Review: Lawless – Die Gesetzlosen (Film)

Okay, es wird mal wieder Zeit für eine Film-Kritik. Bevor ich mich also nun in den wohlverdienten Feierabend verabschiede wünsche ich einstweilen wie gewohnt viel Freude bei der Lektüre.

Lawless
Die Gesetzlosen

Lawless, USA 2012, 116 Min.

Lawless | © Koch Media
© Koch Media

Regisseur:
John Hillcoat
Autoren:
Nick Cave (Drehbuch)
Matt Bondurant (Buch-Vorlage)

Main-Cast:

Shia LaBeouf (Jack Bondurant)
Tom Hardy (Forrest Bondurant)
Jason Clarke (Howard Bondurant)
Guy Pearce (Charlie Rakes)
Mia Wasikowska (Bertha Minnix)
Jessica Chastain (Maggie Beauford)
Gary Oldman (Floyd Banner)

Genre:
Krimi | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Franklin County, Virginia: Anfang der dreißiger Jahre des vergangenen Jahrhunderts befindet sich die durch den Volstead Act 1919 eingeführte Prohibition auf ihrem Höhepunkt und zahllose Schwarzbrenner haben sich in den Hügeln niedergelassen. Auch die drei Hillbilly-Brüder Forrest, Jack und Howard Bondurant verdingen sich als Alkoholbrenner und Schmuggler, während sie offiziell ein Roadhouse mit angeschlossener Tankstelle betreiben. Doch das Treiben der Bondurants ist durchaus kein Geheimnis und auch die hiesige Polizei lässt sich bereitwillig schmieren, während die Brüder ausgesprochen beliebt sind bei Land und Leuten und gar die Legende umgeht, dass sie unsterblich seien.

Szenenbild aus Lawless | © Koch Media
© Koch Media

Dieses sorgenfreie Leben findet allerdings ein jähes Ende, als der Bundesagent Charley Rakes auf der Bildfläche erscheint und mit allen Mitteln die Schwarzbrennerei zu unterbinden versucht und insbesondere den Bondurants das Handwerk legen will. Die sturen Brüder verschwenden allerdings keinen Gedanken daran, vor dem schmierigen Agenten in die Knie zu gehen, doch als Forrest schwer verletzt wird, ergreift Jack die Initiative und nutzt die Chance, Kontakt zu dem weithin bekannten Gangster Floyd Banner aufzunehmen und den Familienbetrieb zu erweitern. Auch versucht er der jungen Bertha zu imponieren, während die im Roadhouse arbeitende Maggie mit Forrest anzubändeln versucht. Charley Rakes unterdessen merzt systematisch alle Brennereien aus und steht letztendlich wieder vor der Tür der Bondurants.

Rezension:

Bei Lawless handelt es sich um die Verfilmung des Romans The Wettest County in the World, der wiederum – geschrieben von Matt Bondurant – auf den Aufzeichnungen und Erlebnissen von dessen Großvater basiert. Insofern kommt der Film angenehm bodenständig daher und widmet sich ganz dem familiären Untereinander der Bondurants, statt sich in wilden Schießereien und Verfolgungsjagden zu ergehen. Zeigte zuletzt die HBO-Serie Boardwalk Empire, wie spannend die Zeit der Prohibition inszeniert werden kann, so bleiben die dortigen Austragungsorte der kriminellen Revierkämpfe hier nur eine Randnotiz und Regisseur John Hillcoat (The Road) widmet sich stattdessen ganz dem Leben und Treiben in Franklin County.

Szenenbild aus Lawless | © Koch Media
© Koch Media

Hat man sich also von dem Gedanken verabschiedet, einen actionreichen Gangsterfilm präsentiert zu bekommen, kann man sich stattdessen auf ein wirklich hervorragendes Familien-Drama freuen, gepaart mit einer klassischen Coming-of-Age-Geschichte für Shia LaBeouf, den ich diesmal noch nicht einmal nervig fand, weil auch seine Figur zum Glück keine unfassbaren Entwicklungen erfährt, die nicht in dem Fortgang der Geschichte begründet wären. Auch Tom Hardy gefällt als Stehaufmännchen Forrest, wenn böse Zungen in seinem offensiv zu Schau getragenen Stoizismus auch schon wieder mangelndes Schauspieltalent zu erkennen meinen. Zugeben muss man dennoch, dass die beiden weiblichen Figuren von Mia Wasikowska und Jessica Chastain in dieser Männergesellschaft die Szenen, in denen sie auftauchen, klar dominieren. Guy Pearce wiederum begeistert als brutaler und zwanghafter Antagonist, was zwar dahingehend fragwürdig und seltsam ist, als dass er in Lawless das Gesetz verkörpert, doch ist die Geschichte auch aus Sicht der Bondurants geschildert und über moralische Fragwürdigkeit sollte man sich bei der Art von Film sowieso keine Gedanken machen, denn das Geschehen ist so eindeutig subjektiv gefärbt, dass sich derlei Ansätze von vornherein erübrigen dürften/sollten. Gary Oldman hingegen dient nur als namhaftes Zugpferd auf dem Cover und taucht nur wenige Minuten auf, so dass man es tunlichst vermeiden sollte, allein seines Mitwirkens wegen den Film erstehen zu wollen, wenngleich die Szenen mit ihm – wie könnte es auch anders sein – rundherum zu gefallen wissen und sein Floyd Banner einen großartigen, gewieften Gangster abgibt.

Davon ab überrascht Lawless immer wieder mit einigen heftigen Gewaltspitzen, die sich vollkommen konträr zu der ansonsten so konventionell erzählten Geschichte verhalten, dass sie dadurch umso mehr schockieren und Regisseur Hillcoat geizt hier durchaus nicht mit Kunstblut und fiesen Effekten. Dennoch fügen sich diese Szenen in den Film wunderbar ein und verleihen ihm die rechte Würze, wenn man denn keine grundsätzliche Abscheu gegenüber ekligen Szenen hat. Weiterhin haben mir auch das Szenenbild und die Kostüme ausnehmend gut gefallen, so dass man sich regelrecht in das damalige Franklin County zurückversetzt fühlt. Über die Musik lasse ich ja sonst selten überhaupt etwas verlauten, aber da hier der großartige Nick Cave nicht nur als Drehbuchautor hilfreich zur Seite stand, sondern eben auch für die Auswahl der musikalischen Stücke verantwortlich zeichnete, ist es gerade diese Komponente, die den Film mit Songs von The Bootleggers und Willie Nelson kongenial abrundet.

Szenenbild aus Lawless | © Koch Media
© Koch Media

Natürlich muss man aber auch bei diesem Film Abstriche in Kauf nehmen und wer sich eine historisch korrekte Herangehensweise gewünscht hätte wird sicherlich enttäuscht werden, ebenso wie diejenigen, die auf tiefergehende Einblicke in die damaligen politischen Zusammenhänge gehofft haben, denn dafür ist Lawless viel zu sehr Genre-Film und fühlt sich vielmehr einer stimmigen Atmosphäre und Inszenierung verpflichtet. So offeriert Hillcoat lieber eine handwerklich solide produzierte Gangsterballade, die durchaus überwiegend klassische und altbekannte Themen und Komponenten aufgreift, diese wiederum allerdings dermaßen stimmig in seine knapp zweistündige Geschichte einbettet, dass ich dem Film seine geringfügigen Schwächen und den zuweilen fragwürdigen Wahrheitsgehalt kaum ankreiden möchte. Durchaus ein (Geheim-)Tipp und für all jene interessant, die sich im Vorfeld informiert haben, welche Art von Film sie erwarten wird, denn dann weiß dieses Werk rundherum zu gefallen – nicht unverdient für die Goldene Palme in Cannes nominiert.

Fazit & Wertung:

Lawless ist einer der Fälle, wo man sich allein der beteiligten Schauspieler wegen Großes erwartet und nicht enttäuscht wird, denn Regisseur Hillcoat weiß sein Prohibitions-Drama gekonnt zu inszenieren und bringt damit die Darsteller-Riege ebenfalls zum Glänzen – sogar Shia LaBeouf, der hier in einem gänzlich anderen Licht erscheint als bei seinen Michael Bay-Eskapaden.

8,5 von 10 Schwarzbrennereien

Lawless - Die Gesetzlosen

  • Schwarzbrennereien - 8.5/10
    8.5/10

Fazit & Wertung:

Lawless ist einer der Fälle, wo man sich allein der beteiligten Schauspieler wegen Großes erwartet und nicht enttäuscht wird, denn Regisseur Hillcoat weiß sein Prohibitions-Drama gekonnt zu inszenieren und bringt damit die Darsteller-Riege ebenfalls zum Glänzen – sogar Shia LaBeouf, der hier in einem gänzlich anderen Licht erscheint als bei seinen Michael Bay-Eskapaden.

8.5/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
Cellurizon: 6,5/10 Punkte

Lawless ist am 22.03.13 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Koch Media erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Kevin / CityOfCinema

    Saustark! Finde den auch schwer unterschätzt. Prohibitions-Drama allererster Güte

    • Dankeschön, ich dachte schon, ich stände mit meiner Meinung allein da! Sicherlich, auch ich muss sagen, dass Tom Hardy aka Forrest schon arg viel überlebt und beeindruckende Heilkräfte hat, auch, dass ich von Gary Oldman gerne mehr gesehen hätte, aber ansonsten ist das ja ein astreiner, sehr sehenswerter Film mit – meiner Meinung nach – bombastisch guter Besetzung!

      Aber das brauche ich dir ja nicht noch einmal vorbeten, wir sind ja schließlich schon einer Meinung 😉

      • Kevin / CityOfCinema

        Störte nicht so, da die Figuren einfach klasse waren :) Shia LaBeouf finde ich gegen den Strom ja auch ziemlich begnadet und für seine Rollenwahlen wie z.B. Transformer verurteil ich ihn mal nicht. Oldman hat den Film mit seinem kleinem Einstieg schön versüßt, war aber auch kein Weltuntergang als er wieder weg war. Der restliche Cast war ja wie gesagt kein Amateursverein.
        Klar, aber man kann ja nochmal gemeinsam schwärmen 😀

      • Stimmt auch wieder :-) Also begnadet finde ich LaBeouf nicht gerade, aber dafür kenn ich auch zu wenig mit ihm, trotzdem macht er seine Sache mehr als gut! Oldman mag ich einfach sehr gerne, von daher wäre ich für jede Leinwandminute mehr dankbar gewesen, zumal seine Rolle das ja durchaus hergegeben hätte, aber geschadet hat es dem Film freilich nicht.

  • Henrikh Mücke

    Super Film, super Schauspieler, einfach alles super. Hab vorkurzem ein Review über den Film auf [Link entfernt] gesehen.

    Edit: Unter der Adresse gibt es keine Review zu dem Film, wenn schon Werbung dann doch bitte mit Sinn und Verstand lieber Henrikh.

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