Review: Fido (Film)

Die jüngst erfolgte und längst überfällige Veröffentlichung von Fido auf Blu-ray ist für mich Grund genug, auch diesem Film an dieser Stelle ein paar Zeilen zu widmen. Also los!

Fido

Fido, CA 2006, 93 Min.

Fido | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Regisseur:
Andrew Currie
Autoren:
Robert Chomiak
Andrew Currie
Dennis Heaton

Main-Cast:

Carrie-Anne Moss (Helen Robinson)
Billy Connolly (Fido)
in weiteren Rollen:

Dylan Baker (Bill Robinson)
Kesun Loder (Timmy Robinson)
Henry Czerny (Mr. Bottoms)
Tim Blake Nelson (Mr. Theopolis)

Genre:
Komödie | Horror

Trailer:

 

Inhalt:

In den 50er Jahren einer alternativen Realität fanden vor wenigen Jahren die Zombiekriege ihr Ende und die Firma ZomCon hat es sich zur Aufgabe gemacht, die unliebsamen Zombies zu domestizieren und mittels Halsbändern, die das Aggressionspotential negieren, für den Hausgebrauch – beispielsweise als Butler oder Hilfsarbeiter – nutzbar zu machen. Die Wildnis ist zwar immer noch bevölkert von hirnversessenen Untoten, doch in den umzäunten Bereichen der Zivilisation herrscht ungetrübter Sonnenschein und wer was auf sich hält, hält sich einen Haus-Zombie. Eine dieser umzäunten Ortschaften ist das beschauliche Nest Willard mit seinem Vorstadt-Charme und den akkurat getrimmten Vorgärten.

Szenenbild aus Fido | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Hier leben die Robinsons, im Grunde eine Vorzeigefamilie wie jede andere auch, doch der kleine Timmy eckt immer wieder an, indem er die Welt, in der sie leben, hinterfragt, während seine Mutter Helen um ihr Ansehen bangt, da die Familie als einzige in ihrer Straße keinen Zombie hat, weil Mr. Robinson seit frühester Kindheit eine Heidenangst vor den untoten Gesellen hat. Eines Tages, der Leiter der Sicherheitsabteilung von ZomCon ist gerade neu in die Straße gezogen, fasst sich Helen jedoch ein Herz und kauft einen Zombie. Der von seinem Vater vernachlässigte Timmy freundet sich bald mit diesem an und tauft ihn auf den Namen Fido. Doch als Fidos Halsband kurzzeitig den Dienst versagt und er sich in Mrs. Henderson verbeißt, geraten Ereignisse in Gang, die den idyllischen Vorort ins Chaos zu stürzen drohen.

Rezension:

Die Alternativwelt, die Andrew Currie als Drehbuchautor und Regisseur von Fido ersonnen hat, löst zunächst einmal Beifallsstürme aus, denn allein die den Film eröffnende Dokumentation über die Zombiekriege und den Aufstieg der Firma ZomCon ist dermaßen großartig, dass es eine wahre Freude ist. Der Charme der 50er Jahre zieht sich hiernach durch den gesamten Film und auch wenn das Ganze bewusst klischeebeladen daherkommt, wird es doch im Grunde gerade dadurch so gut und stimmig, zumal der Kontrast zu den eigentlich so blutrünstigen Zombies, die hier nun als Zeitungsboten, Milchmänner, Hausdiener oder Gartenarbeiter fungieren, nicht größer hätte sein können. Aus dieser Prämisse und deren Ausgestaltung zieht der Film also schon einen gehörigen Reiz, doch lässt er es dabei mitnichten bewenden und auch die Dramaturgie, die herrlich spleenigen Figuren und selbst die Charakterentwicklung wissen zu gefallen.

Zu den Geschehnissen, die infolge des ausfallenden Halsbandes von Fido über Willard hereinbrechen, kann und sollte man im Vorfeld gar nicht allzu viele Worte verlieren, aber trotz einer gehörigen Dosis schwarzen Humors bleiben auch die Figuren nicht auf der Strecke und machen größtenteils eine merkliche Entwicklung durch, die sich sicherlich am prägnantesten an Helen und Fido belegen lässt. Zwischen den beiden entspinnt sich gar so etwas wie eine angedeutete und freilich sehr skurril anmutende Romanze, die aber nie unglaubwürdig oder aufgesetzt wirkt, wenn man sie im Kontext der Geschichte betrachtet. Das liegt natürlich zuvorderst an Carrie-Anne Moss und Billy Connolly sowie ihrem augenzwinkernden Schauspiel.

Szenenbild aus Fido | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Neben Moss und Connolly weiß aber auch K’Sun Ray als kleiner Timmy zu gefallen, während Tim Blake Nelson als exzentrischer Nachbar mit Liebessklavenzombie und geheimnisvoller Vergangenheit jede Szene zu dominieren weiß und in seiner Ausgestaltung der Figur, die zunächst nur ein unwesentlicher Sidekick zu sein scheint, rundweg überzeugt. Fido wird ob der blendend aufgelegten Darsteller und stimmigen Inszenierung zu einem satirischen Vergnügen, dass mit einer Leichtigkeit sowohl die damalige Zeit als auch das Zombie-Genre referenziert. Manch einem mag es zwar zuweilen ein bisschen Zuviel der Klischees sein, doch macht es für mich den Film gerade so interessant, dass er mit diesen so überschwänglich jongliert.

Was man allerdings nicht erwarten darf ist ein blutiger Zombie-Splatter-Streifen mit haufenweise Gedärmen und abgerissenen Gliedmaßen, denn in dieser Hinsicht hält sich Fido ungewohnt bedeckt und ist damit auch – bis auf wenige Ausnahmen – einem deutlich weniger hartgesottenen Publikum zugänglich, die sich einmal vorsichtig an das Genre herantasten möchten. Wie gesagt ist es aber gerade der Kontrast der strahlenden Vorstadtsiedlung zu den blutrünstigen Untoten, der ganz wunderbar funktioniert und so ist Curries Werk auch gleichermaßen Satire, Zombiefilm und gar Familiendrama in einer zunächst sehr verquer wirkenden Parallelwelt, die in ihrer Ausgestaltung aber dermaßen konsequent ist, dass man ihr die Prämisse der domestizierten Zombies rundheraus abzunehmen bereit ist.

Fazit & Wertung:

Fido macht nicht nur eine Menge Spaß, sondern mäandert auch wild durch andere Genres und präsentiert in einer herrlich klischeebeladenen 50er-Jahre-Welt einen enorm unterhaltsamen und gar emotionalen Streifen, der weniger auf Schockeffekte, denn auf skurrile und einfallsreiche Ideen setzt.

8 von 10 mittels Halsband gefügig gemachten Zombies

Fido

  • Mittels Halsband gefügig gemachte Zombies - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Fido macht nicht nur eine Menge Spaß, sondern mäandert auch wild durch andere Genres und präsentiert in einer herrlich klischeebeladenen 50er-Jahre-Welt einen enorm unterhaltsamen und gar emotionalen Streifen, der weniger auf Schockeffekte, denn auf skurrile und einfallsreiche Ideen setzt.

8.0/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Tonight is gonna be a large one.: 7/10 Punkte

Fido ist am 04.06.13 auf Blu-ray im Vertrieb von Ascot Elite erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Pingback: Fido – Gute Tote sind schwer zu finden (2006) | Film-Blogosphäre()

  • Ich fand den auch recht gut, wenn auch nicht so gut wie du. Irgenwie hatte ich das Gefühl, dass die Macher zwar eine brilliante Idee hatten, aber nicht wirklich viel damit anzufangen wussten.

    • Da ist mir doch glatt entgangen, dass du den seinerzeit rezensiert hast! Zu meiner Ehrenrettung lag deine Rezension ja lange vor meiner aktiven Zeit in der Blogosphäre und wie ich sehen konnte, hast du die Verlinkung in der Film-Blogosphäre bereits nachgepflegt.

      Tatsächlich sind wir da geringfügig anderer Meinung, aber den einen Punkt Differenz kann man sicherlich verschmerzen. Ich hatte schon das Gefühl, dass die Macher was mit ihrer genialen Prämisse anzustellen wussten und somit ragt „Fido“ für mich sehr angenehm aus dem Zombiefilm-Einheitsbrei heraus. Die schrillbunten 50er-Jahre nebst herrlichen Nebencharakteren (allen voran Tim Blake Nelson) wussten mich schlicht zu überzeugen, auch wenn ich zugeben muss, dass der achte Punkt in der Wertung womöglich dazu gedacht ist, die geniale Grundidee zu honorieren.

  • Ralf A. Linder

    War damals beim Fantasy Filmfest ein echter Publikumshit und hat mir auch sehr gut gefallen (zudem habe ich zwei DVDs gewonnen, weil ich als einziger im Nürnberger Publikum den Namen des Fido-Darstellers kannte *g*). Sollte ich mir eigentlich mal wieder anschauen …

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