Review: Silver Linings (Film)

Premiere vor der Premiere! Bevor wir uns nämlich in wenigen Stunden dem Media Monday #100 widmen werden, haue ich jetzt erst einmal ganz lässig meinen sage und schreibe 800. Artikel raus. Noch dazu war der Film, der in ebenselbigem Artikel nun besprochen werden wird auch noch richtig gut – besser treffen kann man es ja also wohl nicht, oder!?!

Silver Linings

Silver Linings Playbook, USA 2012, 122 Min.

Silver Linings | © Senator
© Senator

Regisseur:
David O. Russell
Autoren:
David O. Russell (Drehbuch)
Matthew Quick (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Bradley Cooper (Pat)
Jennifer Lawrence (Tiffany)
Robert De Niro (Pat Sr.)
Jacki Weaver (Dolores)
Chris Tucker (Danny)
in weiteren Rollen:
Anupam Kher (Dr. Cliff Patel)
Shea Whigham (Jake)
Julia Stiles (Veronica)

Genre:
Komödie | Drama | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Pat Solatano befindet sich seit acht Monaten in einer psychiatrischen Anstalt, nachdem er den Liebhaber seiner Frau bei einer Kurzschlussreaktion brutal zusammengeschlagen hat. Pats Mutter allerdings hat nun erwirken können, dass er heimkehren darf, wenn sie dafür sorgt, dass er regelmäßig zu seinen Sitzungen geht. Pat Sr. derweil ahnt nicht, dass sein unter einer bipolaren Persönlichkeitsstörung leidender Sohn heimkehren würde, verfällt jedoch recht schnell auf die fixe Idee, dieser könnte das Juju für die Football-Spiele verbessern, auf die Pats Vater regelmäßig Wetten abschließt in der Hoffnung, das große Geld zu machen. Pat unterdes ist fest davon überzeugt, seine Frau zurückgewinnen zu können, indem er ihr beweist, sich geändert zu haben. Da stört ihn auch die einstweilige Verfügung nicht, die ihn daran hindert, seine Frau zu sehen oder gar seinen Job als Lehrer zurückzubekommen, was man ob seiner früheren Gewaltausbrüche auch nicht unbedingt erwarten würde.

Szenenbild aus Silver Linings | © Senator
© Senator

Doch Pat, wenn auch manchmal kindlich naiv scheinend, ist von einer optimistischen Haltung durchdrungen, die ihm zur Ehre gereicht und als er eines Tages die depressive Tiffany kennenlernt, die sich bis vor kurzem mit wechselnden Bettgefährten über den Tod ihres Mannes hinwegzutrösten versuchte, eckt er zwar schnell bei ihr an, doch die Gemeinsamkeiten überwiegen und letztlich bietet sie ihm sogar an, seiner Frau einen Brief zu überbringen, würde er sich bereiterklären, im Gegenzug mit Tiffany an einem Tanzwettbewerb teilzunehmen. Wiederwillig fügt sich Pat und auch wenn Pats Vater bereits sein Juju in Gefahr sieht, werden sich doch die Tanzstunden und das an deren Ende stehende Turnier als auf vielerlei Art heilsames Mittel erweisen, die Pat ein Stück weit Normalität zurückzubringen imstande sind, während er erkennen muss, dass nicht jeder Bruch im Leben sich so einfach kitten lässt. Doch ein Silberstreif ist stets in Sicht.

Rezension:

Ich muss ja zugeben, dass sich Regisseur und Drehbuchautor David O. Russell mehr und mehr in mein Herz zu spielen versteht, denn während ich ihn schon vor Jahren für I Heart Huckabees zu vergöttern begonnen habe, sein nächster Film The Fighter – obwohl weitaus konventioneller gestaltet – kaum minder überzeugend daherkam, findet er nun mit Silver Linings ein wenig zu der Absurdität des Vorgängers zurück, auch wenn man zugeben muss, dass der Film in manchen Segmenten im Grunde auch als klassische romantische Komödie zu funktionieren versteht. Dem steht aber die unterschwellige Tragik der Erzählung entgegen, ebenso der zuweilen überraschend und unerwartet umschwenkende Ton hin zu mehr Ernst und Traurigkeit. Dennoch überwiegt selbstverständlich der lebensbejahende Aspekt, der auch von Hauptfigur Pat Solatano ständig propagiert wird und auch dem Film seinen wohlklingenden Titel verleiht, der im Deutschen wie so oft völlig sinnlos zusammengestutzt worden ist.

Szenenbild aus Silver Linings | © Senator
© Senator

Anfänglich allerdings präsentiert sich Russells neuester Film noch gar nicht so differenziert und ambivalent und dümpelt auch mehr vor sich hin, als dass sich wirklich Substantielles abspielen würde. Das Krankheitsbild von Pat und dessen ganz eigene, problembeladene Welt und Vergangenheit werden behutsam eingeführt und man merkt schnell, dass die Sympathien ganz klar verteilt sind in Silver Linings und vor allem Pat und später eben auch Tiffany gelten, den urtümlich verrückten Gestalten also, denen nach und nach auch Pats Vater und weitere Figuren Gesellschaft leisten, wenn ihre eigenen Spleens und exzentrischen Manierismen offenbar werden. Was man David O. Russell hierbei zugutehalten muss ist, dass er bei aller Komik nie auf die Idee verfällt, seine Figuren der Lächerlichkeit preiszugeben. So sehr sich also beispielsweise Pat in die fixe Idee verrennt, seine Frau zurückgewinnen zu können, ohne sie – einstweiliger Verfügung sei Dank – überhaupt nur sehen zu dürfen, dann fühlt man mit der Figur und freut sich über ihren grenzenlosen Optimismus, statt die kindliche Naivität zu belächeln.

Damit nimmt Silver Linings auch spielend die größte Hürde, denn nichts wäre schlimmer gewesen, als wenn man sich nicht mit den Figuren freuen und mit ihnen hätte weinen können und hier kommt es natürlich ganz darauf an, die passenden Schauspieler für ein derartiges Unterfangen ins Boot zu holen. Tatsächlich ist den Machern hier mit dem Duo Bradley Cooper und Jennifer Lawrence ein echter Glücksgriff gelungen und beweisen – jeder für sich und ebenso gemeinsam – was in ihnen steckt, indem sie ihre Rollen derart kompromisslos und überzeugend verkörpern, dass sie in ihren besten Momenten auch Urgestein Robert de Niro in den Schatten stellen, dessen Performance aber freilich ebenso ein Erlebnis für sich ist. Ja selbst Chris Tucker gefällt in seiner Rolle, wenn auch nicht so sehr wie Shea Whigham als Pats Bruder. Unabhängig davon muss man aber auch sagen, dass abgesehen von Pats Vater der Rest des Ensembles im Grunde nur bloßes Beiwerk ist, denn der Fokus liegt nun einmal bei Pats Person und dessen Rückkehr in sein altes Leben.

Szenenbild aus Silver Linings | © Senator
© Senator

Des Weiteren wartet Silver Linings mit einigen wirklich großartigen Szenen auf wie etwa der finalen Tanzchoreographie oder auch einem Monolog Tiffanys über das Juju. Überhaupt punktet der Film mit seinen pointierten Dialogen und dem Umstand, jede Figur mit all ihren Eigenarten und Fehlern dennoch liebenswert erscheinen zu lassen. Was passiert ist, mag tragisch gewesen sein, wirkt in seiner ungeschönten Brutalität zuweilen drastisch und erschreckend und dennoch bewahrt sich der Film genau wie seine Hauptfigur einen Charme und eine lebensbejahende, sympathische Einstellung, die am Ende alles gut werden lässt, ohne dass man ob des unvermeidlichen Happy Ends die Nase rümpfen müsste. Denn hier hätte tatsächlich jeder andere Ausgang nur enttäuscht und die Geschichte, die der Film erzählt, ist nun einmal gut, genauso wie sie ist.

Fazit & Wertung:

Silver Linings feiert die Verrücktheit seiner Figuren und die Absurdität des Lebens, ist in seiner Gänze so voll des Optimismus und gespickt mit spleenigen Figuren und Attitüden, dass es eine wahre Freude ist. Da mag man sich nicht weiter daran stoßen, dass die Krankheiten und Probleme der Figuren mitunter nicht unbedingt akkurat und medizinisch korrekt dargestellt werden.

8,5 von 10 exzentrischen Eigenarten

Silver Linings

  • Exzentrische Eigenarten - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Silver Linings feiert die Verrücktheit seiner Figuren und die Absurdität des Lebens, ist in seiner Gänze so voll des Optimismus und gespickt mit spleenigen Figuren und Attitüden, dass es eine wahre Freude ist. Da mag man sich nicht weiter daran stoßen, dass die Krankheiten und Probleme der Figuren mitunter nicht unbedingt akkurat und medizinisch korrekt dargestellt werden.

8.5/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Filmherum: 4,5/5 Punkte
review on everything: 10/10 Punkte
Tonight is gonna be a large one.: 9/10 Punkte
Xanders Blog: 8/10 Punkte

Silver Linings erscheint am 31.05.13 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Senator. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Will ich auch noch unbedingt sehen. Schon alleine wegen Jennifer Lawrence, die wohl die vielversprechendste Schauspielerin ihrer Generation sein dürfe.

    • Verstehe ich gut, aber Bradley Coopers Schauspiel ist auch nicht von schlechten Eltern! Schau dir „Silver Linings“ gern bald an, dann haben wir endlich mal wieder eine Übereinstimmung unseren Filmgeschmack betreffend 😉

  • Mathias Grunwald

    Kann mich bisher nicht dazu durchringen, diesen Film anzuschauen. Und das obwohl mir selbst mein Bruder diesen Film empfiehlt. Wenn ich mal zuviel Zeit habe werde ich ihn in die PS3 werfen und anschauen :)

    • Warum, was schreckt dich ab, woran hapert es, dass du dich „nicht dazu durchringen“ kannst? Könnte ich bei durchaus vielen Filmen nachvollziehen, bei diesem aber irgendwie so gar nicht…

      • Mathias Grunwald

        Der Hype um diese RomKom schreckt mich ab. Konnte mit RomKoms bisher nie etwas anfangen und glaube irgendwie, dass der Film zwar gut ist, aber für mich letztendlich nichts anderes als die unzähligen sinnfreien, lebensfremden RomKoms, mit denen wir alljährlich überschüttet werden.

        Besonders dieser dunkle Aspekt um das Thema Tod wirkt für mich eher aufgesetzt. Vielleicht setze ich mich mal am Wochenende hin und überwinde meine Vorurteile :)

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