Review: Celeste & Jesse (Film)

Nach dem gestrigen spätabendlichen Intermezzo geht es heute bedeutend früher los, weil der Abend bereits mal wieder ziemlich verplant ist. Kaum sind also die Koffer wieder ausgepackt bin ich schon wieder mitten im Alltag gestrandet. Das Bloggen übrigens – so viel muss ich ganz ehrlich zugeben – hat mir doch sehr gefehlt in der vergangenen Woche.

Celeste & Jesse
Beziehungsstatus: Es ist kompliziert!

Celeste & Jesse Forever, USA 2012, 92 Min.

Celeste & Jesse | © dcm/Euro Video
© dcm/Euro Video

Regisseur:
Lee Toland Krieger
Autoren:
Rashida Jones
Will McCormack

Main-Cast:
Rashida Jones (Celeste)
Andy Samberg (Jesse)
in weiteren Rollen:
Chris Messina (Paul)
Ari Graynor (Beth)
Eric Christian Olsen (Tucker)
Will McCormack (Skillz)
Elijah Wood (Scott)
Emma Roberts (Riley)

Genre:
Komödie | Drama

Trailer:

 

Inhalt:

Celeste und Jesse kennen sich seit endlosen Zeiten, verstehen sich blind, hängen jeden Tag zusammen ab, gehen gemeinsam aus und sind mehr als gut informiert, was bei dem jeweils anderen im Leben passiert und auf Außenstehende könnten sie wie das perfekte Paar wirken. Da gibt es nur eine Unstimmigkeit, denn obwohl Celeste und Jesse mal derselben Meinung waren und folgerichtig geheiratet haben, ist ihre Beziehung längst am Ende, die beiden getrennt – und trotzdem zusammen. Was ihnen ganz normal scheint, ist ihren Freunden mehr als unverständlich, weshalb sie auch darauf drängen, einen Schlussstrich zu ziehen und voneinander loszukommen, zumal Jesse noch immer im Gartenhaus von Celeste residiert, wo der gescheiterte Künstler sich sein Atelier eingerichtet hat.

Szenenbild aus Celeste & Jesse | © dcm/Euro Video
© dcm/Euro Video

Während Celeste nicht einsehen will, was daran falsch sein soll, ihren Ex als nun wieder besten Freund stets um sich zu haben, ist Jesse die Situation mehr als recht, da er noch immer auf eine Versöhnung hofft und glaubt, Celeste würde nur eine schwierige Phase durchleben, wenn sie seine aufkeimende Hoffnung auch immer wieder torpediert. Dennoch lässt Jesse sich überreden, wieder mit anderen Frauen auszugehen, doch es Spaß wird schnell Ernst und er entfernt sich immer weiter von Celeste, der nun klar wird, vielleicht doch noch nicht ganz mit ihrem Jugendfreund abgeschlossen zu haben. Der allerdings scheint mittlerweile in weite Ferne gerückt und auch die Freundschaft droht an der prekären Situation zu zerbrechen.

Rezension:

Hierzulande ist man dank des Marketings geneigt, Celeste & Jesse in der Sparte der typischen RomComs zu verorten, was sicherlich nicht der beste Schachzug war und manchen Zuschauer verprellt haben dürfte, ob er sich nun von dem Genre angesprochen fühlt oder eben nicht, denn der Film aus der Feder von Rashida Jones und Will McCormack bewegt sich viel eher in den Fahrwassern der immer beliebter werdenden Indie-Dramedys wie etwa Vielleicht lieber morgen, was damit einhergeht, dass der Grad an Komik nicht annähernd die Gagdichte typischer Liebeskomödien erreicht und einem das Lachen oftmals im Halse stecken bleibt. Analog zu beispielsweise (500) Days of Summer erzählt der Film auch nicht gerade die Geschichte einer Liebe, sondern mehr des Entliebens, dies aber auf gefühlvolle Art und Weise, die den Zuschauer mitnimmt auf die Reise, wie es Celeste und Jesse hoffentlich gelingt, ihre Freundschaft zu retten.

Szenenbild aus Celeste & Jesse | © dcm/Euro Video
© dcm/Euro Video

Da hat es bittere Untertöne und Streitigkeiten, blamable Momente und das Eingeständnis, das eigene Gefühlschaos nicht annähernd so erfassen zu können, wie es sich wirklich präsentiert und so tariert sich Celeste & Jesse immer wieder zwischen Romantik und Drama aus, wobei die Nadel mal mehr und mal weniger stark in die eine oder andere Richtung ausschlägt. Entgegen des Filmtitels konzentriert sich das Geschehen insbesondere im weiteren Verlauf vornehmlich auf Celeste und über weite Strecken glänzt Jesse gar mit gänzlicher Abwesenheit, weshalb seine Figur im direkten Vergleich auch regelrecht blass ausfällt. Das liegt natürlich auch darin begründet, dass Rashida Jones eben nicht nur die Hauptrolle in dem Film übernommen sondern auch am Drehbuch mitgewirkt hat, dass sie zusammen mit ihrem ehemaligen Freund Will McCormack verfasst hat. Dies dürfte dann auch erklären, dass viele Szenen, obwohl sie teilweise überhöht, überzogen oder abstrus wirken, auch merkwürdig lebensnah und ehrlich bleiben und die Figuren in ihrem teils irrationalen Handeln nie wie Abziehbilder typischer RomCom-Protagonisten wirken.

Man muss aber auch zugeben, dass die Konstellation aus ambitionierter Karrierefrau und vor sich hinvegetierendem Künstler schon recht klischeebeladen ist und ganz auf den Effekt abzielt, die beiden Hauptfiguren so unterschiedlich wie möglich zu präsentieren, doch werden eben auch deutlich die Gemeinsamkeiten und Überschneidungen herausgearbeitet. Zudem punktet auch dieser Celeste & Jesse mit einem glänzend aufgelegten und sorgsam ausgewählten Ensemble, von dem nicht nur Elijah Wood als bemüht schwul wirkender Homosexueller und Emma Roberts (Von der Kunst, sich durchzumogeln) als scheinbar strohdoofes und verwöhntes Pop-Sternchen gekonnt Akzente setzen, wenn sie auch nur in halb so vielen Szenen erscheinen, wie man es sich ihrer liebevoll skizzierten Figuren wegen vielleicht wünschen würde.

Szenenbild aus Celeste & Jesse | © dcm/Euro Video
© dcm/Euro Video

Rashida Jones indes lässt mehr als glaubhaft durchschimmern, dass sie mehr draufhat als in leichtfüßigen Komödien zu glänzen und vermag diffizil die widersprüchlichen Emotionen von Celeste darzustellen, zweifellos ebenfalls ein Plus der Tatsache, sich die Rolle auf den Leib geschrieben zu haben. Andy Samberg wiederum ist darin am besten, seinen Jesse als grundsympathischen und herzensguten Typen erscheinen zu lassen, der gar im Laufe der Geschichte an seiner Verantwortung wächst und sich grundlegend verändert, ohne den Kern seines Wesens aufzugeben. Unterlegt ist Celeste & Jesse mit einem gewohnt hippen und eingängigen Indie-Soundtrack, ebenso wie die Figuren sich überwiegend in der Hipster-Szene umtun und Yoga praktizieren, joggen gehen und Chai Lattes konsumieren. Das kann man mögen, muss man aber nicht, hier zumindest wirkt es nicht wie pures Understatement oder Vorwand, überbordendes Product-Placement zu praktizieren, denn bei aller Coolness nimmt man es den Charakteren einfach ab, sich in genau diesen Gefilden umzutun. Was bleibt, ist ein mal komischer, mal tragischer, intimer Blick auf ein ungleiches Paar, das am Ende der gemeinsamen Zeit einen Weg finden muss, wieder zueinanderzufinden – und das ist schon deutlich mehr und tiefgründiger, als die meisten Liebeskomödien zu verkaufen versuchen.

Fazit & Wertung:

Celeste & Jesse präsentiert sich als solide und warmherzige Indie-Dramedy, die zwar nicht gänzlich ohne Längen oder Schwächen auskommt und insbesondere Jesses Sichtweise einmal zu oft vernachlässigt, doch Rashida Jones‘ ambitioniertes Spiel und die hippe Inszenierung lohnen eine Sichtung für Fans des Genres allemal.

7,5 von 10 unbeholfenen Annäherungsversuchen

Celeste & Jesse

  • Unbeholfene Annäherungsversuche - 7.5/10
    7.5/10

Fazit & Wertung:

Celeste & Jesse präsentiert sich als solide und warmherzige Indie-Dramedy, die zwar nicht gänzlich ohne Längen oder Schwächen auskommt und insbesondere Jesses Sichtweise einmal zu oft vernachlässigt, doch Rashida Jones‘ ambitioniertes Spiel und die hippe Inszenierung lohnen eine Sichtung für Fans des Genres allemal.

7.5/10
Leser-Wertung 7/10 (1 Stimme)
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Celeste & Jesse ist am 26.09.13 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von dcm/Euro Video erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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