Review: Haywire (Film)

Und wieder einmal steht das Wochenende vor der Tür. Nein, heute gibt es zu diesem Anlass kein neues Gewinnspiel, aber zumindest eine neue Film-Kritik. Damit entlasse ich euch dann auch schon wieder, denn das Wetter hat sich erholt und deshalb geh ich mir das jetzt genauer angucken, von draußen quasi.

Haywire

Haywire, USA/IE 2011, 93 Min.

Haywire | © Concorde
© Concorde

Regisseur:
Steven Soderbergh
Autor:
Lem Dobbs

Main-Cast:

Gina Carano (Mallory Kane)
Michael Fassbender (Paul)
Ewan McGregor (Kenneth)
Bill Paxton (John Kane)
Channing Tatum (Aaron)
Antonio Banderas (Rodrigo)
Michael Douglas (Coblenz)
in weiteren Rollen:

Michael Angarano (Scott)
Mathieu Kassovitz (Studer)

Genre:
Action | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Mallory Kane arbeitet für ihren Ex-Freund Kenneth in dessen Unternehmen, das Aufträge von der Regierung entgegennimmt, um sich um prekäre Aufgaben in aller Welt zu kümmern. Die Ex-Marine-Soldatin kümmert sich um all die Aufträge, die der Regierung zu heikel sind und die in aller Stille erledigt werden müssen. Gerade erst ist sie aus Barcelona in die Staaten zurückgekehrt, als Kenneth ihr seine Aufwartung macht, um sie zu überreden, vor ihrem wohlverdienten Urlaub einen letzten Job in Dublin anzunehmen. Dort soll sie auf den britischen Agenten Paul treffen und sich als dessen Frau ausgeben, um an die Kontaktperson Studer zu gelangen.

Szenenbild aus Haywire | © Concorde
© Concorde

Als Mallory merkt, dass ein falsches Spiel mit ihr gespielt wird und man sie hintergangen hat ist es beinahe zu spät und so gestaltet sich die Rückreise von Dublin schwieriger als erwartet, da nicht nur eine ganze Reihe ausgebildeter Killer, sondern auch Polizei und Konsorten ihr auf den Fersen sind. Doch Mallory setzt alles daran, in die USA zurückzukehren, um herauszufinden, wer sie verraten hat und aus welchem Grund, denn dieses Wissen ist ihre einzige Chance zu überleben.

Rezension:

Regisseur Steven Soderbergh hat mich in der Vergangenheit schon des Öfteren vortrefflich zu unterhalten gewusst und mäandert dabei bekanntermaßen wild durch sämtliche Film-Genres, was sich allein schon an Contagion aus demselben Jahr und dessen nicht vorhandenen Parallelen zu Haywire belegen lässt. Mit letzterem versucht sich Soderbergh nun in der Action-Sparte und fügt den altbekannten Versatzstücken in gewohnter Manier seinen ihm eigenen Stilwillen hinzu und präsentiert einen bis ins letzte Detail durchkomponierten Agenten-Thriller mit all den Intrigen die man aus diesem Sujet gewohnt ist. Größter Gewinn hierbei ist die zunächst skeptisch machende Besetzung der im Film-Business unbekannten Martial-Arts-Kämpferin Gina Carano, die ihrer Rolle als Mallory Cane den nötigen Wumms verleiht.

Szenenbild aus Haywire | © Concorde
© Concorde

Damit das Ganze aber nicht wirkt wie ein billig produzierte B-Movie, stellt Soderberh ihr eine ganze Schar illustrer Gestalten an die Seite von Ewan McGregor, Michael Fassbender und Channing Tatum bis hin zu Bill Paxton, Antonio Banderas und Michael Douglas. Da verwundert es kaum, dass jede der Figuren ein enormes Gewicht bekommt und in dem Ensemble eine tragende Rolle zu spielen weiß, denn selten sind so viele große Namen versammelt. Eigentlicher Hauptstar in Haywire ist aber tatsächlich die handgemachte Action und der waffenlose Kampf gewinnt natürlich durch die einschlägige Erfahrung von Carano enorm an Realismus und Überzeugung. Insbesondere der Zweikampf zwischen Fassbender und Carano ist dabei eines der Highlights des Films und könnte als Paradebeispiel für auf den Punkt gebrachte und knallharte Action angeführt werden, vielmehr noch als Szenen aus Filmen wie The Raid oder auch Taken 2 die ja explizit mit ihren ach so einzigartigen Kampfchoreographien beworben worden sind, im direkten Vergleich aber deutlich das Nachsehen haben.

Doch auch ansonsten ist Haywire sehr schnörkellos und auf den Punkt inszeniert und verzichtet gänzlich auf schmückendes Beiwerk, sondern konzentriert sich ganz auf den Überlebenskampf seiner Hauptprotagonistin. Das ist insofern erstaunlich, als dass zwei Drittel des Films als Rückblende erzählt werden und dieser dennoch zu keinem Zeitpunkt an Spannung verliert. Allerdings muss man auch sagen, dass die Handlung des Films als solche nicht gerade durch Innovation zu punkten versteht, sondern im Grunde eine Nullachtfünfzehn-Geschichte erzählt, die abgesehen von der obligatorischen Frage, wer alles wen verraten hat und warum gänzlich überraschungsarm daherkommt. Zudem ist das Ende ein wenig überhastet inszeniert und gerade der Schlussakkord ist zwar ebenfalls mit einem einfachen Wort auf den Punkt gebracht, doch hätte man sich hier ein paar wenige zusätzliche Minuten und einen ausdrucksstärkeren Ausklang der Story gewünscht.

Szenenbild aus Haywire | © Concorde
© Concorde

Dieser mangelnden dramaturgischen Finesse setzt Soderbergh wie gesagt seine Inszenierung entgegen und dadurch gelingt es ihm durchaus, die größten Schwächen des Drehbuchs zu kaschieren, weil die Optik des Films tadellos geraten ist, ebenso wie die bahnbrechend authentische Action. Die Männer an Caranos Seite derweil begeistern allesamt in ihren jeweiligen Rollen und runden so das Bild eines durch und durch ungewöhnlichen und ungewöhnlich guten Action-Films ab, wie ihn in der Form eben nur Soderbergh hätte drehen können und glücklicherweise auch gedreht hat. Da verzeiht man gerne, dass er, beziehungsweise Drehbuchschreiber Lem Dobbs sich doch geschichtlich doch sehr im B-Movie-Bereich orientiert hat, doch auch derartiges Vorgehen hat ja mitunter seinen ganz eigenen Reiz.

Fazit & Wertung:

Haywire würde, ließe man die vielen bekannten und wohlklingenden Namen unter den Tisch fallen, wie reinrassige B-Ware wirken, doch Soderberghs Inszenierung trotzt dem halbgaren Drehbuch spielend und bietet rund neunzig Minuten perfekt inszenierte Kurzweil mit glänzend aufgelegten Darstellern und den mitunter besten Action-Einlagen der letzten Jahre.

7,5 von 10 Martial-Arts-Kampfeinlagen

Haywire

  • Martial-Arts-Kampfeinlagen - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Haywire würde, ließe man die vielen bekannten und wohlklingenden Namen unter den Tisch fallen, wie reinrassige B-Ware wirken, doch Soderberghs Inszenierung trotzt dem halbgaren Drehbuch spielend und bietet rund neunzig Minuten perfekt inszenierte Kurzweil mit glänzend aufgelegten Darstellern und den mitunter besten Action-Einlagen der letzten Jahre.

7.5/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Filmherum: 3,5/5 Punkte

Haywire ist am 09.08.12 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Concorde erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

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  • Carano ist eine furchtbare Schauspielerin. Der Film verschenkte vor allem mit ihr viel seines Potentials. Ich war äußerst enttäuscht, fand ihn aber nicht sooo übel. Eine 7,5 allerdings kann ich nicht unterstützen. Und wenn es um Action und Choreographie geht, finde ich schon, dass „The Raid“ die Nase vorne hat.

    • Ach, für das was Carano hat schauspielern müssen, hat es meines Erachtens gelangt. Und du hast doch selbst 3,5/5, also umgerechnet 7/10 Punkte vergeben! Ja und „The Raid“ werde ich mir irgendwann noch mal ansehen müssen, vielleicht kam der wirklich nur so „schlecht“ weg bei mir, weil die Erwartungshaltung so hoch war nach den vielen Lobeshymnen. Zunächst einmal bleibe ich aber einfach mal bei meiner Aussage 😉

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