Review: Killing Them Softly (Film)

Es ist zwar schon etwas später, aber von derartigen Dingen habe ich mich ja noch nie schrecken lassen und selbst auf die Gefahr hin, dass dieser Artikel erst morgen seine verdiente Aufmerksamkeit erhält, veröffentliche ich ihn natürlich schon jetzt – und sei es für alle Daheimgebliebenen.

Killing Them Softly

Killing Them Softly, USA 2012, 97 Min.

Killing Them Softly | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Andrew Dominik
Autoren:
Andrew Dominik (Drehbuch)
George V. Higgins (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Brad Pitt (Jackie Cogan)
in weiteren Rollen:
Scoot McNairy (Frankie)
Ben Mendelsohn (Russell)
Richard Jenkins (Driver)
James Gandolfini (Mickey)
Ray Liotta (Markie Trattman)
Sam Shepard (Dillon)

Genre:
Krimi | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Der durchtriebene Geschäftsmann und Gauner Johnny Amato wittert eine einmalige Chance, als er davon erfährt, dass Markie Trattman ein illegales Poker-Turnier veranstalten wird, denn als er dies vor einigen Jahren schon einmal machte, inszenierte Trattman selbst einen Überfall auf seine Gäste und sackte die Kohle der Verbrecher ein. Im Laufe der Jahre wurde dies zu einem offenen Geheimnis und die Unterwelt weiß um Markies Verfehlung, hat ihm aber längst verziehen. Würde man nun aber erneut die Poker-Runde mit Waffengewalt sprengen und das Geld abgreifen, würde alle Welt Markie Trattman verdächtigen. So engagiert der sich für gewieft haltende Amato den Kleinganoven Frankie und dessen heroinsüchtigen Freund Russell für den Job und zunächst scheint alles glatt zu laufen und die beiden entkommen mit der Kohle.

Szenenbild aus Killing Them Softly | © Universum Film
© Universum Film

Dann allerdings beginnt die organisierte Kriminalität zu walten und zieht den Auftragskiller Cogan hinzu, der wiederum für den Mord an Amato – den man unlängst als Drahtzieher hat identifizieren können – seinen Kollegen Mickey aus New York einfliegen lässt. Ohne es zu ahnen, spitzt sich die Lage für die unbedarften Gangster Frankie und Russell zu, doch auch Cogan sieht sich mit Problemen und unwilligen Geschäftspartnern konfrontiert, die ihm die Arbeit nicht unbedingt erleichtern. Dennoch ist er bereit, alles daran zu setzen, für seine Auftraggeber den Normalzustand wiederherzustellen.

Rezension:

Killing Them Softly ist Andrew Dominiks dritte Regiearbeit und nach Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford seine zweite Zusammenarbeit mit Brad Pitt. Wie schon bei seinen vorangegangenen Filmen hat sich auch Dominik selbst dem Drehbuch gewidmet, wobei es sich auch hierbei wieder um die Adaption eines Buches – hier Cogan’s Trade von George V. Higgins – handelt. In Anbetracht der Geschichte selbst ist es allerdings fast verwunderlich, dass man auf die Idee gekommen ist, den Roman zu verfilmen, denn die knapp zweihundert Seiten umfassende Geschichte ist objektiv betrachtet mehr als einfach gestrickt. Allerdings, das muss man dem Film zugutehalten, gefällt Brad Pitt als harter Hund mal wieder außerordentlich gut und gibt eine interessante Interpretation des Auftragskillers, der lieber sanft tötet.

Szenenbild aus Killing Them Softly | © Universum Film
© Universum Film

Daneben glänzen natürlich auch Richard Jenkins und vor allem James Gandolfini in ihren Rollen und holen in den vergleichsweise wenigen Leinwandminuten alles aus ihren Figuren raus. Ray Liotta liefert ebenfalls eine gewohnt überzeugende Leistung ab, während fatalerweise gerade die vermeintlichen Hauptfiguren neben Pitt – Scoot McNairy und Ben Mendelsohn – erschreckend blass und beliebig bleiben, was von dem teils selten dämlichen Verhalten ihrer Rollen noch begünstigt wird, doch wird in Killing Them Softly allgemein kaum eine Figur mit einem stimmigen Background oder einer durchdachten Charakterzeichnung bedacht. Stattdessen konzentriert sich der Film mehr auf die zu erzählende Geschichte, die nun allerdings auch nicht viel Überraschendes hergibt.

Vor allem aber sollten all jene gewarnt werden, die sich einen Gangster-Thriller oder gar einen Actionfilm erwarten, denn Killing Them Softly kommt überwiegend behäbig und dialoglastig daher. Ein Eindruck, der nur von seltenen Gewaltspitzen etwas getrübt wird. Viel störender mag es da für manchen aber eher sein, dass die Dialoge in typischem Gangster-Jargon zum Besten gegeben werden, der Story aber größtenteils überhaupt nicht weiterhelfen, sondern mehr wie Geplänkel wirken. Das läuft ein wenig dem Eindruck zuwider, dass Andrew Dominik sich daran versuchen wollte, das organisierte Verbrechen als Metapher für die amerikanische Gesellschaft darzustellen. Ich sehe auch durchaus die Analogie und die Parallelen, die hier gezogen werden und kann auch in gewissem Umfang würdigen, wie hier versucht wurde, eine Art Subtext zu schaffen, allerdings ist dieser schlicht von Tiefgründigkeit doch weit entfernt.

Szenenbild aus Killing Them Softly | © Universum Film
© Universum Film

So kommt es, dass das Geschehen mehr dahindümpelt und das unvermeidliche Ende sich recht rasch absehen lässt. Spannung vermag sich nicht unbedingt aufzubauen, wenngleich Optik und Inszenierung von Killing Them Softly durchaus in ihren Bann ziehen. Was die Atmosphäre angeht gibt der Film sich auch kaum eine Blöße und die gesellschaftskritische Komponente fügt sich recht stimmig ins Geschehen ein, aber aufgrund der ausbleibenden Katharsis, des vergleichsweise schlichten Resümees am Ende des Films und nicht zuletzt der fehlenden Tiefe der Figuren wegen hat man bei Dominiks nunmehr drittem Film leider mehr als einmal das Gefühl, dass hier zu viel gewollt wurde, um all den angedeuteten Facetten Rechnung tragen zu können und dabei noch eine spannende Geschichte zu erzählen.

Fazit & Wertung:

Killing Them Softly ist durchaus kein typischer Gangsterfilm und wartet auch mit einigen spannenden Komponenten auf, kommt aber leider nicht so recht in Fahrt und bleibt in seinen Dialogen und der Interpretation des Gangster-Business doch ärgerlich vage und banal. Die durchweg sehenswerten Schauspieler und die Optik des Films sind es letztlich, die ihn vor der puren Belanglosigkeit bewahren.

6,5 von 10 Verweisen auf Amerika als Business

Killing Them Softly

  • Verweise auf Amerika als Business - 6.5/10
    6.5/10

Fazit & Wertung:

Killing Them Softly ist durchaus kein typischer Gangsterfilm und wartet auch mit einigen spannenden Komponenten auf, kommt aber leider nicht so recht in Fahrt und bleibt in seinen Dialogen und der Interpretation des Gangster-Business doch ärgerlich vage und banal. Die durchweg sehenswerten Schauspieler und die Optik des Films sind es letztlich, die ihn vor der puren Belanglosigkeit bewahren.

6.5/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Filmherum: 6/10 Punkte

Killing Them Softly ist am 17.05.13 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

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