Review: Alexandre Ajas Maniac (Film)

Heute gibt es meine Rezension mal bedeutend früher als gewöhnlich, weil ich natürlich gleich raus möchte in die Sonne und dann ist das schon einmal für heute erledigt und ich kann mich heute Abend ganz in Ruhe der Erschaffung des nächsten Media Monday widmen. Euch viel Spaß bei der Lektüre meiner neuesten Film-Kritik und einen schönen sonnigen Sonntag!

Alexandre Ajas
Maniac

Maniac, FR/USA 2012, 93 Min.

Alexandre Ajas Maniac | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Regisseur:
Franck Khalfoun
Autoren:
Alexandre Aja
Grégory Levasseur
C.A. Rosenberg

Main-Cast:
Elijah Wood (Frank)
Nora Arnezeder (Anna)
in weiteren Rollen:
Genevieve Alexandra (Jessica)
Jan Broberg (Rita)
Megan Duffy (Lucie)
Liane Balaban (Judy)
Joshua De La Garza (Martin Nunez)
America Olivo (Frank’s Mother)
Sammi Rotibi (Jason)

Genre:
Thriller | Horror | Krimi

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Alexandre Ajas Maniac | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Frank Zito ist ein in sich gekehrter junger Mann, wortkarg, schüchtern und unscheinbar, doch hinter der Fassade des passionierten Schaufensterpuppenrestaurators verbirgt sich ein kaltblütiger Killer, der Frauen ermordet und skalpiert. Deren Haarpracht setzt er daheim seinen Schaufensterpuppen auf und lässt seine Opfer dadurch in seinem Geiste lebendig bleiben. Sein gestörtes Verhältnis zum weiblichen Geschlecht rührt von seiner Mutter her, denn Frank musste in seiner Kindheit ein ums andere Mal beobachten, wie sie mit verschiedenen Männern verkehrte.

Rastlos geht Frank seinem inneren Drang nach, bis zu dem Tag, an dem sich die junge Fotografin und Künstlerin Anna in seinen Laden verirrt und seinen Puppen so viel Liebe und Achtung entgegenbringt, wie er es noch nie erlebt hat. Erstmals baut Frank Zito so etwas wie eine emotionale Bindung zu einem anderen Menschen auf und auch wenn sie ihn nicht davon abhält, weiterhin seinen mörderischen Trieben zu folgen, verändert sich merklich etwas in der desolaten Gedankenwelt des psychotischen Killers. Doch auch Anna enttäuscht ihn schlussendlich und die Geister der Verstorbenen finden keine Ruhe…

Rezension:

Alexandre Ajas Maniac, der im Grunde ja eigentlich Franck Khalfouns Maniac heißen müsste (und auch ursprünglich sollte) ist ein weiterer Vertreter der immer zahlloser werdenden Remakes alter Horrorfilme, wobei mir William Lustigs indiziertes Original natürlich einmal mehr überhaupt nicht bekannt ist. Dennoch kann zumindest festgehalten werden, dass Elijah Wood rein äußerlich mit dem ursprünglichen Darsteller Joe Spinell nicht viel gemein hat und das Remake sich – orientiert man sich an einschlägigen Inhaltsangaben – durchaus einige Freiheiten zum Original herausnimmt, ohne indes zu versäumen, das Original wie auch andere Horrorfilme zu referenzieren, doch werde ich als unbedarfter Cineast kaum die Hälfte der Anspielungen bemerkt oder verstanden haben, weshalb sich gerne andere darüber auslassen mögen.

Szenenbild aus Alexandre Ajas Maniac | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Was hingegen durchaus bemerkenswert ist und auch von mir beurteilt werden kann ist die grenzenlose Subjektivität des Gezeigten, die dadurch erreicht wird, dass wir als Zuschauer beinahe den gesamten Film aus den Augen von Frank Zito wahrnehmen und somit insbesondere bei den plastisch und explizit dargestellten Morden mehr denn je in der ersten Reihe stehen und gezwungen sind, uns mit der Rolle Franks zu identifizieren, obwohl es keinen größeren Antagonisten geben könnte. Durch den Blickwinkel in Alexandre Ajas Maniac erlebt man ebenso aus erster Hand Franks Wahnvorstellungen und Erinnerungen, stolpert mit ihm durch die Nacht und verfolgt erregt und nervös verängstigte junge Frauen durch vergessene Gassen. Zitos Alter Ego Elijah Wood sieht man daher auch fast ausschließlich in Spiegeln oder auf reflektierenden Flächen, so dass der fähige Darsteller, der fernab seiner Paraderolle als Frodo Beutlin durchaus ein Faible für sinistre und abgründige Charaktere hat, sich hauptsächlich auf seine Stimme verlassen muss, um Frank Zito Leben einzuhauchen.

Dennoch gibt es auch eine wenige, wohlplatzierte und spärlich gesäte Szenen im Film, in denen der Zuschauer das Innenleben Franks verlässt, um ihn von außen betrachten zu können, was tatsächlich den Schrecken des bis dahin erlebten noch vergrößert, wenn man sich einmal mehr bewusst machen kann, wie harmlos und verschüchtert der introvertierte junge Mann doch scheint, der zu solchen Gräueltaten fähig ist. Zum Glück übrigens bedeutet der Blickwinkel des Films nicht, dass wir es mit einer wackeligen und unsteten Kamera zu tun haben, so dass man sich trotz des ungewohnten Blickwinkels voll und ganz auf das Geschehen konzentrieren kann und nicht das Gefühl hat, wichtige Informationen im Bilderrausch zu verpassen. Überhaupt punktet Maniac mit einem optischen Stilwillen, der seinesgleichen sucht und in seiner Gänze zu überzeugen weiß, wenngleich das Szenenbild an sich durchaus noch ein wenig dreckiger und abstoßender hätte sein dürfen.

Szenenbild aus Alexandre Ajas Maniac | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Aber auch so nimmt das Geschehen gefangen und obwohl es sich beileibe nicht um einen typischen Slasher handelt, sondern vielmehr um lupenreines Exploitation-Kino, das zuweilen mit wirklich plakativer Gewalt kokettiert und grenzenlosen Ekel hervorzurufen trachtet, funktioniert Maniac auch als Horrorfilm. Das überrascht dahingehend, dass die gewohnten Schockmomente bei der Opferjagd dadurch ausgehebelt werden, dass man aus Franks Sicht längst kommen sieht, von wo und wann der Killer zuschlagen wird, doch die eigentliche Gefahr und der eigentliche Horror entspringen seinem Inneren, genauer seinem zerrütteten Geisteszustand und so ist neben den zu Tode kommenden Frauen auch Frank Zito als Opfer zu betrachten, der von den ihm innewohnenden Dämonen ein ums andere Mal heimgesucht wird und dem Schrecken ebenso wenig zu entrinnen weiß. Einziger Wermutstropfen ist, dass die Hintergründe zu Frank zito mehr angedeutet denn wirklich thematisiert werden und zudem in ihrer Ausgestaltung doch sehr plakativ und wenig überraschend – geschweige denn innovativ – geraten sind. Hier wäre noch deutlich Spiel nach oben gewesen, um den Film zu einem noch eindringlicheren Erlebnis werden zu lassen. Maniac ist dennoch ein gänzlich anderer Horrorfilm und ich habe mich danach durchaus dabei ertappt, argwöhnisch meine Hände zu betrachten, um sicherzugehen, dort nicht plötzlich Puppenhände vorzufinden.

Fazit & Wertung:

Alexandre Ajas Maniac ist ein packender Thriller, der durch eine gänzlich ungewohnte Form des Horrors besticht und den Zuschauer tief in die Psyche des Killers drängt und sich dadurch verdammt eindringlich und erschreckend präsentiert.

8 von 10 zum Leben erweckten Schaufensterpuppen

Alexandre Ajas Maniac

  • Zum Leben erweckte Schaufensterpuppen - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Alexandre Ajas Maniac ist ein packender Thriller, der durch eine gänzlich ungewohnte Form des Horrors besticht und den Zuschauer tief in die Psyche des Killers drängt und sich dadurch verdammt eindringlich und erschreckend präsentiert.

8.0/10
Leser-Wertung 9/10 (1 Stimme)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
ERGOThek: 4/5 DeLoreans
Popkulturschock: Note 1-

Alexandre Ajas Maniac erscheint am 21.05.13 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Ascot Elite, einerseits in einer gekürzten Variante ab 18, andererseits ungekürzt als SPIO-Fassung keine schwere Jugendgefährdung. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Klingt wahnsinnig interessant und bereits bei der ersten Ankündigung damals war ich interessiert. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich mir den Film antun will. Scheint mir ein bisschen zu sehr an die Psyche zu gehen und ich weiß (dank Sin City) zu welchen Schandtaten Elijah Wood fähig und bereit ist…

    • Und seine Rolle in Sin City ist im direkten Vergleich wirklich sehr harmlos!

      Die Perspektive geht einem schon ziemlich an die Nieren, wenn man so direkt in der kranken und morbiden Welt eines Killers gefangen ist – da fiebert man aus ungewohnten Gründen dem Ende entgegen. Andererseits gehen dem Film wie gesagt ein wenig die Schockmomente ab, weil man eben auf der anderen, der sich heranpirschenden Seite steht. das trägt zwar nicht eben dazu bei, dass man sich wohler fühlt, nimmt dem Film aber zumindest in diese Richtung durchaus die eine oder andere Spitze.

  • Pingback: Alexandre Ajas Maniac (2012) | Film-Blogosphäre()

  • Wiedermal eine sehr treffende Kritik lieber Wulf. Für mich ist es einer der Filme (so oft kommt es nicht vor) der mir auch zwei Tage nach der Sichtung noch nicht ganz aus dem Kopf geht. Er war wahrlich sehr intensiv durch eben diese Subjektive Wahrnehmung … Aber alles in allem „öfter mal was neues“. Ich bin froh dass ich mich getraut habe! 😉

    • Und sogar unsere Wertung ist (umgerechnet) identisch!^^ Freut mich, dass die Kritik dir zusagt, deine werde ich mir dann gleich natürlich auch noch zu Gemüte führen. Der Film ist wirklich anders durch den ungewohnten Blickwinkel und das finde ich immer ganz besonders interessant, wenn so gewohnte Strukturen aufgebrochen werden.

  • Pingback: Review: Open Windows (Film) | Medienjournal()

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