Review: Das Spiel der Götter 2: Das Reich der sieben Städte | Steven Erikson (Buch)

Hatte ich mich im Rahmen der 2. Allgemeinen Altpapiersammlung noch darüber mokiert, dass insbesondere mein Artikel zum ersten Band der Reihe leider keinerlei Resonanz in Form von Kommentaren nach sich gezogen hat, kommt hier nun postwendend meine Kritik zum zweiten Band, um erneut das Interesse an der Reihe anzuheizen, nicht nur, weil ich sie immer noch ungebrochen großartig finde. Viel Spaß und einen schönen Abend allerseits!

Das Spiel der Götter 2
Das Reich der sieben Städte

Deadhouse Gates. A Tale of the Malazan Book of the Fallen 2, Part 1, USA 2000, 512 Seiten

Das Spiel der Götter 2: Das Reich der sieben Städte von Steven Erikson | © Blanvalet
© Blanvalet

Autor:
Steven Erikson

Verlag (D):
Blanvalet
ISBN:
978-3-442-26965-5

Genre:
Fantasy | Drama | Abenteuer

 

Inhalt:

Es ist das Jahr 1163 von Brands Schlaf, das neunte Jahr der Herrschaft von Imperatrix Laseen, das Jahr der Säuberung. Aufgrund der jüngsten Rückschläge in und um Darujhistan sieht sich die Imperatrix veranlasst, den Einfluss des malazanischen Imperiums zu festigen und initiiert eine Säuberungswelle, der auch Felisin zum Opfer fällt, jüngste Tochter des Hauses Paran, die gemeinsam mit Heboric, einem ehemaligen Priest des Eber-Gottes Fener, einem undurchsichtigen Schläger mit Namen Baudin und vielen anderen in die Sklaverei gerät und sich alsbald in Schädelmulde, dem Bergbau-Lager in der Dosin-Grube, einer Otataral-Mine, wiederfindet und dort an den schmierigen Beneth gerät, an den sie nicht nur ihren Körper verkauft. Felisins Schwester Tavore ist zur Mandata der Imperatrix aufgestiegen und tritt die direkte Nachfolge der verstorbenen Lorn an. Derweil wandern zwei mehr als ungleiche Gefährten, das Jaghut-Halbblut Icarium und sein treuer Begleiter, der Trell Mappo durch die Wüste von Pan’potsun-Odhan, auf der Suche nach Icariums Vergangenheit, nicht ahnend, dass sie bald in Geschehnisse hineingezogen werden, die das gesamte Reich der sieben Städte zu verschlingen drohen, wohingegen der Hohepriester des Schattens, Iskaral Pustl, auf den sie bald treffen werden, sehr wohl eine Ahnung zu haben scheint, was dem malazanischen Imperium bevorsteht.

Die Heilige Stadt Ehrlitan war eine Stadt aus weißen Steinen, die vom Hafen aus anstieg und einen großen Hügel mit flacher Kuppe umgab und einschloss, der als Jen’rahb bekannt war. Man glaubte, dass eine der ersten Städte der Welt unter Jen’rahb begraben lag und dass irgendwo in dem zusammengepressten Schutt der Thron der Sieben Beschützer wartete, der den Legenden nach gar kein Thron war, sondern ein Zimmer, in dem sich ein Kreis aus sieben erhöhten Podesten befand, die jeweils von einem der sieben Aufgestiegenen geweiht worden waren, die ausgezogen waren, das Reich der Sieben Städte zu gründen.

Unterdessen reisen die ehemaligen Brückenverbrenner Fiedler und Kalam ebenfalls gen Süden, um gemeinsam mit dem Tagedieb Crokus die vormals von Cotillion beseelte Apsalar in ihre Heimat zurückzubringen. Doch insbesondere Kalam verfolgt noch weitere Ziele und erhält den Auftrag, ein Heiliges Buch in der Wüste von Raraku an die Seherin Sha’ik zu übergeben, die Führerin der Apokalypse. Während sich ein unaussprechlicher Wirbelwind aus dem Wüstensand erhebt, erheben sich ebenso die Völker des Reiches der sieben Städte gegen das malazanische Imperium und der Wickaner Coltaine, Faust der Siebten Armee, sieht sich alsbald einer Vielzahl aufständischer Gegner gegenüber. Die Umwälzungen im Reich der sieben Städte werden dabei aus erster Hand beobachtet von Duiker, einem Historiker des Imperiums, der sich nicht davor scheut, auch ins dichteste Kampfgetümmel vorzudringen.

Doch dies ist nur ein kurzer Abriss der Geschehnisse aus dem zweiten malazanischen Buch der Gefallenen…

Rezension:

Die Inhaltsangabe lässt es vielleicht bereits erahnen: Auch Das Spiel der Götter 2: Das Reich der sieben Städte ist mitnichten leichte Kost und bedient sich zahlloser Figuren, Orte und Eigennamen, springt innerhalb der Kapitel munter von Ort zu Ort und von Kontinent zu Kontinent und sollte folglich mit höchster Aufmerksamkeit gelesen werden. Doch auch hier muss ich vorwegnehmen, dass sich die Mühe einmal mehr lohnt und der zweite Band dem Vorgänger wirklich in nichts nachsteht, wenn man einmal davon absieht, dass Blanvalet hier – wie schon von Das Lied von Eis und Feuer gewohnt – dazu übergegangen ist, die Originalausgabe in zwei Teile zu splitten (und trotzdem auf den beachtlichen Umfang von 500 Seiten zuzüglich Glossar und Figurenregister kommt) und man sich so, anders als in Die Gärten des Mondes, noch ein wenig bis zum Finale des eigentlichen Romans gedulden muss, wenngleich ein zugegebenermaßen dankbarer Schlusspunkt gefunden worden ist. Davon abgesehen, habe ich auch hier wieder rund hundert Seiten gebraucht, um mich wirklich in die Geschichte einzufinden, doch wer sich davon abgeschreckt fühlt, dem sei versichert, dass es durchaus keine Quälerei war, diese Seiten zu lesen, es sich hingegen lediglich so verhielt, dass diese Zeit vonnöten war, um wieder gänzlich in die Welt des malazanischen Imperiums hineinzutauchen und von da an war es ein regelrechtes Vergnügen, den unterschiedlichen Handlungssträngen zu folgen, die sich logischerweise auch irgendwann zu überlappen beginnen.

Es war zu spät für den Vielwandler, der jetzt seinen Irrtum erkannte und versuchte, sich zurückzuziehen. Doch Icarium war unerbittlich. Ein durchdringendes Summen ausstoßend, stürzte der Jhag sich mitten unter die fünf übrig gebliebenen Leoparden. Sie stoben auseinander, jedoch nicht schnell genug. Blut spritzte, Fell- und Fleischfetzen fielen in den Sand. Innerhalb weniger Augenblicke lagen fünf weitere Leiber reglos auf dem Boden.

Schwieriger zu verwinden war es da für mich, dass einige der mir liebsten Figuren in Das Reich der sieben Städte überhaupt nicht vorkommen, was sowohl den Brückenverbrenner Sergeant Elster und Kruppe, als auch Anomander Rake, Hauptmann Paran und die Zauberin Flickenseel betrifft, um nur einige zu nennen. Nichtsdestotrotz haben wir mit Felisin eine weitere Vertreterin des Hauses Paran in einer größeren Rolle, ebenso wie ich mich schnell mit den undurchsichtigen und gleichsam mächtigen Weggefährten Mappo und Icarium anfreunden konnte. Zumindest auf Seiten der Brückenverbrenner gibt es ein Wiedersehen mit sowohl Fiedler als auch Kalam, was mich natürlich zumindest ein wenig versöhnlich gestimmt hat, zumal ich zuversichtlich bin, noch einigen bekannten Gestalten erneut zu begegnen, wenn ich der Reihe sicherlich in den nächsten Jahren die Treue halten werde. Das wiederum steht außerfrage, denn Steven Erikson beweist erneut höchste Erzählkunst und versteht es, sein Epos in gewaltige, mitreißende Wort zu kleiden, die dank der kongenialen Übersetzung von Tim Straetmann auch im Deutschen nichts von ihrer Imposanten und wuchtigen Art einbüßen.

Wie schon im Vorgänger darf man sich auch in Das Reich der sieben Städte auf göttliche Einmischung einstellen, auf das Erscheinen längst ausgestorben geglaubter Wesen wie den T’lan Imass und deren magischen Gewirren, die Erikson in mannigfacher Weise bemüht und die mehr als deutlich machen, welch ausgefeilte Weltenschöpfung seinem Fantasy-Epos zugrunde liegt, denn man hat nie das Gefühl, als würde der Autor hier etwas aus dem Hut zaubern um des bloßen Effektes willen, sondern nimmt ihm bereitwillig ab, dass sich schlussendlich alles zu einem nachvollziehbaren, verschachtelten und epischen Gesamtwerk fügen wird und sei es nur, weil die Erfahrungen mit dem ersten Band diese Lesart durchaus begünstigen.

»Du bist abgestumpft, Mädchen«, hatte Heboric bei einem der wenigen Male gesagt, als er mit ihr gesprochen hatte. »Doch dein Hunger nach Gefühlen wird größer und größer, bis schließlich schon Schmerz genügen wird. Aber du suchst an den falschen Orten.«
An den falschen Orten. Was wusste er denn schon von falschen Orten? Der hintere Abschnitt der Tiefen Mine war ein falscher Ort. Der Schacht, in den die Leichen geworfen wurden, das war ein falscher Ort. Alle anderen Orte sind schon fast gut genug.

Fakt bleibt, dass Erikson sein Handwerk mehr als versteht und eine unglaublich düstere, mitreißende Story geschaffen hat, die den geneigten Leser spielend in ihren Bann zu schlagen weiß, so er sich denn bereit erklärt, die ersten Seiten schier blindlings durch eine Geschichte zu stolpern, die kaum Anknüpfungspunkte bietet an das zuvor Gelesene und hinterher dennoch so wirkt, als habe es nie einen Bruch gegeben. Auch Das Reich der sieben Städte ist folglich in meinen Augen ambitionierte wie anspruchsvolle, mitreißende, packende, epische und wort- wie bildgewaltige Fantasy, düster, erbarmungslos, voller Intrigen, Geheimnisse und Magie in einer Welt, die man erlebt haben muss, um sie nur annähernd fassen zu können.

Fazit & Wertung:

Steven Eriksons Fantasy-Epos geht mit Das Spiel der Götter 2: Das Reich der sieben Städte in die zweite Runde und bewahrt sich all die Qualitäten, die den ersten Band so herausragend gemacht haben. Dabei baut er den eigens geschaffenen Mythos gekonnt aus und begeistert mit einer Vielzahl an Geheimnissen und Intrigen, die noch längst nicht gelüftet werden, ebenso wie das Schicksal der zahllosen Protagonisten ungewiss bleibt, so dass man direkt nach der letzten Seite sehnlichst den dritten Band Im Bann der Wüste herbeizusehnen beginnt.

9 von 10 magischen Gewirren

Das Spiel der Götter 2: Das Reich der sieben Städte

  • Magische Gewirre - 9/10
    9/10

Fazit & Wertung:

Steven Eriksons Fantasy-Epos geht mit Das Spiel der Götter 2: Das Reich der sieben Städte in die zweite Runde und bewahrt sich all die Qualitäten, die den ersten Band so herausragend gemacht haben. Dabei baut er den eigens geschaffenen Mythos gekonnt aus und begeistert mit einer Vielzahl an Geheimnissen und Intrigen, die noch längst nicht gelüftet werden, ebenso wie das Schicksal der zahllosen Protagonisten ungewiss bleibt, so dass man direkt nach der letzten Seite sehnlichst den dritten Band Im Bann der Wüste herbeizusehnen beginnt.

9.0/10
Leser-Wertung 10/10 (2 Stimmen)
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Meinungen aus der Blogosphäre:
wortmagieblog: 5/5 Punkte (Gesamtbesprechung Band 2+3)

Weitere Details zum Buch und dem Autor findet ihr auf der Seite von Blanvalet. Dort findet sich übrigens auch eine Leseprobe.

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Das Spiel der Götter 2: Das Reich der sieben Städte ist am 21.10.13 bei Blanvalet erschienen. Hat der Artikel euer Interesse geweckt, dann bestellt doch über den Link und unterstützt damit das Medienjournal!

  • Hier könnte ihr Name stehen

    So, bevor es jetzt auch hier wieder Beschwerden gibt: Danke für die Rezension.
    Habe den ersten Teil so gut wie zu Ende gelesen und frage mich, ob ich wirklich die Serie verfolgen soll oder nicht (einfach, weil es ein ganzes Regalbrett ist und man ja nur beschränkt Zeit zum Lesen hat). Hatte nicht viele hilfreiche Eindrücke zu Erikson bisher gefunden und war froh, das hier gefunden zu haben.
    Ich stimme dir zu, die ersten Seiten sind echt nicht ohne. Beim ersten Buch habe ich gefühlt ewig kaum etwas verstanden – interessanterweise fand‘ ich es trotzdem spannend und war gerne bereit weiterzulesen. Manches wirkt vielleicht schräg (gerade, wenn ich versuche, jemand anderem vom Buch zu erzählen), doch beim Lesen nie überkonstruiert. Teile deine Einschätzung vollkommen „ambitionierte wie anspruchsvolle, mitreißende, packende, epische und
    wort- wie bildgewaltige Fantasy, düster, erbarmungslos, voller Intrigen,
    Geheimnisse und Magie in einer Welt, die man erlebt haben muss, um sie
    nur annähernd fassen zu können“ – gerade das Prädikat ‚wort- und bildgewaltig‘ habe ich sehnlich im Fantasygenre gesucht und bei Erikson gefunden

    • gast

      Ich habe die Serie mittlerweile komplett gelesen. Leider oder Gott sei Danke (wie man es nimmt) die letzten Teile im Original, denn die deutschen Übersetzungen haben erst Band 14 der Reihe erreicht und somit stehen noch 5 Romane in Deutsch oder 2 1/2 in Englisch aus. Und die Übersetzung von Band 15 ist für Januar 2016 angekündigt.
      Auch wenn die letzten Romane einige Längen aufweisen, bin ich von der Serie begeistert und das Ende hat Erikson in meinen Augen auch sehr gut hinbekommen.
      Dennoch sollte sich ein gewillter Leser fragen, ob er sich die Serie bei dieser Übersetzungsmisere antun will. Bei dem augenblicklichen Tempo ist wohl der letzte Roman nicht vor 2020 zu erwarten.

      Was sich der Verlag dabei gedacht hat, die Serie neu aufzulegen, obwohl die Erstauflage noch nicht mal komplett im Handel ist, ist mir ein Rätsel.

  • Pingback: Review: Das Spiel der Götter 3: Im Bann der Wüste | Steven Erikson (Buch) | Medienjournal()

  • Andi

    Bin gerade bei der Hälfte des deutschen 2. Teils und mittlerweile auch schwer beeindruckt von der Geschichte. Durch den 1. Teil musste ich mich aber ganz schön durchbeißen.

    Vielen Dank für diesen genialen Blog. Hab ihn mir gleich mal unrer due Favoriten gelegt und rufe die Rezensionen immer mal wieder parallel auf.

    • Vielen Dank für dein Lob Andi, das freut mich, dass es dir hier gefällt!

      Also durch Teil 1 musste ich mich anfänglich auch quälen, das weiß ich noch, aber irgendwann später, so nach 100-200 Seiten ging es aufwärts. Der zweite Teil ist da doch deutlich zugänglicher geraten und fährt auch das Figuren-Konsortium wieder etwas zurück, so dass es leichter fällt, den Überblick zu behalten. Bin gespannt, was du in Kombination mit dem dritten deutschen Buch zum zweiten englischen Buch sagen wirst. Danach allerdings wird es – wie ich finde – noch einmal spannender und großartiger, weil man dann langsam ein echtes Verständnis für die Welt und ihre Gesetze zu entwickeln beginnt.

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