Review: Die Nacht | Guillermo del Toro | Chuck Hogan (Buch)

Eigentlich ist es ja viel zu warm zum Bloggen, doch habe ich im Moment einen guten Lauf und kann gerade noch ein halbes Stündchen erübrigen, bevor es zum Cocktails-Trinken wieder in die Sonne geht und deshalb gibt es auch an diesem strahlenden Tag eine neue Buch-Kritik für euch!

Die Nacht

The Night Enternal, USA 2011, 432 Seiten

Die Nacht von Guillermo del Toro und Chuck Hogan | © Heyne
© Heyne

Autoren:
Guillermo del Toro
Chuck Hogan

Verlag (D):
Heyne Verlag
ISBN:
978-3-453-52733-1

Genre:
Horror | Thriller | Mystery | Endzeit

 

Inhalt:

Nachdem der Meister sich der anderen Ältesten entledigt hat, herrscht er nun schon seit zwei Jahren über die Welt und hat alles mit Dunkelheit überzogen. Menschen gibt es noch, doch stehen sie unter strengster Bewachung durch die Strigoi und müssen stets damit rechnen, ihrem Leben entrissen zu werden, um als Blutlieferant zu dienen. Eine kleine Schar um Ephraim Goodweather, Vasiliy Fet und Nora Martinez hat es bisher geschafft, dem Einfluss des Meisters zu entgehen und kämpft noch immer verbissen gegen die Vampirseuche. Ihre letzte verbliebene Hoffnung ist es, mit Hilfe des Occido Lumen die Geburtsstätte des Meisters zu finden und zu zerstören, um so auch den mächtigen Vampirfürsten aufzuhalten.

Doch während Ephraim ob seines entführten Sohnes in alte Verhaltensmuster zurückfällt und sich mit Schmerzmitteln und Alkohol zu betäuben versucht, kommt Vasiliys Suche nach neuen Erkenntnissen nur schleppend voran und auch dem Meister ist daran gelegen, seine Geburtsstätte zu finden und so seine einzige Schwachstelle unter Bewachung stellen zu können. Und so wendet der Meister sich an Ephraim und lockt ihn mit der Herausgabe seines Sohnes Zack, obschon er diesen längst als seinen neuen Wirtskörper auserkoren hat. Zum Glück der Menschen schließt sich ihnen der Blutgeborene Quinlan im Kampf an, um endlich Rache an seinem Erschaffer zu nehmen. Der letzte Kampf der Menschheit steht bevor.

Rezension:

Wie vorgestern bereits erwähnt, habe ich vor etwas mehr als einem Jahr von Das Blut berichtet, dem zweiten Teil der Vampir-Trilogie von Guillermo del Toro (ja, der Regisseur!) und Chuck Hogan und hier folgt nun also mit Die Nacht der Abschlussband, auf dessen Erscheinen als Taschenbuch ich sehnlichst gewartet habe. Schrieb ich beim vorangegangenen Teil noch, dass die Bedrohung spürbar wächst, so ist sie hier konstant gleichbleibend hoch, denn die Welt wie wir sie kennen existiert nicht mehr und der Meister hat die Zivilisation beinahe vollständig ausgelöscht, um sie durch seine pervertierte Form der menschlichen Massenhaltung zu ersetzen, inklusive großangelegter Blutbanken.

Schwarzer Regen fiel vom Himmel, und immer wenn ein Tropfen auf den Boden traf, ertönte ein Geräusch, das wie »Dad!« klang.

Nachdem am Ende von Teil Zwei ja aber nicht nur Ephraims Sohn Zack entführt worden ist und wir jetzt miterleben dürfen, wie dessen Geist mehr und mehr von dem durchtriebenen Vampirmeister korrumpiert wird, segnete auch einer der interessantesten Charaktere der Erzählung – Abraham Setrakian – das Zeitliche. Zum Glück wird dessen Erinnerung am Leben erhalten und er findet oft Erwähnung in den Erzählungen der Protagonisten, was eine merklich Brücke schlägt zwischen den einzelnen Bänden und auch verdeutlicht, welch gewichtige Rolle er gespielt hat. Hier nun treten andere Figuren in den Vordergrund und neben den alteingesessenen Charakteren, allen voran Ephraim, Nora und Vasiliy, gilt das besondere Augenmerk der Autoren dem Blutgeborenen Quinlan, der sich nun offen gegen seinen Erschaffer stellt.

An die Stelle der Rückblenden Setrakians Leben betreffend treten hier nun auch Erzählungen biblischen Ausmaßes (wörtlich gemeint), was den Ursprung der Vampire, des Meisters und auch Quinlans anbelangt. Das muss man natürlich mögen, doch biblische Zusammenhänge wurden auch schon in den vorangegangenen Bänden angekündigt und so sollte das nun keinen der alteingesessenen Leser der Trilogie vergrätzen. Davon ab herrscht in Die Nacht der pure Überlebenswille und die Geschichte hält sich kaum noch damit auf, an Nebenschauplätze zu springen. So gibt es nun auch keine Blog-Einträge seitens Vasiliy mehr und Ephraim schreibt nur noch sehr sporadisch Tagebuch, doch hat er auch mit ganz anderen Problemen zu kämpfen, denn seine Sehnsucht nach seinem Sohn im Zusammenhang mit seiner wiedererstarkten Alkohol- und damit einhergehend Tablettensucht machen ihn zu einem potentiellen Risikofaktor für die Gruppe, wenn sich doch auch früh abzeichnet, dass er eine entscheidende Rolle wird spielen müssen.

Es hieß, dass über tausend Strigoi die Lexington Avenue hinunter kamen und alle Gebäude rund um den Gramercy Park stürmten. Weiche, manikürte Hände baten und bettelten. Aber ihr ganzes Geld war nutzlos. Ihre zuckenden Körper baumelten von den Straßenlaternen auf der Madison Avenue. Und auf dem Times Square verbrannte wohlgenährtes Fleisch auf über sechs Meter hohen Scheiterhaufen.

Ohne etwas darüber zu verraten, muss ich natürlich auch noch auf das Ende des dreibändigen Zyklus eingehen, welches mich voll und ganz zu überzeugen wusste und gerade in Anbetracht der Tatsache, dass es sich um einen Vampir-Endzeitroman handelt genau den richtigen Ton getroffen hat. Ein durch und durch befriedigender Schlussakt für eine – in meinem Fall – rund drei Jahre dauernde Reise, währen der mir die Figuren – so stereotyp sie auch manchmal erschienen sind – doch sehr ans Herz zu wachsen wussten. Fernab der gängigen Klischees ist es del Toro und Hogan somit gelungen, zu Zeiten der um sich greifenden Vampir-Schmonzetten einen düsteren, bedrückenden Endzeitroman über die globale Bedrohung einer erschreckenden Vampirseuche abzuliefern, der mit Die Nacht einen durchaus würdigen Abschluss findet, an dem es kaum etwas auszusetzen gibt.

Fazit & Wertung:

Die Nacht versteht von Beginn bis Ende zu fesseln und rundet gekonnt die dreiteilige Vampir-Saga eines Autoren-Duos ab, von dem ich in Zukunft gerne noch mehr lesen würde.

8,5 von 10 Vampirangriffen

Die Nacht

  • Vampirangriffe - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Die Nacht versteht von Beginn bis Ende zu fesseln und rundet gekonnt die dreiteilige Vampir-Saga eines Autoren-Duos ab, von dem ich in Zukunft gerne noch mehr lesen würde.

8.5/10
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Weitere Details zum Buch und den Autoren findet ihr auf der Seite des Heyne Verlag. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe als PDF.

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Die Nacht ist am 10.06.13 als Taschenbuch bei Heyne erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den Link und unterstützt damit das Medienjournal!

  • Kombination aus Vampiren und Endzeit? Das klingt tatsächlich mal nach einer netten Abwechslung zum Glitzer-Vampire-Erotik-Gedöns-Mist, der Stoker im Grabe rotieren lassen würde (oder auferstehen, wer weiß es schon…). Hast du den ersten Band auch gelesen? *erstmal wieder was auf die Wunschliste kritzeln geht*

    • Na klar habe ich den ersten Band auch gelesen, das war aber vor meiner Zeit als Blogger, also irgendwann 2010 würde ich schätzen. Zur Orientierung: der hätte auch mehr als solide zu nennende 8,5 Punkte kassiert, der Mittelteil ist also geringfügig schlechter in seiner Funktion als Bindeglied. Ansonsten erwarten dich mit der Trilogie mehr als 1.000 Seiten blutige, rohe, dreckige und düstere Unterhaltung, deren Endzeit-Feeling sich von Band zu Band mehr entfaltet, wenn die Vampire mehr und mehr die Gesellschaft zugrunde gehen lassen.

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