Review: Argo – Extended Cut (Film)

Während sich alle noch darüber aufregen, dass Ben Affleck den neuen Batman verkörpern soll, habe ich klammheimlich einen meiner Must-See-Filme des vergangenen Jahres nachgeholt und werde euch heute erst einmal von Argo berichten, bevor ich mich zunächst ins Wochenende verabschiede und euch besseres Wetter wünsche, als wir es hier gerade haben.

Argo
Extended Cut

Argo, USA 2012, 130 Min.

Argo | © Warner Bros.
© Warner Bros.

Regisseur:
Ben Affleck
Autor:
Chris Terrio

Main-Cast:
Ben Affleck (Tony Mendez)
Bryan Cranston (Jack O’Donnell)
Alan Arkin (Lester Siegel)
John Goodman (John Chambers)
in weiteren Rollen:
Victor Garber (Ken Taylor)
Tate Donovan (Bob Anders)
Clea DuVall (Cora Lijek)
Scoot McNairy (Joe Stafford)
Rory Cochrane (Lee Schatz)
Christopher Denham (Mark Lijek)
Kerry Bishé (Kathy Stafford)

Genre:
Thriller | Drama | Historie

Trailer:

 

Inhalt:

Wir schreiben das Jahr 1979 und die iranische Revolution ist in vollem Gange. Ajatollah Ruhollah Chomeini setzt alles daran, den Hass gegen die Amerikaner zu schüren und so kommt es ihm mehr als gelegen, als der regierende Schah Mohammad Reza Pahlavi, den der Ajatollah zu stürzen gedenkt, sich nach New York begibt, um dort sein Krebsleiden zu behandeln. Studentische Revolten greifen indes im Iran um sich und am 4. November wird die amerikanische Botschaft von einem wütenden Mob erstürmt. Mehr als 50 Amerikaner enden als Geiseln, doch sechs Mitarbeitern der Botschaft gelingt in dem Trubel die Flucht. Es verschlägt sie in die kanadische Botschaft, wo man die Versprengten bereitwillig aufnimmt.

Szenenbild aus Argo | © Warner Bros.
© Warner Bros.

Unterdessen in den USA wägt die CIA ab, wie sie ihre Leute aus der misslichen Lage befreien könnten. Entgegen aller Wahrscheinlichkeiten ist es letztlich der abstruse Plan des Agenten Tony Mendez, der schlussendlich realisiert wird, wenngleich Mendez selbst ein wenig nachhelfen muss, seine Vorgesetzten von dem Vorhaben zu „überzeugen“: Die Eingeschlossenen sollen sich als Mitglieder eines kanadischen Filmteams ausgeben und so außer Landes geschafft werden. Hierfür setzt sich Mendez mit dem Produzenten Lester Siegel und dem Make-Up-Spezialisten John Chambers in Verbindung, die fortan mit ihm gemeinsam kräftig die Werbetrommel rühren für das fiktive Science-Fantasy-Filmprojekt Argo. Schließlich ist es an Mendez, in den Iran zu reisen, Kontakt zu seiner vermeintlichen Film-Crew aufzunehmen und ihnen ihre neuen Identitäten nahezubringen, um ihnen die Flucht aus dem Land zu ermöglichen, bevor die Iraner dahinterkommen, dass einigen Amerikanern die Flucht aus der Botschaft gelungen ist.

Rezension:

So sehr manch einer auf Ben Affleck schimpfen mag, so sehr gefällt er mir dennoch als Schauspieler und insbesondere als Regisseur, der ein ausgeprägtes Gespür für Atmosphäre und Setting, ja selbst für die allgemeine Themenauswahl besitzt und in dieser bislang noch recht kurzen Filmografie als Mann hinter der Kamera ausschließlich hochkarätige Filme ausweist. So stand es auch außerfrage, dass ich bei Argo ebenfalls einen Blick riskieren musste, zudem der Film ja insbesondere durch die letztjährigen Oscars nachträglich noch die Aufmerksamkeit bei der breiten Masse bekam, die ihm bei Kinostart weitestgehend verwehrt worden ist. Womöglich war es auch diese enorme Erwartungshaltung meinerseits, die den Film schlussendlich etwas schlechter abschneiden lässt, als ich es mir erhofft, respektive erwartet hätte. Aber von vorn:

Argo ist ein thematisch brisanter Thriller, der gekonnt nicht nur die Atmosphäre und die herrschenden Zustände der damaligen Zeit aufbereitet und dem Zuschauer in knappen, präzisen Bildern nahebringt, sondern auch eine ziemlich clever inszenierte Satire, wenn man bedenkt, mit welch abstrus scheinenden Mitteln hier versucht worden ist, die Geiseln außer Landes zu bekommen. Würde sich Affleck nicht auf den Wired-Artikel The Great Escape stützen und dieser nicht auf den Aufzeichnungen des realen Tony Mendez basieren, der im Film von Affleck himself verkörpert wird, würde man zugegebenermaßen mit dem Kopf schütteln und sich fragen, welcher Hollywood-Drehbuchautor hier über das Ziel hinausgeschossen sein mag. Hier allerdings trifft es wirklich zu, dass das Leben die besten Geschichten schreibt, die in diesem Fall auch noch recht wirklichkeitsnah und ohne falsches Pathos auf die Leinwand gebracht worden ist.

Szenenbild aus Argo | © Warner Bros.
© Warner Bros.

Dieser Umstand, dass Affleck sich nicht dazu hat hinreißen lassen, womöglich abstruse Verfolgungsjagden oder reißerische Schusswechsel in das Skript aufzunehmen, verdient Hochachtung und hebt Argo gleichsam wohltuend von der breiten Masse ab, jedoch stieß dieses Durchhaltevermögen schlussendlich auch an seine Grenzen und so finden sich gegen Ende der Geschichte doch einige teils ärgerliche Abweichungen, wenn man den Ausführungen der begleitenden Dokumentationen zum Film Glauben schenken darf. Das erscheint insofern unverständlich, als dass der Film bis dahin auch glänzend ohne solche Eingriffe funktioniert hat und die Änderungen teilweise gar unverständlich und unnötig sind. Nichtsdestotrotz hält Afflecks Drittwerk die meiste Zeit sein hohes Niveau und erzeugt mit einfachsten Mitteln und Einstellungen Spannung, selbst wenn den Geiseln gerade überhaupt keine akute Gefahr droht.

Ein weiterer kleiner Wermutstropfen ist es allerdings, dass die Story um den namensgebenden fiktiven Film selbst in Argo gar nicht so viel Raum einnimmt, wie man erwarten würde, so dass die großangelegte Marketing-Kampagne und das Klinkenputzen der Produzenten zwar gezeigt werden, allerdings nur im Rahmen eines collagen-artigen Zusammenschnitts, und die Farce bald schon ins Hintertreffen gerät, so dass man die Geiseln auch eher dabei ertappt, ihre fiktiven Identitäten zu verinnerlichen, als dass sie sich mit Details der Film-Produktion auseinandersetzen. Das führt auch dazu, dass Alan Arkin und John Goodman, denen zweifelsohne großartige Rollen zugeschustert worden sind, in der zweiten Hälfte so gut wie nie zu sehen sind und erst gegen Ende noch einmal kurz in Erscheinung treten dürfen. Ähnlich ergeht es auch dem großartigen Bryan Cranston, der zwar mehrere schöne Momente und Szenen hat, ansonsten aber durch Abwesenheit glänzt. Das wäre zu verschmerzen und mag im Kontext der Erzählung durchaus nachvollziehbar sein, doch ist es um die Geiseln teils noch schlimmer bestellt, denn obwohl sie über die gesamte Dauer präsent sind und sowohl Ziel der Iraner als auch Amerikaner sind, bleiben sie größtenteils gesichts- und konturlos, was an dem Fokus auf dem CIA-Agenten Tony Mendez liegt. Natürlich handelt es sich um dessen Aufzeichnungen und Erlebnisse, natürlich steht er als Hauptfigur im Mittelpunkt des filmischen Geschehens, doch hätte Ben Affleck sich für meinen Geschmack noch etwas mehr zurücknehmen können, um zumindest Raum für die Geiseln zu schaffen, um die sich schließlich alles kreist. Zeit genug wäre hierfür bei der stolzen Laufzeit von rund 130 Minuten (im Extended Cut) sicherlich gewesen.

Szenenbild aus Argo | © Warner Bros.
© Warner Bros.

Dennoch wird das Schicksal und die Angst der Betroffenen gut herausgearbeitet und gerade Tony Garber als kanadischer Botschafter Taylor, der den Amerikanern Zuflucht bietet, glänzt in einigen starken Szenen. Konzeption und Inszenierung des Films sind abgesehen von obigen Punkten über jeden Zweifel erhaben und die Optik und der Soundtrack, die spürbar das Kolorit der Zeit untermauern sind es ebenso, so dass Ben Affleck beileibe kein Fehlgriff anzukreiden ist, sondern lediglich Kleinigkeiten, die ein ansonsten dermaßen überzeugendes Gesamtbild trügen, so dass es schade um das verschenkte Potential ist, dessen man sich durchaus bewusst sein dürfte, zumindest wenn man den Film in Teilen reflektiert oder – wie ich – den Fehler macht, sich direkt im Anschluss an den Film an das Bonusmaterial heranzuwagen, das den vormals noch besseren Gesamteindruck ein wenig trübt. Immerhin die im Rahmen des fiktiven Film-Projekts eingestreuten Seitenhiebe auf das Hollywood-Business wissen durchweg zu gefallen und werten den Film grundsätzlich auf.

Fazit & Wertung:

Argo ist durch die Verquickung von Polit-Thriller und Satire ein durchaus empfehlenswerter Film, der größtenteils auf gängige Klischees verzichtet, diese guten Vorsätze allerdings gegen Ende teils über Bord wirft und in seiner Figurenzeichnung überwiegend blass bleibt.

8 von 10 eigens angefertigten Storyboard-Zeichnungen

Argo - Extended Cut

  • Eigens angefertigte Storyboard-Zeichnungen - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Argo ist durch die Verquickung von Polit-Thriller und Satire ein durchaus empfehlenswerter Film, der größtenteils auf gängige Klischees verzichtet, diese guten Vorsätze allerdings gegen Ende teils über Bord wirft und in seiner Figurenzeichnung überwiegend blass bleibt.

8.0/10
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Meinungen aus der Blogosphäre:
ERGOThek: 4/5 DeLoreans
Der Kinogänger: 8,5/10 Punkte
Tonight is gonna be a large one.: 8/10 Punkte
Xanders Blog: 8/10 Punkte

Argo ist am 08.03.13 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Warner Bros. erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

DVD:

Blu-ray:

  • Argo fand ich ja auch ziemlich gut. Habe ihn direkt – bzw. ein Stück nach – der Oscar-Verleihung gekauft. Hat mich nicht enttäuscht, außer vll. der gute Ben, der doch recht blass bleibt. Dafür gibt es aber einen wunderbar aufgelegten Goodman, der mir irgendwie in jedem Film gefällt.

    • Ben fand ich gar nicht mal so schlimm, viel blasser fand ich den Trupp Amerikaner in der Botschaft. Ja, Goodman ist eigentlich immer toll und Alan Arkin auch, das Zweiergespann hat mich echt überzeugt!

      Jetzt sag mir doch aber mal, wieso ich bei dir keine Kritik zu „Argo“ finde, habe nämlich extra noch vor Veröffentlichung des Artikels bei dir geschaut und dachte dann schon aufgrund deines Kommentars, ich hätte was übersehen.

      • Die Kritik gibt es leider nicht. Wie so viele. Es ist leider immer noch so, dass ich sehr viele Filme sehe, aber nur über wenige schreibe – der Zeit geschuldet. :(

      • Ärgerlich, aber nachvollziehbar. Habe hier auch noch einige Altlasten, die ich gerne beizeiten noch rezensiert hätte, aber da ist schon zu viel Zeit vergangen und die Zeit ist sowieso der größte Feind des ambitionierten Bloggers, der nun mal nebenbei auch noch ein echtes Leben hat.

  • Da sind wir wieder mal einer Meinung. Schön auch, dass du Affleck würdigst, was – besonders in letzter Zeit – ja nicht so im Trend liegt. Was den Film angeht hätte ich auch gerne mehr Szenen gesehen, die sich mit dem fiktiven Film selbst beschägtigen, doch insgesamt war das schon eine runde Sache.

    • Durchaus, spiegelt sich ja auch in unserer beider Wertung wieder 😉

      Ich mag Ben Affleck einfach seit „Chasing Amy“ und das wird sich wohl auch nicht mehr ändern, so dass der „schlechte“ Ruf mir auch nicht nachvollziehbar scheint, weil ich ihn wohl mit anderen Rollen und Filmen gedanklich mehr verknüpfe als die Allgemeinheit. Und als Regisseur finde ich ihn noch besser, wenn er es bisher auch nicht geschafft hat, an seinen Erstling „Gone Baby Gone“ heranzureichen, der einfach in jede Filmsammlung gehört – sich aber auch in meiner noch immer nicht befindet 😉

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