Review: The Vampire Diaries | Staffel 1 (Serie)

Den ganz Findigen unter euch ist vielleicht vor geraumer Zeit mein Bild auf Instagram aufgefallen, auf dem die Blu-ray der zweiten Staffel The Vampire Diaries zu erkennen war. Gekonntes Kombinieren führt natürlich schnell zu der Schlussfolgerung, dass ich mir kürzlich auch die erste Staffel ebenjener Serie angesehen habe und diese Folgerung ist ganz richtig, denn nachdem meine Freundin und ich uns lange Zeit und überschwänglich von zwei ausgewiesenen Fans der Serie haben beschwatzen lassen, sind wir schlussendlich über unsere Schatten gesprungen und haben ihr eine Chance gegeben.

Aber apropos Instagram. Sollte sich einer von euch dort umtun oder (abgesehen von der eigenen Person) Empfehlungen haben, wem man dort unbedingt folgen sollte, dann freue ich mich über Nachricht, denn bisher bin ich mehr oder weniger durch Zufall erst auf einige mir bekannte Blogger oder andere interessante Personen gestolpert. Wer wiederum mir dort folgen möchte, darf das natürlich auch liebend gern tun, auch wenn der Fokus dort eher nicht auf Film und Literatur liegt.

Jetzt aber wieder zum eigentlichen Thema des Abends und meiner Rezension zur ersten Staffel The Vampire Diaries.

The Vampire Diaries
Staffel 1

The Vampire Diaries, USA 2009- , ca. 42 Min. je Folge

The Vampire Diaries | © Warner Bros.
© Warner Bros.

Serienschöpfer:
Kevin Williamson
Julie Plec
Showrunner:
Julie Plec

Main-Cast:
Nina Dobrev (Elena Gilbert)
Paul Wesley (Stefan Salvatore)
Ian Somerhalder (Damon Salvatore)
in weiteren Rollen:
Steven R. McQueen (Jeremy Gilbert)
Sara Canning (Jenna Sommers)
Katerina Graham (Bonnie Bennett)
Candice Accola (Caroline Forbes)
Zach Roerig (Matt Donovan)
Kayla Ewell (Vicki Donovan)
Michael Trevino (Tyler Lockwood)
Matthew Davis (Alaric Saltzman)
David Anders (John Gilbert)

Genre:
Drama | Fantasy | Horror | Romantik

Trailer:

 

Inhalt:

Vor wenigen Monaten erst haben die Geschwister Elena und Jeremy Gilbert ihre Eltern bei einem Autounfall verloren. Insbesondere die vormals so lebenslustige und extrovertierte Elena hat sich merklich zurückgezogen. Jeremy indes versucht seine Trauer mit Drogen und Alkohol in den Griff zu bekommen und rutscht immer weiter ab. Mit Beginn des neuen Schuljahrs ändert sich Elenas Leben merklich, als sie den neu hinzugezogenen Stefan Salvatore kennenlernt, bei dem es sich – was Elena freilich nicht einmal ahnt – um einen Vampir handelt, der Mitglied einer der Gründerfamilien der Stadt ist. Ohne es sich erklären zu können, ist Elena sofort fasziniert von dem wortkargen Grübler, doch der wiederum hat seinen Bruder Damon im Schlepptau, der ganz anders als sein Bruder wenig davon hält, mit seinem Vampirsein hinter dem Berg zu halten und so verschwinden immer wieder Menschen, die mit zerrissener Kehle im Wald gefunden werden.

Szenenbild aus The Vampire Diaries | © Warner Bros.
© Warner Bros.

Die Fehde zwischen den ungleichen Brüdern spitzt sich weiter zu, während Stefan Elena näherkommt, die frappierende Ähnlichkeit mit Katherine hat, einer Vampirin, die damals die Salvatore-Brüder in die Schatten geholt hat und seit mehr als hundert Jahren in einer magisch versiegelten Gruft nahe Mystic Falls eingesperrt ist. Getrieben von dem Verlangen, seinen Bruder zu peinigen und Katherine zu befreien nehmen Damons Eskapaden mehr und mehr zu, was wiederum die übrigen Mitglieder der Gründerfamilien auf den Plan ruft, die von der uralten Bedrohung durch die Vampire wissen und die Morde wohlweislich als Tierangriffe zu tarnen versuchen, während sie planen, gegen die unbekannte Bedrohung vorzugehen. Doch damit sind nicht annähernd alle Figuren gesetzt und die Fronten längst nicht geklärt, während aus Elena und Stefan ein Paar wird und er beschließt, ihr sein Geheimnis zu offenbaren.

Rezension:

Im denkbar ungünstigsten Moment, zu Hochzeiten des Twilight-Hypes erblickte auch The Vampire Diaries das Licht der Welt und die Parallelen scheinen auf den ersten Blick mehr als eindeutig, womit all jene, die besagtem Hype nichts abgewinnen konnten – zu denen auch ich mich zähle – von vornherein verschreckt worden sind und spätestens als ich im Free-TV einen kurzen Blick auf einen der Vampir-Brüder erhaschen durfte, wie er da so mir nichts, dir nichts, durch das Sonnenlicht marschierte, war es bei mir vorbei und die Serie wurde über Jahre als unnötig und ärgerlich in der hinterletzten Gehirnschublade eingemottet. Tatsächlich aber, so viel kann ich nach Sichtung der ersten Staffel festhalten, sind die Übereinstimmungen und Ähnlichkeiten beileibe nicht so groß und frappierend, wie man es befürchten könnte und gerade die leise Ironie, die – möglicherweise den Drehbuchfähigkeiten von Kevin Williamson geschuldet – immer wieder anklingt und insbesondere Twilight durch den Kakao zieht, ist es, die mir bei der Serie tatsächlich eine Menge Freude bereitet hat.

Szenenbild aus The Vampire Diaries | © Warner Bros.
© Warner Bros.

Natürlich ist The Vampire Diaries eine Teenie-Serie und natürlich sind die vermeintlichen Schüler im Großen und Ganzen viel zu alt für ihre Rollen, natürlich sehen sie alle blendend aus und zweifelsohne sind die beiden Brüder ebenfalls genauso unterschiedlich, wie man es eben von zwei ungleichen Brüdern erwarten würde, aber immer wieder merkt man doch, dass den Machern bewusst zu sein scheint, in welchen von Klischees gefluteten Fahrwassern sie waten und sie tun es mit einer Leichtigkeit und einem Augenzwinkern ab, so dass ich als Zuschauer nicht nur versucht bin, es ihnen gleichzutun, sondern oftmals für den puren Unterhaltungswert gar beide Augen zudrücke.

Vor allem aber merkt man, dass die Serie im Laufe der Staffel an Charakter gewinnt und an der Sache wächst, denn was sich anfänglich noch als dröge Vampir-Schmonzette gibt, erweitert sich bald um die Chronik der Gründerväter der Stadt und einen Vampir-Mythos mit seinen eigenen Ecken und Kanten (wo die Vampire übrigens nicht im Sonnenschein dahinwandern können und auch nicht glitzern, sondern ganz klassisch brennen würden). Die Serie strotzt vor Überraschungen und unerwarteten Wendungen, neu auftauchenden und wieder verschwindenden Figuren und auch wenn es alsbald so wirkt, als wenn es in dem verschlafenen Örtchen Mystic Falls mehr Vampire als alles andere gäbe macht die gesamte Chose doch auch irgendwie einfach Spaß, zumindest wenn man sich durch die zugegebenermaßen kaum überzeugenden ersten Folgen gequält hat.

Szenenbild aus The Vampire Diaries | © Warner Bros.
© Warner Bros.

Interessant wird The Vampire Diaries nämlich erst dann so richtig, als sich einige Widersacher herauskristallisieren, der Figurenkosmos sukzessive erweitert und die Vorgeschichte der Brüder Stephan und Damon nach und nach enthüllt wird. Plötzlich gibt es auch richtig Action und – für mich erstaunlich für eine Network-Serie – mehrere Tote aus den Reihen der Nebenfiguren. Plötzlich sind es nicht mehr nur noch schmachtende Blicke, sondern auch mal teils garstige Überlebenskämpfe, die zwar nicht annähernd so blutig inszeniert sind wie beispielsweise in True Blood, doch hinlänglich packend daherkommen.

Von den Darstellern braucht man sich keine herausragenden Leistungen zu erwarten, ebenso wenig wie von den Dialogen, doch trösten markige One-Liner und allem zum Trotz stimmig und ambivalent gezeichnete Charaktere darüber hinweg und versprechen solide Unterhaltung und folglich eine Serie, die man sich durchaus ansehen kann, zweifelsohne aber auch nicht muss. Alles in allem hätte ich jedenfalls nicht gedacht, dass mich The Vampire Diaries derart gefangen nehmen könnte, dass wir uns teils mehrere Folgen am Stück anzusehen bereit waren und in diesem Sinne wurde ich extrem positiv überrascht, zumal ich wie gesagt an mancher Nebenfigur wie zum Beispiel David Anders (Heroes) als John Gilbert oder auch Mia Kirshner (The L-Word) als Isobel Flemming meine helle Freude hatte.

Fazit & Wertung:

The Vampire Diaries ist zum Glück weniger kitschig als befürchtet, dafür actionreicher als erwartet. Vor allem wartet die Serie aber mit einer wohldosierten Prise Humor und Biss auf und ist daher durchaus einen Blick wert, wenn man dem Teenie- und/oder Vampir-Setting nicht grundsätzlich abgeneigt ist.

7,5 von 10 in der Gruft eingesperrten Vampiren

The Vampire Diaries | Staffel 1

  • In der Gruft eingesperrte Vampire - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

The Vampire Diaries ist zum Glück weniger kitschig als befürchtet, dafür actionreicher als erwartet. Vor allem wartet die Serie aber mit einer wohldosierten Prise Humor und Biss auf und ist daher durchaus einen Blick wert, wenn man dem Teenie- und/oder Vampir-Setting nicht grundsätzlich abgeneigt ist.

7.5/10
Leser-Wertung 0/10 (0 Stimmen)
Sende

Episodenübersicht: Staffel 1

01. Liebes Tagebuch (6/10)
02. Die Nacht der Kometen (6,5/10)
03. Monster (6,5/10)
04. Das Gründerfest (6,5/10)
05. Im Kerker (7/10)
06. Verlorene Mädchen (7/10)
07. Heimgesucht (6,5/10)
08. 162 Kerzen (7/10)
09. Geister (7/10)
10. Der Wendepunkt (7/10)
11. Lebenslinien (8/10)
12. Zu schön, um böse zu sein (7,5/10)
13. Kinder der Verdammnis (8/10)
14. Die Gruft (7,5/10)
15. Isobel (8/10)
16. Haus der Vampire (8/10)
17. Das Unwetter (8/10)
18. Unter Kontrolle (7,5/10)
19. Miss Mystic Falls (8/10)
20. Blutsbrüder (8,5/10)
21. Die Waffe (8,5/10)
22. Feuerwerk (9/10)

 
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DVD:

Blu-ray:

  • Ralf A. Linder

    Ich bin ja auch bekennender „Vampire Diaries“-Fan, was ich nach der ersten Handvoll Episoden so auch nicht gedächt hätte. Aber das Tempo, das die Autoren über mehrere Staffeln hinweg halten und mit immer neuen aberwitzigen Wendungen und konsequenten Cast-Erneuerungen sogar noch immer stärker anziehen, macht die Serie IMHO in der Tat ziemlich einzigartig in der heutigen Serienlandschaft.

    Davon abgesehen wundere ich mich übrigens schon seit seligen „Buffy“-Zeiten darüber, daß in den prüden USA keine der zahllosen und sonst doch sehr umtriebigen selbsternannten Sittenwächter über die ewige Konstellation „jahrhundertealter Vampir begehrt attraktiven Teenie“ stolpern … 😉

  • Henrikh Mücke

    Die Serie ist ja wirklich nur was für Frauen, hatte vor kurzem mal einen Bericht über die Serie auf [Link entfernt] gesehen und hab mir dann eine Folge angeschaut. Ergebnis, NICHTS FÜR MICH

    Edit: Unter der Adresse gibt es keine Review zu der Serie, wenn schon Werbung dann doch bitte mit Sinn und Verstand lieber Henrikh.

  • Ich habe mir ja auch schon einmal überlegt reinzuschauen, da ich ja „Buffy: The Vampire Slayer“ und auch „True Blood“ ziemlich mag. Allerdings stört mich das Teenie-Setting etwas. Deine Kritik lässt mich nun wieder zweifeln…

  • Ich hätte ja nie gedacht, welche Resonanz dieser Artikel hervorrufen würde, wenn ich bedenke, welchen Artikel-Durchsatz ich habe und bei wie vielen Beiträgen überhaupt kommentiert wird, obwohl sie vergleichsweise häufig gelesen werden (aktuellstes Beispiel die Buch-Kritik zu „Das fremde Meer“ – bald 80 mal gelesen und nicht eine Reaktion).

    Also als allgemeine Antwort auf die Kommentare teils gegensätzlicher Meinung: Die ersten Folgen zogen sich und waren wirklich Mittelmaß, man erwartete sich eine Vampir-Mensch-Lovestory wie man sie schon tausendmal erlebt hat, die Dialoge waren mehr so geht so und man konnte es gucken, von Begeisterung war aber wenig zu spüren. Zu dem Zeitpunkt ging es mir also wie Ralf, dass ich nie gedacht hätte, dass das noch was werden könnte mit uns beiden, doch dann plötzlich zog die Action an, wurden die Dialoge spritziger und vor allem bissiger, es tauchten neue Figuren auf und plötzlich kristallisierte sich heraus, dass gar nicht unbedingt die ach so tragische wie romantische Lovestory Elena/Stefan im Vordergrund steht – wobei man in der ersten Staffel gar darauf verzichtet hat, aus der Chose eine Ménage-à-trois zu machen.

    Da hatte mich die Serie plötzlich (man sieht es oben, ab Folge 8 gab es keine Wertung mehr unter 7 Punkte) und zog mich mehr und mehr in ihren Bann. Es wird nicht meine Lieblingsserie und auch an – eigentlich ein schlechter Vergleich – „Buffy“ wird sie sicherlich nie heranreichen, aber genau die aberwitzigen Wendungen und das Tempo wissen zu gefallen. „True Blood“ steht da auch erhaben drüber, trotzdem bin ich froh – trotz Teenie-Setting – dem Ganzen eine Chance gegeben zu haben und wie eingangs erwähnt wartet die zweite Staffel auch bereits darauf, gesichtet zu werden.

    Dass die Serie nur für Frauen sei kann ich somit als Mann auch nicht bestätigen und muss in dem Zusammenhang anführen, dass man das damals von „Gilmore Girls“ auch behauptet hat. Auch da habe ich nach einer Folge abgewunken und der Allgemeinheit Recht gegeben. Bestimmt ein halbes Jahr später sah ich mehrere Folgen am Stück, denn jede Folge, dann kaufte ich die DVDs und noch heute zählt sie zu meinen allerliebsten – weil besten – Serien. Kategorisierungen à la „nur für Frauen“/“nur für Männer“ sind meines Erachtens sowas von überholt und entspringen oft genug nur haltlosen Vorurteilen. Jede Serie, jeder Film, ist Geschmackssache und dieser Geschmack lässt sich meiner Erfahrung nach sicher nicht einfach aus dem Geschlecht des Rezipienten erschließen.

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