Review: The Amazing Spider-Man (Film)

Nach dem gestrigen Ausflug zur Frankfurter Buchmesse wurde es nun allerhöchste Zeit, mich auch wieder anderen Dingen als Büchern zu widmen, denn das war naturgemäß schon ein gewisser Overkill. Deshalb gibt es heute ganz klassisch mal wieder eine Film-Kritik von mir, bevor wir morgen alle mit dem Media Monday frisch erholt in die neue Woche starten können.

The Amazing Spider-Man

The Amazing Spider-Man, USA 2012, 136 Min.

The Amazing Spider-Man | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Regisseur:
Marc Webb
Autoren:
James Vanderbilt
Alvin Sargent
Steve Kloves

Main-Cast:

Andrew Garfield (Spider-Man / Peter Parker)
Emma Stone (Gwen Stacy)
Rhys Ifans (The Lizard / Dr. Curt Connors)
Denis Leary (Captain Stacy)
Campbell Scott (Richard Parker)
Irrfan Khan (Rajit Ratha)
Martin Sheen (Uncle Ben)
Sally Field (Aunt May)

Genre:
Action | Abenteuer | Fantasy

Trailer:

 

Inhalt:

Als er noch ein kleiner Junge war, mussten seine Eltern Hals über Kopf flüchten und seither lebt Peter Parker bei seinem Onkel Ben und seiner Tante May. Jahre später ist Peter Highschool-Schüler, clever, aufgeweckt und schlagfertig, doch auch ein Außenseiter. Eines Tages entdeckt Peter im Keller durch Zufall eine alte Aktentasche seines Vaters und beginnt Nachforschungen anzustellen, um mehr über den Verbleib seiner Eltern zu erfahren. Die Spur führt ihn zu Dr. Curt Connors, der als Genetiker bei dem Konzern Oscorp arbeitet. Peter verschafft sich unter einem Vorwand Zutritt zum Konzern und als er sich dort auf eigene Faust umtut, beißt ihn eine genetisch veränderte Spinne, woraufhin er über Nacht ungewöhnliche Kräfte entwickelt.

Szenenbild aus The Amazing Spider-Man | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Peter beginnt seine Grenzen auszutesten und ist mehr als fasziniert von seinen neuen Fähigkeiten, doch erregt sein merkwürdiges Verhalten auch Misstrauen bei Ben und Mae, mit denen er in Streit gerät. Peter flüchtet und sein Onkel Ben folgt ihm, soll in dieser Nacht allerdings zu Tode kommen. Peter gibt sich die Schuld an dessen Tod und beginnt Jagd zu machen auf den Mörder, woraufhin er bald die Aufmerksamkeit der Polizei wie auch der Bevölkerung erweckt. Doch dann beginnt ein reptilienartiges Monster unbekannter Herkunft in New York sein Unwesen zu treiben und Peter fühlt sich berufen, die Stadt zu beschützen.

Rezension:

Über den Sinn und Unsinn eines Reboots nach gerade einmal zehn Jahren kann man streiten und so gesehen ist The Amazing Spider-Man wenn man denn gemein sein möchte durchaus als unnötig zu bezeichnen, doch Marc Webb wählt immerhin einen anderen Ansatz, nicht nur, was die Geschichte des Films und den großen Widersacher anbelangt, sondern vor allem auch, was die Interpretation Peter Parkers angeht, so dass mir Webbs Version schlussendlich sogar deutlich besser gefallen hat als der Auftakt der alten Reihe. Andrew Garfield als Peter Parker beziehungsweise Spider-Man ist in meinen Augen als deutlicher Zugewinn zu verbuchen, denn seine Figur ist deutlich weniger weinerlich angelegt und bei weitem nicht so naiv und gutmütig wie Tobey McGuires Interpretation (den ich ansonsten sehr schätze und ihm sein schauspielerisches Talent nicht absprechen möchte), wirkt trotz seines realen Alters aber auch deutlich besser aufgehoben an der Schule, auf die er geht. Weiterhin schlummert in Peter viel Wut und Unverständnis, was insbesondere darauf zurückzuführen ist, dass seine Eltern ihn in frühester Kindheit vermeintlich im Stich gelassen haben, was mich der Figur von der emotionalen Seite her deutlich näher gebracht hat.

Szenenbild aus The Amazing Spider-Man | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Weiterhin sind es natürlich Emma Stone, Rhys Ifans und nicht zuletzt Martin Sheen, die gekonnt Glanzpunkte in der Erzählung setzen, wobei insbesondere Stone, die nicht nur als Eye-Catcher wunderbar funktioniert sondern als Gwen Stacey auch deutlich taffer und abgeklärter daherkommt als die ebenfalls überwiegend weinerliche Mary Jane, aber auch Sheen, der in seiner ruppig unbeholfenen Art die perfekte Verkörperung von Onkel Ben zum Besten gibt, natürlich nicht annähernd das Profil und die Screentime zugestanden bekommen, die sie verdient hätten, in der Zeit, die ihnen bleibt, aber durchweg das Optimum aus ihren Rollen zu generieren wissen. Rhys Ifans wiederum reißt mich ja ein ums andere Mal mit seinem diffizilen Spiel zu Begeisterungsstürmen hin und überzeugt hier als Dr. Connors, der im Grunde dieselbe Entwicklung wie Peter Parker durchmacht, anders als der Held allerdings an der neugewonnenen und ungewohnten Macht zerbricht, wenn die anfangs behutsame Charakterentwicklung später der raschen Hatz in Richtung Showdown geopfert wird und dadurch manche Qualität einbüßt.

Überhaupt sind es mehr dramaturgische Schwächen, die im Drehbuch begründet liegen, die The Amazing Spider-Man schließlich absprechen, ein unumwunden überzeugender Film zu sein, denn manche Begebenheit erscheint doch zu sehr an den Haaren herbeigezogen, zu kitschig und zu überzogen, um wirklich funktionieren zu können, wie etwa der typisierte Vater von Gwen, der selbstverständlich direkt mit Peter aneinander gerät, nur um schlussendlich und sehr abrupt zu erkennen, den von Grund auf ehrlichen und rechtschaffenen Jungen verkannt zu haben. Ich könnte noch einige Beispiele mehr anbringen, doch widerstrebt es mir ja stets zu spoilern, weshalb ich mich vornehm zurückhalte, aber manche Einstellung kratzt eben gefährlich nahe am Soap-Niveau. Das ist insofern natürlich sehr schade, als dass Andrew Garfield wie erwähnt die innere Zerrissenheit Parkers gekonnt einzufangen und beispielsweise seine Mitschuld an Onkel Bens Tod hier viel unmittelbarer deutlich wird und packend neu interpretiert wurde.

Auf der Effektseite braucht man sich selbstverständlich bei einem dreistelligen Millionen-Dollar-Budget nicht zu beklagen und Spideys Streifzüge durch die New Yorker Nachbarschaft sahen nie besser aus. Über das Design des Lizard darf man sich streiten, mir hat er zumindest gefallen und ich könnte nicht mit dem Finger darauf deuten, was man hätte anders machen können, wenn auch die Verwandlungen schlussendlich ziemlich schnell vonstattengehen und das Serum beeindruckende Wirkungsgrade entwickelt, aber das verbuche ich mal unter Freiheiten, die man sich in einem Superheldenfilm um einen durch Spinnenbiss erstarkten Adoleszenten, der sich zum Hüter von Recht und Ordnung aufschwingt, durchaus nehmen darf. Was bleibt ist ein rundherum unterhaltsamer und solider Film, der sicherlich einigen Fans der alten Trilogie übel aufstoßen wird, aber beileibe nicht so schlecht ist, wie sein Ruf vermuten lassen würde, zumal die Darsteller ihre Sache ausgezeichnet machen und Marc Webb ebenfalls erneut unter Beweis stellt, dass er in der Figurenzeichnung mehr als bewandert ist und sich seinen Charakteren verbunden fühlt. Einzig das Drehbuch hätte an der einen oder anderen Stelle des Feinschliffs bedurft, um aus den Möglichkeiten noch mehr herauszuholen, aber das ist wohl der Preis, den man zu zahlen hat, wenn insgesamt drei Schreiber an einem Film sitzen.

Szenenbild aus The Amazing Spider-Man | © Sony Pictures Home Entertainment Inc.
© Sony Pictures Home Entertainment Inc.

Dennoch, aus Peter Parker einen cleveren, gewieften, manchmal jähzornigen, oftmals wütenden, ziemlich sarkastischen, schlagfertigen jungen Mann zu machen, diese Marschrichtung gefällt mir und so erhoffe ich mir vom Nachfolger schlichtweg ein solideres Drehbuch, denn dann kann mit dem Reboot eigentlich nichts mehr schief gehen, so überflüssig es für manchen auch sein mag, denn für Leute wie mich, die der Meinung sind, dass Raimis Trilogie mit jedem Teil schlechter und schlechter wurde und die Tobey McGuire den Peter Parker einfach nicht abnehmen, sich ihm nicht verbunden fühlen konnten, für solche Leute grenzt The Amazing Spider-Man trotz seiner Schwächen an eine Offenbarung.

Fazit & Wertung:

The Amazing Spider-Man ist nicht ohne Mängel und im Kontext der noch nicht allzu lang zurückliegenden ursprünglichen Trilogie sicher nicht unbedingt nötig gewesen, doch liefert Marc Webb eine überzeugende Neuinterpretation ab und punktet vor allem mit einem emotional glaubwürdig gestalteten Peter Parker, der ungleich wütender und aufbrausender ist als sein Vorgänger. Ein solider Superheldenfilm, der Lust auf die Fortsetzung macht.

7 von 10 zur Strecke gebrachten Verbrechern

The Amazing Spider-Man

  • Zur Strecke gebrachte Verbrecher - 7/10
    7/10

Fazit & Wertung:

The Amazing Spider-Man ist nicht ohne Mängel und im Kontext der noch nicht allzu lang zurückliegenden ursprünglichen Trilogie sicher nicht unbedingt nötig gewesen, doch liefert Marc Webb eine überzeugende Neuinterpretation ab und punktet vor allem mit einem emotional glaubwürdig gestalteten Peter Parker, der ungleich wütender und aufbrausender ist als sein Vorgänger. Ein solider Superheldenfilm, der Lust auf die Fortsetzung macht.

7.0/10
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The Amazing Spider-Man ist am 08.11.12 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Sony Pictures erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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