Review: Die da kommen | Liz Jensen (Buch)

So, der Artikel ist seit einiger Zeit fertig und die letzte Stunde habe ich damit zugebracht, ein neues Feature zu designen, um meine Buch-Kritiken optisch ein wenig aufzupeppen. Ich hoffe natürlich, dass die neu eingefügten Zitate nebst den kürzlich eingeführten Dropcaps auf euer Wohlwollen stoßen, denn mir gefällt das doch ausnehmend gut. Jetzt aber erst einmal viel Spaß mit meiner neuesten Rezension und einen geruhsamen Mittwochabend euch allen!

Die da kommen

The Uninvited, UK 2012, 316 Seiten

Die da kommen von Liz Jensen | © dtv
© dtv

Autorin:
Liz Jensen

Verlag (D):
Deutscher Taschenbuch Verlag
ISBN:
978-3-423-24960-7

Genre:
Mystery | Thriller

 

Inhalt:

Der Anthropologe Hesketh Lock fungiert als Mitarbeiter eines global agierenden Unternehmens und dient der Aufklärung von internen Firmenskandalen und Sabotagefällen und hat sich einen Ruf als Spezialist auf diesem Gebiet gemacht. Während er sich auf dem Weg nach Taiwan befindet, um einen weiteren Sabotageakt zu enträtseln versucht, beginnen die Meldungen über Kinder, die sich mit Waffengewalt gegen ihre Eltern und nahen Verwandten stellen, doch der analytische Verstand Heskeths misst dem zunächst wenig Bedeutung bei, ebenso wie die Berichterstatter. Doch bald schon häufen sich die brutal-emotionslosen Übergriffe von Kindern ebenso wie die Anzahl an gemeldeten Industriesabotagefällen.

Der unter dem Asperger-Syndrom leidende Hesketh ist einer der ersten, der ein Muster und eine Verbindung zwischen den ungewöhnlichen Geschehnissen zu erkennen meint, doch während sein analytischer Verstand sich noch mit Vehemenz gegen die vermeintliche Wahrheit aufzulehnen versucht, zwingt ein Vorfall in den eigenen Reihen ihn letztlich, sich dem Unvermeidlichen zu stellen, während Wirtschaft wie auch die Zivilisation an sich zu kollabieren drohen.

Rezension:

Die da kommen ist ein von der ersten Seite an fesselndes Stück Literatur, doch erschließt sich dem Leser leider zunächst nicht so recht, auf was für eine Art Geschichte er sich da eingelassen haben mag, denn für einen Thriller bietet der Roman zu wenig Nervenkitzel, auch als Horror versagt er letztlich, da gerade der Aufhänger – die mordenden Kinder – in den meisten Fällen nur aus Nachrichten geschildert wird und man der Tat selbst folglich nicht beiwohnt. Dann könnte man den Roman von Liz Jensen auch als Krimi deklarieren, doch dafür fehlen hier ausgeklügelte Ermittlungsarbeit und ein wirklicher Aufhänger, da wie gesagt die Kinder dafür zunächst zu sehr im Hintergrund stehen und nur als Randerscheinung wahrgenommen werden, wenngleich ihre Bedeutung fraglos im Laufe der Erzählung wächst.

Drei Schüsse. Drei Stahlnägel von dreizehn Millimetern Länge. Die Halsschlagader hatte keine Chance.

Zum Ende hin, übrigens leider einer der größten Kritikpunkte von Die da kommen entwickelt sich die Geschichte gar zu einer Art Endzeit-Szenario, wenngleich sich hier das typische Flair vermissen lässt. Das Ende selbst gerät dann auch meines Erachtens nach zwar schlüssig, wirkt aber doch irgendwie zu wenig ausformuliert und dafür an den Haaren herbeigezogen. Das mag daran liegen, dass auf den letzten Seiten auch alles Knall auf Fall passiert und die Geschehnisse, die – so viel darf durchaus verraten werden – im Lager des Übernatürlichen wildern, noch mehr wie an den Haaren herbeigezogen wirken und nicht in allen Punkten stimmig sind.

Warum also könnte man dieses Buch trotzdem weiterempfehlen? Das liegt ganz klar an dem Hauptprotagonisten Hesketh Lock, der am Asperger-Syndrom leidet und in Die da kommen als Ich-Erzähler fungiert. Diese bewusste Entscheidung, die Geschehnisse aus der Sicht eines merkwürdig distanzierten, übernatürlich rational denkenden Menschen zu schildern, der gerne auch mal im Geiste beginnt, Origami-Figuren zu falten, ist der eigentliche Clou von Jensens Roman, denn Locks Abgeklärtheit, seine wissenschaftlichen Ansätze, seine fundierten Aussagen und seine weitreichenden Kenntnisse sind es, die die Figur glaubhaft und erlebbar machen, während man im Gegenzug kaum in der Lage ist, eine emotionale Bindung zu ihr aufzubauen, wenngleich sie durchaus zu berühren weiß, denn Hesketh ist nicht herzlos, steht nur dem menschlichen Verhalten in seiner geballten Irrationalität oftmals etwas ratlos gegenüber.

Ich habe die gewaltige Kraft des menschlichen Verstandes erlebt und studiert, der Ungeheuer erschaffen und ihnen Beistand leisten kann. Ich kann nur vermuten, dass wir das, was die Grundfesten unserer Realität erschüttert, selbst heraufbeschworen haben.

Zudem erfahren wir in Die da kommen auch einiges aus dem Privatleben des Hesketh Lock und so wandelt sich das Buch von einem Thriller über Industriesabotage über ein Familiendrama zu einer Horrorgeschichte, verquickt mythologische Aspekte mit physikalischen Grundsätzen, schildert Heskeths Ermittlungen und seine wachsende Ratlosigkeit ob der unerklärlichen Vorfälle und führt hin zu einem Abschluss, der sicherlich manchen in seinen Bann schlagen wird, mich aber wie gesagt nicht zu überzeugen musste. Die Versatzstücke, aus denen der Roman besteht, greifen nicht immer reibungslos ineinander, doch ob der ungewöhnlichen Konstellation und Verquickung scheinbar nicht zueinander gehöriger Themen und Genres könnte der Roman dennoch durchaus einen Blick wert sein.

Fazit & Wertung:

Die da kommen mäandert durch so manche Sparte und wirkt in seiner anfänglich ziellos scheinenden Schilderung der Erlebnisse ein wenig unausgereift, doch der einzigartige und glaubhaft charakterisierte Ich-Erzähler Hesketh Lock täuscht dabei über so manche inszenatorische Schwäche hinweg.

7 von 10 besessenen Kindern

Die da kommen

  • Besessene Kinder - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Die da kommen mäandert durch so manche Sparte und wirkt in seiner anfänglich ziellos scheinenden Schilderung der Erlebnisse ein wenig unausgereift, doch der einzigartige und glaubhaft charakterisierte Ich-Erzähler Hesketh Lock täuscht dabei über so manche inszenatorische Schwäche hinweg.

7.0/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite des Deutschen Taschenbuch Verlages.

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Die da kommen ist am 01.06.13 bei dtv premium erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den Link und unterstützt damit das Medienjournal!

  • Sabine K.

    „Die da kommen“ steht auch schon eine Weile auf meinem Wunschzettel und wenn ich so lese, was Du so beim Lesen empfunden hast, bestärkt es mich, dass es auch da bleibt, bis es zu mir findet :)

    Danke, für die klasse Rezension!

    Liebe Grüße
    Bine

    • Bitte, immer wieder gerne! Dafür mache ich das ja schließlich 😉 Du machst auch nicht wirklich etwas falsch, wenn du das Buch liest, denn schlecht ist es ja wirklich nicht. Mich würde dann aber interessieren, was du von dem Ende hältst! Fänd ich toll, wenn du dich da beizeiten äußern würdest, wenn es zu dir gefunden hat!

      • Sabine K.

        Gerne, ich schau mal, ob ich mir das irgendwo ertauschen kann und dann kann ich gern den Link zu meiner Rezi hier hin pinnen :)

        Grüße
        Bine

      • Wo rezensierst du denn, wenn ich fragen darf? Eventuell (falls es sich um ein Blog o. ä. handelt), könnte ich das auch in meine Blogroll aufnehmen.

      • Sabine K.

        Ts, da hats meinen Kommentar nicht angenommen, also nochmal :)
        Ich rezensiere u.A. auch auf meinem Blögchen, wobei der bei Blog.de ist, wos zurzeit echte Probleme gibt und ich grad mich umseh, wo ich hinziehe mit „Sack und Pack“, aber gucken kannst Du ja: http://www.nilibine70.blog.de

        Liebe Grüße und schönes Wochenend noch
        Bine

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