt gegen sein Verlangen ankämpfen muss, während Laura ihm mehr als eindeutige Avancen macht. Unterdes ist Valentina in ihrer Ehe mit dem russischen Sergei mehr als unglücklich und gleichsam heimlich in den verwitweten Zahnarzt verliebt. Sergei wiederum zieht es nach Wien, um für seinen kriminellen Boss dessen Schusswaffe zu transportieren, während dieser aufgrund dringender Geschäfte mit dem Flugzeug reist. In Wien lernt Sergei Anna kennen, die vor einem Hotel auf ihre Schwester Marta wartet, die dort einen Freier treffen soll, Sergeis Boss. Dann überschlagen sich die Ereignisse.

Rezension:

Fernando Meirelles Episodenfilm 360 konzentriert sich ganz auf zwischenmenschliche Verästelungen zwischen Lust, Verdruss, Liebe und Hass und trägt dabei der Konzeption einer globalisierten Welt Rechnung, indem er seine kleine Dramen und Geschichten über den Erdball verteilt und dabei dennoch miteinander verknüpft. Dies allerdings gelingt ihm mal mehr, mal weniger gut und manche Handlungsstränge verkommen im weiteren Verlauf zum bloßen Alibi, laufen sang- und klanglos ins Leere und werden wenn überhaupt gen Ende noch einmal lieblos aufgegriffen. Einen roten Faden sucht man dabei vergeblich, denn zweifelsohne überschneiden sich die Charaktere, doch werden sie in ihrer Gesamtheit kaum beleuchtet, während einigen wenigen Figuren gesteigerte Aufmerksamkeit zuteilwird.

Szenenbild aus 360 | © Prokino
© Prokino

So spricht die Tatsache schon Bände, dass auf dem Cover von 360 lediglich die vier prestigeträchtigsten Namen prangen, die ihrerseits bei weitem nicht den Gros des Films tragen, geschweige denn die eindrücklichsten Rollen zu spielen hatten. So macht Jude Law seine Sache zwar wie gewohnt gut, kann seine Figur dennoch kaum profilieren oder mit Facetten bereichern, wohingegen Anthony Hopkins zwar im Mittelteil ein wenig spielen darf, abgesehen von einem ruhig vorgetragenen Monolog dennoch gleichsam kaum im Gedächtnis bleibt. Lange Zeit im Mittelpunkt steht dafür Maria Flor mit ihrer Figur Laura, während Vladimir Vdovichenkovs Sergei gar erst gegen Ende des Films eingeführt wird, dann aber zusammen mit Anna, dargestellt von der überzeugenden Newcomerin Gabriela Marcinkova die Handlung längere Zeit im Alleingang tragen darf, während Sergeis Frau Valentina und der namenlos bleibende Witwer aka Jamel Debbouze im Kontext gänzlich egal und austauschbar wirken, zumal ihre Beziehung zueinander quasi keinerlei Entwicklung durchläuft.

Szenenbild aus 360 | © Prokino
Szenenbild aus 360 | © Prokino
© Prokino

Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten und so hat 360 immer wieder seine Momente und vermag mit mancher Einstellung mehr auszudrücken als mit ellenlangen Dialogen, bietet daneben aber leider auch viel Einheitsbrei und konturlose Figuren, deren Streben und Handeln man ohne Kontext kaum nachzuvollziehen imstande ist und deren Schicksal den Zuschauer folglich wenig berührt. Punkten kann der Film, der trotz seiner vergleichsweise geringen Laufzeit nicht gänzlich ohne Längen auskommt, mit seine Spiel- und Drehorten, denn endlich einmal konzentriert man sich nicht auf die obligatorischen Hochglanzschauplätze, sondern auf sehr real und greifbar wirkende Vororte, Wohngegenden und Hotelzimmer. Optisch weiß er daher durchaus zu gefallen und das, obwohl hier doch der Fokus ganz klar auf den Figuren und ihren emotionalen Unzulänglichkeiten liegt.

360 ist daher auch ein sehr ruhiges, unaufgeregtes Werk geworden, dem zwar zum Ende hin der Schwenk gelingt, den zyklischen Ablauf der Geschichte hervorzuheben, daneben aber mit der eigentlichen Auflösung enttäuscht, weil nicht wirklich deutlich wird, inwiefern die Figuren ihre Schicksale gegenseitig bedingt haben, einmal abgesehen davon, dass die eine Figur die andere kennt. Das – so muss ich zugeben – war mir deutlich zu wenig und das letzthin für die meisten handelnden Personen ergebnislose Streben und tun hebt doch die Belanglosigkeit des Gezeigten hervor, wobei die eigentliche Intention doch hätte sein sollen, zu zeigen, dass alles im Leben auf Liebe, oder zumindest Verlangen basiert.

Fazit & Wertung:

360 schafft es in seinen besseren Momenten, das breit gefächerte Figurenspektrum erlebbar zu machen, doch fokussiert der Film so differenziert, dass ein Großteil der Geschichten auf der Strecke bleibt und so letztlich nur einige für sich genommen unterhaltsame Episoden übrigbleiben, die im Kontext der Geschehnisse herausragen.

6 von 10 scheinbar zufälligen Begegnungen

360

  • Scheinbar zufällige Begegnungen - 6/10
    6/10

Fazit & Wertung:

360 schafft es in seinen besseren Momenten, das breit gefächerte Figurenspektrum erlebbar zu machen, doch fokussiert der Film so differenziert, dass ein Großteil der Geschichten auf der Strecke bleibt und so letztlich nur einige für sich genommen unterhaltsame Episoden übrigbleiben, die im Kontext der Geschehnisse herausragen.

6.0/10
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360 erscheint am 14.03.13 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Prokino. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

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