Review: The Tall Man (Film)

Wie man sehen konnte, gab es diese Woche keine Kinovorschau, weil ich mich nicht so recht für einen der Neustarts habe erwärmen können, wenngleich Der Dieb der Worte knapp davor stand. Aber wie auch immer, worauf ich eigentlich hinausmöchte ist, dass es dafür heute direkt eine neue Film-Kritik gibt, weil ich mit den Büchern im Moment ein wenig hinke. Und dieser Film hat es noch nicht einmal in die hiesigen Kinos geschafft, obwohl er unbestreitbar gut ist.

The Tall Man

The Tall Man, USA/CA/FR 2012, 106 Min.

The Tall Man | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Pascal Laugier
Autor:
Pascal Laugier

Main-Cast:
Jessica Biel (Julia Denning)

in weiteren Rollen:
Jodelle Ferland (Jenny)
William B. Davis (Sheriff Chestnut)
Samantha Ferris (Tracy)
Colleen Wheeler (Mrs. Johnson)
Garwin Sanford (Robert)
Janet Wright (Trish)
Eve Harlow (Christine)
John Mann (Douglas)
Teach Grant (Steven)
Ferne Downey (Lady / Mrs. Parker Leigh)
Jakob Davies (David)
Stephen McHattie (Lieutenant Dodd)

Genre:
Horror | Thriller | Mystery | Drama | Mindfuck

Trailer:

 

Inhalt:

Das Städtchen Cold Rock ist mitten in der Krise. Einst mit einer blühenden Industrie gesegnet, sind nun die Minen geschlossen, ein Großteil der Einwohner arbeitslos und viele von ihnen längst weggezogen. Zudem verschwinden jährlich zahlreiche Kinder spurlos in der kleinen Stadt und die Leute raunen von einem großen Mann, der ihre Liebsten raubt, doch Beweise für dessen Existenz oder gar eine verfolgbare Spur gibt es natürlich nicht. Auch für die Krankenschwester Julia, die vor nicht allzu langer Zeit ihren Mann verloren hat, ist es nicht leicht in der eisigen Einöde, doch ihr Sohn ist ein Lichtblick in dieser trostlosen Welt. Eines Nachts allerdings wird Julia von seltsamen Geräuschen geweckt und wie befürchtet, sieht sie sich plötzlich mit dem großen Mann konfrontiert, der drauf und dran ist, mit ihrem Kind zu flüchten.

Szenenbild aus The Tall Man | © Universum Film
© Universum Film

Todesmutig nimmt Julia die Verfolgung auf und schafft es beinahe, das vermummte Wesen zu überwältigen, doch letztlich behält der große Mann die Oberhand und entschwindet in den verschneiten Wald. Julia ist nicht bereit die Verfolgung aufzugeben, doch ihre Kräfte schwinden merklich. Lieutenant Dodd liest sie schließlich auf der Straße auf und fährt sie ins nahegelegene Diner von Cold Rock. Julia allerdings ist noch lange nicht bereit den Kampf aufzugeben und verstrickt sich mehr und mehr in der Legende des großen Mannes, die weit mehr beinhaltet und weit größere Schrecken bereithält, als die furchtsam vorgetragenen Geschichten von den Kindesentführungen vermuten lassen.

Rezension:

Es gibt Filme, die leben sämtlich von ihren Twists und davon, den Zuschauer mit einem Paradigmenwechsel innerhalb der Erzählung zu überraschen, mit dem sie nicht gerechnet hätten. Zu dieser zugegebenermaßen vergleichsweise seltenen Kategorie gehört definitiv auch The Tall Man von Regisseur und Drehbuchautor Pascal Laugier, der hauptsächlich durch den Film Martyrs ein Begriff ist. Je weniger man nun von dem Film im Vorfeld erfahren hat und je weniger man den Vergleich zu anderen Genre-Vertretern sucht, umso mehr wird diese Geschichte einen in ihren Bann ziehen können, von der ich natürlich gar nicht allzu viel verraten kann, ohne Gefahr zu laufen zu spoilern. So viel sei aber verraten: Es handelt sich beileibe nicht um einen stereotypen Slasher-Film, wie Trailer und Cover vermuten lassen würden, sondern die formal abgegriffen wirkende Geschichte wartet mit mehreren, mal mehr, mal weniger gelungenen Storywendungen auf, die dem Geschehen eine spürbar neue Richtung geben.

Szenenbild aus The Tall Man | © Universum Film
© Universum Film

Dabei versucht The Tall Man auch durchaus zum Nachdenken anzuregen und wandelt sich in den Köpfen der Zuschauer zuweilen zu einem Lehrstück in Fragen ethischen Verhaltens und moralischer Grenzen. Eine Wertung behält sich Laugier zum Glück vor und überlässt es ganz dem geneigten Seher, sich seinen eigenen Standpunkt zu suchen, doch muss man auch zugeben, dass dieser Aspekt zugunsten der Geschichte nicht so tiefgründig und akkurat abgehandelt wird, wie es möglich gewesen wäre, aber es nützt ja auch nichts, wenn ich über diesen Umstand nun lange fachsimple, wenn ich das Kind doch nicht beim Namen nennen darf. Dafür überzeugt der Film aber mit einer doch sehr cleveren Grundidee und einer stimmigen Atmosphäre nebst eindringlichen Bildern, die allerdings allesamt zum Ende hin ganz unmerklich an Kraft verlieren, wenn sich der zu dem Zeitpunkt doch beinahe obligatorische Schlussakkord abzuzeichnen beginnt.

Bis zu diesem Moment punktet Laugiers Werk mit einem unterkühlten Setting und einer wendungsreichen Geschichte auf mehreren Ebenen, sofern man bereit ist, sich darauf einzulassen, alle Nase lang vor den Kopf gestoßen zu werden, wenn man meint, die Prämisse des Gezeigten durchschaut zu haben. Neudeutsch würde man so etwas Mindfuck nennen. Des Weiteren wartet The Tall Man mit einer Jessica Biel auf, die kaum je besser geschauspielert hat und von einem durchweg fähigen Ensemble unterstützt wird. Überragende Glanzleistungen wird man hier zwar vergeblich suchen, doch gibt es in dem Punkt gleichwohl auch nichts zu meckern. Cineasten freuen sich zudem über Stephen McHattie Beteiligung und somit über dessen gefühlte dreihundertsiebenundfünfzigste Nebenrolle.

Szenenbild aus The Tall Man | © Universum Film
© Universum Film

Um keinen falschen Eindruck zu vermitteln, muss aber auch ganz klar gesagt werden, dass The Tall Man beileibe nicht frei von Mängeln ist und wie gesagt gerade zum Ende hin mehr und mehr die Puste verliert, aber dem Willen, die Handlung mit einer je nach Standpunkt fragwürdigen Prämisse zu verknüpfen und der Fähigkeit, einer im Grunde klassischen Geschichte gekonnt neue Aspekte abzuringen und dabei mehrfach das Genre des Films auf den Kopf zu stellen, muss ich für meinen Teil einfach Tribut zollen. Fakt ist aber auch, dass der Film all jene enttäuschen wird, die sich einen klassischen Horrorfilm erwarten, deshalb sollte man möglichst unvoreingenommen und ohne konkrete Erwartungshaltung sein, wenn man gewillt ist, dem Film eine Chance zu geben. Das Ende mag bei unreflektierter Betrachtungsweise ein wenig plakativ erscheinen, hat jedoch im Kontext der Geschichte durchaus seine Daseinsberechtigung und regt zu weiteren Diskussionen an.

Fazit & Wertung:

The Tall Man ist leider nicht das filmische Kleinod, das es möglicherweise hätte werden können, bietet aber einen unbestreitbar intelligenten Plot, der in jeder seiner Phasen durchaus überzeugt, auch wenn ihm zum Schluss ein wenig die Puste ausgeht.

7,5 von 10 überraschenden Twists

The Tall Man

  • Überraschende Twists - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

The Tall Man ist leider nicht das filmische Kleinod, das es möglicherweise hätte werden können, bietet aber einen unbestreitbar intelligenten Plot, der in jeder seiner Phasen durchaus überzeugt, auch wenn ihm zum Schluss ein wenig die Puste ausgeht.

7.5/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
CineKie: 8/10 Punkte

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