Review: Passion (Film)

Sonntagnachmittag und allerhöchste Zeit für die nächste Filmvorstellung. Morgen geht es nämlich für mich nach München und dann kann ich hinter das Thema Bloggen jetzt schon einmal einen Haken machen. Der Media Monday und die Kinovorschau sind natürlich auch längst vorbereitet für meine Abwesenheit und ansonsten gibt es dann sicher immer mal wieder ein Lebenszeichen von mir bei Instagram, Twitter und/oder Facebook, bevor ich Mittwochnacht zurückkehre und sicherlich am Donnerstag wieder von mir hören lasse. Bis dahin zunächst noch einen schönen Sonntag und einen angenehmen Wochenstart allerseits!

Passion

Passion, USA 2012, 100 Min.

Passion | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Regisseur:
Brian De Palma
Autoren:
Brian De Palma
Natalie Carter (zusätzliche Dialoge)

Main-Cast:
Rachel McAdams (Christine)
Noomi Rapace (Isabelle James)
in weiteren Rollen:
Karoline Herfurth (Dani)
Paul Anderson (Dirk)

Genre:
Drama | Mystery | Thriller

Trailer:

 

Inhalt:

Szenenbild aus Passion | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Christine und Isabelle arbeiten gemeinsam in der Berliner Niederlassung eines internationalen Werbeunternehmens. Obwohl Christine Isabelles Vorgesetzte ist, verstehen sich die beiden auch privat, doch ahnt Isabelle nicht, dass ihre vermeintliche Freundin nicht einmal davor zurückschrecken wird, Isabelles Ideen als ihre eigenen auszugeben und staunt nicht schlecht, als sie ihr in den Rücken fällt. Isabelle wiederum unterhält eine Affäre zu Christines Gespielen Dirk, der immer mehr zum Spielball der beiden verkommt. So verstricken sich die beiden Frauen in ihre Machtspiele und gegenseitigen Anfeindungen, manipulieren und intrigieren nach allen Regeln der Kunst.

Nachdem Isabelle der öffentlichen Demütigung preisgegeben wurde, beginnt sie, Psychopharmaka zu nehmen und baut merklich ab, so dass Christine ihren Sieg in greifbare Nähe gerückt fühlt, doch damit nicht genug, kündigt sich eine Katastrophe an und ausgerechnet Dani, die Assistentin von Isabelle, beweist den richtigen Riecher, die Ereignisse vorherzusehen, denn Isabelle ist nicht bereit, Christine kampflos das Feld zu räumen.

Rezension:

Es ist weithin bekannt, dass es Brian De Palma schon lange nicht mehr gelungen ist, an alte filmische Erfolge anzuknüpfen und dass er sich nun ausgerechnet mit Passion zurückgemeldet hat, dem Remake eines gerade mal drei Jahre alten französischen Films mit dem Titel Liebe und Intrigen, verheißt nicht wirklich etwas Gutes, doch immerhin ist De Palma auch für eine eigensinnige und stilistisch interessante Inszenierung bekannt und es hat mich zudem gereizt, Rachel McAdams einmal fernab ihrer Paraderolle als freundliches Blondchen von nebenan zu betrachten und so stolperte ich eben doch über De Palmas neuestes Werk und blieb hängen. Warum allerdings die deutsch-französische Produktion allein des Regisseurs wegen als US-Remake vermarktet wird, wird mir ebenso sehr ein Rätsel bleiben wie der Umstand, dass der Film zwar einerseits in Berlin spielt, andererseits die Stadt als solche kaum zu erkennen ist (und einmal kurz sogar als London-Double fungieren darf), wo sich doch viele Chancen geboten hätten, ein paar stilvolle Impressionen und Panoramen einzufangen und sich damit auch noch einmal ein Stück weit von dem gut zwei Jahre zuvor entstandenen französischen Original abzuheben.

Szenenbild aus Passion | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Das soll aber natürlich nicht das Hauptthema meiner Kritik sein und deshalb kehren wir nun auch unumwunden zum Kern der Sache zurück: Zunächst einmal wirkt Passion kaum wie ein typischer De Palma und hält sich wohl sehr eng an die Vorlage, sieht teilweise richtiggehend bieder aus, kommt nicht recht in Fahrt und erinnert im Grunde an eine auf Hochglanz polierte Soap. Immerhin McAdams konnte mich zu diesem Zeitpunkt schon für mich einnehmen, weil sie das intrigante und manipulative Biest doch recht überzeugend verkörpert, gerade weil man sie in solchen Rollen sonst kaum kennt. Rapace hingegen konnte ich nicht recht durchschauen und Paul Anderson bleibt, zumal der Fokus ganz klar auf den starken Frauenfiguren liegt, durchgehend blass. Dafür hat mich wiederum Karoline Herfurth überrascht, die sich als Assistentin ganz gut macht und ihre zunächst unscheinbar wirkende Rolle nach und nach ausbaut. Damit wäre das Figuren-Ensemble die erste Hälfte des Films betreffend auch schon umrissen und bis zu einer De Palma-typischen Splitscreen-Szene, die den zweiten Akt einläutet und gleichzeitig Höhepunkt des Films darstellt, genügt es auch völlig, diese Figuren gegeneinander zu hetzen und in unterschiedlichen Konstellationen ihre Intrigen spinnen zu lassen, wenn das Ganze auch nur leidlich spannungsgeladen oder überraschend geraten ist.

Mit besagter Splitscreen-Szene brechen sich dann aber auch De Palmas bevorzugte Themen Bahn und Passion entfernt sich mehr und mehr von der Vorlage, wenn plötzlich Doppelgänger aufzutauchen scheinen, der schon zuvor zelebrierte Voyeurismus auf die Spitze getrieben wird und die Erzählung eine Aufwertung zur Doppelbödigkeit erfährt, was in mehrfach verschachtelten Traumsequenzen mündet, an deren Ende man sich in keiner Weise mehr im Klaren sein kann, was denn nun tatsächlich passiert ist und wie es sich abgespielt haben mag. Auch diese Art Twist kann man bei dem Regisseur schon Meilen gegen den Wind riechen und genauso ordinär und beliebig, wie der erste Teil gewirkt hat, so abgehoben und überbordend wirkt der zweite Teil, der Schlusspointe an Schlusspointe zu reihen versucht und sich dabei immer mehr verfährt, wenn er auch dennoch mit einer merkwürdigen Faszination punkten kann.

Szenenbild aus Passion | © Ascot Elite
© Ascot Elite

Dennoch wirkt das Gezeigte dermaßen selbstreferenziell, dass man, wenn man früher davon sprach, De Palma würde Hitchcock huldigen, nun konstatieren müsste, er habe sich nun selbst als Vorbild auserkoren. Auch ist natürlich fraglich, inwieweit man sich damit abfinden kann, wenn das Geschehen immer weiter entgleist, wenn ich auch sagen müssen, dass dieser Teil mir deutlich besser gefallen hat als der Nullachtfünfzehn-Zickenkrieg, der kaum Überraschungen parat hält, zumal die Werbeagentur, in der die Protagonistinnen arbeiten kaum beleuchtet wird und ich mich emotional nicht unbedingt auf das seltsam künstlich wirkende Kräftemessen einzulassen wusste. So betrachtet muss man Passion sicherlich als Misserfolg verbuchen, nicht jedoch als Totalausfall, denn dafür gibt es im letzten Drittel zu viele wenn auch altbekannte De Palma-Momente und dafür ist auch die schauspielerische Leistung von Rachel McAdams zu gut, retten kann dies das Gesamtwerk allerdings nicht, denn dafür wirken der Schauplatz zu beliebig, die Motive zu oberflächlich, der letzte Twist zu undurchsichtig und der Look zu eintönig und gewöhnlich. Fraglos ein Film, der nur für extreme De Palma-Fans wirklich interessant sein dürfte, so es sie denn noch gibt.

Fazit & Wertung:

Für einen packenden Thriller ist Passion zu artifiziell und innovationsarm, für ein verstörendes Psychogramm zu oberflächlich, für eine verwirrende Täterhatz zu offensichtlich und gleichzeitig zu verfahren. Brian De Palma hätte gerne alles abgeliefert wie es scheint, geglückt ist ihm alles nur leidlich.

5 von 10 Intrigen

Passion

  • Intrigen - 5/10
    5/10

Fazit & Wertung:

Für einen packenden Thriller ist Passion zu artifiziell und innovationsarm, für ein verstörendes Psychogramm zu oberflächlich, für eine verwirrende Täterhatz zu offensichtlich und gleichzeitig zu verfahren. Brian De Palma hätte gerne alles abgeliefert wie es scheint, geglückt ist ihm alles nur leidlich.

5.0/10
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Passion erscheint am 19.11.13 auf DVD und Blu-ray im Vertrieb von Ascot Elite. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über einen der Links und unterstützt damit das Medienjournal!

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