Review: House of Lies | Staffel 1 (Serie)

Und weiter geht es mit der munteren Bloggerei! Heute gibt es dann mal wieder Zuwachs für mein Serienarchiv, was ja doch selten genug der Fall ist. Weil ich aber auch noch nicht allzu lange Feierabend habe und mich riesig auf einen gemütlichen Abend auf der Couch freue, soll es das auch schon wieder gewesen sein mit meinen einleitenden Worten. Alles Weitere erfahrt ihr ja sowieso aus dem Text.

House of Lies
Staffel 1

House of Lies, USA 2012-, ca. 27 Min. je Folge

House of Lies | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Serienschöpfer:
Matthew Carnahan
Showrunner:
Matthew Carnahan

Main-Cast:
Don Cheadle (Marty Kaan)
Kristen Bell (Jeannie Van Der Hooven)
Ben Schwartz (Clyde Oberholt)
Josh Lawson (Doug Guggenheim)
Dawn Olivieri (Monica Talbot)
Donis Leonard Jr. (Roscoe Kaan)
Glynn Turman (Jeremiah Kaan)
in weiteren Rollen:
Griffin Dunne (Marco Pelios)
Greg Germann (Greg Norbert)
Megalyn Echikunwoke (April)
Richard Schiff (Harrison ‚Skip‘ Galweather)

Genre:
Komödie | Drama

Trailer: (englisch)

 

Inhalt:

Marty Kaan ist ein erfolgreicher Unternehmensberater bei der Consulting-Firma Galweather & Stearn und gleichzeitig Juniorpartner. Eloquent, gewieft und völlig skrupellos wie er sich präsentiert, verwundert es kaum, dass die Firmenchefs quasi an seinen Lippen hängen, während er nicht etwa das Wohl des Unternehmens im Auge hat, sondern vielmehr die reine Gewinnmaximierung, so dass er seinen Klienten stets zu suggerieren versucht, dass nur ein Engagement der Consultants die jeweilige Firma vor dem sicheren Ruin bewahren kann. Stets an seiner Seite ist sein dreiköpfiges Team junger Berater, die ihn in seinem Streben unterstützen. Da wären die attraktive wie ehrgeizige Jeannie van der Hooven, die mehr und mehr lernen muss, ihre moralische Integrität hintenanzustellen, wenn sie es im Business zu etwas bringen möchte, der Harvard-Absolvent und Zahlenspezialist Doug Guggenheim, der ansonsten etwas unbeholfen und weltfremd wirkt, sowie zuletzt der extrovertierte wie forsche Clyde Oberholt, der noch am ehesten nach Marty geraten ist.

Szenenbild aus House of Lies | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Gemeinsam reisen die vier von montags bis donnerstags quer durchs Land, um unterschiedlichste Firmen davon zu überzeugen, ihre Dienste in Anspruch nehmen zu müssen. Bei einem Termin in New York bei der Bank MetroCapital – wo Marty zu allem Überfluss auf seine Ex-Frau Monica trifft, die ebenfalls als Consultant in einer rivalisierenden Firma arbeitet und mit der er jüngst erst ein Stelldichein hatte – gerät er prompt mit deren CFO Greg Norbert aneinander, der bald schon versuchen wird, eine Fusion beider Firmen anzustoßen und so mittels dieser feindlichen Übernahme Marty Kaan um seinen Job zu bringen. Während sich die Schlinge enger zieht, reist Martys Team weiter und berät fern jeder moralischen Instanz, doch auch privat liegt nicht nur bei Marty einiges im Argen, denn neben dem zwiespältigen Verhältnis zu seiner Ex-Frau nagt immer noch der Selbstmord seiner Mutter an ihm, während sein pensionierter Vater und ehemaliger Psychiater Jeremiah sich um die Erziehung von Roscoe kümmert, dem gemeinsamen Kind von Marty und Monica, der mehr und mehr in der Schule aneckt, weil es ihm gefällt, sich in Frauenklamotten zu kleiden und eine unbestreitbar feminine Ausstrahlung hat.

Rezension:

House of Lies, der neueste Spross der Showtime-Serienschmiede, widmet sich nun also dem Big Business der Consultant-Branche und wirft einen bitterbösen, satirischen Blick hinter die Kulissen. Die vierköpfige Truppe um Marty Kaan bildet dabei das Kernstück der Serie, so dass sie Woche für Woche einen in sich abgeschlossenen Fall von Unternehmensberatung zu absolvieren haben. Diese Geschichten fußen lose auf dem gleichnamigen Buch House of Lies mit dem vielsagenden Untertitel How Management Consultants Steal Your Watch and Then Tell You the Time von Martin Kihn, der selbst in der Branche tätig war. Meines Wissens ist das Buch bis dato nicht auf Deutsch erhältlich, doch tröstet die Verfügbarkeit der Serie darüber locker hinweg. Anfänglich mutet das Gezeigte mit seinen überzogenen Geschichten und der Amoralität seiner Figuren wie eine lupenreine Persiflage an, offenbart jedoch mit jeder weiteren Folge auch mehr und mehr seine dramatische Komponente.

Szenenbild aus House of Lies | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Bissig sind hier zunächst einmal die Figuren wie auch die Dialoge, wobei Don Cheadle als Marty Kaan hier eindeutig den Vogel abschießt, insbesondere, wenn er die vierte Wand durchbricht, sich direkt an den Zuschauer wendet, während die Szenerie um ihn herum erstarrt bleibt, um in diesen Momenten Fachtermini der Consultant-Branche zu erörtern oder sich darüber auszulassen, wie leicht man so ziemlich jeden CEO übers Ohr hauen kann, wenn man ihn nur genug mit derartig hochtrabenden Begriffen verwirrt und damit Angst und Unsicherheit schürt. Oberholt und Guggenheim stehen dieser Abgebrühtheit allerdings in kaum etwas nach, wobei es hier die Chemie ist, die schwer begeistert, so dass jeder Schlagabtausch, jede Rivalität zum Erlebnis wird und blenden unterhält. Kristen Bell hingegen repräsentiert als Jeannie van der Hooven so etwas wie die moralische Instanz, wobei nach und nach auch ihre Fassade bröckelt und man sich der Ambivalenz ihrer Integrität bewusst wird.

Geschichtlich bilden sowohl Martys als auch Jeannies Privatleben den Brückenschlag zwischen den Erzählungen, wobei hier besonders festzuhalten ist, dass es gerade diese vermehrten intimen Einblicke sind, die die eigentlichen Unsympathen menschlich erscheinen lassen, da sie, während sie im Berufsleben ganz klare Alphatiere sind und ihre Gesprächspartner dominieren, sich im privaten Bereich mit im Grunde ganz alltäglichen Problemen konfrontiert sehen, die sie nicht zu bewältigen imstande sind. Hier zeigt sich dann auch deutlich die Schattenseite des Lebens auf der Überholspur und auch wenn die Mischung aus Case-of-the-Week und dem dramatischen Touch noch nicht in jeder Folge durchweg funktioniert, hat mich House of Lies dahingehend extrem positiv überrascht, da ich im Vorfeld nicht damit gerechnet hatte, eine Dramedy im Stile von beispielsweise Californication präsentiert zu bekommen, insbesondere nachdem ich ja bereits vor mehr als einem Jahr beim Festival Großes Fernsehen die Pilotfolge habe sehen können, die zwar gewisse Andeutungen in die Richtung gemacht hat, grundsätzlich aber doch sehr leichtfüßig und satirisch daherkam.

Szenenbild aus House of Lies | © Paramount Pictures
© Paramount Pictures

Weiterhin die Staffel umfassend präsentiert sich die drohende Fusion mit MetroCapital, die einerseits mit einem gehörigen Maß interner Ränkeschmiede daherkommt, andererseits Greg Germann mal wieder eine wirklich wunderbare Rolle beschert, die doch auch immer wieder an Richard Fish gemahnt, seine Paraderolle in Ally McBeal, auch wenn die Figuren sich grundsätzlich durchaus unterscheiden. Thematisch ist House of Lies natürlich gleichermaßen noch immer hochaktuell und so funktioniert der Mix aus Satire und Drama meistenteils vortrefflich und punktet mit harten Kontrasten. Die Gruppendynamik wie gesagt ist einfach großartig, weil nicht nur zwischen Clyde Oberholt und Doug Guggenheim, sondern auch den restlichen Figuren die Chemie einfach stimmt und so freut man sich, die amoralischen Streiter bei ihrem Tun zu beobachten, ebenso wie man mit ihnen leidet, wenn sie privat einen weiteren Rückschlag über sich ergehen lassen müssen, unfähig, ihrer Menschlichkeit den Vorzug gegenüber des diktierten Kalküls als Consultant-Haifisch zu geben. Einzig, dass man aus dem Privatleben von Clyde und Doug in dieser Staffel so gut wie nichts erfährt, ist ein wenig schade, doch bleibt so eben auch mehr Raum für Jeannies kleine Geheimnisse und Martys große Tragödien – und die sind es schlussendlich, die aus House of Lies deutlich mehr machen, als eine unterhaltsame Comedy-Show. Ansonsten muss man aber natürlich auch in dieser Serie nicht auf nackte Haut oder ungezügelten Drogen- und Alkoholkonsum zu verzichten, nicht nur, weil die amerikanischen Kabelsender das eben so machen, sondern auch, weil die Szenerie derartiges Treiben natürlich enorm begünstigt.

Fazit & Wertung:

House of Lies punktet mit einem wilden Mix aus Sex, Lügen, Big Business-Satire und emotionaler Indifferenz und begeistert dergestalt als Komödie wie Drama gleichermaßen. Einzig die Gewichtung der einzelnen Komponenten bedarf noch etwas Feinschliff und künftige Staffeln werden zeigen, ob die Serie das Zeug hat, auch längerfristig zu überzeugen.

8 von 10 Consulting-Regeln

House of Lies | Staffel 1

  • Consulting-Regeln - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

House of Lies punktet mit einem wilden Mix aus Sex, Lügen, Big Business-Satire und emotionaler Indifferenz und begeistert dergestalt als Komödie wie Drama gleichermaßen. Einzig die Gewichtung der einzelnen Komponenten bedarf noch etwas Feinschliff und künftige Staffeln werden zeigen, ob die Serie das Zeug hat, auch längerfristig zu überzeugen.

8.0/10
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Episodenübersicht: Staffel 1

01. Die Bank zahlt alles
02. Amsterdam!
03. Mikrophallus
04. Was würde Clooney tun?
05. Verfluchtes Utah!
06. Wirklich Wochenende?
07. Weiße in Handschellen
08. Vertrau niemand!
09. Unter der Lupe
10. Vorspiel mit Nachspiel
11. Große Geschäfte
12. Der vergiftete Brunnen

 
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House of Lies ist am 02.05.13 auf DVD im Vertrieb von Paramount Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

  • Ausnahmsweise mal wieder eine Serie, bei der unsere Meinung ziemlich auseinander geht. Ich hatte mir viel erhofft, sowohl von der Prämisse als auch vom Cast. Die Business- und Beratungswelt hätte viel Stoff für absurde Geschichten geboten, doch wurde dieses Potential leider kaum genutzt und die Serie geht in einer Mischung aus Zynismus, Oberflächlichkeit und aufdringlichen Sexszenen unter. Echt schade. Habe nach ca. 4 Episoden abgebrochen, da mir die Show einfach nichts gegeben hat. Ein paar nette „Fälle“ waren zwar vorhanden, doch die Charaktere und das außenrum waren einfach nicht mein Fall.

    • Manchmal ist es doch praktisch, wenn man quasi „gezwungen“ ist, etwas zu rezensieren, denn anfänglich dachte ich relativ ähnlich (nicht gaaanz so negativ), aber ungelogen: du hast im unglücklichsten Moment abgebrochen, denn wenn nicht ab der 5. kommt doch mindestens ab Folge 6 auch deutlich die Drama-Komponente durch und gerade der Zynismus und die Oberflächlichkeit entpuppen sich als traurige Fassade. Würde ich nur von den letzten paar Folgen ausgehen hätte ich locker 9 Punkte vergeben, da die ersten Folgen aber wirklich noch etwas plump daherkamen relativiert sich das etwas.

      Solltest du irgendwann einmal ein paar Minuten erübrigen können gibt es von mir den gut gemeinten Rat, der Serie noch eine Chance von 1-2 Folgen zu geben.

      Aber uns muss ja nicht alles gleich gut gefallen und das erklärt zumindest, warum ich bei dir keinen Artikel habe finden können. Außerdem hat sich ja schon vor über einem Jahr angedeutet, dass wir über diese Serie anders denken würden 😉

      • Mathias Grunwald

        Habe die Serie selber nun über zwei Staffeln verfolgt und bisher konnte die Serie durch ihren gekonnten Wechsel zwischen Seriosität und Humor punkten. Besonders die Dynamik der Gruppe wird hervorragend dargestellt, in der 2. Staffel nimmt zudem die Dramatik enorm zu. Für die dritte Staffel müssen sich die Autoren aber trotzdem etwas einfallen lassen, denn sonst wird es ein wenig stumpf. Abwechslung ist die Devise :)

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