Review: Before Watchmen: Minutemen (Graphic Novel)

Freitagabend und ich beehre euch direkt mit einer weiteren Graphic Novel, aber keine Sorge, bald gibt es hier auch wieder neuen Lesestoff für Leseratten wie auch Cineasten, doch im Moment gibt es noch so dermaßen viele Comic-Bände, von denen ich euch berichten möchte, dass es mir sinnvoll schien, heute noch einmal mit dem Thema anzufangen, schließlich handelt es sich bei der ursprünglichen Geschichte des heute vorzustellenden Bandes um eine der meistbeachteten Graphic Novels aller Zeiten.

Before Watchmen:
Minutemen

Before Watchmen: Minutemen, USA 2012, 176 Seiten

Before Watchmen: Minutemen | © Panini
© Panini

Autor:
Darwyn Cooke
Zeichner:
Darwyn Cooke

Verlag (D):
Panini Verlag
ISBN:
978-3-862-01479-8

Genre:
Action | Drama | Science-Fiction

 

Inhalt:

Es ist das Jahr 1962, neue Helden – die Watchmen haben sich dem Kampf gegen das Verbrechen verschrieben und die Helden von einst – die Minutemen sind kaum noch mehr als eine verblassende Erinnerung, wenngleich noch immer schillernd und glorifiziert. Hollis Mason, der einstige Nite Owl erinnert sich der Anfänge der Minutemen und vor allem an die Schattenseiten der bunt gemischten Superheldenschar, die nie bis in die Öffentlichkeit gerückt worden sind und so über die dunkelsten Kapitel der Zeit den Schleier des Vergessens gelegt haben. Doch Mason will und kann so nicht weiterleben und hat sich mittels seiner Biografie Unter der Maske seine Schuldgefühle von der Seele geschrieben.

Seine einstigen Weggefährten sind natürlich alles andere als erfreut über die intimen Geständnisse des ehemaligen Helden, doch Mason sieht keinen anderen Weg und seine Memoiren führen in zurück in das Jahr 1939, zu Hooded Justice, Sally Jupiter, Edward Blake, Byron Lewis und all den anderen, zu der Gründung der Minutemen, ihrem kometenhaften Aufstieg und ihrem schleichenden und tragischen Niedergang.

Rezension:

Was waren die Skepsis groß und die Unkenrufe laut, als das erste Mal die Rede davon war, den Kosmos der Watchmen um eine Reihe von Prequel-Geschichten zu erweitern. Von Geldmacherei und Ausverkauf war die Rede, doch nun liegt mit Before Watchmen: Minutemen der erste Band der Reihe vor und von den Befürchtungen scheint sich nichts bewahrheitet zu haben, denn die Story, die der zweifache Eisner-Award-Gewinner Darwyn Cooke in Personalunion als Autor und Zeichner zu Papier gebracht hat, braucht sich keineswegs vor dem großen Vorbild zu verstecken, auch wenn sie natürlich nicht mit deren epischer Breite mithalten kann.

Dennoch überzeugt die sechsteilige Miniserie Before Watchmen: Minutemen auf ganzer Linie und insbesondere der Umstand, dass Cooke sich grafisch ganz explizit an der Ausgestaltung klassischer Comic-Geschichten orientiert hat, gibt dem Setting einen ansprechenden und überzeugenden Rahmen. Die Geschichte der Minutemen wird hierbei von ihren Anfängen über drei Jahrzehnte hinweg bis zu ihrem traurigen Ende durchexerziert und widmet sich jedem der Protagonisten mehr oder weniger ausführlich, wenngleich Hollis Mason aka Nite Owl über die gesamte Geschichte hinweg das Sprachrohr bleibt, da schließlich die Geschehnisse aus seinem Blickwinkel in der Rückschau beleuchtet werden.

Der Umstand, dass Cooke hier viele Jahre Heldengeschichte in gerade einmal sechs Heften unterzubringen versucht hat, bringt es natürlich mit sich, dass manches nur allzu knapp abgehandelt wird und er sich ebenso wie Mason auf die prägnanten Stellen in der Biografie der Heldengruppe beschränkt. Dafür kommt es kaum zu Längen in der Erzählung, wenn auch die eine oder andere Seite mehr sicherlich nicht geschadet hätte, um die Übergänge nicht zuweilen arg holprig wirken zu lassen. Dennoch kann man dem Fortgang der Geschichte gut folgen und insbesondere der langsame Niedergang der vermeintlichen Helden wurde ausnehmend gut skizziert und hält schleichend Einzug in den immer tragischer werdenden Erinnerungen, die Mason bis zuletzt verfolgen. Zum Ende von Before Watchmen: Minutemen finden sich gar Anknüpfungspunkte zu den eigentlichen Watchmen und ein clever inszenierter Twist in Form einer unerwarteten Offenbarung rückt Hollis Masons Erinnerungen noch einmal in ein neues Licht.

Man mag von der Wiederbelebung des Mythos Watchmen also halten was man möchte, doch erscheint dieser Band in seiner Gänze enorm stimmig inszeniert und lässt viel Liebe zum Detail erkennen, was die Ausgestaltung der Figuren und die Reminiszenzen an die damalige Zeit angeht und somit ist Darwyn Cooke das seltene Kunststück gelungen, nach mehr als einer Dekade in Form einer Vorgeschichte Anschluss gefunden zu haben an eine der wohl bekanntesten Graphic Novels aller Zeiten. Sollten die noch kommenden Before Watchmen-Geschichten also nur annähernd das Niveau dieses Auftaktbandes erreichen so stehen uns noch einige äußerst spannende Geschichten ins Haus, die die Helden so eingehend beleuchten, wie sie es schon lange verdient gehabt hätten.

Fazit & Wertung:

Before Watchmen: Minutemen ist ein fulminanter Auftakt der mit Skepsis und Argwohn erwarteten Reihe und beleuchtet durchweg überzeugend – wenn auch zuweilen ein wenig überhastet – den Aufstieg und Fall einer Heldengruppe, deren immanente Geheimnisse und Zwistigkeiten sie letztlich zugrunde richten.

8,5 von 10 schmerzhaften Erinnerungen

Before Watchmen: Minutemen

  • Schmerzhafte Erinnerungen - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Before Watchmen: Minutemen ist ein fulminanter Auftakt der mit Skepsis und Argwohn erwarteten Reihe und beleuchtet durchweg überzeugend - wenn auch zuweilen ein wenig überhastet – den Aufstieg und Fall einer Heldengruppe, deren immanente Geheimnisse und Zwistigkeiten sie letztlich zugrunde richten.

8.5/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Filmherum: 4/5 Punkte

Before Watchmen: Minutemen erscheint am 17.06.13 im Panini Verlag. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den nachfolgenden Link und unterstützt damit das Medienjournal!

  • Klingt ja tatsächlich recht interessant, auch wenn ich nicht glaube, dass es nicht wirklich nötig war diese Geschichten zu erzählen. Wenn es gut gemacht ist, kann es immerhin netter Fanservice sein. Vielleicht schau ich irgendwann mal rein…

    • Nein, zwingend notwendig war es sicher nicht, den Vorwurf werden sich die Macher machen lassen dürfen, aber das könnte man wohl auch von vielen Dingen behaupten.

  • Pingback: Review: Before Watchmen: Rorschach (Graphic Novel) - Medienjournal()

  • Xander81

    Ich persönlich fand die Zeichnung nicht so toll, die Story an sich hat mich aber auch überzeugt. „Rorschach“ liegt als nächstes an, und vielleicht schaff ich es ja sogar, zu beiden was zu schreiben.

    • Ja, im ersten Moment fand ich die Zeichnungen auch nicht so sonderlich, aber von Seite zu Seite kam mehr und mehr Flair auf und ich fühlte mich an meine allerersten Comic-Hefte erinnert, von daher wirkte das so schön nostalgisch auf mich und passte dann natürlich super zu der Geschichte an sich.

      „Rorschach“ habe ich ja auch bereits hinter mir, da ist die Geschichte deutlich unspektakulärer, dafür sollten aber Bermejos Zeichnungen dein Wohlwollen finden 😉

  • Ich sehe schon, wir haben da allgemein eine relativ ähnliche Meinung. Das gefällt mir. Und zwecks den Zeichnungen (Anmerkung von Xander): Ich fand die toll. Passen eigentlich prima zu „Watchmen“. Muss doch nicht alles so aussehen wie „Rorschach“. 😉

    • Ja das stimmt, tendenziell sind wir uns sehr einig, bin gespannt, ob dass bei den Folgebänden auch der Fall sein wird. Zu den Zeichnungen habe ich mich ja auch schon geäußert und du hast vollkommen recht, dass sie sehr zu „Watchmen“ passen.

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