Review: Heute bin ich blond (Film)

Es ist zwar schon spät und noch dazu Samstagabend, aber da ich euch seit gestern eine Film-Kritik schuldig bin, ich sowieso daheim verweile und meine Freundin gleichsam mit dem Bloggen beschäftigt ist, kann es ja nicht schaden, auch an einem Samstagabend eine neue Rezension rauszuhauen. Viel Spaß damit und bis morgen!

Heute bin ich blond

Heute bin ich blond, DE/BE 2013, 115 Min.

Heute bin ich blond | © Universum Film
© Universum Film

Regisseur:
Marc Rothemund
Autor:
Kati Eyssen (Drehbuch)
Sophie van der Stap (Buch-Vorlage)

Main-Cast:
Lisa Tomaschewsky (Sophie Ritter)
Karoline Teska (Annabel)
David Rott (Rob)
in weiteren Rollen:
Alice Dwyer (Saskia Ritter)
Maike Bollow (Inge Ritter)
Peter Prager (Wolfgang Ritter)
Alexander Held (Dr. Friedrich Leonhard)
Daniel Zillmann (Pfleger Bastian)
Jasmin Gerat (Chantal)

Genre:
Drama | Komödie

Trailer:

 

Inhalt:

Gemeinsam mit ihrer besten Freundin Annabel feiert die einundzwanzigjährige Sophie Silvester in Antwerpen: Jetzt endlich kann das Leben beginnen und euphorisch plant die junge Frau den Auszug aus dem Elternhaus. Dem Husten, der sie immer öfter plagt, misst sie zu diesem Zeitpunkt noch kaum Bedeutung bei, doch nach rund vier Monaten lässt sie sich überreden, einen Arzt aufzusuchen. Dann die Schockdiagnose: Sophie hat Krebs und ihre Überlebenschancen liegen bei weit weniger als fünfzig Prozent. Sophie wird in die Klinik eingewiesen und eine kräftezehrende Chemotherapie nimmt ihren Anfang. Als Sophie die ersten Haare ausfallen, beschließt sie, den radikalen Weg zu gehen und rasiert sich kurzerhand die Haare ab.

Szenenbild aus Heute bin ich blond | © Universum Film
© Universum Film

Während sich nach der ersten Kontrolluntersuchung so etwas wie ein ´Silberstreif am Horizont abzuzeichnen beginnt, beschließt Sophie, der Krankheit zu trotzen und ihr Leben weiterzuleben. Dabei helfen ihr zahlreiche Perücken, die sie in jeweils andere Rollen schlüpfen lassen, die deutlich weniger befangen und wehmütig sind als Sophie. Während Sophie die verlorene Zeit mit durchtanzten Nächten und Alkoholexzessen aufzuholen sucht und sich gleichsam daran versucht, Männer um den Finger zu wickeln, wächst die Sorge der Eltern wie auch der Ärzte, dass sie womöglich die eigene Kraft falsch einschätzt. Da wird Chantal – ebenfalls Krebspatientin – über Sophies Blog auf sie aufmerksam und findet genau die richtigen Worte, ihr neuen Mut zu machen, die Krankheit zu besiegen.

Rezension:

Szenenbild aus Heute bin ich blond | © Universum Film
© Universum Film

Mit seinem Film Heute bin ich blond hat sich Regisseur Marc Rothemund der Verfilmung des Buches von Sophie van der Stap gewidmet, die in dem Werk ihre eigenen Erfahrungen verarbeitet hat, welche sie zunächst im eigenen Blog publiziert hat. Der Film ist schon dahingehend eine Überraschung, als dass es sich um eine deutsch-belgische Koproduktion handelt und deutsche Filme der jüngeren Vergangenheit sich oftmals dadurch auszeichnen, bemüht witzig und gewollt pathetisch wie klischeebehaftet zu sein, doch derlei Abstriche muss man bei dieser Buch-Verfilmung zum Glück nicht machen und so kommt Rothemunds Werk überraschend frisch und unverbraucht daher.

Wie man es aus tragikomischen Filmen, die um das Thema Krebs kreisen gewöhnt ist, wird natürlich auch hier der unbedingte (Über-)Lebenswille propagiert, doch erscheint dies deutlich glaubwürdiger und authentischer als in vielen anderen Produktionen. Größte Stärke von Heute bin ich blond ist dabei natürlich Hauptdarstellerin Lisa Tomaschewsky, die nicht nur mit überzeugendem, der Situation angemessenen und diffizilen Schauspiel punktet sondern sich auch mit den unterschiedlichen Perücken großartig macht und zudem die Wandelbarkeit von Sophie unterstreicht, die es ja nun einmal nicht dabei belässt, sich schlicht andere Haare auf den Kopf zu setzen, sondern regelrecht in eine Rolle schlüpft mit erfundenem Background und einem ihr eigenen Habitus.

Szenenbild aus Heute bin ich blond | © Universum Film
© Universum Film

Dieses große Plus gepaart mit einer ehrlichen Erzählweise, die zwar zuweilen irrational und nicht nachvollziehbar wirkt, dadurch aber auch glaubhaft unterstreicht, dass Sophie eben keine von Weisheit geküsste Person, sondern zuvorderst eine junge Frau ist, die sich um ihr Leben betrogen fühlt und nachvollziehbarerweise alles daran setzt, ihr Leben trotz des Krebs weiterführen zu können, hätte bewirken können, dass aus Heute bin ich blond ein Paradebeispiel für durchdachte und sensibel inszenierte Filme hätte werden können, die, obwohl sie zwar auf die Tränendrüse drücken, nicht zu einem sentimentalen Rührstück verkommen und trotz des heiklen Themas sogar mit einer gehörigen Portion Charme und Witz aufzuwarten wissen. Diesen hehren Wünschen kann man auch eine ganze Zeit lang nachhängen, dann allerdings offenbaren sich mehr und mehr und insbesondere im letzten Drittel einige dramaturgische Schwächen, die den Film zwar nicht unbedingt schlecht machen, ihn aber um seinen theoretisch verdienten Ehrenplatz in der Riege deutscher Filme bringen.

Da wären zunächst einmal teilweise unsagbar oberflächliche Dialoge, die um keine »Alles wird gut«-Plattitüde verlegen sind, ebenso wie die im Film als unsagbar wichtig propagierten Kontrolluntersuchungen, deren anschließende Gespräche mit dem Arzt in einer kaum halbminütigen Szene abgehandelt werden, die ebenfalls platter und nichtssagender kaum hätte sein können. Sophies Blog des Weiteren ist dem Film ebenfalls kaum eine Randnotiz wert und in dem Bereich hätte ich mir natürlich deutlich mehr erhofft, ebenso wie sämtliche Figuren um Sophie herum erschreckend blass bleiben, was man natürlich unter der Prämisse verschmerzen könnte, dass die Geschichte nun einmal von Sophie handelt, doch geraten beispielsweise ihre Eltern im Verlauf der Geschichte dermaßen ins Hintertreffen, dass es sich störend auf den Erzählfluss auswirkt, so wie auch andere Figuren über längere Zeiten keine Leinwandpräsenz haben.

Szenenbild aus Heute bin ich blond | © Universum Film
© Universum Film

Von diesen Kritikpunkten aber einmal abgesehen, handelt es sich um einen wirklich anrührenden, Hoffnung machenden Film, der seine Hauptfigur auch Fehler machen und Rückschläge erleiden lässt, zu keinem Zeitpunkt den moralischen Finger zu erheben sucht und erfreulich unverkrampft mit der Thematik umzugehen weiß, während Sophie selbst ebenfalls kein Blatt vor den Mund nimmt und trotz ihres jungen Alters und dem zuweilen wankelmütigen Verhalten in sich als Figur immer stimmig und kohärent bleibt, so dass man Heute bin ich blond die Herkunft als Verfilmung einer realen Geschichte durchaus ansieht, weshalb das Geschehen sich auch nur selten den üblichen dramaturgischen Regeln unterwirft, die normalerweise für Tragikomödien gelten, sondern sich zumindest bemüht, das Leben abzubilden, wie es ist und die Geschehnisse, wie sie sich ähnlich zugetragen haben mögen. Dazu gehören dann vermutlich auch zuweilen platte Dialoge.

Fazit & Wertung:

Marc Rothemund hat mit Heute bin ich blond einen wirklich schönen, anrührenden und lebensbejahenden Film gedreht, der sich größtenteils abseits gängiger Klischees bewegt, doch überhebt er sich ein wenig an der Vielzahl der Themen und kratzt trotz gut zwei Stunden Spielzeit oftmals nur an der Oberfläche dessen, was in Sophie vorgeht.

7 von 10 unterschiedlichen Perücken (wenn es auch eigentlich nur 9 sind)

Heute bin ich blond

  • Unterschiedliche Perücken - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

Marc Rothemund hat mit Heute bin ich blond einen wirklich schönen, anrührenden und lebensbejahenden Film gedreht, der sich größtenteils abseits gängiger Klischees bewegt, doch überhebt er sich ein wenig an der Vielzahl der Themen und kratzt trotz gut zwei Stunden Spielzeit oftmals nur an der Oberfläche dessen, was in Sophie vorgeht.

7.0/10
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Heute bin ich blond ist am 04.10.13 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Universum Film erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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