Review: Elysion | Thomas Elbel (Buch)

Eigentlich wollte ich diese Rezension ja schon gestern veröffentlicht haben, aber die Wochenend-Aktivitäten haben wieder dermaßen viel Raum eingenommen, dass einerseits keine Zeit blieb und andererseits schlussendlich eine Veröffentlichung mitten in der Nacht nicht annähernd sinnvoll schien. Hat natürlich den Vorteil, dass ich für den heutigen Abend direkt etwas in petto hatte und mich nun ganz geruhsam dem Media Monday widmen kann.

Elysion

Elysion, DE 2013, 480 Seiten

Elysion von Thomas Elbel | © Piper Verlag
© Piper

Autor:
Thomas Elbel

Verlag (D):
Piper Verlag
ISBN:
978-3-492-26881-3

Genre:
Science-Fiction | Endzeit | Thriller

 

Inhalt:

Es ist das Jahr 2135: Ein unerbittlicher Bürgerkrieg hat die Zivilisation zum Erliegen gebracht und ließ die Städte und Metropolen der Welt verwaisen. Nur dem Erscheinen der Malachim, menschenähnlichen Wesen mit übernatürlichen Kräften, denen man trotz ihres schrecklichen Äußeren – denn sie besitzen keine Haut – nachsagt, es müsse sich um Engel handeln, ist es zu verdanken, dass der Krieg ein Ende fand. Seither leben einerseits die letzten Versprengten in den Ruinen der einstigen Hochburgen der Zivilisation und andererseits die Gottesfürchtigen im sogenannten Elysion unter der Herrschaft des Pontifex in den Wäldern, die immer weitere Landstriche unter sich begraben und gleichzeitig den Malachim als Heimstatt und Versteck dienen.

Im Elysion hatte es wieder mal einen Fall schwerer Insubordination gegeben. Ein paar Jungen hatten den Tempel geschändet, indem sie abfällige Parolen über die Malachim an die Bäume geschmiert hatten.

Die siebzehnjährige Cooper Kleinschmidt ist eines jener Individuen, die ihr Glück in den verheerten Städten suchen und gemeinsam mit ihrer besten Freundin Stacey und deren Freund Brent macht sie Jagd auf die Malachim, denn tötet man die vermeintlich gottgleichen Wesen gelangt man an die heißbegehrte Droge Teer, die faszinierende Kräfte verleiht und rasend schnell abhängig macht. Doch eines Tages geht etwas schief auf der Jagd und plötzlich sieht sich Cooper damit konfrontiert, eine seltsame Symbiose mit einem der Malachim eingegangen zu sein. Während ihr Geschäftspartner McCann sich um sein Teer betrogen fühlt und die Jagd auf die drei Jugendlichen eröffnet, braut sich im Elysion ebenfalls etwas zusammen und der Pontifex sieht sich mit einer wachsenden Anzahl Ungläubiger konfrontiert, die nicht länger an die göttliche Herkunft der Malachim glauben wollen. Bestürzt sieht der Pontifex, seinerseits Schöpfer der Malachim, sein selbst geschaffenes Paradies in Gefahr.

Rezension:

Bei Elysion handelt es sich bereits um den zweiten Roman aus der Feder von Thomas Elbel, doch obwohl sich dessen Erstling Asylon vom Artwork her ähnlich präsentiert, konnte ich in Erfahrung bringen, dass beide Romane nichts miteinander zu tun haben, so dass ich bedenkenlos zugreifen konnte. Einmal mehr handelt es sich um einen in einer postapokalyptischen Zukunft angesiedelten Roman, wenn auch die Gründe für das Ende der Zivilisation, wie wir sie kennen, nur marginal angerissen und angedeutet werden, wobei dies für die Geschichte auch kaum von Bewandtnis ist. Davon ab präsentiert der Autor eine in sich stimmige, faszinierende neue Welt, mit der man sich schnell vertraut fühlt, auch wenn das Geheimnis um die Herkunft der Malachim beispielsweise lange im Dunkeln bleibt, ebenso wie die Folgen der ominösen Droge Teer, die gerne einen noch größeren Stellenwert hätte einnehmen dürfen, da das Konzept dahinter mir so interessant schien.

Es war, als ob eine der Zeichnungen aus den Anatomiebüchern, die früher oft auf dem Tisch ihres Vaters gelegen hatten, zum Leben erwacht war. Unter den Tannennadeln und Blättern, die den größten Teil seiner Körperoberfläche bedeckten, schimmerten blanke Muskeln und Sehnen hervor und hier und dort auch die klebrige Oberfläche eines Knochens oder Knorpels. Offenbar lidlose Augen taxierten Cooper mit kaltem Interesse.

Dreh- und Angelpunkt der Erzählung ist aber natürlich das namensgebende Elysion, dessen Name der griechischen Mythologie entlehnt die Insel der Seligen bezeichnet. Schnell wird klar, weshalb der Pontifex diesen Namen für sein selbst geschaffenes Paradies gewählt hat, über das er mit eiserner Hand – und mit Unterstützung der Malachim – herrscht. So radikal sein Tun zu sein scheint, gelingt es Elbel aber auch wunderbar, die Motivation des Pontifex herauszuarbeiten, so dass man bis zu einem gewissen Punkt seine Ansichten durchaus nachvollziehen kann. Was mir hingegen nicht so gut gefallen hat, war der Einstieg in die Geschichte: Hier lernt der Leser zwar Cooper, Stacey und Brent kennen und wird behutsam an das Wesen der Malachim herangeführt, doch erfährt man während der Hatz durch den Wald herzlich wenig über die dystopische Welt, so dass Elysion für mich seinen Reiz erst entfalten konnte, nachdem die Handlungsstränge sich aufzufächern begonnen haben und endlich auch die Bewohner des Elysion und insbesondere der Pontifex in den Fokus der Erzählung gerückt sind.

Ist man an diesem Punkt angelangt, nimmt die Geschichte, wenn sie auch durchaus rasant startet, noch einmal merklich an Fahrt auf, weil nun an verschiedenen Fronten Ereignisse eintreten, die schlussendlich natürlich erwartungsgemäß zu einem großen Ganzen kulminieren. Dabei allerdings kokettiert der Autor mit einigen Überraschungsmomenten und vermeintlich ungeahnten Wendungen, die aber allesamt nicht so recht zünden wollen, weil sie leider zu vorhersehbar sind, zu offensichtlich angedeutet werden, um schließlich noch zu funktionieren. Der eigentlichen Geschichte von Elysion tut dies erfreulicherweise dennoch keinen Abbruch, denn dafür sind die Geschehnisse zu packend, tempo- und wendungsreich, als das man Zeit hätte, auf die Idee zu kommen, besagte Wendungen durchaus vorausgeahnt zu haben.

Plötzlich flackerten wieder Bilder vor Coopers innerem Auge auf. Ein großer, von Bäumen gesäumter Platz mit einem riesigen Felsen in der Mitte, über den eine hölzerne Plattform errichtet war. Jugendliche, die mit angsterfüllten Blicken vor ihr wegliefen, als wäre sie der Leibhaftige. Für einen kurzen Moment fühlte sie etwas wie Enttäuschung. Dann erschien auf einmal der hautlose Arm eines Malach in ihrem Blickfeld und wollte sich um ihren Hals legen. Und dann …
Die Bilder rissen ab. Sie taumelte und schlug hart auf den Boden des riesigen Beckens.

Der Schreibstil begünstigt diese Hatz noch, da er eingängig und leichtfüßig daherkommt. Positiv hervorzuheben ist hierbei auch noch, dass Elbel sich gekonnt den unterschiedlichen Perspektiven seiner Figuren anpasst und so – je nach Sichtweise – die Beobachtungen und Gedankengänge sich auch merklich unterscheiden. Besonders interessant wird dies bei einem abtrünnig gewordenen Malachim, dessen analytisch-trockene Sichtweise ein ums andere Mal zum Schmunzeln verleitet, so dass ich mir gerne mehr Szenen und Dialoge mit ihm gewünscht hätte. Ansonsten ist Elysion ein rundherum gelungenes Konglomerat aus dystopischer Science-Fiction, Fantasy und Thriller, das zwar nicht die innovativste Geschichte offeriert, seine Versatzstücke aber so gekonnt zusammenwürfelt, dass es den Leser in Windeseile durch die Geschichte treibt. Das Ende schlussendlich suggeriert die Möglichkeit einer Fortsetzung und sollte sich Elbel dazu entschließen, in diese Gestade zurückzukehren, würde ich mir wünschen, dass dem postapokalyptischen Setting noch mehr Rechnung getragen wird.

Fazit & Wertung:

Thomas Elbels Elysion entpuppt sich als spannender und actionreicher Abenteuer-Thriller in postapokalyptischem Setting, dessen dystopische Elemente zuweilen zwar arg in den Hintergrund treten, der aber trotz Vorhersehbarkeit mit seinem Genre-Mix zu gefallen weiß.

8 von 10 Malachim

Elysion

  • Malachim - 8/10
    8/10

Fazit & Wertung:

Thomas Elbels Elysion entpuppt sich als spannender und actionreicher Abenteuer-Thriller in postapokalyptischem Setting, dessen dystopische Elemente zuweilen zwar arg in den Hintergrund treten, der aber trotz Vorhersehbarkeit mit seinem Genre-Mix zu gefallen weiß.

8.0/10
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Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite des Piper Verlages. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Elysion ist am 12.03.13 als Taschenbuch bei Piper erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den Link und unterstützt damit das Medienjournal!

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  • Stimmt, die Vorhersehbarkeit kann ich so auch nur unterstreichen. Ich fand es auch etwas schade, dass Elbel nicht mehr aus seiner eigentlich echt gut gestalteten Welt gemacht und stattdessen die Handlung auf so wenige Orte beschränk hat. Aber alles in allem war das Buch nicht schlecht. Gerade vor ein paar Tagen ist übrigens sein drittes Werk „Metropolis“ im Selbstverlag für den Kindle erschienen.

    • Schau, da warst du ja wieder schneller mit dem Buch, hatte
      ich bei dir noch gar nicht gesehen. „Megapolis“ soll ja deutlichere
      Sci-Fi-Elemente enthalten sagt der Thomas, vielleicht macht er da dann ja mehr
      aus den fantastischen Welten 😉 Werde in den nächsten Wochen darüber berichten
      können, ebenso wie seitens Piper der Erstling „Asylon“ bald bei mir eintrudeln
      sollte.

  • So wirkt es auf mich bislang auch, wobei sein Erstling Asylon ja dem hörensagen nach auch etwas mehr SciFi sein soll. Das liegt bei mir noch auf dem SuB, der neue wird dann erst kommen, wenn er auch als ePub verfügbar ist. Würde ich im Moment eh nicht unter kriegen 😀

    • So, „Asylon“ liegt mir zumindest mittlerweile vor, demnächst werde ich also mehr wissen. Klappentext macht aber schon mal Lust… Wenn ich nur nicht so viele Bücher (vorher) zu lesen hätte *seufz*

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