Review: Der Hüter des Schwertes | Duncan Lay (Buch)

Jetzt ist es doch wieder später geworden als erwartet, aber zumindest (während ich diese Zeilen hier verfasse) immerhin noch vor 22:00 Uhr und das kann man für ja beinahe noch früh nennen, also mit viel gutem Willen natürlich. Dafür ist das heute vorzustellende Buch ein sehr schönes, deshalb lege ich es euch direkt schon einmal ans Herz, wenn ihr Fantasy im Allgemeinen etwas abgewinnen könnt.

Der Hüter des Schwertes
Die Drachenschwert-Chroniken 1

The Wounded Guardian 1.1, AU 2009, 413 Seiten

Der Hüter des Schwertes von Duncan Lay | © Blanvalet
© Blanvalet

Autor:
Duncan Lay

Verlag (D):
Blanvalet
ISBN:
978-3-442-26911-2

Genre:
Fantasy | Action | Abenteuer

 

Inhalt:

Martil, einst Hauptmann in den rallorischen Kriegen gegen das Land Berellia, hat dem Krieg den Rücken gekehrt und wünscht sich nichts sehnlicher, als Ruhe und Frieden zu finden, denn Alpträume und Gewissensbisse plagen ihn seit dem Tag, an dem er als Schlächter von Bellic in die Geschichte eingegangen ist. Doch das Schicksal hat andere Pläne für Martil und auf dem Weg ins Exil begegnet er einem Räuber und dessen Söhnen und trotz inständiger Warnungen von Seiten Martils gehen sie zum Angriff über und er sieht sich gezwungen, sich der Übermacht mit Waffengewalt zu erwehren. Noch im Sterben bittet einer der Söhne des Räubers ihn, sich um seine Schwester Karia zu kümmern und Martil gelobt wider besseres Wissen, sie zu ihrem Onkel Danir zu geleiten.

Unterdessen plant der König von Berellia seine Rache an den Hauptmännern, die an dem Massaker von Bellic beteiligt waren und in Norstalos strebt der Herzog und Heerführer Gello an, die Krone an sich zu reißen, indem er das Drachenschwert raubt, ein angeblich magisches Artefakt, das seit Jahrhunderten den Frieden im Lande sichert. Königin Merren indes wird nach dem Raub in ihrem eigenen Schloss festgesetzt, doch gelingt es ihr noch, den ihr treu ergebenen Hofmagier Barrett zu entsenden, um das Schwert wiederzubeschaffen. Noch ahnt niemand in Berellia und Norstalos, dass Martils Schicksal untrennbar mit dem sagenumwobenen Drachenschwert verbunden ist.

Rezension:

Der Hüter des Schwertes ist der Auftakt einer dreiteiligen Reihe um Martil, den Schlächter von Bellic und wie es bei Blanvalet zuweilen üblich ist, wurde auch der erste Band – im australischen Original The Wounded Guardian – für die deutsche Veröffentlichung zweigeteilt, so dass man also mit sechs Büchern am Ende wird rechnen dürfen, wobei es scheint, als würden die Folgebände nur als Ebook veröffentlicht werden – so geschehen bei Teil 2, Das Schwert der Königin. Dies nur als Info und Warnung vorab, denn mir als altmodischem Bücherwurm, dem die bedruckten Seiten am Herzen liegen ist diese nachträgliche Offenbarung ziemlich sauer aufgestoßen.

Das schmälert aber selbstredend nicht die Qualität des Buches, denn die Geschichte, so simpel gestrickt sie zunächst erscheinen mag, konnte mich vollends überzeugen. Martil ist dabei treffend charakterisiert und trägt einen Großteil der Erzählung, wobei gerade sein ambivalentes Handeln zu überzeugen weiß, wenn er einerseits überbordenden Jähzorn zu unterdrücken sucht und sich andererseits aufopferungsvoll um sein Mündel Karia kümmert. Auch leisen Humor findet man in Der Hüter des Schwertes häufig, so dass die ansonsten todernste Geschichte trefflich aufgelockert wird. Immer wieder verlassen wir auch die Geschicke Martils und Karias, um andernorts etwas über die Intrigen am Hof von Norstalos zu erfahren oder über den König von Berellia. Hier werden ganz eindeutig die Weichen gestellt für künftige Ereignisse, doch ist der Blick über den Tellerrand stets interessant und behutsam wird man nach und nach mit einem wachsenden Figuren-Ensemble vertraut gemacht.

Der Fokus der Erzählung liegt aber ganz eindeutig auf Martil, der – wie der Titel ja schon vermuten lässt – im Laufe der Geschichte in den Besitz des berüchtigten Drachenschwertes kommt und eine große Rolle bei der Befreiung des Landes spielen wird. In dieser und mancherlei anderer Hinsicht ist Der Hüter des Schwertes kaum überraschend und erfindet das Fantasy-Genre mitnichten neu, doch alle Geschehnisse sind lebendig und mitreißend abgefasst und die Figuren besitzen genügend Ecken und Kanten, dass das Buch über die gesamte Länge zu fesseln versteht und Lust auf mehr macht. Die Schilderungen der Kämpfe und gerade die – seltene – Nutzung von Magie sind ebenfalls sehr anschaulich und temporeich inszeniert. In der Beziehung war ich auch ziemlich überrascht, zu welch epischer Breite sich die Geschichte auf den knapp über 400 Seiten auswächst, denn zunächst scheint alles auf Martil fokussiert und wirkt wie eine intim geschilderte Odyssee durch die verschiedenen Ländereien und Landstriche.

Hier hätte ich mir im Übrigen, wie bei vielen Fantasy-Bänden üblich, eine Karte gewünscht, um besser nachvollziehen zu können, wo die Charaktere sich befinden, denn insbesondere der Hofmagier Barrett hat eine Art des Reisens gemeistert, die jegliche geografischen Kenntnisse obsolet erscheinen lassen. Zudem fällt es natürlich gerade am Ende auf, dass es sich um eine zweigeteilte Geschichte handelt, denn ein wirklich mitreißendes und abschließendes Finale existiert hier natürlich nicht, wobei man trotzdem einen recht akzeptablen Punkt für den Bruch gefunden hat. Mehr stört mich da das angesprochene Dilemma, nachdem man angefixt worden ist gezwungen zu sein, auf die digitale Variante umsteigen zu müssen. Alles in allem ist Der Hüter des Schwertes aber ein mehr als vielversprechender Auftakt und bietet spannende Lektüre in einer stimmigen Welt voller interessanter Figuren und einem ambivalenten Helden.

Fazit & Wertung:

Der Hüter des Schwertes bietet stimmige Fantasy in einem sorgsam ausgearbeiteten Setting und geizt nicht mit Action, Tempo und auch Humor. Ein gelungener Auftakt und trotz mangelnder Innovationen ein Page-Turner für Freunde von Fantasy-Geschichten abseits von Elfen, Zwergen und Orks.

8,5 von 10 Wutausbrüchen des jähzornigen Schlächters von Bellic

Der Hüter des Schwertes

  • Wutausbrüche des jähzornigen Schlächters von Bellic - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Der Hüter des Schwertes bietet stimmige Fantasy in einem sorgsam ausgearbeiteten Setting und geizt nicht mit Action, Tempo und auch Humor. Ein gelungener Auftakt und trotz mangelnder Innovationen ein Page-Turner für Freunde von Fantasy-Geschichten abseits von Elfen, Zwergen und Orks.

8.5/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Blanvalet. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Der Hüter des Schwertes ist am 21.01.13 bei Blanvalet erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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