Review: Hell on Wheels | Staffel 1 (Serie)

Nach Mad Men, Breaking Bad und nicht zuletzt The Walking Dead schickt sich der US-Sender amc mehr und mehr an, den Thron der Premium-Serien zu erklimmen und sich neben den Größen HBO und Showtime zu etablieren. Mit Hell on Wheels hat es nun eine weitere der amc-Produktionen in den deutschen Sprachraum geschafft und überzeugt – so viel kann vorweg geschickt werden – in ebenso hohem Maße mit stimmiger Atmosphäre und einer interessanten Geschichte. Daher ist es mir natürlich umso mehr eine Freude, mit euch einen genaueren Blick auf den neuesten Serienzugang im Medienjournal zu werfen.

Hell on Wheels
Staffel 1

Hell on Wheels, USA 2011- , ca. 42 Min. je Folge

Hell on Wheels | © WVG Medien
© WVG Medien

Serienschöpfer:
Joe Gayton
Tony Gayton
Showrunner:
John Wirth

Main-Cast:
Anson Mount (Cullen Bohannan)
Colm Meaney (Thomas ‚Doc‘ Durant)
Common (Elam Ferguson)
Dominique McElligott (Lily Bell)
Tom Noonan (Reverend Cole)
Eddie Spears (Joseph Black Moon)
Ben Esler (Sean McGinnes)
Phil Burke (Mickey McGinnes)
in weiteren Rollen:
Christopher Heyerdahl (The Swede)
Robin McLeavy (Eva)
Duncan Ollerenshaw (Mr. Toole)

Genre:
Western | Drama | Abenteuer | Historie

Trailer:

 

Inhalt:

Amerika, 1865: Der Sezessionskrieg ist vorbei und Cullen Bohannon, ehemaliger Plantagenbesitzer und Sklavenhalter, später Soldat der Konföderierten, befindet sich auf einem blutigen Rachefeldzug gegen die Mörder seiner Frau. Auf der Suche nach den Verantwortlichen verschlägt es ihn westwärts nach Nebraska und die behelfsmäßig aufgebaute Stadt Hell on Wheels. Hierbei handelt es sich um die wandernden Unterkünfte rund um eine Eisenbahnbaustelle. Unter der Schirmherrschaft des gewieften und machthungrigen Unternehmers Thomas „Doc“ Durant entsteht dort die erste transkontinentale Eisenbahn und vereint ehemalige Sklaven, Tagelöhner, Gestrandete, Huren und aufstrebende Glückssucher unter einem gemeinsamen Banner. Kurze Zeit nach Bohannons Eintreffen wird er von Durants rechter Hand Gundersen des Mordes an Vorarbeiter Johnson angeklagt und inhaftiert.

Szenenbild aus Hell on Wheels | © WVG Medien
© WVG Medien

Bohannon allerdings gelingt die Flucht und später schafft er es sogar, Durant zu überzeugen, ihn als neuen Vorarbeiter einzusetzen. Zuvor hatte Bohannon bereits Bekanntschaft gemacht mit dem ehemaligen Sklaven Elam Ferguson, der nun einer der Vorarbeiter der Gleisbettkolonne ist und eigentlich für den Mord an Johnson verantwortlich zeichnet. Derweil werden der Landvermesser Durants und dessen Frau Lily Bell von einem Indianerangriff überrascht, der Mr. Bell das Leben kostet. Da dieser allerdings für die Eisenbahnstrecke äußerst wichtige Karten bei sich trug und Durant sie nun in der Obhut von Lily Bell vermutet, schürt er in den Zeitungen den Mythos vom blondgelockten Engel des Westens und setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um ihrer habhaft zu werden. Und dann wäre da noch die nicht ganz unbedeutende Tatsache, dass das Volk der Cheyenne gegen die Gleisbauer aus Hell on Wheels immer aggressiver vorgeht, da die Eisenbahn direkt durch ihr Territorium gebaut werden soll.

Rezension:

Es ist sicherlich unstrittig, dass Hell on Wheels in einem interessanten und vergleichsweise wenig erschlossenem Setting angesiedelt ist, denn trotz vieler Western-Serien und Filme hat man sich kaum je so dezidiert mit dem Bau der transkontinentalen Eisenbahn auseinandergesetzt. Dabei wird die Zeit nach dem Sezessionskrieg weitestgehend entromantisiert, was eine stimmige, dreckige Atmosphäre erzeugt, die durch die vortrefflichen Kostüme und Requisiten gekonnt unterstützt wird. Der historische Background kommt ebenso stimmig daher, auch wenn ich zugeben muss, dass ich sicherlich kein Experte auf dem Gebiet bin und Kenner der Epoche sicher auch die eine oder andere Ungereimtheit ausmachen könnten, doch handelt es sich natürlich zuvorderst um eine Drama-Serie, so dass eine gesteigerte historische Akkuratesse durchaus den Mitteln zum Zweck hintenanstehen kann.

Szenenbild aus Hell on Wheels | © WVG Medien
© WVG Medien

Kern der Geschichte ist sicherlich Cullen Bohannons durchwachsene Geschichte vom Farmer zum Soldaten, dann einzelgängerischen Rächer und nicht zuletzt Vorarbeiter, die ihn letztlich zum tragischen Helden macht und durchaus das Potential bietet, auch in den folgenden Staffeln noch zu unterhalten. Darsteller Anson Mount versteht es dabei vortrefflich, einen einerseits bärbeißigen und wortkargen Einzelgänger zu mimen, dabei aber immer wieder Mitgefühl und Nachdenklichkeit auszudrücken und so einen Charakter zu schaffen, der fähig ist, die Geschichte von Hell on Wheels zu schultern, auch wenn er mir gerade zu Beginn richtiggehend unsympathisch war. Langsam und zögerlich entwickelt sich zwischen Bohannon und dessen Vorabreiter Elam Ferguson eine Art Freundschaft und behutsam wird gezeigt, wie die beiden ungleichen Männer sich nach und nach zusammenraufen, während gerade Elam sich im weiteren Verlauf von vielen seiner hehren Ideale zu verabschieden gezwungen sieht.

Auch Colm Meany als Kapitalist Thomas Durant macht eine großartige Figur und begeistert mit seinem facettenreichen Spiel, das sich erst im Verlauf der zehnteiligen Staffel nach und nach entfaltet. Ihm zur Seite steht der Norweger Gundersen, von allen nur Schwede genannt. Dargestellt von Christopher Heyerdahl bedient dieser die Rolle des typischen Antagonisten voll Kalkül und Herzlosigkeit, lässt aber gleichsam seine Figur stets undurchsichtig erscheinen. Überhaupt ist das Ensemble von Hell on Wheels die größte Stärke der Serie und mehr denn je kann man behaupten, dass die Geschichte von ihren Figuren lebt, denn jede von ihnen hat ihre eigene Motivation, ihren eigenen Antrieb, ihr eigene Geheimnisse und wirkt dadurch ungleich vielschichtiger als so manch stereotyper Westernscherge.

Szenenbild aus Hell on Wheels | © WVG Medien
© WVG Medien

Persönliches Highlight für mich in diesem Reigen aus stimmigen Figuren und deren Darstellern war für mich allerdings definitiv die Irin Dominique McElligott in ihrer Rolle als Lily Bell, die Frau des in der ersten Folge zu Tode kommenden Landvermessers Robert Bell, denn nicht nur durch den Umstand, dass sie – vielleicht abgesehen von den Huren in Hell on Wheels – quasi die einzige Frau in dieser von Tagelöhnern und Halunken dominierten Gesellschaft ist und noch dazu aus gutem Hause stammt, sticht ihre Figur durch ihre schiere Präsenz und ihr Charisma dermaßen aus der Maße hervor, dass es nicht schwerfällt, ihr den blondgelockten Engel des Westens abzukaufen. Dabei offenbart sie Durchsetzungsstärke, Verhandlungsgeschick, Stärke und einen unbändigen Überlebenswunsch und dies alles in gerade einmal zehn Folgen, so dass sie unweigerlich für mich den Status einer der besten und überzeugendsten weiblichen Hauptrollen bekommt.

Weiterhin atmet Hell on Wheels den Staub und Dreck in der Gleisbaukolonne und zeigt sowohl die Pioniere und ihren Überlebenskampf wie auch die in ihrem Territorium bedrohten Indianer ungeschönt in ihrer ganzen Brutalität. Das führt zwar zuweilen zu wirklich heftigen Szenen und blutigen Shootouts, doch unterstreicht es eben das Flair der damaligen Zeit und bewahrt die Serie davor, zu einer romantisierten Western-Soap zu verkommen. Während jede der Folgen in sich grundsätzlich abgeschlossen ist, steuert dennoch die Staffel merklich auf ihren unweigerlichen Höhepunkt zu und nach den Geschehnissen der letzten Folge sollte durchaus klar sein, dass vieles nicht so bleiben kann wie es war und so manche Figur vor eine Wahl mit weitreichenden Konsequenzen gestellt wird.

Szenenbild aus Hell on Wheels | © WVG Medien
© WVG Medien

Gerne hätte ich an dieser Stelle den Vergleich zu HBOs Westernserie Deadwood bemüht, doch muss ich gestehen, es bis dato nicht geschafft zu haben, mich auch dieser hochgelobten Serie zu widmen. Und so muss mein Urteil bezüglich Hell on Wheels losgelöst von Vergleichsmöglichkeiten und anderer Prämissen erfolgen und ich kann festhalten, dass ich zwar durchaus einige Folgen gebraucht habe, mich voll und ganz auf das Setting und die Figuren einzulassen, meine Begeisterung aber auch mit jeder weiteren Folge mehr und mehr wuchs, bis ich kaum noch an mich halten konnte, so schnell wie irgend möglich den Fortgang der Geschichte zu erleben. Mit einem durchweg großartigen Cast und ungemein vielschichtigen Figuren vermag die Serie zu bestechen und auch die Story, die von Verrat über Machtgier, Rassenhass und Rachedurst alles beinhaltet, was man sich von einer Western-Serie nur wünschen kann, sucht ihresgleichen.

Fazit & Wertung:

Hell on Wheels, ist nicht nur der Name der Eisenbahnbaustelle unter Thomas Durant, sondern mit all dem Dreck und der Gewalt, der Hoffnungslosigkeit und Niedertracht eine der vielversprechendsten Serien der letzten Jahre in einem vergleichsweise unverbrauchten Setting.

8,5 von 10 Verzögerungen im Streckenbau

Hell on Wheels | Staffel 1

  • Verzögerungen im Streckenbau - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Hell on Wheels, ist nicht nur der Name der Eisenbahnbaustelle unter Thomas Durant, sondern mit all dem Dreck und der Gewalt, der Hoffnungslosigkeit und Niedertracht eine der vielversprechendsten Serien der letzten Jahre in einem vergleichsweise unverbrauchten Setting.

8.5/10
Leser-Wertung 9/10 (1 Stimme)
Sende

Episodenübersicht: Staffel 1

01. Die Gleisbettkolonne
02. Unmoralische Mathematik
03. Eine neue Freiheit
04. Geheimnisse
05. Brot und Spiele
06. Schwierige Verhandlungen
07. Enthüllungen
08. Entgleist
09. Vergebung
10. Der Gott des Chaos

– – –

Hell on Wheels | Staffel 1 ist am 26.04.13 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von WVG Medien erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den Link und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Klingt durchaus interessant, auch wenn ich mit Western teils so meine Schwierigkeiten habe. „Deadwood“ steht allerdings bereits komplett im Regal und somit werde ich der HBO-Serie zunächst den Vorzug geben…

    • Ich bin ja sonst auch nicht unbedingt der Western-Fan, aber „Hell on Wheels“ hat mich dann doch interessiert. „Deadwood“ wird auch irgendwann einmal nachgeholt und ich verstehe gut, dass die Serie bei dir den Vorzug bekommt; ginge mir nicht anders, wenn ich sie daheim hätte.

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